Ist der Euro noch zu retten?

Mit ungewöhnlich scharfer Kritik meldete sich Bundespräsident Wulff in der Euro-Krise zu Wort: Vor einer Gruppe Nobelpreisträger rügte er die Strategie von Spitzenpolitikern und Währungshütern. Hat er Recht? Ist der Euro überhaupt noch zu retten?
  1. #6350

    Zitat von tao chatai Beitrag anzeigen
    Alles ist moeglich in der Wirtschaft und wenn Sie etwas Zeit investieren werden auch die Zinsen wieder auf etwa 20% steigen...
    "Dank" China ist mittlerweile alles möglich.
  2. #6351

    Sonderwirtschaftszonen ...

    Zitat von krassopoteri Beitrag anzeigen
    "Dank" China ist mittlerweile alles möglich.
    man braucht es nicht all zu weit suchen um zu sehen wie der anschluss erkauft wird:

    "The spread of employment techniques such as this has made Poland the European leader in the junk job field. Between 2000 and 2011, the percentage of employees on junk contracts soared from 5.8 to 26.9%, the highest in Europe and almost double the EU average."

    Sackings expose the harsh reality of Poland's junk jobs | Peggy Watson | Comment is free | guardian.co.uk
  3. #6352

    Zitat von marant Beitrag anzeigen
    Die Frage lautet nicht wer es reingeworfen hat, denn damit werden nur weitere Sündeböcke produziert, was zugegeben in jeder Krise so ihre Hochkonjunktur erfährt, sondern warum es reingeworfen wurde ...
    Oh, dann fangen wir einmal an, gehen hier aber jezt nicht bis zu den Gründen für die Entstehung der (Kartell-)FED zurück (dieses Thema wurde hier schon breit und ausführlich diskutiert), sondern setzen um 1980 an, nachdem Paul Volcker die Dollar-Inflationierung in den Griff bekommen hatte.
    Damals betrat also ein gewisser "Ronnie" Reagan die Weltbühne, und der hatte sich in den Kopf gesetzt, partout schnellstmöglich den Kommunismus zu eliminieren. Und da im Kino zu dieser Zeit gerade "Star Wars" Hochkonjunktur hatte, machte es bei Ronnie "klick" und er sagte sich: "Genau sowas will ich auch!" Und für das gigantischste Aufrüstungsprogramm, das jemals in den USA stattgefunden hat, brauchte Reagan natürlich Geld, sehr viel Geld. Also ließ er Volckers Nachfolger Alan Greenspan mit der gigantischen Kreditexpansion beginnen und Dollars drucken, um sein "Star Wars" finanzieren zu können (die amerikanischen Steuerzahler hätten ihm nämlich gewaltig etwas gehustet, hätte er dafür die Steuern erhöhen wollen, denn andererseits betrieb er ja auch noch seine "Reaganomics" - eine total ambivalente Figur also...).
    Und nur in diesem einzigen Punkt irren also die "Austrians": die weitaus größten Mengen an Fiat-Money wurden nicht gedruckt, um damit Wohlfahrtsstaaten zu finanzieren, sondern Rüstungsprogramme respektive Kriege!
    Und "dank" der Petrodollarisierung bzw. dem Status des USD als Weltleit- und -reservewährung war es zudem möglich, die Dollar-Inflationierung in alle Welt zu exportieren.
    Und was jetzt Reagan betrifft: er erreichte natürlich sein Ziel:
    "Aber der eigentliche Punkt war: zu diesem Zeitpunkt war die Sowjetische Militär-Wirtschaft abhängig von harten Dollarwährungseinkünften. Und der einzige Weg, den sie hatten, oder für den größten Teil von bis rund 70 Prozent, den sie hatten, um diese harten Dollar zu verdienen, war durch Exporte in die westlichen Märkte von Öl und in geringerem Maße von Erdgas. Also wurde die russische Wirtschaft durch die einstürzenden Ölpreise von den niedrigen 30ern Dollarständen – es waren 32 oder 33 USD, glaube ich, am Anfang – auf 9 Dollar während der Tiefe der Operation Mitte 1986, plötzlich zum Zerreißen gedehnt . Gorbatschow musste an diesem Punkt einfach den letzten Tropfen Blut aus den Satelliten-Volkswirtschaften Ost-Deutschlands, Polens, der Tschecheslowakei und so weiter saugen, um verzweifelt zu versuchen, Schritt zu halten mit dem Wettrüsten beim “Star Wars” mit Washington, denn wenn Washington das Wettrüsten gewonnen hätte, und sei es nur halbwegs gewesen, und Russland lag zurück, hätten sie einfach auf die Knie fallen und aufgeben müssen. Daher war es das, laut russischen Ökonomen mit denen ich nach dem Zusammenbruch im Jahre 1994 in Moskau gesprochen habe, was wirklich die Sowjetunion 1988-1989 brach.
    “Wir sind inmitten einer epochalen tektonischen Verschiebung”
    Wenn man möchte, dann kann man also folgendermaßen schlussfolgern: das EINZIG Gute, was mit Kreditexpansion und Gelddrucken erreicht wurde, war die Eliminierung des kommunistischen Totalitarismus...
  4. #6353

