Internet - Welche Bedeutung hat Anonymität im Netz?

Die Sichtweise auf Pseudonyme im Web verändert sich langsam: Facebook verlangt Klarnamen, deutsche Politiker fordern ein "Vermummungsverbot" im Web, Polizeifunktionäre drängen auf einen "verlässlichen Identitätsnachweis". Aber welche Bedeutung hätte das für Nutzer in Foren von Selbsthilfegruppen oder für Menschen in autoritär beherrschten Staaten?
  1. #10

    Internet, Friedrich und seine Widersacher

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Sichtweise auf Pseudonyme im Web verändert sich langsam: Facebook verlangt Klarnamen, deutsche Politiker fordern ein "Vermummungsverbot" im Web, Polizeifunktionäre drängen auf einen "verlässlichen Identitätsnachweis". Aber welche Bedeutung hätte das für Nutzer in Foren von Selbsthilfegruppen oder für Menschen in autoritär beherrschten Staaten?

    Regeln und Gesetze sind für das Zusammenleben wichtig; es sind quasi Naturgesetze. Außenseiter werden überall abgestraft!

    Dass dabei manche durch Lücken schlüpfen, ist nicht zu vermeiden; genau so wenig, wie manches – je nach Standpunkt - zu liberal geahndet wird. Insgesamt funktioniert dieses System aber recht ordentlich.

    Das Internet scheint nun als rechtsfreier Raum. Die Entwickelung war schneller als der „Gesetzgeber“.

    Ähnlich war es vor 125 Jahren mit dem Automobil. Man erkannte, dass von Fahrzeuge potentielle Gefahren ausgehen und sie zu Straftaten benutzt werden können. Die gefährlichen „Kutschen“ mussten also erfasst - und deren Chauffeure besondere Fähigkeiten nachweisen. KFZ-Zulassung und Führerschein waren „erfunden“.

    Beides ist heute weltweit Standard. „Tat“-Fahrzeuge“ und rücksichtslose Fahrer werden schnell ermittelt; wer es zu schlimm treibt, muss seinen „Lappen“ abgeben. Nur unanständige Wirrköpfe sehen da eine "Übermacht" des Staates.

    Später kam noch die KFZ-Überwachung dazu, weil man erkennen musste, dass der „freie“ Bürger nicht immer verantwortlich handelte und selbst für die notwendige Fahrzeugsicherheit sorgte.

    Diese Maßnahmen führten – neben fortschrittlicher KFZ-Technik zu der Reduzierung von jährlich um 18.000 Verkehrstoten auf aktuell noch 4.000 – und das bei mehrfach höherem Fahrzeugbestand.

    Nun gibt es seit einigen Jahren das tolle Internet. Jedermann kann in kürzester Zeit auf weltweit gespeichertes Wissen zugreifen, mit fast jedermann in Verbindung treten, die Welt von oben ansehen und vieles mehr. Fantastisch!

    Leider nutzen nun Gauner dieses Medium für dunkle Machenschaften. Sie versuchen ungeniert zu betrügen und verbreiten die absonderlichsten Ideen – bis zur Anleitung zum Bombenbau. Altbewährte Regeln scheinen außer Kraft.

    Jeder Versuch diese üblen Machenschaften einzudämmen, ruft sofort die Beschützer der Meinungsfreiheit auf den Plan.

    Doch nirgendwo steht geschrieben, dass man Hass, Intoleranz, Kinderpornografie, Anleitungen zu Straftaten und krude Ideologien verbreiten darf. So wie das Zeigen von Nazi- Symbole strafbar ist, muss auch dies verboten sein.

    Nun plädiert Friedrich für offene Namensnennung.

    Was aber spricht gegen eine Computer-Registrierung ähnlich bei KFZ´s? Der User bleibt anonym – bis er eben Mist baut.

    Manipulation ist möglich - wie beim Auto, bis man erwischt wird!

    Besonders verwerflich ist die Praxis von bekannten Internet-Journalen, die Anleitung zur Erstellung von anonymen Acounts geben – deren Rückverfolgbarkeit schwer möglich sei. Das ist doch Anleitung zum Diebstahl und Betrug; also Hehlerei. Was denken sich eigentlich diese „Journalisten“? Welche Beziehung haben diese Menschen zu Recht und Anstand? Wieso sollen mit der Verbreitung des weltweiten Internet alle guten und bewährten Sitten über den Haufen geworfen werden?

