Schluss mit der Anonymität in Blogs und Foren?

Klarnamen oder Nicks: Die Debatte um den individuellen Auftritt im Internet ist beinahe so alt wie das World Wide Web selbst. Die Frage, ob die Anonymität des Einzelnen mehr schadet als nützt oder ob sie ein grundlegender Teil der Internet-Diskurskultur ist, gewinnt im Zeitalter der Social Media und wachsender Kommunikationsdichte erneut an Relevanz. Sollte es weiter die Möglichkeit geben, im Netz anonym zu agieren oder gehört ab sofort der "Echtname" zur Netiquette?
  1. #50

    Diskussionskultur

    Man weiß wie Diskutanten in Foren ticken. Es wird
    a. anonym eine Meinung vertreten, vielleicht auch mal eine extreme,
    b. es werden andersdenkende verbal herabgesetzt, manchmal sogar beschimpft.

    Das läßt sich aushalten. Ich kann ja durchaus mal eine Meinung postulieren, um die Reaktionen zu testen. Als anonymer Forenuser muss ich danach nicht versichern, es nicht so gemeint zu haben.
    Schreibe ich einen Leserbrief, muss ich mir meinen Text schon gut überlegen, denn da steht meine richtiger Name. Aber auch diese gute Überlegung schützt mich nicht davor, dass ein Durchgeknallter sich meine Adresse besorgt.

    Das ist aber noch etwas anderes. Ich habe den Fehler mal begangen, würde aber heute niemals wieder in Foren mitdiskutieren, wenn ich meinen Klarnamen dazu benutzen müßte. Dann kann ich ja gleich meine Adresse mit bekannt geben und vielleicht noch die Zeiten, wann ich aus dem Haus gehe ...
    Ein Zwang zur Aufgabe der Anonymität ist das Ende jeglicher Forenkultur. Für diejenigen, die trotzdem weitermachen und das sogar begrüßen, wird es ein böses Erwachen geben.
  2. #51

    Jedes Forum kann und darf seine Regeln selbst bestimmen.
    Ebenso wie ich bestimmen darf, ob ich mich an diesem oder jenem beteilige.

    Beides hat seine Berechtigung, je nachdem welcher Zweck verfolgt werden soll.
    In reinen Diskussionsforen wie diesem, reicht der Nick.
    Die Vorteile, die eine Anonymisierung haben sind bereits aufgezählt, und solange es sich nur um Meinungsäußerungen und ergebnisoffenen Meinungsaustausch handelt, sind die ebenso benannten Nachteile auszuhalten.
    Natürlich wird ein solches anonymisiertes Forum ausgenutzt. Dabei sind die diskussionsunfähigen Parolenreißer nicht mal das Ärgerliche.
    Es sind die Lohnschreiber der Public Relations Abteilungen, die solche Plattformen zur Meinungsmache benutzen.
    Dessen muß man sich bewust sein.
    Je mehr statistische Beweise eine Argumentation benötigt, desto unglaubwürdiger ist sie im Allgemeinen.

    In solchen Foren, in denen nicht nur diskutiert, sondern womöglich entschieden wird, kann und darf es keine Anonymisierung mehr geben, aber dabei handelt es sich auch meist um "geschlossene Gemeinschaften".

    Liquid Feedback per anonymisierten Accs, kann nicht funktionieren.
    Die Stimmabgabe selbst ist natürlich anonymisiert (geheime Wahl), der Zugang dazu nicht (Nachweis des Wahlrechtes).

    Letztlich bedeutet Meinungsfreiheit auch, daß ich nicht gezwungen bin, jeden Blödsinn lesen zu müssen, der geschrieben wird.
  3. #52

    Wenn

    Wenn mein Klarname auftauchte, könnte ich selbstverständlich immer noch hinter dem Stehen daß ich hier geschrieben habe, aber mich gäbe es dann hier nicht. Ich hätte viel zuviel Angst, daß Menschen meine Ansichten lesen, die gar nicht wissen sollen, was ich so denke. Sozusagen, bleibe ich mit Nickname privat. Wenn ich jemanden zutiefst beleidigte, könnte derjenige wohl meinen Klarnamen bekommen und dann eine Anzeige starten
    Und noch etwas, was ich unter dem Nickname hier so spannend finde, selbst wenn jamand mein Geschriebenes Zerpflückt, ich rege mich nicht auf. Ich lese das und überlege ob ich zu recht zerpflückt worden bin. Meine Intregität bleibt ja gewahrt. Ich brauche mich nicht zu verteidigen. Das ist doch wunderbar.
  4. #53

    Deckung

    Jeder der sich in Internet Blogs und Foren bewegt sollte für jeden eindeutig erkennbar sein. Nur damit wäre Verantwortungsvolles Verhalten gewährleistet. Das Internet Mobbing welches gerade unter Jugendlichen extrem vorhanden ist würde somit stark eingeschränkt werden. Da würde sich mancher überlegen ob er den anderen beleidigt und diskriminiert oder nicht.
  5. #54

