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Bücher - welches sind Ihre aktuellen Favoriten?

Welche Neuerscheinungen aus der aktuellen Produktion der Verlage sind Ihnen aufgefallen? Haben Sie einen Autor oder eine Autorin (neu) entdeckt?
  1. #920

    "Die Pest" und "Oblomow"

    Es gibt im Leben keinen vorherbestimmten oder nachgeordneten
    Sinn. Dem Leben muss erst durch unser Handeln eine gewisse Bedeutung gegeben werden.
    "Oblomow" ist das typische Beispiel dafür, wie einer es nicht zuwege brachte, seinen Ideen Taten folgen zu lassen.
    "Die Pest" ist ein Beispiel für ein Sein, dass
    nicht zur Entfaltung gelangen kann, weil es durch die menschliche Not in seinem Sinn blockiert wird.
  2. #921

    Mutmaßungen

    Zitat von Juliane Fuchs Beitrag anzeigen
    Es genügt doch, daß wir Menschen uns für die Götter interessieren.
    Bestehen Sie immer darauf, daß in der Gastwirtschaft auf den Cent genau halbe-halbe gemacht wird?
    Keineswegs. Als göttlicher Gastgeber sollte stets der Wirt die Rechnung übernehmen. ;)

    Doch die Meisterleistung, sich für etwas zu interessieren, für dessen Existenz ich keinerlei Anhaltpunkte habe, übersteigt leider meine Fähigkeiten. So ganz ohne Verdacht, ohne Hinweis und ohne Anhaltspunkte ins Blaue zu mutmaßen ist meine Sache nicht. Daher "muss" (zumindest) ich nicht mit Mutmaßungen über Götter leben. Es geht auch ohne.
  3. #922

    Die Pest

    Zitat von klappertopf Beitrag anzeigen
    Es gibt im Leben keinen vorherbestimmten oder nachgeordneten
    Sinn. Dem Leben muss erst durch unser Handeln eine gewisse Bedeutung gegeben werden.
    "Oblomow" ist das typische Beispiel dafür, wie einer es nicht zuwege brachte, seinen Ideen Taten folgen zu lassen.
    "Die Pest" ist ein Beispiel für ein Sein, dass
    nicht zur Entfaltung gelangen kann, weil es durch die menschliche Not in seinem Sinn blockiert wird.
    Camus Roman "Die Pest" ist doch gerade ein gutes Beispiel, wie sich der Autor als Arzt im Gegensatz zum Pater einer göttlichen Sinngebung der Pest (als Strafe Gottes) verweigert.

    Epikurs Sich-nicht-um-die Götter-kümmern bedeutet, auf einen äußeren Sinn zu verzichten, sich aus (und trotz) der Absurdität des Lebens (s)einen eigenen Sinn zu schaffen, über den man dann auch nicht zu mutmaßen braucht.
  4. #923

    Illusionslos engagiert

    Zitat von Jörn Bünning Beitrag anzeigen
    Camus Roman "Die Pest" ist doch gerade ein gutes Beispiel, wie sich der Autor als Arzt im Gegensatz zum Pater einer göttlichen Sinngebung der Pest (als Strafe Gottes) verweigert.

    Epikurs Sich-nicht-um-die Götter-kümmern bedeutet, auf einen äußeren Sinn zu verzichten, sich aus (und trotz) der Absurdität des Lebens (s)einen eigenen Sinn zu schaffen, über den man dann auch nicht zu mutmaßen braucht.
    Susanne Nadolny schreibt in Ihrem Essay über "die Pest" das Folgende:
    "Camus verstand sein Werk als literarisches und historisches Dokument sowie Mahnmal gegen jede Art von Gewalt und Terror, als Aufruf zur gesellschaftlichen Solidarität und kollektivem Engagement in Zeiten der Not."

