Forum: Wirtschaft
Welt ohne Öl - was heißt das für Deutschland?
Der Ölpreis steigt und steigt, und trotz wachsender Nachfrage kommen die Konzerne bei der Förderung nicht hinterher. Geht das fossile Zeitalter zu Ende? Und wenn ja: Was heißt das für Deutschland?
- #3190 01.02.2011 13:10 von Michael Giertz
Prinzipiell ist es bewundernswert, wie sehr Sie sich einsetzen für eine 100% regenerative Energieversorgung. Aber Sie irren in vmancher Hinsicht, ich greife nur exemplarisch einen wichtigen Punkt auf - der Flächenhunger der regenerativen Energiequellen.
1. Fast alle regnerativen Energiequellen sind flächenintensiv. Solarenergie benötigt eine gewisse Fläche, um effektiv zu sein.
Falls Sie daran gedacht haben, eins der Wüstengebiete zu einem gigantischen Solarpark umzubauen, dann sind Sie nicht der erste, der daran denkt - und leider auch nicht der erste, der irrt.
Die Wüste ist erstmal ein Lebensraum. Wenn Sie da zehntausende Quadratkilometer mit Solarzellen abdecken, zerstören Sie diesen Lebensraum. Klar, hier geht es "nur" um ein paar Wüstenmäuse, ein paar Käfer und vielleicht 'n paar Kamele - aber in Deutschland wird wegen irgendeinem Gras oder einem Käfer ein Brückenbauprojekt verhindert. Wie wollen Sie den Grünen erklären, dass Sie für den "Solarpark Sahara" zehntausende Quadratkilometer Lebensraum zupflastern? Mal abgesehen davon ist immernoch nicht erklärt, wie der Strom (nahezu) verlustfrei aus der Sahara nach Europa kommen soll, dicke Kabel legen allein reicht da leider nicht.
2. Flächenintensiv ist auch der Anbau von Ölpflanzen für den Biosprit. Das ist in der Hinsicht doppelt verwerflich, weil zum einen die besagten Monokulturen aufgebaut werden (Schädlingszunahme) - die dann wiederum mit giftigen Insektiziden besprüht werden (umweltschädlich). Zum anderen fallen Anbauflächen für Nahrung weg. Zwar gibt es in Europa allgemein eine Überversorgung an Nahrungsmitteln - aber so dicke haben wir's auch nicht, dass wir die gesamte Öl-Energiewirtschaft auf Bio-Öl umstricken können.
Abgesehen davon ist es recht zynisch, dass wir, bei 1 Mrd. hungernden Menschen es uns leisten können, Pflanzen anzubauen, deren Öl im Benzintank unserer Autos verschwindet.
3. Windkraft ist ebenfalls sehr flächenintensiv, wenn Sie mehr als nur ein paar Haushalte damit betreiben wollen. Nur wollen Sie wirklich unsere Landschaft mit riesigen Windparks zustellen? Abgsehen von der optischen Belästigung werden auch wieder Ökosysteme eingeschränkt.
Es gibt zwar die Offshore-Windparks, aber die sind recht teuer in der Anschaffung und wesentlich aufwendiger in Unterhalt und Wartung.
Last but not least:
4. Es gibt immernoch keine Energiespeichermethode, bei der Strom in so hohen Dichten gespeichert werden kann, so dass eine Stadt im Winter daraus versorgt werden könnte, wenn die Sonneneinstrahlung zu gering für eine Vollversorgung ist, wenig Wind weht und die Bio-Ölvorräte aufgebraucht sind.
Das ist meiner Meinung nach sowieso der größte Pferdefuß. Wenn der beseitigt ist, dann räume ich den regenerativen Energiequellen realere Chancen ein. Bis dahin hoffe ich auf die Geothermalenergie bzw die Fusionsenergie. - #3191 01.02.2011 13:33 von
Es wird Sie nicht überraschen, wenn ich Ihnen vorhalte, dass Sie derjenige sind, der sich irrt.
Natürlich ist die Wüste ein Lebensraum. Dieser wird aber mit Nichten zerstört, wenn man darauf eine Solarthermieanlage errichtet. Das können Sie heute schon bei einem Solarpark sehen, der auf einen Wiese steht. Dieser künstliche Lebensraum ist artenreicher als der Acker nebenan, auf dem weiter Weizen angebaut wird.
