Eines Tages fand ich eher zufällig eine Meldung über eine mehr oder weniger öffentliche Person, dessen Ehefrau soeben ein Kind zur Welt gebracht hatte. Noch am selben Tag draschen die anonymen Online-Kommentatoren wie besinnungslos auf den jungen Vater ein: Der sei doch viel zu hässlich, um Kinder in die Welt zu setzen. Verantwortungslos!
Meine etwas befremdete Nachfrage, ob die Anmahner von Veranwortlichkeit denn glaubten, dass der Beschimpfte solche Kommentare nicht selber auch lese, führten mitnichten zur Mäßigung. Stattdessen stellte jemand kühl fest, das sei erstens gewollt und zweitens auch irrelevant: Der Betreffende verfüge ja wohl über einen Spiegel und wisse das selbst am besten.
Die totale Netzfreiheit, wie sie die Piratenpartei zur Zeit einfordert, hat mit dem Totalen Markt so Einiges gemeinsam. Nicht zuletzt, weil beider Befürworter die Kehrseite der Medaille konsequent ignorieren. Präsident Lammert verdient Dank, weil er in einer geradezu historischen Rede darauf hingewiesen hat, was die totale Netz- (und Hetz-) Freiheit womöglich zur Disposition stellt: Unter Anderem nichts Geringeres als die Würde des Menschen, deren Unantastbarkeit unsere Verfassung garantiert. Auch das völlig entgrenzte freie Wort kann sie beschädigen.