    Das kann man nicht unabhängig vom Usenet auskungeln.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Klarnamen oder Nicks: Die Debatte um den individuellen Auftritt im Internet ist beinahe so alt wie das World Wide Web selbst. Die Frage, ob die Anonymität des Einzelnen mehr schadet als nützt oder ob sie ein grundlegender Teil der Internet-Diskurskultur ist, gewinnt im Zeitalter der Social Media und wachsender Kommunikationsdichte erneut an Relevanz. Sollte es weiter die Möglichkeit geben, im Netz anonym zu agieren oder gehört ab sofort der "Echtname" zur Netiquette?
    Das Rad braucht nicht neu erfunden zu werden, denn die Netiquette ist im Usenet entstanden und existiert (mit nicht legitimierten Änderungen durch Andreas Kirchwitz) immer noch. Einerseits sollte und soll man lt. Netiquette eigentlich den Klarnamen verwenden. Andererseits waren Nicks im Usenet schon immer toleriert, wenn gute Gründe für die Anonymität offensichtlich sind. Typisches Beispiel war seinerzeit der User "Weregoose", ein bekennender Zoophiler, der uns allen in der Newsgroup de.talk.sex, die später in de.talk.liebesakt umbenannt wurde, erklärt hat, welche Gedanken und Emotionen sich in einem Zoophilen abspielen. Zoophile wurden ja damals auch im Fernsehen von Arabella Kiesbauer interviewt und waren dabei nur als Schatten auf einer Leinwand sichtbar, also genauso anonym. Nicht toleriert, sondern sehr verhasst, waren AOLler, die mit Nicks auftraten, weil ihnen die missratene AOL-Software gar nichts anderes übrig liess, die sich benahmen wie der Elefant im Porzellanladen und die zu dämlich waren um wahrzunehmen, dass die anderen Benutzer keineswegs Angestellte von AOL waren, die zur Dienstleistung verpflichtet gewesen wären. Eine Form des Netiquette-Verstoßes ist auch, beim Posten ins Usenet den Namen (Vorname, Nachname) ganz wegzulassen, so dass der local part der E-Mail-Adresse als Nick erscheint. Es gibt in der Newsgroup de.rec.motorrad einen "hwicht", der das konsequent tut. Der ist allerdings wegen seiner Sachkompetenz sehr beliebt (und im RL ist er Professor), und als ich mich einmal über ihn lustig machen wollte gab das einen ziehmlichen Shitstorm.
    Ein wichtiger Grund, der sich auf andere Medien nicht übertragen lässt, ist im Usenet das Abstimmungsverfahren bei Wahlen: Es wird per E-Mail abgestimmt, das geht natürlich nur mit dem Klarnamen, damit im Zweifel der Wahlleiter um ein Scan oder Fax des Personalausweises bitten kann.
    Ich persönlich benutze im Usenet, wenn ich nicht identifiziert werden möchte, einen echt klingenden Vor- und Nachnamen und habe mich davon überzeugt, dass es höchstwahrscheinlich eine Person dieses Namens, die ich kompromittieren könnte, nicht gibt.
    Dass ich hier in die Gepflogenheit, Nicks zu benutzen, hineingeschlittert bin (und anfangs sogar auch die Netzfeindlichkeit mitgemacht habe, sich online zu siezen), tut mir leid.
    Geändert von ( um Uhr)
    --
    (Diese Signatur schläft gerade.)
  6. #55

    Zitat von exminer Beitrag anzeigen
    ............ Entgleisungen Einzelner
    bleiben meistens in der Zensur, sprich Forenaufsicht hängen...........
    Habe eher die Erfahrung gemacht, das Beleidigungen und der letzte Quatsch veröffentlicht wird und fundierte und mit Links belegte Anworten zensiert werden.
  7. #56

    Um der Wahrheit Willen Ja!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Klarnamen oder Nicks: Die Debatte um den individuellen Auftritt im Internet ist beinahe so alt wie das World Wide Web selbst. Die Frage, ob die Anonymität des Einzelnen mehr schadet als nützt oder ob sie ein grundlegender Teil der Internet-Diskurskultur ist, gewinnt im Zeitalter der Social Media und wachsender Kommunikationsdichte erneut an Relevanz. Sollte es weiter die Möglichkeit geben, im Netz anonym zu agieren oder gehört ab sofort der "Echtname" zur Netiquette?
    Um der Wahrheit Willen ja! Mit welchen Konsequenzen?

    1. Nonkonformistische Ansichten werden kaum noch gewagt.
    2. Persönlichen Diffamierungen werden Tor und Tür geöffnet.
    3. Den Mut öffentlich zu werden, haben dann nur noch Wenige.
    4. Das Niveau von denen, die dann noch schreiben, sinkt.
    5. Der letzte Rest an anspruchsvoller Bürgerbegteiligung verkümmert.
  8. #57

    Anonymität gewährleistet Schutz

    Zitat von eurowun Beitrag anzeigen
    Eine grundlegende Änderung in den Foren ist aus meiner Sicht die gangbarste Lösung. Der User muss verpflichtet sein, in Foren nur noch unter dem Klarnamen zu agieren.

    Einerseits würde dies Einige hindern, dass sie Aufrufe wie jener zur Lynchjustiz straten, bei ......
    Die von Ihnen begrüßte Aufhebung der Annonymität kann ich nicht befürworten. Mit Klarnamen macht man sich dem anonymen Leser sichtbar und setzt sich damit dieser anonymen Gefahr aus - das hat nichts mit mündigen Bürger zu tun wie Sie schreiben. Klarnamen sind auch nicht erforderlich, in den Sachen die besprochen werden sind sie selbst nicht wichtig! Klarnamen würden das Internet nachhaltig verändern und brisante Dinge aus Angst erst garnichtmehr angesprochen werden. Klarnamen beeinträchtigen die Freiheit der Internetgemeinschaft...