Forum: Kultur
CDs der Woche - und Ihre Favoriten?
Jede Woche stellen wir Ihnen unsere Auswahl an wichtigen neuen CDs vor. Aber wir sind auch neugierig auf Ihre Wahl: Welches sind Ihre Favoriten? Und vor allem: warum?
- #10 20.06.2007 12:47 von
1. So schlicht ist das Englisch, zumindest bei Blind Guardian, gar nicht. Außerdem könnte man denselben Vorwurf ca. 99 Prozent aller deutschen Künstler machen, die mit einem Auge auf den internationalen Markt schielen und deswegen ihre Texte auf Englisch verfassen.
2. Ich habe Herrn W. ja gar nicht vorgeworfen, dass er Lyrics zitiert. Manchmal wird's halt ein bisschen zuviel. Da weiß man zwar, dass die betreffende Band wunderschöne Herzschmerz-Texte schreiben kann, über die Musik erfährt man aber so gut wie nichts. - #11 20.06.2007 18:43 von FranzKafka79
Metal oder nicht Metal, das ist hier die Frage?
Ich lese dieses Forum bzw. diesen Thread eigentlich um über die Platten der Woche zu diskutieren bzw. Beiträge zu ebendiesen zu erhalten. Es ist sinnlos, wenn Leute hier Bands und Alben posten, die nun einmal nicht besprochen wurden. In vielen Fällen (Blind Guardian) passiert das zu Recht, in vielen Fälle wohl auch zu Unrecht. Ich behaupte auch einmal, dass eine Platte wie "Person Pitch" von Panda Bear hier Platz hätte finden sollen - dass sie es nicht getan hat hängt wohl mit mangelnder Massentauglichkeit zusammen. Damit kann und will ich leben. Metal ist nunmal eine Nischenerscheinung von der keine wichtigen musikalischen Impulse mehr ausgehen. Das muss man akzeptieren, damit muss man als Metal Hörer leben. Jedem steht es offen, dass er diese Musik weiterhin konsumiert, dagegen ist nichts zu sagen.
Ich würde es allerdings sehr begrüßen, wenn diese einseitigen Diskussionen über Metal oder Nicht-Metal hier beendet wäre, da sie wie gesagt nicht mit dem Thema zu tun haben.
Meine liebste Platte derzeit, nach wie vor: Panda Bear, Person Pitch, immer noch Joanna Newsom, immer noch die Battles, wieder mal und wiederentdeckt die großartige M.I.A.
Auch die neue neue White Stripes ist ein schönes Album geworden, rockt, aber: wohl leider nicht mehr wichtig und revolutionär, wie es die Stripes früher mal waren.
lg - #12 20.06.2007 20:25 von
Ich denke mal, das neue Forum wurde eröffnet, weil es im alten CDs-der-Woche-Forum nicht mehr primär darum ging, W/B's exquisite Selektion der wöchentlichen Neuerscheinungen zu diskutieren, sondern das Forum zu einem Platz wurde, die Alben zu diskutieren, die bei den Rezensenten durchs Raster gefallen sind. Damit können Sie sich abfinden oder auch nicht.
Musik ist Geschmackssache, und wenn für Sie als Nicht-Metal-Hörer/Metal-Verachter die Wiederveröffentlichung des Blind-Guardian-Backkatalogs nicht erwähnenswert ist, ist das Ihr gutes Recht. Allerdings geht es hier um die CDs der Woche DER User, und das andere User einen anderen Geschmack als Sie haben, ist auch deren gutes Recht.
Impulse ausgehen? Das würde dann heißen, dass die musikalische Entwicklung evolutionären Faktoren ausgeliefert ist? Damit wir irgendwann sagen können: "So, das war's! Wir haben den perfekten Song!"? Dazu kann ich dreieinhalb Dinge sagen:
1. Ich höre ab und zu auch gerne mal Musik abseits der Metal-Gefilde. Allerdings habe ich mir z.B. kein Album der hochgejazzten, neuen englischen Bands mehr gekauft, nachdem ich mir irgendwann mal "All Mod Cons" von The Jam geholt habe. Da merkte ich nämlich ziemlich schnell, wie sehr sich all die Maximo-Party-Monkey-Chiefs an ihren Spät-70er/Früh-80er-Ikonen orientieren, um nicht zu sagen: auf unverschämte Weise bei ihnen abkupfern. Für mich sind das keine Impulse, für mich ist das einfach nur ein gemachter Trend. Und wenn man die dieswöchige Rezension zum neuen Art-Brut-Album liest, scheint es fast so, als ob der Trend mittlerweile vorbei wäre ("That joke isn't funny anymore" und so).
