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Wirtschaftsmacht China - Vorbild für Deutschland?

China hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst. Was kann die Bundesrepublik von den kommunistischen Kapitalisten lernen? Oder taugt die Volksrepublik grundsätzlich nicht als Vorbild?
  1. #140

    Der Titel des Artikels ist masslos übertrieben

    Leider kann ich wenig zur bisherigen China-Berichterstattung des Spiegels sagen, aber was soll dieser Titel?

    China gehen mitnichten die Arbeiter aus, dass einzige was passiert sind ein paar durchaus positiv zu bewertende Anpassungsprozesse: Die Arbeitgeber in den Südprovinzen müssen bessere Arbeitsbedingungen bieten und vielleicht in etwas mehr Technologie investieren, weil viele Arbeiter entweder woanders - namentlich in den Provinzen, die sich später entwickelt haben, oder gar nicht mehr in der Fabrik arbeiten wollen.

    Schön wären auch ein paar Zahlen, die klar machen warum das so ist und auch ein paar Fakten, wie etwa die Tatsache, dass in einigen Provinzen in den letzten Jahren die Reallöhne trotz Wachstum gesunken waren, weil die Arbeiter nicht streiken durften, da die Regierung Angst vor Unruhen hat. Und was natürlich auch die internationalen Konzerne freut.

    Der lapidare Satz, dass es keine Zahlen zu China gäbe, ist einfach falsch. Die Frage ist nun wie so oft, ob wir es mit (redaktioneller) Absicht, Faulheit oder Unkenntnis zu tun haben.
  2. #141

    Zitat von Amarananab Beitrag anzeigen
    Na Wunderbar, endlich Jobs!!! Da braucht sich ein Herr Westerwelle nicht mehr über spätrömisch, dekadente Hartz 4 Empfänger aufzuregen, schicken wir die 3,6 Mio. Arbeitslosen einfach nach China in die Produktion. Und ein wunderbarer Nebeneffekt entsteht das es ein hohes Auftragsplus bei der Lufthansa gibt 3,6 Mio. Passagiere an den Jangtsee zu bringen. Herr Westerwelle, Ihre Sorgen sind gelöst!
    Ein sehr ausgewogener, analytischer Beitrag.
  3. #142

    Die Eingangsfrage ist doch schon grundfalsch gestellt:

    Es geht schlicht nicht darum, wer nun das leistungsfähigere Wirtschaftssystem hat, sondern darum, ob wir auch in Zukunft auf an internationalen Maßstäben gemessen hohem Niveau leben und arbeiten können.

    China ist nach wie vor kein Land, das uns in irgend einer Weise als Vorbild dienen könnte. Chinesische Produkte zeichnen sich nicht durch Qualität aus, sondern dadurch, dass sie nach wie vor konkurrenzlos günstig gefertigt werden können. Wie um alles in der Welt soll das aber in Deutschland funktionieren? Alleine weil hierzulande durch unsere Industrie pro Kopf viel mehr Geld erwirtschaftet wird, wird auf absehbare Zeit auch mehr Geld pro Kopf zur Verfügung stehen. Wenn der Bevölkerung also viel mehr Geld zur Verfügung steht, passen sich automatisch auch die Preise fürs Leben daran an. Alles, von Wohnraum über Telekommunikation bis Versicherungen und Nahrung passt sich der Leistungsfäghigkeit des durchschnittlichen Facharbeiters mehr oder weniger an. Wie sollen wir also überhaupt Fernseher für 30 oder 40 Cent Stundenlohn Produzieren? Ein "chinesischer Weg", sprich möglichst viel einfache Ware möglichst noch günstiger auf den Markt zu werfen, funktioniert also für uns nicht, weil wir im internationalen Vergleich dadurch an Lebensqualität verlieren würden.

    Unser Ziel muss daher sein, unseren Binnenmarkt zu stärken, produzierte Waren im Land zu behalten, und die Abhängigkeit von einer extrem Exportorientierten Industrie so weit irgend möglich zu verringern. Die chinesische Industrie wird auch irgendwann soweit sein, höherwertige Produkte nicht nur kopieren, sondern auch konstruieren zu können. Ist das irgendwann der Fall, wird der Weg, den wir jetzt gehen, nicht mehr funktionieren. Das, nicht die Tatsache, dass China neuer Exportweltmeister ist, bereitet mir Sorgen.

