Zitat von
w.blankschein
Schade, dass die Diskussion hier einem so hervorragenden, unglaublich gründlich recherchierten Artikel der SPIEGEL-Redaktion (bisher) so wenig gerecht wird. In den Schlussfolgerungen und unbeantworteten Fragen (S.70) läge so viel konkreter Zündstoff, lägen so viele konkrete Lösungsansätze ...
Leider fühlen sich in den Foren hier zu viele nur berufen, ihre "immer schon" als richtig angesehenen Lösungen dem geneigten Publikum zum Besten zu geben: Der Kapitalismus "musste" doch im Scheitern/ in einer großen Krise enden <-> Kapitalflüsse in den Welt-Märkten dieser Welt bringen letztlich doch nur materielle Segnungen, zu denen "der Sozialismus" nie fähig war. Oder: "Der Kapitalismus" spaltet Gesellschaften und führt notwendig zu extremer sozialer Ungerechtigkeit <-> Westliche Politiker haben seit Jahrzehnten keine solide Haushaltspolitik geführt, "die Märkte" reagieren doch nur auf unsolide Haushaltsführung des "sozialen Wohlfahrtsstaates". - Gibt es keine anderen Handlungsalternativen?
Der Leitartikel problematisiert einige konkrete Ansätze. Ob "die politische Klasse" (Helmut Schmidt) wirklich den Mut aufbrächte, sozial und volkswirtschaftlich begründete Normen in Kontrollen und Begrenzungen der globalen Märkte umzusetzen - ich habe da meine Zweifel. Nicht zuletzt, weil sie (fast) alle der Populismus umtreibt nebst dem unbändigen Willen, an "der Macht" wenigstens zu partizipieren, wenn man die "Machtzentren der Kapitalmärkte" (Spiegel-Titel) schon nicht kontrollieren kann.
Ich wünschte mir eine international anerkannte "Ethik-Kommission", die sich aus Ökonomen, Sozialwissenschaftlern, Philosophen und Politikwissenschaftlern und ... zusammensetzen sollte und Regeln einschließlich der Kontrollmechanismen entwerfen sollte. Kapitalismus-kritische Aspekte wären dabei ebenso zu berücksichtigen wie klare Vorgaben für eine solide Haushaltsführung. Die Menschen brauchen weder Casino-Kapitalismus noch hilft ihnen linker Populismus in der Zuspitzung auf die Debatte um Spitzensteuersätze. Entscheidend ist: Wie können wir diese globalen Märkte demokratisch kontrollieren und human regulieren?!