2. Im Metal gibt es einige Bands, die das gleiche Album zehnmal hintereinander veröffentlichen, das will ich gar nicht abstreiten. Pauschalisieren sollte man das aber auf keinen Fall. Es gibt genügend Metal-Bands, die einen ziemlich weit gefassten Horizont haben und auf Impulse reagieren, im Zweifelsfall sogar Impulse setzen. Mir fallen da im klassischen Hard-Rock die Red Hot Chili Peppers ein, die mittlerweile Mainstream sind, mit ihrer funkigen Version des Hard-Rock Ende der 80er zusammen mit Living Colour, Mordred und anderen Bands aber definitiv Impulse gesetzt haben. An aktuellen Bands könnte ich z.B. Opeth, Mastodon und Akercocke nennen, die nicht den altgewohnten Stiefel runterzocken, sondern den Metal innovativ vorantreiben.
3. Es gibt viel zu viele Genres, um von einem Genre als dem Impulsgebenden sprechen zu können. Und von daher sollten hier doch all die Platten besprochen werden, die nicht in W/B's Kolumne auftauchen. Ob das jetzt Metal, Pop, Hip-Hop, Indie, Country oder sonstwas ist, ist dabei doch völlig egal, allein der Geschmack der User zählt. Und wenn wir uns anstrengen, schaffen wir das vielleicht ohne das ständige Geflame? ;)
3.1/2. Den "Best Song in the World" haben Tenacious D. schon längst geschrieben ;) - #13 20.06.2007 21:10 von IsArenas
- #14 20.06.2007 23:02 von
- #15 21.06.2007 07:21 von FranzKafka79
@Ralfons oder: die Frage nach der Kanonisierung
Ich bin übrigens NICHT der Metal-Verachter, den du (ich erlaube mir mal das Du, das eigentlich in Musikforen üblich ist) hier gerne sehen würdest. Ich kenne sehr wohl Acts wie Living Colour, ich mag Tool auch zum Teil Mars Volta, höre hin und wieder auch Slayer und Fantomas - ich würe mal sagen, dass all diese Bands Metal-Einflüsse haben und zum Teil sogar explizit zu diesem Genre gehören.
Ich glaube auch nicht, dass Metal als Einfluss als Versatzstück tot ist, jedoch: Metal ist Genre das seine eigene Tradition immer wieder aufleben laßt, dass eine Art Reinheitsgebot etabliert zu haben scheint - diese Art von Metal (z.B. Manowar, Blind Guardion, Rhapsody Of Fire usw.) ist in meinen Augen tot und einfach nur zum Gähnen langweilig.
Ich bin übrigens auch der Ansicht, dass englischen Bands zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die neue Art Brut ist tatsächlich nur mehr Durschnitt, das wird niemand ernsthaft bezweifeln wollen.
Was ich aber glaube ist, dass hier auch sehr wichtige CDs entdeckt wurde, wenn es auch nur eine handvoll ist. Eine generelle Öffnung anderen Stilen gegenüber ist sehr begrüßenswert. So einschränkt finde ich die Richtung aber im Grunde auch nicht:
Ich wiederholen mich, aber: hört euch mal Joanna Newsom, Scott Walker, The Battles an, um mal die Höhepunkt der letzten Jahre zu erwähnen, die hiner in vorbildlicher Weise besprochen und auch beachtet worden, obwohl sich all diese Künstler sehr weit weg vom Mainstream befinden. Wer bei diesen Acts eine Ähnlichkeit attestieren kann, ist ein Genie. Es sind heterogene Acts, die zum Teil jenseits jeglicher Genre-Einteilbarkeit stehen - und das ist auch gut so. In all diesen Acts finden sich Versatzstücke aus Jazz, Folk, Elektronik, Metal usw.
Was ich mir allerdings wünschen würde: mehr solche Acts sollten entdeckt werden. Ob es darin liegt, dass diese vielleicht Ausnahmerscheinungen sind und man nicht erwarten kann, dass jede Woche solche Perlen dabei sind, oder ob vieles einfach nur ignoriert wird - eine Frage die wohl ohne Antwort bleiben wird.
Klar ist jedoch: die Welt ist voll mit guter Musik aus jeglicher Genre, nur: wie sollten es zwei Leute beim Spiegel vermögen diesen Überfluss zu kategorisieren und zu organisieren? Im Grunde ist jegliches Medium das dies versucht eigentlich zum Scheitern verurteilt - es kann nur schöner oder kläglicher Scheitern. Und ich bleibe dabei: das Scheitern von Wigger & Co. ist ein so schlechtes nicht. Die Ausblendung von anderen Genre ist wohl zum Teil notwendig, wenn auch zu Recht oftmals fragwürdig.
lg - #16 21.06.2007 07:32 von FranzKafka79
Pet Sounds vs. Panda Bear
...wer die Pet Sounds nicht in seinem Plattenregel stehen hat, ist eigentlich musikalisch kaum ernst zu nehmen. Ebenso "Smile" von Wilson, die er auf faszinierende Art und Weise zu Ende gebracht hat.