Des weiteren sind viele dieser Wüsten vor kurzem noch Agrarflächen gewesen (z.B. in Spanien). Darauf Solarkollektoren zu stellen, wird wegen mehr Schatten -> mehr Feuchtigkeit in Bodennähe -> mehr Flora -> mehr Fauna eher dazu beitragen den ursprünglichen Lebensraum wiederherzustellen als diesen zerstören.
Das Biomassepotential ist in Mitteleuropa recht beschränkt; deswegen hatte ich es ja als Zubrot bezeichnet. Mehr als 50% des geschätzte Potentials in Deutschland entsteht aus Abfällen. In anderen Ländern mag es mehr Anbaufläche zur Deckung deren Energiebedarf geben.
Flache Küstenregionen, Küsten in Wüstenregionen und Wüsten sind keine knappen Resourcen. Außerdem wird der Lebensraum durch die Nutzung nur wenig beeintächtigt. Eine parallele Nutzung ist problemlos möglich.
Warten wir mal ab, wie sich das Offshore entwickelt. Zu den Wartungskosten kann noch niemand seriös was sagen; den höheren Investitionskosten steht ein im gleichen Maß höherer Ertrag gegenüber.
Natürlich gibt es die: Pumpspeicherkraftwerke, Wärmespeicher, (Methanisierter) Wasserstoff, etc. ...
Hier geht es um die Ablösung von Erdöl. Dazu muss man in vielen Fällen ohnehin ein Gas oder eine auf Gas basierte Flüssigkeit herstellen. Die sind in fast unbegrenztem Umfang speicherbar (Tanklager, unterirdische Kavernen).
Dann sind ja alle Probleme gelöst. Und wir können es angehen ... - #3192 01.02.2011 13:33 von Roller
Wie ich schon sagte, die Nutzungsdauer haengt vom Verbrauch ab.
Auch hier gelten ca. 60mW/ m^2, die nachfliessen.
Es wird daher nur eine Frage der Zeit und des Verbrauchs sein, wann das Erdreich endgueltig abkuehlt.
Das "in den Sand setzen" ist Programm.
Alle machen das permanent z.b. mit PVA und WKA.
Hier gibt es eine Schar von Ahnungslosen, die hier das Forum dominieren.
Wenn die alle zusammenhalten, ist man als Fachmann verloren.
Und so sieht es doch auch im wahren Leben aus.
Kritiker werden einfach verhoehnt und verspottet, weil sie Traeume zerstoeren und technisch nicht zu widerlegen sind und alle klatschen auch noch Beifall dazu. Die einzige reelle alternative Enewrgiequelle ist Windenergie, aber nicht mit 50Hz Unsinn, sondern mit einer hydraulischen Energieabfuehrung, die Windenergie speicherbar macht und den Wind- Ertrag verdreifacht.
( Und jetzt wieder alle Dummbos zusammen:"Das ist falsch!") - #3193 01.02.2011 14:10 von discurso
Sehen Sie sich einmal auf diesem Foto an, wieviel unbeschatteter Platz zwischen den Spiegeln ist, von einer zugepflasterten Fläche kann überhaupt keine Rede sein. Die Technik für den relativ verlustfreien Transport gibt es übrigens auch schon, sie ist in mehreren Ländern erfolgreich im Einsatz.
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_HG%C3%9C-Anlagen
Die Abholzung von Regenwäldern, damit sich ein paar Palmölkonzerne eine goldene Nase verdienen ist ein Verbrechen an Mensch, Tier und Natur.
Darüber hinaus sollte es gesetzlich verboten werden, Lebensmittelpflanzen zu verfeuern. Auch mit den anderen Argumenten haben Sie natürlich recht.
Biogas/Sprit sollte nur aus Abfällen oder Resten gewonnen werden. - #3194 01.02.2011 14:11 von discurso
Teil 2
Auch hier gebe ich Ihnen in den meisten Punkten recht, bei der Offshoretechnologie werden die Preise aber durch mehr know how und größere Fertigungszückzahlen weiter fallen, dies ist auch die Form, die bei uns den Großteil der regenarativen Energie erzeugen wird.
Wasserstoff bzw. Methan lassen sich sehr gut verdichten.