    Einfach gesagt: nur weil Dänemark allein von den wirtschaftlichen Kennzahlen her im Vergleich zu Deutschland wie ein Zwerg daherkommt, heißt das nicht, dass es dem durchschnittlichen Dänen viel schlechter geht, als dem durchschnittlichen Deutschen ;)
  4. #143

    China Schrott

    Zitat von dieganzewelt Beitrag anzeigen
    Ich zahle gerne mehr für Produkte, die nicht beim ersten Anfassen auseinanderfallen, und ohne Sklaven hergestellt worden.
    Diese lobenswerte Haltung ist leider nicht sehr verbreitet. Viele Chinesische Hersteller sind schon in der Lage qualitativ hochwertige Produkte zu liefern, jedoch wollen die internationalen Einkaeufer dafuer nicht bezahlen. Es werden Produkte am unteren Rand der Qualitaetsskala bestellt. Das zu Preisen, die selbst den Einsatz von einigermassen vernuenftigen
    Materialien ausschliessen. Da kann dann selbst bei extrem niedrigen Lohnkosten kein hochwertiges Produkt mehr entstehen. Es wird Schrott bestellt und Schrott geliefert.
  5. #144

    Interessant!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    China hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst. Was kann die Bundesrepublik von den kommunistischen Kapitalisten lernen? Oder taugt die Volksrepublik grundsätzlich nicht als Vorbild?
    Das ist neu; das hat's noch nicht gegeben! Da werden doch tatsächlich Arbeitgeber von ihren Arbeitnehmern betriebsbedingt fristlos gekündigt:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,681537,00.html

    :-))

    China wird mit ca. 1,3 Mrd Einwohnern niemals pro Kopf die gleiche industrielle Produktion realisieren können, wie sie heute z.B. in Deutschland üblich ist. Das bedeutet, daß auf unbestimmte Zeit in China ein Überangebot an Arbeitskräften gegeben sein wird. Alles was geschehen wird ist, daß Produktionen innerhalb Chinas verlagert werden. Sobald das Wachstum abflacht wird der Effekt deutlich werden. Chinas Führung wird neuen Herausforderungen gegenüberstehen; z.B. Industriebrachen und verfallende Infrastruktur in Küstenregionen. Wie gewonnen, so zerronnen. Hierzulande nennt man dergleichen Strukturwandel ...
  6. #145

    Zitat von Bigbox Beitrag anzeigen
    Lieber syramon,

    Der gemeine (Festlands) Chinese ist weder schlauer noch fleißiger als ein vergleichbarer Deutscher, Russe oder Franzose.

    Gruß
    Bigbox
    Das ist im allgemeinen richtig, das fragwuerdige Schulsystem macht die Sache sogar noch schlimmer. Prozentual betrachtet sind Chinesen somit weniger qualifiziert, allerdings gibt es bei ca. 5 Mio Hochschulabsolventen pro Jahr immer noch eine riesige Zahl exzellenter Leute.
  7. #146

    Meinung

    Zitat von lupenrein Beitrag anzeigen
    Deutschland und China nähern sich gegenseitig an.
    Deutschland in Richtung 'nach unten' , China in Richtung Änach oben'.
    Die Frage ist nur, w o treffen sie sich ?
    Ich fürchte : in der unteren Hälfte der Strecke.
    Meine Meinung nach bist nicht weit von der Realitaet entfernt.

    Die westlichen Kapitalisten haben die Eroeffnung von China gewollt um davon zu profitieren.
    Die Chinesen haben schnell gelernt und schlagen die Kapitalisten an ihrem Spiel.

    Die Massen im Westen haben schon lange nicht gemerkt was da los ist. Sie kaufen billige Chinesische Waren aber verlieren ihre Arbeitsplaetze wenn die einheimischen Firmen in billig Lohn Laender, wie China, umziehen.

    Man muss kein Genie sein um auszuarbeiten das die Loehne sich treffen muessen um Konkurenzfaehig zu werden.

    Dabei werden sich die Lebensstile auch annaehern.

    Das Problem des Westens ist das sie diese Realitaet nicht war haben wollen. Man merkt das an den Beitraegen hier.

    Die Geschichte ist voll von Beispielen wo die oben waren nach unten gehen und die unten waren nach oben gehen.

    Man hat so ein Beispiel jetzt vor den Augen.
  8. #147

    "Die Firmen versuchen gegenzusteuern, indem sie die Löhne anheben und die Arbeitsbedingungen verbessern. Am Ende schlägt sich das auf den Preis der Waren durch, die für die Verbraucher im Westen teurer werden."

