Entsteht ein digitales Welt-Proletariat?

Entwerten die Möglichkeiten digitalen Outsourcings Arbeitskraft? Oder entsteht ein neuer Arbeitsmarkt im Netz, der Chancen schafft?

Der Artikel zum Thema:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...453450,00.html
  1. #1

    Ich denke schon, dass es zu einem digitalen Proletariat kommen wird. Führende Zeitschriften werben Amateur-Pressefotografen an (u.a. STERN, BILD) und werden dem Pressefotografen das Wasser abgraben, so wie die Stockphotoagenturen den normalen Fotografenmarkt zerstört haben (Getty-Images, Corbis etc). Ich bin mir sicher, dass sich das in andere Bereiche ausweiten wird. Solange die Leute so dumm sind für ein Nichts an Geld zu arbeiten, wird sich diese Masche der Ausbeuterei lohnen. Schön blöd.
  2. #2

    Ich denke, dass es sich genauso entwickeln wird, wie beim globalen Arbeitsmarkt. Am Anfang denken alle, sie muessten nach China und Indien auslagern und merken dann, dass es vielleicht keine so gute Idee war.
    Wenn der Markt mit solchen "Mechanical Turk"-Projekten gesaettigt ist, wird sich die Erkenntins breit machen, dass Qualitaet einfach ihren Preis hat.
    Genau das gleiche ist auch beim Web2.0-Gedanken zu finden. Anfangs war die Wikipedia-Idee der Steind er Weisen, nun melden sich die Weisen des Web und fordern eine neue Wikipedia mit Qualitaetskontrolle.

    Das wird alles nicht so heiss gegessen wie's auf den Tisch kommt, und fuer Panikmache ist es definitiv zu frueh.
    Auch Reuters wird auch einsehen muessen, dass man fuer bestimmte Fotos einfach einen geschulten Photografen braucht, mit einer ordentlichen Spiegelreflexkamera und keiner Handykamera.

    Es ist allerdings eine neue Idee, billig an Arbeitskraft zu kommen und sie wird, wenn sie zu einem generellen Vorteil in der Industrie wird, auch ihren Platz im Arbeitsmarkt einnehmen.
  3. #3

    Von Proletariat und in Netzwerken agierenden Unternehmern

    Ich meine nicht, dass Tim O`Really sich als Marx des 21. Jahrhunderts verstanden haben will. Ganz im Gegenteil. Das Web ermöglicht es Menschen, ausschließlich Aufgaben auszuführen die ihren individuellen Kompetzenzen entsprechen. Egal ob es nun der Verkauf von Fotos auf istockphoto, Waren auf Ebay oder eben Kreativität und Wissen auf Innocentive ist.

    Hierdurch entstehen enorme wirtschaftliche Potentiale, die bereits vielversprechend von einigen findigen Unternehmern erkannt wurden. Die klassischen Grenzen zwischen der Arbeiterschaft und den Unternehmen sind fließend geworden, man agiert, verkauft und arbeitet in globalen Netzwerken.

    Somit ist es zur neuen Kernkompetenz geworden die bestehenden Systeme zu nutzen und mit ihnen zu arbeiten. Hierbei befinden wir uns noch am Anfang einer weitaus größeren Bewegung. Dementsprechend möchte ich auf den Untertitel des Wired-Autoren und Erfinders des Crowdsourcing Begriffs Jeff Howe verweisen. Es geht um den "Aufstieg des Laien". Nach meiner Auffassung wird der Amateur zum Openeur.

    visit http://www.openeur.com/blog/2006/12/...crowdsourcing/
  4. #4

    Zitat von MRichter
    ..... Ich bin mir sicher, dass sich das in andere Bereiche ausweiten wird. Solange die Leute so dumm sind für ein Nichts an Geld zu arbeiten, wird sich diese Masche der Ausbeuterei lohnen. Schön blöd.
    Sie haben ein wunderbares Menschenbild, unsere Zukunft, getragen von den Blöden dieser Welt.

