Forum: Wirtschaft
Ist der Euro noch zu retten?
Mit ungewöhnlich scharfer Kritik meldete sich Bundespräsident Wulff in der Euro-Krise zu Wort: Vor einer Gruppe Nobelpreisträger rügte er die Strategie von Spitzenpolitikern und Währungshütern. Hat er Recht? Ist der Euro überhaupt noch zu retten?
- #4350 13.12.2011 12:03 von
Eine Währungsgemeinschaft ist eigentlich ein Bund für immer. Es ist nicht vorgesehen, dort wieder Auszutreten. Falls z.B. Griechenland die Drachme wieder einführt, sinkt diese gleich um das vielfache ihres Wertes, da nun jeder weiß, dass Griechenland niemals die Schulden zurückzahlen kann und es auch nicht vorhat, gemessen an den Reaktionen der Bürger auf die EU-Sparaktionen.
Da dies in vielen Ländern so ist, werden die Gläubiger, die nicht irgendwelche Personen sind, sondern meist Banken, oder ähnliches, natürlich auch Staaten inzwischen, nicht so froh darüber sein, dass sie Griechenland Geld gegeben haben, denn sie werden es wohl nie zurück bekommen. Dadurch fehlt den Banken wiederum das Geld, investitionen zu tätigen und damit die Wirtschaft liquide zu halten. Somit kommt auch uns in Deutschland auch nur ein Austritt (bzw. Rauswurf) Griechenlands teuer zu stehen.
Sollte stattdessen die gesamte Eurozone aufgelöst werden, vervielfachen sich natürlich die Auswirkungen. Zusätzlich wird die D-Mark durch die starke Wirtschaft Deutschlands extrem aufgewertet, wodurch unser Export zum erliegen kommt, da die anderen Währungen im Vergleich alle viel weniger Wert sind, als noch zu Eurozeiten.
Also warum soll jetzt der Euro nochmal gerettet werden? - #4351 13.12.2011 12:05 von
ttt
ja war in der gestrigen ausgabe zu lesen, hinzugefügt sei EUobserver.com / Economic Affairs / IMF euro rescue starts to unravel dazu passend die neue ratings drohgebärden .......... der andere trick wäre im zuge der kreditklemme die nötige liquidität von der EZB an die banken zu streuen die den betroffenen ländern unter die arme greifen... wie ich meine dies würde dem Sarko zupass kommen.
- #4352 13.12.2011 12:32 von
Sie stochern im Nebel:
Es ist ganz einfach die unermesslich große Summe aus kleinen bis größten Geldvermögen, die unser globales Wirtschaftssystem ins Wanken bringt. Die Zahlen:
2010: weltweites Geldvermögen = ca. 85 Billionen Euro (= ca. 115 Billionen US $).
Unterstellt man, dass diese 115 Billionen US $ Geldvermögen eine Rendite (Dividenden, Zinsen, ...) von (nur) 4% erhalten haben, dann sind das 4,6 Billionen US $.
Diese 4,6 Billionen US $ wurden dem globalen BIP 2010 "entnommen":
Globales BIP 2010 = ca 61 Billionen US $
Globales BIP-Wachstum 2010 = +4,2% (regional mal mehr, mal weniger: China, Brasilien mehr; Europa, USA weniger,....) = +2,5 Billionen US $ globales Plus.
Allein das globale BIP-Wachstum von 2,5 Billionen US $ hat für die Ausschüttung der 4,6 Billionen US $ nicht ausgereicht, auch die restlichen 2,1 Billionen US $ Ausschüttungen wurden dem laufenden BIP entnommen, oder aus zukünftigem BIP bzw. aus Verschuldung/Staatsverschuldung beglichen.
Kein Zweifel: die 4,6 Billionen US $ Ausschüttung wurden ausbezahlt! Andernfalls hätten wir 2010 "Lehmann-hoch-3" erlebt.
Das bedeutet: Für die Renditezahlungen an die Geldvermögen findet zunehmend eine Umverteilung des BIP statt.
Die im BIP abgebildeten Anteile "Einkommen aus Arbeit" und "Staatseinnahmen" müssen schrumpfen, und zwar relativ/prozentual zugunsten der "Einkünfte aus Kapital- und Geldvermögen". Und/oder die Verschuldung muss steigen.
Diese Umverteilung findet im wesentlichen statt über Lohnsenkungen, Verdrängung von Konkurrenten, Arbeitslosigkeit, und Preisanhebungen. Produzenten etwa geben die von Banken verlangten Kreditzinsen an ihre Preise weiter. Verblendete neoliberale Wirtschafts-"fachleute" geben vor, Preissteigerungen beruhten i.d.R. weiterhin auf Angebot und Nachfrage.
Obige globale Betrachtung lässt sich separat genauso für die 2 größten Wirtschaftsblöcke der Welt - Nordamerika und Europa - anstellen. Das Ergebnis ist immer gleich: Der Teil der Bevölkerung (Arbeitnehmer, Unternehmen, Handel,...), der das BIP real erwirtschaftet, erhält zunehmend weniger vom Kuchen. Dagegen steigen die leistungslosen Einkommen.
