Zitat von
drehrumbum
Bleiben wir doch mal konkret bei SPON. Man kann anonym über seinen Scheidungskrieg berichten, Probleme in einer früheren Firma ansprechen (ohne natürlich diese zu benennen), usw. - Dinge die andere interessieren könnten oder wobei andere weiterhelfen könnten - und man übertritt damit gerade eben nicht die schutzwürdigen Interessen anderer. Mit seinem eigenen Namen können sehr schnell Bekannte, Kollegen usw. voll im Bilde sein – obwohl das denen gar nichts angehen sollte. Leider gibt es überall die Beinpinkler, die dann – oft genug dann selber anonym(!) – gern weiter berichten (so nach dem Motte: „ich hab' da etwas für Sie, was Sie interessieren könnte – schauen Sie doch einfach mal da und dort hinein ….“).
Und dann gibt es noch die unabsichtlichen und absichtlichen Mißversteher – in der Politik sogar die berufsmäßigen Mißversteher, die gern auf andere einen Rechtfertigungsdruck ausüben wollen (und das manchmal sogar regelrecht gelernt haben; z.B. in Lehrgängen: „Wie kommuniziere ich richtig?“ Die einschlägigen Fehler werden dann vorsätzlich verübt) – die kann man dann auch ignorieren; man braucht sich nicht permanent um Klarstellungen zu bemühen. Und Demagogen mit ihren üblichen Nazi-, Kommunisten- und sonstwas -Keulen kann man dann einfach ins Leere laufen lassen …
Natürlich gibt es Meinungsfreiheit – aber nicht immer die Freiheit, diese immer und überall zu äußern. Religiöse und politische Bekenntnisse z.B. haben in einer Firma aus gutem Grund nichts verloren – der Kollege einer anderen Abteilung, den man sonst nur vom Namen kennt, könnte das aber irgendwann anders sehen: als ob Mobbing nicht Milliardenverluste in der Wirtschaft verursachen würde! Die Beinpinkler erinnern sich eben gern an dem Abend, als sie bei einer Unterhaltung zu Hause mit auf Ihrem Schoß gesessen haben ...
Warum also sollte man seinen Namen nennen, wenn unzählige – dann allerdings natürlich anonym – mitlesen können? So braucht man sich keinen Gedanken darüber zu machen, wer sonst noch so mit am „Tisch“ sitzt und nur mitliest.
Klarnamenzwang würde doch nur zu einem Rentner-Forum mit einem Austausch gut überdachter Schüleraufsätze führen.
Die Verhältnisse sind klar: es sind Foren mit Anonymität – aber man kann es niemand verbieten, den richtigen Namen als „Pseudonym“ zu verwenden. Ein klassisches Leserbriefforum ist es nicht – eher sogar manchmal ein Brain-Storming (ohne Witz – die Foren regen ja doch irgendwie über den Artikel hinaus zum Nachdenken an), bei dem der Herr Professor von und zu seine Titel an der Garderobe abzugeben hat; falls nicht – es nützt ihm nichts …
Schaden haben vor allem diejenigen, die (man spürt es manchmal regelrecht!) gern den seltenen Namen im Telefonbuch googlen und zu nachmitternächtlicher Stunde anrufen würden. Ein Herr Klaus Müller, Berlin hätte wiederum den Vorteil der Anonymität (spaßenshalber ausprobiert – es sind über hundert!).