    Zitat von redhead72 Beitrag anzeigen
    ... die weitaus größten Mengen an Fiat-Money wurden nicht gedruckt, um damit Wohlfahrtsstaaten zu finanzieren, sondern Rüstungsprogramme respektive Kriege!
    Kurzer Nachtrag: das schließt selbstverständlich auch Kriegsfolgen mit ein. Denn beispielsweise in der Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg wurde Fiat-Money in gewaltiger Größenordnung vor allem deswegen gedruckt, um die Reparationsforderungen von Versailles zu "unterlaufen".
    Die Konsequenzen 1923 sind hinlänglich bekannt...
  5. #6354

    "Star Wars" ...

    Zitat von redhead72 Beitrag anzeigen
    Also ließ er Volckers Nachfolger Alan Greenspan mit der gigantischen Kreditexpansion beginnen und Dollars drucken, um sein "Star Wars" finanzieren zu können (die amerikanischen Steuerzahler hätten ihm nämlich gewaltig etwas gehustet, hätte er dafür die Steuern erhöhen wollen, denn andererseits betrieb er ja auch noch seine "Reaganomics" - eine total ambivalente Figur also...).
    Und nur in diesem einzigen Punkt irren also die "Austrians": die weitaus größten Mengen an Fiat-Money wurden nicht gedruckt, um damit Wohlfahrtsstaaten zu finanzieren, sondern Rüstungsprogramme respektive Kriege!
    In der Tat man müsste immer wieder ein paar Schritte zurückgehen, um es zu verstehen, es aber alleine auf die "Star Wars" zurückzuführen, wäre zu kurz gegriffen, punktuell an die angesprochene Ambivalenz anknüpfend... Steuern wurden massiv gesenkt ! ... das Wettrüsten/zum Tode rüsten war das Ambivalente worauf die Neoliberalen nicht verzichten konnten nur erstmal auf militärisch-industrielles beschränkt. Einverstanden ?
  6. #6355

    Zitat von marant Beitrag anzeigen
    In der Tat man müsste immer wieder ein paar Schritte zurückgehen, um es zu verstehen, es aber alleine auf die "Star Wars" zurückzuführen, wäre zu kurz gegriffen, punktuell an die angesprochene Ambivalenz anknüpfend... Steuern wurden massiv gesenkt ! ... das Wettrüsten/zum Tode rüsten war das Ambivalente worauf die Neoliberalen nicht verzichten konnten nur erstmal auf militärisch-industrielles beschränkt. Einverstanden ?
    Solange wie die Gesellschaft so ist wie sie ist, wird sich nichts ändern.
    Jemand mit Geld kann sich im Bundestag leicht Mehrheiten "schaffen", während die mit wenig Geld kaum irgendwann mal mitreden dürfen. Die Politik fordert - als Sprachrohr der Wirtschaft - immer niedrigere Steuern. Klar ist, dass irgendwann der Staat dann nur noch per Kredit funktionieren kann. Hinzu kommt etwaws, was viele Wirtschaftsnobelpreisträger der Politik immer wieder vorrechnen:
    Reiche und Superreiche legen ihr Geld in absolut konservativer Weise an. Damit schaffen sie kein Wachstum, aber wenn Konsumenten über Geld verfügen, dass schafft das Wachstum. Wer also Wachstum will, muss an die Reichen ran, und das Gros der Bevölkerung mit viel mehr Geld ausstatten. In den letzten 30 Jahren haben die Beschäftigten alleine durch den ausgebliebenen Ausgleich das Lebenshaltungskostenanstiegs auf etwa 100% an Lohn, und damit an Konsum verzichten müssen, ganz zu schweigen von dem vorenthaltenen Ausgleich durch den Produktivitätsfortschritt. Ein Land, in dem das nicht so gehandhabt wird, die Schweiz, steht blendend da. Wohl auch, weil die Schweiz eine der Wirtschaftskraft entsprechenden Währung hat.