    FrankErich
  2. #11

    Ja und Nein

    Zitat von FrankErich Beitrag anzeigen
    Regeln und Gesetze sind für das Zusammenleben wichtig; es sind quasi Naturgesetze.
    Besonders verwerflich ist die Praxis von bekannten Internet-Journalen, die Anleitung zur Erstellung von anonymen Acounts geben – deren Rückverfolgbarkeit schwer möglich sei. Das ist doch Anleitung zum Diebstahl und Betrug; also Hehlerei.
    FrankErich
    Da stimme ich Ihnen zu. Aber das ist keine Hehlerei! Hehlerei bedeutet den Vertrieb gestohlenen Eigentums zum Zwecke der Bereicherung. Wie wäre die Idee der doppelten Registrierung, eine mit überprüftem Klarnamen, den man aber dann zum Nick ändern darf? Möglich wären da das Postidentverfahren, der Daumenabdruck, wobei PCs neuester Bauart serienmäßig ein Lesegerät haben müssten-
  3. #12

    Internet als Maske.

    Mit diesem Titel ist der Kern meines Standpunktes publiziert.
    Viel mehr ist dazu kaum zu sagen.

    Ein jeder von uns kann sich mehr oder minder verstecken, frei und mutig im Virtuellen verwirklichen.
    Anonymität, Virtualität als eigene Realität sehen.
    Der oft beschriebene Weg des Realitätsverlustes.

    Anonymität im Netz birgt somit auch Gefahren. Gefahren durch unmittelbare soziale Isolation.
    Neben den Gefahren "uns" in dieser Isolation zu verlieren, birgt die Anonymität eine vermeintliche Sicherheit, man wird zum "Maskenbildner".

    Anonymität schafft Freiheit.

    Solange der "Goldene Mittelweg" zwischen den zwei Extremen beschritten wird, ist die Anonymität durchaus positiv für mögliche Erkenntnisse über das eigene Sein.

    Der Anonymität wird demnach ein hoher Wert zugemessen. Und ist mit entscheidend für die weitere Entwicklung.
    Ganz zum Nutzen derer, die Masken auslesen können...

    In diesem Sinne
    MsHuzzl
  4. #13

    Zitat von FrankErich Beitrag anzeigen
    Regeln und Gesetze sind für das Zusammenleben wichtig; es sind quasi Naturgesetze. Außenseiter werden überall abgestraft!

    Dass dabei manche durch Lücken schlüpfen, ist nicht zu vermeiden; genau so wenig, wie manches – je nach Standpunkt - zu liberal geahndet wird. Insgesamt funktioniert dieses System aber recht ordentlich.

    Das Internet scheint nun als rechtsfreier Raum. Die Entwickelung war schneller als der „Gesetzgeber“.

    Ähnlich war es vor 125 Jahren mit dem Automobil. Man erkannte, dass von Fahrzeuge potentielle Gefahren ausgehen und sie zu Straftaten benutzt werden können. Die gefährlichen „Kutschen“ mussten also erfasst - und deren Chauffeure besondere Fähigkeiten nachweisen. KFZ-Zulassung und Führerschein waren „erfunden“.
    .......

    Nun gibt es seit einigen Jahren das tolle Internet. Jedermann kann in kürzester Zeit auf weltweit gespeichertes Wissen zugreifen, mit fast jedermann in Verbindung treten, die Welt von oben ansehen und vieles mehr. Fantastisch!

    Leider nutzen nun Gauner dieses Medium für dunkle Machenschaften. Sie versuchen ungeniert zu betrügen und verbreiten die absonderlichsten Ideen – bis zur Anleitung zum Bombenbau. Altbewährte Regeln scheinen außer Kraft.

    Jeder Versuch diese üblen Machenschaften einzudämmen, ruft sofort die Beschützer der Meinungsfreiheit auf den Plan.

    Doch nirgendwo steht geschrieben, dass man Hass, Intoleranz, Kinderpornografie, Anleitungen zu Straftaten und krude Ideologien verbreiten darf. So wie das Zeigen von Nazi- Symbole strafbar ist, muss auch dies verboten sein.

    Nun plädiert Friedrich für offene Namensnennung.

    Was aber spricht gegen eine Computer-Registrierung ähnlich bei KFZ´s? Der User bleibt anonym – bis er eben Mist baut.

    Manipulation ist möglich - wie beim Auto, bis man erwischt wird!