Pumspeicher in N CH und A, + Wasserstoffspeicher + adiabatische Druckluftspeicher können in näherer Zukunft auch längere Flauten puffern.
Der Umweltrat spricht von einem möglichen 100% Umbau bis 2050.
http://www.umweltrat.de/SharedDocs/D...ublicationFile - #3195 01.02.2011 14:22 von Michael Giertz
Mit Verlaub, Sie sind wirklich sehr, sehr idealistisch - und irren. Ich würde gern wissen, wie tief Sie in der Materie stecken, ob Sie auf dem Gebiet promoviert haben, was Sie zum Thema gelesen haben usw. Ich selbst bin "bescheidener Techniker" - mit stinknormalem Realschulabschluss vor über einem Jahrzehnt. Also weder besonders weise noch besonders tief in der Materie, der gesunde Menschenverstand muss genügen. Sagen wir mal so, Ihre Hoffnungen und Ideale beruhen auf sehr gewagten Schätzungen.
Pumpspeicherwerke jedenfalls können nur Spitzen abfangen und auch nur für kurze Zeit, sie können aber nicht monatelang aus einem Wasserreservoir gespeist werden. Also fällt diese Speichermethode weg. Das gleiche gilt auch für Wärmespeicher: irgendwann ist die Wärme futsch, lange bevor der Energiebedarf gestillt wurde. Bleibt nur die Methanisierung, die Nutzung von Erd- oder Biogas: da haben wir wieder das Problem des CO2-Ausstoßes, der eben nicht "CO2-Neutral" ist.
Das Problem was ich hier sehe ist Folgendes - um die Energie für 3 Monate zu speichern benötige ich auch Zeit, in der ich einen Energieüberschuss habe. Nehmen wir mal an ich verbrauche in den 3 Monaten nicht mehr Energie als zu anderen Zeiten (unrealistisch) und hätte 9 Monate Zeit zum Energiespeichern (auch unrealistisch) und wir hätten beim Energiespeichern einen Wirkungsgrad von 100% (unmöglich), dann müssten wir in 9 Monaten die Energie für 12 Monate generieren.
Die Realität ist aber, dass im Winter (3 Monate) mehr Energie verbraucht wird als im restlichen Jahr und das die Energiespeichermethoden allesamt eine mieserable Effizienz haben - vielleicht 25, 30%. Ich will's mal vorsichtig ausdrücken: um Energie für einen Wintermonat zu speichern brauch ich wahrscheinlich drei Sommermonate Energieerzeugung bei idealsten Bedingungen.
Deswegen "Idealismus". Wir haben in Deutschland den ungünstigen Umstand, dass von 12 Monaten effektiv 6 eher "ungemütlich" sind, d.h. ich muss die Heizung einschalten und Licht brennen lassen. Und wenn die Sommer vermehrt so ausfallen wie letztes Jahr, dann heiz ich da auch noch ... - #3196 01.02.2011 14:27 von discurso
Der Link ging irgendwie verloren
- #3197 01.02.2011 14:45 von Roller
HGÜ ist ein modernes Maerchen fuer Leute, die von Elektrotechnik keine Ahnung haben und die dann gerne auf Links verweisen, die die technischen Probleme und die wahren Verluste von HGÜ immer ausklammern.
HGÜ ist der Stoff aus dem die Traeume sind.
Leider nimmt hier keiner dazu Stellung,wenn man mal von "HGÜ funktioniert " absieht,wohl damit der HGÜ-Traum erhalten bleiben kann. - #3198 01.02.2011 14:53 von
- #3199 01.02.2011 15:29 von
Außerdem liefert uns die Sonne ein vielfaches der Energie, die wir Menschen verbrauchen. Damit können wir elektrischen Strom erzeugen, Wohnungen heizen, flüssige Brennstoffe synthetisch herstellen usw. Für die Bewältigung der "Nebenkriegsschauplätze" wie Wirkungsgrad, effektive Flächennutzung, Energiespeicherung, Energietransport usw. haben wir ja noch ca. 450 Jahre Zeit, wie der Forist heinz.mann schon dargelegt hat. Dis dahin ist Sonnenenergie auch günstiger als andere Energiequellen. Insofern ist mir nicht bange, dass bei uns demnächst die Lichter ausgehen.
Die aktuellen Top-Themen