    exilator
  7. #6356

    jaja

    Zitat von exilator_ Beitrag anzeigen
    Solange wie die Gesellschaft so ist wie sie ist, wird sich nichts ändern.
    Jemand mit Geld kann sich im Bundestag leicht Mehrheiten "schaffen", während die mit wenig Geld kaum irgendwann mal mitreden dürfen. Die Politik fordert - als Sprachrohr der Wirtschaft - immer niedrigere Steuern. Klar ist, dass irgendwann der Staat dann nur noch per Kredit funktionieren kann. Hinzu kommt etwaws, was viele Wirtschaftsnobelpreisträger der Politik immer wieder vorrechnen:
    Reiche und Superreiche legen ihr Geld in absolut konservativer Weise an. Damit schaffen sie kein Wachstum, aber wenn Konsumenten über Geld verfügen, dass schafft das Wachstum. Wer also Wachstum will, muss an die Reichen ran, und das Gros der Bevölkerung mit viel mehr Geld ausstatten. In den letzten 30 Jahren haben die Beschäftigten alleine durch den ausgebliebenen Ausgleich das Lebenshaltungskostenanstiegs auf etwa 100% an Lohn, und damit an Konsum verzichten müssen, ganz zu schweigen von dem vorenthaltenen Ausgleich durch den Produktivitätsfortschritt. Ein Land, in dem das nicht so gehandhabt wird, die Schweiz, steht blendend da. Wohl auch, weil die Schweiz eine der Wirtschaftskraft entsprechenden Währung hat.


    exilator
    .........

    Vor allem hat die Schweiz den Globalisierungsirrsinn nach US-Schuldenmaß nur bedingt mitgemacht, und dort, wo sie ihn mitgemacht hat, wie auf dem Finanzsektor, hat sie eine perfekte Bauchlandung hingelegt.
    Natürlich ist es richtig, daß Wachstum nur aus Nachfrage kommen kann und ganz bestimmt nicht aus dauernder Alimentierung der Finanzinstitute und der Reichen.
    Nur fehlt eben die Bereitschaft, wirklich am System etwas zu ändern. Was ohnehin nur Sinn machte, wenn es alle machten, denn ohne Wandlung des Schuldenweltmeisters USA öndert sich nicht wirklich was.
    Bis dort dann, irgendwann und notgedrungen, die Einsicht wächst, bleibt Europa eine simple Zwischenlösung: Es beim Euro belassen und einfach nationale Parallelwährungen einführen, wie einst bewährt zur Euro-Einführung. Genau damit könnten Unterschiedlichentwicklungen ausgeglichen werden.
    rabenkrähe
  8. #6357