    Besonders verwerflich ist die Praxis von bekannten Internet-Journalen, die Anleitung zur Erstellung von anonymen Acounts geben – deren Rückverfolgbarkeit schwer möglich sei. Das ist doch Anleitung zum Diebstahl und Betrug; also Hehlerei. Was denken sich eigentlich diese „Journalisten“? Welche Beziehung haben diese Menschen zu Recht und Anstand? Wieso sollen mit der Verbreitung des weltweiten Internet alle guten und bewährten Sitten über den Haufen geworfen werden?

    FrankErich
    ....

    Volle Zustimmung! Es ist schon pervers, wenn PC-Nutzern die Einrichtung von Firewalls und Virenwächtern vorgeschrieben sind. Vom Kind bis zum Senior nutzen heute Menschen das INett, es muß daher kindersicher in der Anwendung sein. Man stelle sich vor, ein Telefonnutzer müßte sich erst technisch abschirmen, bevor er telefonieren darf. Unmöglich.
    Staaten und Betreiber stehen in der Pflicht, das Angebot dementsprechend auszulegen. Ein INett-Führerschein wäre eine Möglichkeit dazu.
    rabenkrähe
    Geändert von ( um Uhr)
    Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der wahre Pazifist ist bereit, mit der Waffe für seine Überzeugung zu kämpfen.....
  5. #14

    Wie schon immer in totalitären Staaten..

    wird auch in der BRD an der Gesinnungsgesetzgebung geschraubt.
    http://aps.sulb.uni-saarland.de/theo...Strafrecht.pdf
    (Seite 305 ff.). Anonymität ist schlichtweg der legitime Selbstschutz vor einem politischen Straf-"Recht", das seine totalitären Werkzeuge ständig erweitert. Von den Europäischen Staaten, die durch das Strafrecht "schützen", was überhaupt nicht einheitlich definiert ist, ganz zu schweigen.
  6. #15

    .

    Zitat von FrankErich Beitrag anzeigen
    Regeln und Gesetze sind für das Zusammenleben wichtig; es sind quasi Naturgesetze. Außenseiter werden überall abgestraft!
    ... Das Internet scheint nun als rechtsfreier Raum. Die Entwickelung war schneller als der „Gesetzgeber“.
    Das stimmt einfach nicht. Sie sind auch der CDSU-Propaganda zum Opfer gefallen.
    Es gelten online die selben Gesetze wie offline. Online gibt es sogar noch zusätzliche Multimediagesetze.
    Durch die Infrastruktur des Netzes (IP-Adresen etc.) ist auch eine Strafverfolgung besser möglich. Dadurch haben internettypische Straftaten wie Betrug oder Beleidigung auch einen deutlich höhere Aufklärungsquote als ihre Offlineentsprechungen. Die sehr guten Aufklärungszahlen haben seit der Pleite der Vorratsdatenspeicherung etwas gelitten, weil die Behörden sich nicht die Mühe und die Kosten machen wollen über ordentliche Gerichte zu gehen um an Daten der Provider zu gelangen. Sie möchten persönliche Daten auf Zuruf. Was der Rechtsstaat verbietet. Daher schmollen sie nun und klären lieber gar nicht mehr auf um dann zu sagen: 'Seht her, wir brauchen die VDS.'

    Gesetze sind da, Möglichkeiten, die auch genutzt werden, sind da - der rechtsfreie Raum Internet ist ein Horrormärchen um mit den Innovations- und Technik- Ängsten von alten Menschen zu spielen.
    Zitat von FrankErich Beitrag anzeigen
    Ähnlich war es vor 125 Jahren mit dem Automobil. Man erkannte, dass von Fahrzeuge potentielle Gefahren ausgehen und sie zu Straftaten benutzt werden können. Die gefährlichen „Kutschen“ mussten also erfasst - und deren Chauffeure besondere Fähigkeiten nachweisen. KFZ-Zulassung und Führerschein waren „erfunden“.
    ...
    Die 'Datenautobahn' ist aber heuer schon so überwacht, dass - um in Ihrem Vergleich zu bleiben - sämtliche Bewegungen jedes KFZ zugeordnet mit seiner Nummer aufgezeichnet werden oder aufgezeichnet werden können. Auto oder Nummernschild klauen und damit zu fahren bleibt aber trotzdem möglich.
    Zitat von FrankErich Beitrag anzeigen
    Doch nirgendwo steht geschrieben, dass man Hass, Intoleranz, Kinderpornografie, Anleitungen zu Straftaten und krude Ideologien verbreiten darf. So wie das Zeigen von Nazi- Symbole strafbar ist, muss auch dies verboten sein.
    Oh man. Das ist verboten. Hoffentlich wissen Sie das.
    Zitat von FrankErich Beitrag anzeigen
    Nun plädiert Friedrich für offene Namensnennung.