    Auf Seite 76 im Roman "Die Pest" findet sich der nachstehende Dialog zwischen Tarrou und dem Arzt Rieux: Tarrou lächelte, ohne sich zu rühren. "Darf ich mit einer Frage antworten?" Der Arzt lächelte nun seinerseits und sagte: "Sie lieben das Geheimnis. Also gut."
    "Sehen Sie" sagte Tarrou, "weshalb zeigen Sie selbst so viel Aufopferung, wenn Sie doch nicht an Gott glauben? Ihre Antwort wird mir vielleicht helfen, die meine zu finden."

    Ohne aus dem Schatten herauszutreten, erwiderte Rieux, dass er schon geantwortet habe. wenn er an einen allmächtigen Gott glaubte, würde er aufhören die Menschen zu heilen und diese Sorge ihm überlassen. Aber kein Mensch auf der ganzen Welt, nein, nicht einmal Paneloux (Anm. der Priester), glaube an einen solchen Gott, obwohl er daran zu glauben glaube, denn es gebe sich ihm ja niemand völlig hin und er, Rieux, glaube wenigstens in dieser Beziehung auf dem Weg zur Wahrheit zu sein, indem er gegen die Schöpfung so wie sie sei, ankämpfe."

    Der Arzt lebt von der Hoffnung und Gewissheit, dass er den Menschen helfen könne. Das verleiht seinem Leben eine Bedeutung, im Kampf gegen die Pest.
  5. #924

    Zitat von klappertopf Beitrag anzeigen
    Susanne Nadolny schreibt in Ihrem Essay über "die Pest" das Folgende:
    "Camus verstand sein Werk als literarisches und historisches Dokument sowie Mahnmal gegen jede Art von Gewalt und Terror, als Aufruf zur gesellschaftlichen Solidarität und kollektivem Engagement in Zeiten der Not."(...)
    So wie ich das Buch in Erinnerung habe, argumentiert Camus zwar (durch die Figur des Arztes), daß in Zeiten der Not Solidarität und kollektives Engagement vernünftig wäre - schildert aber, daß sich Menschen in Zeiten der Not aber eben genau so nicht verhalten.
    Anscheinend war der Mann ein excellenter Beobachter und außerdem gut geerdet.

    Aber darf ich - ich bin hartnäckig! - mal an den Ausgangspunkt der Diskussion erinnern?
    Kann man von einem großen Denker verlangen, daß er ein Arschloch (O-Ton Sartre nur privat in Bezug auf Baader) öffentlich ein Arschloch nennt, auch wenn er dafür Pfiffe aus dem Publikum riskiert?

    Ich will hier natürlich niemanden aus dem lieblich geblümten Wolkenkuckucksheim philosophischer Spekulationen und selbstrefentieller Heldenverehrung vertreiben, kann mir aber die Frage nicht verkneifen, ob jemand (Sartre), der sich als unbequemer Querdenker geriert, nicht einfach mal quer denken und unbequem sein sollte?
    Genau das hat Sartre nämlich nicht getan, als es darauf ankam.
  6. #925

    Von öffentlichen und privaten "Arschlöchern"

    Zitat von Spinnosa Beitrag anzeigen
    [...]

    Aber darf ich - ich bin hartnäckig! - mal an den Ausgangspunkt der Diskussion erinnern?
    Kann man von einem großen Denker verlangen, daß er ein Arschloch (O-Ton Sartre nur privat in Bezug auf Baader) öffentlich ein Arschloch nennt, auch wenn er dafür Pfiffe aus dem Publikum riskiert?

    Ich will hier natürlich niemanden aus dem lieblich geblümten Wolkenkuckucksheim philosophischer Spekulationen und selbstrefentieller Heldenverehrung vertreiben, kann mir aber die Frage nicht verkneifen, ob jemand (Sartre), der sich als unbequemer Querdenker geriert, nicht einfach mal quer denken und unbequem sein sollte?
    Genau das hat Sartre nämlich nicht getan, als es darauf ankam.