    Ich bin beileibe kein Verdachtschöpfer, aber wie kommen Sie auf die Idee, dass die treibende Kraft aus dem Proletariat kommt. Das wird gefördert von großen Wirtschaftsunternehmen, die mit entsprechenden Gesetzen, schon den Weg geebnet haben. Der, der für Wenig, oder Nichts arbeitet versucht, unter schlechten Bedingungen die Sozialhilfe zu vermeiden. Der Staat, unsere Politiker denken, dass ein Staat reich ist wenn er die Armen auspresst und so entsteht ein völlig idiotisches System, welches erst später, durch ein Umsteuern, diese frühkapitalistischen Auswüchse wieder beseitigt. Das wird nicht billig, aber da es die Opfer, die Armen, selber bezahlen müssen, können sich Spitzenbeamte und Politiker diesen Luxus mal leisten.

    Aber die "schön Blöden" als Opfer, auch noch zu beleidigen, wird nicht zu einer Lösung beitragen.
  5. #5

    Zitat von sysop
    Entwerten die Möglichkeiten digitalen Outsourcings Arbeitskraft? Oder entsteht ein neuer Arbeitsmarkt im Netz, der Chancen schafft?

    Der Artikel zum Thema:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...453450,00.html
    Wer Menschen immer noch in Klassen einteilt, sollte sich vom Weihnachtsmann eine Zeitmaschine wünschen, damit ins 19. JH reisen und seine Klassenkampfparolen verbreiten.
  6. #6

    Zitat von MRichter
    Ich denke schon, dass es zu einem digitalen Proletariat kommen wird. Führende Zeitschriften werben Amateur-Pressefotografen an (u.a. STERN, BILD) und werden dem Pressefotografen das Wasser abgraben, so wie die Stockphotoagenturen den normalen Fotografenmarkt zerstört haben (Getty-Images, Corbis etc). Ich bin mir sicher, dass sich das in andere Bereiche ausweiten wird. Solange die Leute so dumm sind für ein Nichts an Geld zu arbeiten, wird sich diese Masche der Ausbeuterei lohnen. Schön blöd.

    Naja, der Fotografengilde wiederfährt doch gerade die gleiche Entwicklung die die Druckgrafikbranche mit der Erfindung der Fotografie erlebt hat – sie wurde, bis auf wenige Spezialiserte Anbieter nahezu überflüssig. Durch die technische Entwicklung können eben heute sehr viel mehr Leute (relativ!) hochwertige Bilder schießen als das noch vor 20 Jahren der Fall war. Das und die neuartige Möglichkeit der Publizierung der Bilder im Netz drückt natürlich gaanz erheblich auf die Preise, bzw. macht den Markt ein Gutteil enger als er einmal war.
    Für kleine Jobs (Thema Produktfotografie) wird eben mal schnell in de Agenturkeller gegangen, die zwei Neonröhren und die digitale SLR haben sich meist nach dem ersten Schuss schon amortisiert. Und das hat nichts mit Ausbeuterei zu tun, früher brauchte man für eine gedruckte Schrift Schriftsetzer, heute setzt MS Word auf jedem Heim PC halbwegs ansprechende Typografie, der Schriftsetzer schult um oder verhungert... Das ist eben der Preis des technischen Fortschritts.

    Das Potential das da im Netz offenkundig herum liegt kann einem schon Angst machen. Wenn man weiss wo man suchen muss findet man z.B. ganz hervorragende Fotografien – völlig umsonst und frei zur Verwendung, auch zur kommerziellen. Oder das geballte Wissen in spezifischen Fachforen (Wer braucht da noch Ratgeber-Bücher oder Hotlines?)

    Vielleicht muss man langsam ernsthaft darüber nachdenken ob die Lohnarbeit noch zukunftsfähig ist. Es deutet sich an das irgendwann zuwenig Arbeit für alle Menschen übrig bleiben wird.