Ich würde mich aber dagegen wehren, dass Panda Bear dort anschließt wo Pet Sounds aufhört. Zum ersten sind die Sounds viel einfacher und hypnotischer - hier ist nichts von der Komplexität der späten Beach Boys zu hören, sondern Person Pitch ist eine repetitive, einen in Trance versetzende Platte, die mehr mit elektronischer Musik gemeinsam hat, als mit den Pet Sounds. Ob die Pet Sounds heute so klingen würden darf also bezweifelt werden, da die Hintergründe schlicht andere sind. Dass die Beach Boys allerdings einen Einfluss auf Panda Bear ausgeübt haben, ist ohne Zweifel und dennoch: hier hören wir eine Platte, die ganz nahe am Puls der Zeit ist, viele und sehr gute Samples verwendet - zugleich steht diese Platte gegen die Zeit und verschwindet in einer mystischen Parellelwelt, weil die Welt nicht mehr erträglich ist - "Take Pills" von dieser Platte spricht Bände. Der Punkt ist nur: diese Platte wirkt wie gute Drogen, und macht sie von daher obsolet.
lg - #17 21.06.2007 09:45 von Kuechenchef
Oh je, bei einem Vinylkäufer wird das schnell mal ein best of des ersten Halbjahres (wenn das reicht), was bei mir aktuell geliefert wird, ist teilweise schon ein Jahr alt (seit dem 19.6. gibt es die letztjährige Built to spill auf vinyl...).
Ich versuche mich trotzdem:
The Eternals - heavy international
Postrock-ethno-Dub. Oder so. John McEntire halt.
Battles - mirrored
Da ist hier ja schon genug zu gesagt worden.
Wilco - sky blue sky
siehe Battles
Bill Callahan - woke on a wakeheart
Smog, Smog, Smog.
Sea & Cake - everybody
Wohlfühl-Postrock
Dinosaur Jr - beyond
Einfach nur, weil ich mich beim ersten mal hören wie 18 fühlen durfte. Als wäre die Zeit im positivsten Sinne stehen geblieben.
Brant Bjork and the Bros - somera sól
Das Steely Dan-Album von Brant Bjork?
Shellac - excellent italian greyhound
Das ist vielleicht wirklich nur etwas für Shellac-Freunde, die den ganz speziellen sound einfach mögen.
National - Boxer
Einfach eine schöne LP, nicht mehr, nicht weniger. 80er Wave-Vocals und leichter indierock, das passt tatsächlich gut zusammen.
Und wer RHCP als Nachweis für Innovation im Hard Rock/Heavy Metal anführt, dem ist einfach nicht zu helfen. Punk und Funk, da ging die Reise los, die im hässlichen Stadion-Rock endete. Als die Peppers Hard Rock wurden, war die Innovation längst Geschichte. Aber was sag ich, nachher sind auch Sly and the Family Stone Heavy Metal...ist doch bestimmt toll, wenn man Heavy Metal-Fan ist, muss man da wirklich mit aller Gewalt beweisen wollen, es wäre innovative Musik, die da geboten wird? - #18 21.06.2007 09:57 von icaros
- #19 21.06.2007 12:24 von
Klar gab's die Fusion aus Funk und Rock schon vor den Peppers, Funkrock nannte man das, glaub' ich ;) Und wahrscheinlich haben Tony und Co. in ihrer musikalischen Sozialisation auch das ein oder andere vom guten Sly und sicher auch von George Clinton usw. usf. gehört. Aber dennoch waren die RHCP mit die ersten, die harten Rock und Funk kombiniert haben und damit schon ein stückweit eine Welle lostraten. Dass die Peppers mittlerweile auch das ein oder andere stadionkompatible Stück im Programm haben, macht sie für mich allerdings noch nicht zum "hässlichen" Stadion-Rock. "Hässlichen" Stadion-Rock machen z.B. Nickelback und Creed, und von denen sind die Mannen um Herrn Kiedis doch noch meilenweit entfernt, ein Großteil des meiner Meinung nach verdammt geilen "Stadium Arcadium" dürfte da deutliches Zeugnis abgeben.
Mir ist es relativ egal, welches Label man 'ner Band aufdrückt. Ob RHCP, Queens of the Stone Age etc. pp. Metal, Alternative oder sonstwas sind, ist mir sowas von wurscht, solange mir die Musik gefällt. Aber wieso einige der Nicht-Metaller ständig so engstirnig sein müssen, dem Metal jegliche Innovation abzusprechen, weil sie ihn auf Joey "Felltanga" de Maio und seine erzkonservative True-Metal-Kapelle reduzieren, und sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, auch klarste Metal-Einflüsse bei ihren Lieblingsbands fadenscheinig wegzudiskutieren (Ich sag' nur: "Black Sabbath sind nicht Metal!" ;) ), bleibt mir ehrlich schleierhaft. Das soll übrigens nicht heißen, dass ich Manowar schlecht finde, die waren in den 80ern mal richtig gut, aber die letzten Outputs waren - gepaart mit unsäglichem "I would die for Metal"-Gelaber - relativ enttäuschend. Aber bevor ich mich jetzt komplett wiederhole, hör' ich lieber auf. Die, die's verstanden haben, haben's verstanden, der Rest wird's wohl nicht mehr verstehen ;)
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