Die Misere liegt in einem ganz einfachen 3-teiligen Sachverhalt begründet, in (a) der schier unermesslichen Größe der angewachsenen Geldvermögen, (b) deren unwidersprochenem anhaltenden Renditeverlangen, (c) die Realwirtschaft ist dem Geldvermögen gegenüber zu klein bzw. sie kann nicht so schnell wachsen wie es die Geldvermögen vormachen.
Nirgendwo getraut man sich, das gängige Renditeverlangen infrage zu stellen. Zinszahlungen auf Einlagen werden (fast) ohne Ausnahme bedient. Dort gibt es keine Ausfälle, es sei denn eine Bank ginge Pleite (Lehmann!). "Das System" (= Politik, Wirtschaft, Finanzwelt) unternimmt derzeit alles (wirklich ALLES!), um die Renditezahlungen aufrecht zu erhalten (u.a. Bankenrettung, die man uns gerne mit der GR-Krise begründet). - #4353 13.12.2011 14:37 von
"Das System"
Das stimmt, allerdings stehen dem Geldvermögen immer Schulden gegenüber und ein großer Teil davon machen Staatsschulden aus. Über ihre Verschuldung können Staaten direkt auf die Geldvermögen einwirken.
Müssen sie nicht, der Staat müsste einfach nur (Geld-)vermögen bzw. Vermögenseinkünfte stärker besteuern anstatt "Einkommen aus Arbeit", dann geschähe nämlich folgendes: Je höher die Einkommen aus Vermögen wären, desto höher müssten eben jene an Steuern abführen und der Rest bleibe weitgehend verschont. Deswegen spreche ich mich für eine Umstellung der Staatsfinanzierung aus, warum sollen nicht die am meisten zahlen, die am meisten profitieren, und diejenigen entlastet werden, die produktive Arbeit leisten?Die im BIP abgebildeten Anteile "Einkommen aus Arbeit" und "Staatseinnahmen" müssen schrumpfen, und zwar relativ/prozentual zugunsten der "Einkünfte aus Kapital- und Geldvermögen". Und/oder die Verschuldung muss steigen.
Deshalb muss man alles tun, um die Geldmenge zu reduzieren:Die Misere liegt in einem ganz einfachen 3-teiligen Sachverhalt begründet, in (a) der schier unermesslichen Größe der angewachsenen Geldvermögen, (b) deren unwidersprochenem anhaltenden Renditeverlangen, (c) die Realwirtschaft ist dem Geldvermögen gegenüber zu klein bzw. sie kann nicht so schnell wachsen wie es die Geldvermögen vormachen.
1. Eigenkapitalquoten der Banken erhöhen
2. Zentralbankzinsen anheben
3. Staatsschulden zurückführen
4. Pleiteunternehmen oder -staaten nicht retten, sondern pleite gehen lassen
Und schon schrumpft die Geldmenge genauso schnell wie sie gewachsen ist.
Das ist eben der Fehler, statt sinnlos alles "retten" zu wollen, muss man die Blase eben platzen lassen - es hilft alles nichts!Nirgendwo getraut man sich, das gängige Renditeverlangen infrage zu stellen. Zinszahlungen auf Einlagen werden (fast) ohne Ausnahme bedient. Dort gibt es keine Ausfälle, es sei denn eine Bank ginge Pleite (Lehmann!). "Das System" (= Politik, Wirtschaft, Finanzwelt) unternimmt derzeit alles (wirklich ALLES!), um die Renditezahlungen aufrecht zu erhalten (u.a. Bankenrettung, die man uns gerne mit der GR-Krise begründet).
Das Problem ist doch erkannt und bekannt, aber statt in den sauren Apfel zu beissen und es endlich hinter uns zu bringen, geben wir uns lieber dem glauben an die "Wunderwaffe" (the big bazooka) hin, die es schon irgendwie richten wird. Wird sie nicht!
Das einzige was hilft, ist das Geldmengenwachstum mit allen Mitteln zu begrenzen und umzukehren, alles andere ist Träumerei. Und ja, es werden dabei alle leiden, unter weniger Wachstum und weniger Einkommen, aber im Gegensatz zu jetzt würde es vornehmlich die (Geld-)vermögenden treffen und nicht den normalen Arbeitnehmer.
Man kann nichts alles haben. Schulden=Geld befördern Wachstum, aber eben über die Umverteilung auch Ungleichheit. Man kann das eine nicht ohne das andere haben; eine Steuer auf (Geld-)Vermögen und -einkommen kann aber die Umverteilung in akzeptablen Grenzen halten, weil sie sich das Geld von denen holt, die es am Ende bekommen. Um dieses durchzusetzen braucht es aber ein anderes (politisches) "System". - #4354 13.12.2011 15:57 von
- #4355 13.12.2011 16:09 von
Ihr link geht ins Nirwana, wo sie sich offensichtlich auch befinden. "Lohnstückkosten sind stärker gestiegen..." schreiben Sie. Stärker als was? Stärker als in USA? Oder stärker als Ihr IQ?????Was wollen Sie denn sagen, Mann!!!!!