    Bleiben Sie ruhig hartnäckig bei Ihrer Frage, nur angesichts der dort immer noch enthaltenen Unterstellung dürften auch Sie ruhig etwas konzilianter werden. ;)

    Ihre Unterstellung besteht darin, dass Sartre auf ein öffentliches "Arschloch" verzichtet hatte, um keine "Pfiffe aus dem Publikum" zu riskieren - doch trifft dies auch zu?

    Verständlich wäre Ihre Interpretation nur dann, wenn es sich bei Baader (und der RAF) zumindest vor einem linken Publikum noch um "Götter" gehandelt hätte, die vom Podest zu stoßen, ein Sakrileg gewesen wäre. Doch spricht nur wenig für die Auffassung, dass Sartre zu feige war, öffentlich heilige Kühe zu schlachten, denn er hatte sich bereits zuvor öffentlich vom Weg der RAF distanziert. Auch in Kreisen des linken "Publikums" war die RAF, gelinde gesagt, mehr als nur "umstritten".

    Lesen Sie dazu einmal den Kommentar von Daniel Cohn Bendit "Es war einmal Jean-Paul Sartre" , denn er war es schließlich, dem gegenüber Sartre Andreas Baader als "Arschloch" bezeichnete.

    Ein Beispiel:
    Lassen wir einmal unberücksichtigt, dass Sartre sich in den Stammheimer Haftbedingungen der RAF-Mitglieder getäuscht hatte. Was würden Sie machen, wenn Sie als ein Menschenrechtsaktivist nach Guantanamo reisen dürften, um sich dort mit einem Gefangen über seine Haftbedingungen auszutauschen? Sie nutzen die Gelegenheit. Im Verlauf des Gespräches stellen Sie fest: der Mann ist komplett größenwahnsinnig. Dennoch versuchen Sie, etwas über seine Haftbedingungen herauszufinden und das bisschen an diffusen Informationen geben Sie auf einer anschließenden Pressekonferenz dann weiter. Auf dem Rückflug äußern Sie Ihrem Begleiter gegenüber: "Der Mann ist total durchgeknallt. Was für ein Arschloch!" Dies wird später so an die Presse weitergereicht.

    Haben Sie damit Ihren Ruf als aufrichtiger Aktivist eingebüßt? Ich denke nicht. Denn auch "Arschlöcher" haben ungeachtet der Verbrechen, der sie sich schuldig gemacht haben, Anspruch auf humane Haftbedingungen.
  7. #926

    Zitat von Jörn Bünning Beitrag anzeigen
    Haben Sie damit Ihren Ruf als aufrichtiger Aktivist eingebüßt? Ich denke nicht. Denn auch "Arschlöcher" haben ungeachtet der Verbrechen, der sie sich schuldig gemacht haben, Anspruch auf humane Haftbedingungen.
    Wobei auch die Haftbedingungen und Isolationsfolter verglichen mit Guantanamo eine absolute Lächerlichkeit darstellten!
  8. #927

    Zitat von KLMO Beitrag anzeigen
    ... Haftbedingungen und Isolationsfolter ...
    Die Legende lebt! ;)
  9. #928

    Zitat von Spinnosa Beitrag anzeigen
    So wie ich das Buch in Erinnerung habe, argumentiert Camus zwar (durch die Figur des Arztes), daß in Zeiten der Not Solidarität und kollektives Engagement vernünftig wäre - schildert aber, daß sich Menschen in Zeiten der Not aber eben genau so nicht verhalten.
    Anscheinend war der Mann ein excellenter Beobachter und außerdem gut geerdet.
    Der Roman "Die Pest" lebt aber gerade von der Gewissheit, dass man mit Humanität eine humanitäre Katastrophe abwenden kann.
  10. #929

    Zitat von Juliane Fuchs Beitrag anzeigen
    Die Legende lebt! ;)
    Bei Ihnen?


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