    eine gefährliche Schieflage

    Zitat von beobachter68 Beitrag anzeigen
    Die lage der EU und Euro ist in der Tat erbärmlich. Dabei ist das nicht die Schuld von Wirtschaft und nicht einmal der Finanzindustrie, sondern vor allem von Politiker. Europa hat eine einmalige Inkompetenz auf politische Ebene. Die größte Volkswirtschaft Europas hat einen Arzt als Wirtschaftsminister(!!!), die Inkompetenz der Bundeskanzlerin in Wirtschafts- und Finanziellen-zusammenhänge braucht kein Kommentar und jetzt meldet sich noch der Bundespräsident als finazrechtlichen Experte zu Wort! Was für ein katastrophaler Zustand.
    ...neun Zahler und 18 Empfänger!!! EINE GEFÄHRLICHE SCHIEFLAGE !!!So sieht die Finanzgebarung in der EU aus...man muss mir erklären wie das funktionieren soll!!! Wir Österreicher haben keine Freude damit, denn unser Lebensstandard ist tief gesunken....kann mir vorstellen, dass es in Deutschland auch so ist.....haben wir das nötig gehabt?? Wir Österreicher haben die EU nach dem Krieg nicht gebraucht und wir brauchten sie auch jetzt nicht, denn wir haben den Glauben an UNS selber und UNSERE Tüchtigkeit nicht verloren...auch ihr Deutschen habt euch in die Hände gespuckt und jetzt seid ihr der Hauptzahler........das soll uns/euch mal einer der 18 Empfänger nachmachen...dann sähe die EU wahrlich anders aus...!! EU-DAS ELEND IST UNSER !!! Grüße euch liebe Nachbarn!!
  9. #6358

    Wer gibt einem Betrüger das Recht

    Zitat von rolli Beitrag anzeigen
    Klar hat er recht, auch wenn ich Wulff für eine Flasche halte, ein gewissenhat er immer gehabt. Nein, der Euro ist in der derzeitigen Form nicht zu retten.
    Auch niciht mit den Ermächtigungsgesetzen die Schäuble und Merkel durch das Parlament prügeln wollen.
    sowas zu kritisieren.
    Das ist schon wieder gewullft.

    IM Erika will die Diktatur auf Kosten der Deutschen.Da hat er leider Recht.
  10. #6359

    Zitat von rabenkrähe Beitrag anzeigen
    .........

    Vor allem hat die Schweiz den Globalisierungsirrsinn nach US-Schuldenmaß nur bedingt mitgemacht, und dort, wo sie ihn mitgemacht hat, wie auf dem Finanzsektor, hat sie eine perfekte Bauchlandung hingelegt.
    Natürlich ist es richtig, daß Wachstum nur aus Nachfrage kommen kann und ganz bestimmt nicht aus dauernder Alimentierung der Finanzinstitute und der Reichen.
    Nur fehlt eben die Bereitschaft, wirklich am System etwas zu ändern. Was ohnehin nur Sinn machte, wenn es alle machten, denn ohne Wandlung des Schuldenweltmeisters USA öndert sich nicht wirklich was.
    Bis dort dann, irgendwann und notgedrungen, die Einsicht wächst, bleibt Europa eine simple Zwischenlösung: Es beim Euro belassen und einfach nationale Parallelwährungen einführen, wie einst bewährt zur Euro-Einführung. Genau damit könnten Unterschiedlichentwicklungen ausgeglichen werden.
    rabenkrähe
    Betrachtet man die deutsche Textilbranche, so fällt auf, dass alle, auch Adidas mal pleite waren, ausser Trigema. Dort herrscht sowas wie das schweizer System. In der Schweiz will und braucht man kein Wachstum, das nicht nachhaltig ist, und durch Subventionen oder Zuschüsse oder Lohndrückerei ( das gesamte System des Verbrechers Hartz beruht auf diesem falschen Grundsatz ) entstanden ist. Man ist mit dem organischen Wachstum zufrieden, und man wächst vornehmlich nicht in der Masse, sondern in der Qualität. Das ist ein Riesenunterschied. China etwa hat sein System so subventioniert, dass man ein Wachstum von 8% mindestens braucht, um auch nur das System notdürftig finanzieren zu können. Besonders hier wird in den nächsten Jahren deutlich werden, dass gesponsortes Wachstum eben eine Schuldenfalle wird.
    Wenn alle dasselbe machen, haben alle gleich viel. Auch der Schuldengrund Nummer 1 in Europa und der Welt muss sich ändern: D. hat wieder einmal die Schandmeldung geschafft, die grössten Handelsbilanzüberschüsse der Welt zu haben. Wird wohl nicht lange dauern. bis D. zurechtgestutz wird.
    Das Europroblem ist kein Geldproblem, sondern das Problem, dass Volkswirtschaften eine Währung aufgedrück bekommen haben, die nicht der Leistungsfähigkeit dieser Volkdwirtschafen entspricht. Und dieses Problem kann man weder politisch noch wirtschaftspolitisch regeln.

    rolli