Forum: Wirtschaft
Ist der Sozialstaat zu sozial?
FDP-Chef Guido Westerwelle hat eine Debatte über Hartz IV angestoßen - doch längst wird über den Sozialstaat im Allgemeinen diskutiert. Ist Deutschland zu sozial? Oder ist eher das Gegenteil der Fall?
- #1 18.02.2010 10:25 von
- #2 18.02.2010 10:29 von
Die Fragestellung würde sich erübrigen, wenn nicht durch Mithilfe und Gesetzgebung des Staates Lohndumping uns Lohndrückerei möglich gemacht worden wäre. Die Anreize Arbeit aufzunehmen hängen mit dem Gier der Unternehmensverbände, die von der BRD verlangen mit Löhnen in China konkurrieren zu können, ist hier massgebend.
- #3 18.02.2010 10:33 von Hercules Rockefeller
Och Spiegel...
Ja warum wohl sind die "Anreize" eher klein? Was ist denn der "Anreiz", na? Genau, der Lohn. Und wenn der "eher klein" ist, dann lohnt es sich ja nicht. Im Ausland gibts einfach mehr Kohle, da kann man von seinem Geld leben, ohne aufstocken zu müssen. Und wenn man aufstocken muss, dann kann man es wirklich direkt lassen zu arbeiten, denn dann arbeitet man wirklich nur für den Chef, aber nicht für sich.
- #4 18.02.2010 10:35 von tristar73
...
Wieder so eine Frage und ein Thread, wo es darauf hinausläuft, das wir natürlich viel zu hohe Sozialleistungen haben, und das wir da ja einen tollen Vizekanzler haben, der endlich mal ehrlich allen die Meinung sagt.
Nämlich... Das es nix geileres als Neoliberalismus gibt, auch wenn dafür die eine Hälfte der Deutschen in Arbeitslager kommt, und die andere Hälfte für 2,50 Euro arbeiten darf.
Er und seine Anhänger müssen das ganze natürlich koordinieren, und Widerstand verbal forthetzen, wodurch hier natürlich auf jeden Fall Arbeitsplätze erhalten bleiben.
Auch die Mikro-Hersteller dürften sich über anhaltenden Konjunkturschub freuen, denn in Zukunft wird noch viel Bedarf für lautes Geschreie da sein! - #5 18.02.2010 10:52 von lieven
Vorab: Der deutsche Sozialstaat leistet das, was er mindestens leisten soll und muss, in einem der führenden Industrieländer dieser Erde.
Darüber hinaus, leistet sich der Sozialstaat unglaubliche Entgleisungen, Auswüchse und Exzesse, die jedem, der den Blick von draußen wagt, Tränen des Lachens in die Augen treibt. Oder auch totale Unverständnis in den Gesichtszügen entstehen lässt.
Das eigentliche Problem, dies hat der kuschelige Rundum-Sorglos-Sozialstaat der 80ziger und 90ziger Jahre bewirkt, ist die Mentalität der Menschen.
Hier wird nicht mehr gefragt was der Mensch für die Gemeinschaft tun kann, hier wird an aller erster Stelle gefragt, welche Ansprüche an die Gemeinschaft man wohl hat.
Ich persönlich finde es ganz und gar hervorragend, dass Leute wie Westerwelle hier eine grundsätzliche Diskussion fordern. - #6 18.02.2010 11:35 von
Offensichtlich ist der Sozialstaat in Deutschland nicht sehr wirksam, wie die Wissenschaftler in der Studie ja mehr als deutlich angemerkt haben.
Man muß sich das auf der Zunge zergehen lassen: der Anreiz, sich eine neue Stelle zu suchen, ist eher klein!
Es hilft nur, endlich gegenzusteuern. Guido Westerwelle sollte das Sozial- UND Arbeitsressort übernehmen! - #7 18.02.2010 11:40 von
- #8 18.02.2010 11:40 von Achras
Es ist schon bezeichnend, daß die Armutsproblematik hier weder unterm Rubrum "Politik" noch unter "Gesellschaft" zu diskutieren ist, sondern unter "Wirtschaft"...
Lohnzurückhaltung hat jedenfalls noch keinen Aufschwung, keinen allgemeinen Wohlstand, keine "Anreize" geschaffen.
Lohn ist der Preis für Arbeit, und Preise steigen oder fallen zumeist simultan mit der NACHFRAGE.
Ein Staat, der in die Preisfindung eingreift, beispielsweise indem er "Kombilohnmodelle" anbietet, verbietet es dem der Arbeitgeberseite ja geradezu, lebenserhaltende Löhne für "marktkonform" zu halten.
Die existenzielle Bedrohung der Lohnabhängigen, nicht mehr für der Erbringung von Wirtschaftsleistung und Wertschöpfung benötigt zu werden, ist immens. Erstaunlich, daß die OECD auch schon gemerkt hat, was in Deutschland seit dem Lambsdorff-Papier am Sozialstaat demontiert wurde.
Stellt sich nicht eher die Frage, was die Motive sind, eben jenes noch in den 1970er Jahren weltweit vorbildliche Gleichgewicht von wirtschaftlicher Stärke UND sozialer Sicherung so völlig ersatzlos abzuschaffen? - #9 18.02.2010 11:40 von lamblies
Scheibchenweise
soll das Kuchenstück immer kleiner werden, merkt ja keiner so schnell.
Deutschland im Winter.
Gallus in suo sterquilinio plurimum potest.
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