Was wollen Sie denn mit den Zahlenspielereien sagen? Woher kommt das aus Ihrem Hirn? Wollen Sie sagen, dass 3% fast so viel sind wie 2 % oder dass 28 Euro besser sind als 47 Euro? Mensch Patrik!!!!!Was wollen Sie denn????
rolli - #4356 13.12.2011 16:29 von
[QUOTE=Palmstroem;9296811] Alles falsch.
Die FED druckt Geld wie blöde für die US-Regierung, heisst heutzutage nur euphemistisch: quantitaive easying.
Und Öl wird in Dollar gehandelt, da andernfalls die US-Boys vorbeikommen und Bömbchen abwerfen. Fragen Sie Herrn Hussein oder Herrn Gaddafi. Das ist auch der Grund warum die US-Boys keinen starken Euro mögen...
Rohstoffhandel - Öl - nur noch gegen Euro - Politik - sueddeutsche.de
Ohne Ölbindung (ähnlich der früheren Goldbindung) wäre der nämlich Dollar per quantitative easying längst weginflationiert. - #4357 13.12.2011 16:32 von
- #4358 13.12.2011 17:17 von
Immer wieder Fakten
Es wundert mich nicht, dass sie mit der Materie überfordert sind.
Ich will damit sagen, dass in absoluten Zahlen die deutschen Lohnstückkosten höher sind als anderswo und das sie deshalb nicht weiter steigen (können), solange die anderen bei etwa gleicher Kapitalausstattung noch nicht nachgezogen haben. Es ist also nicht verwunderlich, wenn unsere Lohnstückkosten stagnieren, während sie in billigeren Ländern steigen. Dennoch sind sie hier höher als in den meisten anderen Ländern. Der Verweis auf die Entwicklung allein greift zu kurz. Er sagt gar nichts aus.
Die Zahlen habe ich in Anlehnung an die Arbeitskosten in der Automobilindustrie gewählt, man kann auch andere als Beispiel heranziehen.
Wenn sie über ein rudimentäres Textverständnis verfügen würden, könnten sie lesen, dass die Lohnstückkosten zwar seit 1996 gesunken sind, vorher sind sie aber massiv (doppelt so stark) gestiegen sind - wegen der Einführung der im Vergleich zur Produktivität ungerechtfertigt hohen Löhne in Ostdeutschland.
Diese Tatsache wird natürlich gerne verschwiegen. Das ist mit den Politikern vergleichbar, die sich in einem Jahr eine massive Diätenerhöhung gönnen, um dann in der Folge ganz bescheiden auf weitere Erhöhungen zu verzichten, das Bild ist eben nur komplett wenn man die gesamte Legislaturperiode betrachet. Insgesamt haben sich die Politiker natürlich mehr gegönnt als wenn ihre Diäten jedes Jahre schrittweise gestiegen wären. Ebenso verhält es sich mit den Löhnen, diese sind nach der Wiedervereinigng massiv hochgepumpt worden (im Osten) und seither verharren sie auf diesem überhöhten Niveau, begleitet von anhaltender Arbeitslosigkeit (welch ein Wunder!)
Zahlen herzu findet man z.B. bei der OECD.
Lohnstückkostenindex (2005=100)
Land - 1990 - 1996 - 2010 - Wachstum 1990-2010
D - 92 - 110,6 - 107,0 - +16,3%
DK - 83,9 - 91,2 - 99,4 - +18,4%
NL - 93,7 - 96,8 - 103 - +9,9%
S - 146,1 - 135,1 - 101,8 - -30,3%
Interessant, oder?
Betrachtet man die Lohnstückkostenentwicklung seit 1990 dann stellt man fest, dass Deutschland etwa gleichauf mit Dänemark ist, stärkeren Zuwachs hat als die Niederlande, und dass die vielgerühmten Schweden ihre Lohnstückkosten im selben Zeitraum sogar massiv zurückgefahren haben (die neoliberalen Schweine).
In Verbindung mit der Tatsache, dass wir fast die höchsten Arbeitskosten in der Industrie haben, zeigt sich, dass wir alles sind, nur kein "Dumpinglohn"-Land.
Mehr auf Fakten schauen und weniger auf Propaganda, dann wird das Bild auch klarer! - #4359 13.12.2011 18:41 von
Geldvermögen
Mir wird richtig schlecht, wenn ich immer wieder den gleichen Unsinn lesen muss, der hier beschrieben wird!
Das mit dem Geldvermögen kann eigentlich so nicht stimmen, wenn die weltweiten Schulden dabei nicht berücksichtigt werden.
Auch die Aussagen zu den Renditeerwartungen sind falsch, weil ja die Schuldner darüber befinden können, wieviel Zinsen sie bereit sind zu zahlen.
Es ist nicht die Gier nach hoher Rendite, sondern der Schuldenwahn
der Schuldner!
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