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Was ist von Unternehmern zu halten, die sich Freunde und Anhänger im Netz kaufen?

Noch sind die Auswirkungen, die soziale Netzwerke auf unser Leben haben, für die meisten User kaum überschaubar. Immer mehr Firmen erkaufen sich Likes und Social Media Freundschaften und wollen so Ihre Produkte über virtuelle Mund-zu-Mund Propaganda bewerben. Was halten Sie von dieser Praktik?
  1. #1

    Ja diese Praktik...

    ....die hatte ich mal so gaaaanz zufällig, als ich rein aus beruflicher wie privater Neugier, oder auch andersrum, ganz allgemein etwas über ISDN Geräte erfahren wollte in einem damals noch gar nicht T-Punkt genanntem Geschäft erlebt.
    Da kam eine nicht mehr junge Dame herein und eröffnete ein gespräch mit dem Verkäufer der mich zuerst mal ziemlich lange auffällig nicht beachtete und ich so auch nicht dazu kam überhaupt was zu fragen.
    Dann legten die beiden also los wie im Bauertheater, die Stichworte hielten sich auch sehr gut an den einstudierten Text, dieses sich sopontan ergebenden Gespräches mit Fragen und Antworten die mir als Zuhörer wirklich keinen einzigen Grund mehr zu irgend einer Frage offen ließen, wobei auch die völlige Offenheit und Lautstärke des Gespräches zu den persönlichen und familiär-privaten Umständen der Dame gaaaaanz normal erschienen.

    Ein paar Monate später gab's dann die T-Aktie.
  2. #2

    Das ist meiner Meinung nach eine ganz natürliche Entwicklung. Im klassischen Marketing kaufen Unternehmen Adressen von Leuten ein, denen sie dann ihre Werbung schicken. Im Internet stärken die Unternehmen mit gekauften virtuellen Anhängern ihre Online Präsenz und versuchen, Kontakte zu Interessenten zu knüpfen. Warum nicht?
  3. #3

    Ich stimme der Vorrednerin nicht zu, es ist in meinen Augen ein Auswuchern, dem man Regeln gegenüber stellen sollte.
    Kunden nutzen das Internet, um sich über Anbieter zu informieren, treffen so Ihre Entscheidung und geben daraufhin Geld aus.
    Demnach sollten ähnliche Regeln wie für herkömmliche Werbung auch im Netz gelten.

    Bitte googlen Sie doch einmal Check24.de.

    Google Bewertungsprofil ist 4,6/5 Sternen.
    Diese Google Bewertung setzt sich zusammen aus:
    42 Meinungen von Ciao Deutschland, Durchschnitt 2,36.
    5 Meinungen Trustpilot, Durcschnitt 4,0
    9 Meinungen dooyoo, Durchschnitt 2,67
    Das macht einen Durchschnitt von 2,55.
    Also ein eher mittelmäßiges Ergebnis.
    Aber wir sind ja auch noch nicht am Ende, nicht wahr?

    Man sehe und staune, zu den 55 Bewertungen kommen ja noch ein paar mehr. Um genau zu sein:
    171599 Bewertungen von der Firma „eKomi“ mit genau ein oder zwei Worten wie „super“ oder „toll“ und einem Gesamtergebnis von 4,6 Sternen.
    Jetzt würde ich mich ja auch einmal ganz gerne bei eKomi registrieren, vielleicht kann man mir dabei ja helfen. Aber das scheint nirgendwo auf der Website zu gehen. Ich kann mir jedoch einen Demokundenzugang anfordern. Und was lese ich da:
    Durch eingesetzte Social Commerce Technologien generiert eKomi Kundenmeinungen, Produktbewertungen, Kommentare, Empfehlungen und virale Effekte auf Webseiten, in sozialen Medien und Suchmaschinen, um Kundenvertrauen und Umsätze zu steigern.
    Soso, diese 171599 Bewertungen werden also durch eKomi „generiert“ (Genese = Schöpfung aus dem nichts, gell).
    Und auf diese Weise kommt man dann auch mal ganz schnell auf 4,6/5 Sternen bei Google.
    Ich habe jetzt gerade 15 Minuten Spätfilm verpasst, aber das war es mir wert. Ich werde mir noch weitere 10 minuten nehmen und darüber nachdenken, ob generierte Kundenmeinungen, tatsächlich Kundenmeinungen sind, wenn sie von Leuten kommen, die gar keine Kunden sind.
  4. #4

    Seo

    Das hat durchaus auch SEO Gründe (=Versuch die Suchergebnisse auf Google zu verbessern). Heute ist die SEO Gemeinde durchwegs der Meinung, dass man im Social Network dick vertreten sein muss, weil das Vorteile im Google Ranking bringt und Google Ranking ist heute alles.