    Was aber spricht gegen eine Computer-Registrierung ähnlich bei KFZ´s? Der User bleibt anonym – bis er eben Mist baut.
    Überraschung! Das gibt es schon.
    Zitat von FrankErich Beitrag anzeigen
    Besonders verwerflich ist die Praxis von bekannten Internet-Journalen, die Anleitung zur Erstellung von anonymen Acounts geben – deren Rückverfolgbarkeit schwer möglich sei. Das ist doch Anleitung zum Diebstahl und Betrug; also Hehlerei.
    Gehts noch? Genauso wie man sich offline als Britney verkleiden und Hans-Peter nenenn darf, solange man keine Rechtsgeschäfte tätigt, muss man das auch im Netz dürfen ohne von Leuten wie Ihnen aus elementarem Unverständnis gleich kriminalisiert zu werden.
  7. #16

    .

    Zitat von rabenkrähe Beitrag anzeigen
    ....

    Volle Zustimmung! Es ist schon pervers, wenn PC-Nutzern die Einrichtung von Firewalls und Virenwächtern vorgeschrieben sind. Vom Kind bis zum Senior nutzen heute Menschen das INett, es muß daher kindersicher in der Anwendung sein. Man stelle sich vor, ein Telefonnutzer müßte sich erst technisch abschirmen, bevor er telefonieren darf. Unmöglich.
    Staaten und Betreiber stehen in der Pflicht, das Angebot dementsprechend auszulegen. Ein INett-Führerschein wäre eine Möglichkeit dazu.
    rabenkrähe
    Wenn Sie das Netz tatsächlich mit dem Telefon gleichsetzen, dann hängen Sie einem Cargo-Kult an.
    Ich werde mich um ständige geduldige Afklärung bemühen und versuchen nicht selbst zuviele Holzkellen zu schwenken.
  8. #17

    Schwachsinn

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Sichtweise auf Pseudonyme im Web verändert sich langsam: Facebook verlangt Klarnamen, deutsche Politiker fordern ein "Vermummungsverbot" im Web, Polizeifunktionäre drängen auf einen "verlässlichen Identitätsnachweis". Aber welche Bedeutung hätte das für Nutzer in Foren von Selbsthilfegruppen oder für Menschen in autoritär beherrschten Staaten?
    Pseudonyme sind ein Spass, mehr nicht.
    Anonymität gibt es im Internet längst nicht mehr.
    Es ist sehr einfach die Identität hinter "websingularität" herauszufinden.
    Abgesehen davon, dass ich mich bei Spiegel-Online vorbildlich registriert habe, helfen auch whois-Abfragen meiner Website auf die ich gelinkt habe, und tausend andere Möglichkeiten.
    Ich bin mir dessen absolut bewusst und stehe auch zu allem was ich in solchen Foren schreibe, wenn diese Inhalte mit meiner "realen" Person in Verbindung gebracht werden.
    Aber von solchen Leuten hat man auch nichts zu befürchten.
    Den wirklich Kriminellen kommt man damit nicht auf die Schliche.
    Hacker welche die Öffentlichkeit mit gestohlene Baupläne ablenken, während diese längst unsere Börsenkurse manipulieren und Staaten in den Bankrott treiben.
    Wahre Kriminelle verstecken sich in der "Anonymität" von diffusen Spekulanten, Investoren, Anlgeger, ...
    Sie verstecken sich aber nicht in der Anonymität des Internets.
    Die Anonymität des Internets ist ein schlechter Witz.
    Das sollte längst jedem klar sein, sofern er im Internet etwas veröffentlicht.
  9. #18

    Internet

    das ist doch prima! Der Bürger wird ohne Anonymität transparent überwacht, während auf anderer Seite anonym, intransparent zensiert wird.
    Gerade berät der US-Kongress über ein Gesetz, das ihm eine weltweite Internet-Zensur erlauben würde -- mit einer schwarzen Liste, die auf YouTube, WikiLeaks und sogar Gruppen wie Avaaz abzielen könnte!
    Das Gesetz würde es den USA erlauben, Internetanbieter zur Sperrung von Webseiten zu zwingen -- wenn auch nur der Verdacht einer Verletzung eines Urheberrechts oder Markenzeichens besteht, oder wenn ein .....!
    http://www.avaaz.org/de/save_the_int...515171&v=11164
  10. #19

    Welche Bedeutung hat Anonymität überhaupt noch? Wo gibt es sie noch?

