Im Jahr 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland 6.6% (BMU-Bericht 01/07). Diese Zahl bezieht sich auf die Stromerzeugung, die Wärmebereitstellung sowie die Kraftstoffe. Seit 1998 hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt, was über diesen doch recht langen Zeitraum allerdings erschreckend wenig ist. Die höchsten Zuwächse finden sich absolut in der Stromerzeugung (insbesondere Windkraft und Solarenergie), relativ gesehen in der Kraftstofferzeugung Biodiesel, Pflanzenöl und Ethanol). Realistische Vorstellungen gehen dahin, bis 2020 25 bis 30 % der Stromversorgung mit erneuerbaren Energien abzudecken, bis 2050 will man die Hälfte des Primärenergiebedarfs aus regenerativen Quellen decken.
So weit so gut. Das bedeutet aber auch, dass selbst bei diesen sehr optimistischen Schätzungen Deutschland wohl kaum eine Vollversorgung erreichen kann und infolge dessen stets auf Importe angewiesen sein wird, egal ob es sich um bis dahin vermutlich knapp gewordenes Erdöl/Erdgas, Atomstrom oder regenerative Energien aus Ländern mit besseren Ressourcen, Flächen, Solarausbeute, Wasserkraft o.ä. handelt.
Unter diesen Umständen wäre eine genaue Kosten/Nutzenanalyse der heimischen Möglichkeiten wichtig. Zum Beispiel die Frage, welche regenerativen Energien ausgebaut werden sollten und welche besser auch in Zukunft besser importiert werden. Beispielsweise gehören die deutschen Böden zu den fruchtbarsten der Welt und es wäre ernsthaft zu überlegen, ob man sie z.B. für den Rapsanbau vergeuden sollte und sich stattdessen nicht besser auf die Produktion hochwertiger Lebensmittel konzentrieren sollte um diese dann zu exportieren und gegen Energien einzutauschen.
Länder wie Spanien mit diesen riesigen Dürregebieten eignen sich nun mal weitaus besser für Photovoltaik als die Norddeutsche Tiefebene und die Alpenregionen bieten bessere Möglichkeiten für Wasserkraft. Offshore-Windanlagen sind dagegen eine gute Option für Deutschland, ebenso aufgrund der Mehrheit der Böden dezentrale Geothermie-Anlagen für den einheimischen privaten und öffentlichen Wärmegewinn. Vorsichtig wäre ich dagegen bei dem verstärkten Einsatz von Holz (Pellets). Ein relativ waldarmes Land wie Deutschland kann hier im Verhältnis zu Skandinavien nur beschränkt punkten.
Deshalb wäre ich auch vorsichtig mit dem möglichen Ziel der energetischen Unabhängigkeit. Diese wird in Deutschland nicht erreichbar sein ohne den Nachteil der Unwirtschaftlichkeit. Zum Ausbau regenerativer Energien würde ich ein klares Ja sagen, aber immer mit der Einschränkung, dass wir nicht den Ausbau jeder Energiequelle unbedingt fördern sollten, dieses nur im Verbund mit den europäischen Nachbarn.