    Social Marketing hat also in doppelter Hinsicht Zukunft. Ob das jetzt toll ist, ist Geschmacksache, aber es wird noch viel mehr werden.
  5. #5

    Ulkiges Thema

    Und wenn SPON mal ausnahmsweise einen von irgendwelchen Interessengruppen lancierten Artikel bringt, ist sofort eine Horde von Ghostwritern zur Stelle, um die Nachhaltigkeit und Qualität der Veröffentlichung zu bestätigen. Vor allem die Betroffenheitsorgien müssen jeden mitfühlenden Menschen zu Tränen rühren. Es geht um das Geschäft. Umsätze lassen sich nur über die Masse generieren. Dabei ist es absolut egal, wie dummdreist die Behauptungen sind. Warum denn meint SPON, wie Domian auf Twitter und Facebook vertreten sein zu müssen ? Obwohl das seine Leserschaft nur äußerst bedingt interessiert.

    Bekannt ist doch seit langem, daß nicht nur in den USA und in Israel, sondern auch in Deutschland die Sicherheitsbehörden und Ministerien Abteilungen unterhalten, die ausschließlich für zustimmende Beiträge allüberall sorgen sollen. Die Parteien hinken ulkigerweise noch nach, aber das könnte an den enormen Kosten liegen.

    Wir leben inmitten von Lügen, Verdummung, Propaganda. Und das wissen wir, spätestens nach ein paar Jahren Beobachtung. Und es wird immer schlimmer. Und das ist Absicht, alle machen mit.

    Soziale Netzwerke ist wirklich ein Spitzenbegriff.
  6. #6

    Zitat von albert schulz Beitrag anzeigen
    Und wenn SPON mal ausnahmsweise einen von irgendwelchen Interessengruppen lancierten Artikel bringt, ist sofort eine Horde von Ghostwritern zur Stelle, um die Nachhaltigkeit und Qualität der Veröffentlichung zu bestätigen. Vor allem die Betroffenheitsorgien müssen jeden mitfühlenden Menschen zu Tränen rühren. Es geht um das Geschäft. Umsätze lassen sich nur über die Masse generieren. Dabei ist es absolut egal, wie dummdreist die Behauptungen sind. Warum denn meint SPON, wie Domian auf Twitter und Facebook vertreten sein zu müssen ? Obwohl das seine Leserschaft nur äußerst bedingt interessiert.

    Bekannt ist doch seit langem, daß nicht nur in den USA und in Israel, sondern auch in Deutschland die Sicherheitsbehörden und Ministerien Abteilungen unterhalten, die ausschließlich für zustimmende Beiträge allüberall sorgen sollen. Die Parteien hinken ulkigerweise noch nach, aber das könnte an den enormen Kosten liegen.

    Wir leben inmitten von Lügen, Verdummung, Propaganda. Und das wissen wir, spätestens nach ein paar Jahren Beobachtung. Und es wird immer schlimmer. Und das ist Absicht, alle machen mit.

    Soziale Netzwerke ist wirklich ein Spitzenbegriff.
    Wer die Editorenschlachten bei Wikipedia kennt und mitgemacht hat, der weiss, dass Sie völlig recht haben. Aus diesem Grunde ist Wikipedia auch nicht mehr zuverlässig, und im Grunde damit das gesamte Web.

    rolli
  7. #7

    Ideal ist die Wikipedia gewiß nicht

    Zitat von rolli Beitrag anzeigen
    Wer die Editorenschlachten bei Wikipedia kennt und mitgemacht hat, der weiss, dass Sie völlig recht haben. Aus diesem Grunde ist Wikipedia auch nicht mehr zuverlässig, und im Grunde damit das gesamte Web.
    Diese Schlachten sind zumeist grausam, wobei persönliche Eitelkeiten und Besserwisserei eine wesentliche Rolle spielen. An der Stelle muß man mit Adenauer sagen: „Du mußt die Menschen nehmen, wie sie sind. Es gibt keine anderen.“ Es gibt auch sehr nüchtere und angemessene Diskussionen, und Artikel und sogar dankbare Autoren.