    Zitat von drnice1983 Beitrag anzeigen
    Wen es stört, das sein Name irgendwo vollständig zu lesen gibt, meldet sich halt nicht bei facebook und co an (oder meldet sich wieder ab).
    Klar, bei Facebook geht das vielleicht; wer seinen Namen nicht nennen will, der nimmt halt nicht teil an Facebook und Co. Aber, die Bestrebungen zur Entanonymisierung finden ja nicht nur im Internet statt.
    Beispiel: Seit Anfang des Jahres muss man sich in Deutschland im Laden ausweisen, wenn man irgendwas kauft, dass teuer als 1000 Euro ist und man auf die "absurde" Idee gekommen ist, es nicht mit einer Plastikkarte sondern bar bezahlen zu wollen. Dito, wenn man die 1000 Euro, die man von Oma zu Weihnachten bekommen hat, gar nicht ausgeben, sondern einfach nur aufs Sparbuch einzahlen will. Da muss man auf der Bank einen Personalausweis vorlegen. Wer das nicht will, kann ja einfach den Geldschein verbrennen, oder wie ist das jetzt gedacht?

    Der Überwachungsstaat ist doch bereits soweit gediehen, dass "nicht mitmachen" keine Option mehr ist. Und das Internet wird ziemlich wahrscheinlich auch irgendwann so wichtig sein, dass "nicht mitmachen" auch dort keine Option mehr sein wird. Die Entanonymisierung ist bereits soweit fortgeschritten, dass der "gläserne Bürger" längst Realität ist. Kommt es da auf ein bischen Anonymität im Internet überhaupt noch an?

    Die Technologie und Infrastruktur für die totale Überwachung ist bereits verfügbar und wird genutzt und immer noch weiter ausgebaut: Kfz-Kennzeichen-Erkennung gibt es schon seit Jahren, an der Gesichtserkennung wird eifrig gearbeitet, Kameras gibt's ja sowieso genug. Man braucht es nur noch zu vernetzen.

    Es gibt Tausende von Vorschriften. Bei jedem Flugticket, das ich kaufe, werden die Personalien registriert. In jedem Hotel, in dem ich übernachte, werde die Personalien registiert. Wenn ich zur Bank gehe, wenn ich ins Geschäft gehe, wenn ich an Telefon gehe, wenn ich ins Internet gehe - demnächst vermutlich auch, wenn ich aufs Klo gehe.

    Wozu muss dieser Staat im Detail wissen, wer wann was macht? Diese Unmengen an Information, die über jeden von uns täglich gesammelt und teilweise 10 Jahre und länger aufbewahrt werden, sind so doch so leicht zu missbrauchen. Es mag ja sein, dass die derzeitigen Regierungen sie nur für die Verbrechensbekämpfung nutzen, aber das kann sich doch im Nu ändern.

    Nur mal als Gedankenspiel ... was wäre gewesen, wenn ... den Nazis bei der Machtergreifung all diese wunderbaren Daten und Überwachungsmöglichkeiten in den Schoß gefallen wären?

    Die Zustände in Deutschland sind ein Traum, für jeden, der hier Diktator werden möchte. Da braucht man sich ja nicht einmal mehr die Finger schmutzig machen: Enteignung auf Knopfdruck; schließlich ist ja über jeden Bürger bekannt, wo er wieviel Geld auf welchen Konten hat.

    Verhaftung? Keine Problem. Wir wissen doch sowieso, wer wann wo rumläuft.

    Rasterfahndung? Aber gerne. Was wollen Sie denn wissen? Bei uns bekommt jeder Bürger bei der Geburt eine Nummer verpasst (die Steueridentifikationsnummer), unter der wir alle Daten zusammenfahren können.

    Die Entanonymisierung des Internets ist nur die Spitze des Eisbergs ... und völlig logisch und konsequent angesichts der Bespitzelung in allen anderen Lebensbereichen.

    Was kann man denn noch anonym machen, ohne dass der Staat mit Leichtigkeit davon Kenntnis erlangt? Ich meine, abgesehen von "aufs Klo gehen" ...