    Wieso werden die Waren zwangsläufig teurer? Dieselben Waren haben wir doch früher selbst hergestellt. Ich glaube eher, daß man am Schluß immer zweimal abgezockt wird. Erst heißt es, die Waren sind durch die Auslagerung nach China billiger zu produzieren gewesen (was sich nicht unbedingt in einer Preissenkung äußern muß, sondern auch dadurch äußern kann, daß die Unternehmen mehr verdienen und die Superreichen noch reicher werden), später kann man Preisanhebungen damit rechtfertigen, daß man wieder hier produzieren muß, bzw. in China die Löhne steigen mussten. Ob das am Ende nicht einfach immer eine unbegründete Verteuerung bedeutet wird kaum einer nachvollziehen können.
  9. #148

    Zitat von digitaltaveler Beitrag anzeigen
    Ich perönlich hoffe dass ich hier nicht ganz alleine da stehe - und sollte dies der Fall sein so wäre es mir ebenfalls egal.

    Man muss (um in der Werbesprache zu sprechen) weder blöd noch geizig sein um Produkte zu kaufen die nicht Made in China sind, ohne dafür ein Vermögen auszugeben.

    Ich weigere mich desweiteren schlicht und einfach, jedesmal wenn irgend ein neues Gerät auf den Markt kommt dieses zu kaufen obwohl das "alte" es noch anstandslos tut.

    Die Mehrheit im Westen, wie Sie leider richtig erkannt haben, folgt nur noch den Plakaten mit dem Aufdruck "Billig!" und hat das Wort "Preiswert" komplett aus dem sprachlichen Repetoire gestrichen.
    Durch dieses "Intelligente" Kaufverhalten gibt es allerdings viele Qualitätsprodukte für peanuts. :-)

    Und wer braucht schon ein Brotbackautomat, ein elektrischen Eierkocher oder ein LCD-Bilderrahmen?

    Wenn wir ehrlich sind, soooviel Innovation kann garnicht mehr im Konsumbereich stattfinden. Viel wichtiger ist es, dass innovative Energiesparmaßnahmen an Immobilien von der breiten Masse bezahlbar ist/wird.
  10. #149

    Zitat von Nils74 Beitrag anzeigen
    Und eins noch: Genießt die nächsten paar Jahre! Nachdem Volvo jetzt den Chinesen gehört und die deren Kompetenzen, vernünftige Autos zu bauen, absorbieren werden wie ein Schwamm, wird es nicht mehr lange dauern, bis chinesische Autos in guter Qualität zu Billigpreisen unsere Märkte fluten werden. Und dann ist es vorbei mit der Herrlichkeit, speziell in Deutschland.
    Das wage ich zu bezweifeln, auch wenn es uns gerne suggeriert wird. Es ist richtig, dass ein immenser Wissentransfer in Richtung chinesischer Unternehmen stattfindet, insbesondere da immer mehr Hersteller dort produzieren und diese eine bestimmte Quote an chin. Zulieferbetrieben aufweisen müssen (auch in Hauptbereichen des Fahrzeugs z.B. Motor). Da ich sehr viel schon mit dortigen Zuliefern zu tun hatte und auch noch habe, bin ich mir sehr sicher, dass sie in Zukunft zwar eine Konkurrenz werden können, aber uns nicht mit mit guter Qualität zu Billigpreisen überfluten werden.
    Gute Qualtität im Automobilebereich benötigt einen sehr hohen Automatisierungsgrad und hat hohe Qualtitätsanforderungen. Dieses können die Chinesen zwar, aber daurch ist ihr Preisvorteil dahin. Die Energie- und Materialkosten sind mittlerweile auf europäischem Stand und teilweise sogar höher, d.h. dort wo der Vorteil der manuellen Fertigung wegfällt, fällt auch der Preisvorteil weg. Das sehe ich auch zur zeit wieder, wo bei einem relativ einfachem Schmiedeteil, europäische Wettbewerber z.B. aus Italien günstiger anbieten können als die Firmen in China.

    Im Allgemeinen denke ich, dass die meisten Leute die hier schreiben, China wirklich nur aus Fernseh- und Zeitungsberichten kennen. China hat mit Sicherheit aus unserer kulturellen und politischen Sicht viele Nachteile, aber es ist bei weitem nicht so schlecht wie es teilweise gemacht wird, da spielt oft auch eine große Portion Angst mit.

    Eine Sache gibts aber, was D von China lernen kann, und das ist der Abbau der Bürokratie.

    China steht meiner Meinung nach momentan an einem Scheideweg und man muss sich entscheiden.
    Entweder man versucht die äremeren Bevölkerungsschichten weiter stark auszubeuten, um so weiter billig zu produzieren (was aber wohl irgendwann zusammenbricht), oder man baut diese Provinzen verstärkt auf und man stellt sich dem Wettbewerb, denn dann wird die Qualität entscheiden. Das China das kann, zeigen sie bereits in bestimmten Branchen.

    So und jetzt muss ich mich wieder auf meine nächste Reise vorbereiten, denn am Freitag gehts wieder für eine Woche ins Reich der Mitte.








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