    Bei geschichtlichen oder gar politischen Themen ist es absolut unmöglich, nur ansatzweise Gehör zu finden, falls man nicht die vorgeschriebenen Interpretationen beherzigt und akzeptiert. Oder wenn sich die gute Wikipedia wieder mal hat schmieren lassen, um Schleichwerbung zu lancieren. Dann ist die Hölle los, und wenn man Glück hat, wird man lebenslang gesperrt und braucht sich nicht mehr mit der zeitaufwendigen Hackerei abzugeben.

    Das Netz wird immer mehr zu einem Manipulationsinstrument für diejenigen, die Macht und Geld und damit Wissen und Technik haben. Es ist ein Konzentrationsvorgang, dessen Brutalität seinesgleichen sucht. Damit wird das Web gnadenlos entwertet, die Kleinen haben kaum eine Chance, gehört zu werden oder zu überleben. Schafft es einer, hängt er innerhalb kürzester Zeit selber in der Mammonspirale, aus der es kein Entkommen gibt. Gehälter, Miete, Software, Hardware, Werbung etc. zwingen ihn, es genauso zu machen wie alle anderen. An der Stelle darf man der Wikipedia durchaus zugestehen, daß sie sich bislang eine relative Freiheit bewahrt hat. Würde sie das nicht tun, würde sie rapide an Wert verlieren.
  8. #8

    Marketing Strategy ... nichts ist falsch

    In der modernen Welt, wo Internet-Marketing eine der wesentlichen Domänen in jedem Geschäft ist, ich glaube nicht, eine solche Praxis falsch ist, jemand wirklich in alten Tagen Unternehmen genutzt, um Kontaktdaten zu kaufen und in jetzt Tage solche Praktiken verwendet werden erwähnt.

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  9. #9

    Ehrlich währt am längsten.

    @danielg2013: Wow, das ist wirklich ein toller Beitrag von Ihnen, den ich so nur zustimmen kann. Ein Shop, eine Seite, die Bewertungen und damit Meinungen von Kunden widergibt, die keine Kunden sind, haben diesen Vorteil nicht verdient. Und genau darum geht es bei der Systematik von gekauften oder künstlich erzeugten Bewertungen und Freunden: Vorteile schaffen – ohne Rücksicht auf Ehrlichkeit und Transparenz. Herzlichen Dank für das treffend analysierte Beispiel Check24.
    Allein aus dieser Analyse zeigt sich doch schon sehr gut, dass das Geschäftsmodell von z.B. eKomi (kommerzieller Anbieter für „Kundenbewertungen) nur dann funktionieren kann, sofern das Positive in den Vordergrund gestellt und alles Negative für den potentiellen Kunden aus dem Sichtfeld gerückt wird.
    Aus einer ersten Betrachtungsweise klingt das für die einsetzenden Unternehmen auch logisch. Aber ist das wirklich langfristig und zukunftssicher gedacht? Ich meine Nein. Denn der User ist nicht so dumm, für wie man ihn gerne verkaufen will und der User hat gelernt, sich genau über die Medien zu organisieren, die für den guten Sozialen Schein eines Unternehmens/Produktes herangezogen werden. Oder anders formuliert, wenn jetzt schon alle wüssten (wohl nur eine Frage der Zeit), wie über 170 Tsd. Bewertungen zustande gekommen sind, dann wäre der nächste Shitstorm vorprogrammiert.
    Langfristig kann das Modell von gekauften Bewertungen und Freunden nicht funktionieren. Zu diesem Schluss bin zumindest ich zusammen mit meinen Partnern für ein eigenes Webprojekt gekommen. Wir haben uns lange mit der Thematik, wie erhalten wir viele positive Kundenbewertungen und wie generieren wir Facebook-Freunde für unser neues Projekt jewelized.de (coming soon: Juwelen selbst gestalten) beschäftigt. Und aus unternehmerischer Sicht ist unsere Meinung ganz klar: Ehrlich währt am längsten! Wir haben uns deshalb gegen kommerzielle Bewertungsportale, wie z.B. eKomi entschieden und setzen ein eigenes System ein, das jede Meinung zulässt – positiv und negativ. Alles andere wäre gelogen und irgendwie durchschaubar. Ein Pro und Contra ist doch nur normal. Die Sache des Umgangs damit ist das Entscheidende, nicht deren Verschleierung.


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