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Hat die Politik noch Einfluss auf die Finanzmärkte?

Wirtschaftsmeldungen bestimmen derzeit die politische Agenda, Börsendaten machen Politik: Selten waren die Situation der internationalen Finanzen und der Unternehmen so bestimmend für die Erwartungen, die die Bürger an die Politik stellen. Aber hat die Politik überhaupt noch Einfluss auf die Finanzmärkte? Oder entscheiden ganz Andere?
  1. #1170

    Zitat von savoureur Beitrag anzeigen
    Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß!
    Zum Teil haben Sie recht. Aber wir sehen doch, dass nur leicht unvernünftiges Haushalten (Deutschland) mit dieser Situation eher klarkommt als total unvernünftiges Haushalten (Griechenland, Portugal). Die Länder, die Sie aufzählen, sind strukturell zu schwach, um solchen Vorfällen in den Ausmaßen, wie wir sie in den letzten Jahren sahen, Stand halten zu können.

    Wenn Sie an der Nordsee ein Papphaus aufstellen, können Sie entweder sagen: Böser Wind! Du bist schuld.
    Oder Sie schauen, dass Sie sich mit anderen zusammentun und ein stabileres Haus errichten! Wenn Sie dazu noch ein Mittel finden, den Wind abzumildern, tant mieux!
    Ja, die Suche nach Sündeböcken ist kontraproduktiv, wenn auch nachvollziehbar, da leicht populistisch auszuschlachten, hie und da, sobald einem das Gegenwind ins Gesicht bläst, um beim Windbeispiel zu bleiben, kommt es zu verbalen Schuldzuweisungen... hie und da.
    Die strukturelle Schwäche wurde über Jahrzehnte hingenommen, die schleichende Deindustrialisierung seit der Globalisierung beschleunigt, wurde mit den Mitteln der Finanzmärkte und Subventionen gefüllt, was nur zum Strohfeuer reichte, das bekanntlich immer wieder zerplatzte.
  2. #1171

    Wie?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wirtschaftsmeldungen bestimmen derzeit die politische Agenda, Börsendaten machen Politik: Selten waren die Situation der internationalen Finanzen und der Unternehmen so bestimmend für die Erwartungen, die die Bürger an die Politik stellen. Aber hat die Politik überhaupt noch Einfluss auf die Finanzmärkte? Oder entscheiden ganz Andere?
    Mit einem Satz:

    Die Finanzmärkte ziehen ganze Nationalstaaten am Nasenring durch die Manege und stülpen ihnen ihre Regeln als alleiniges und einziges Regulatorium über. Die politischen Systeme der Staaten wirken auf mich nur noch wie Büttel und willfährige Vollzugsorgane.

    und eine Frage:

    Wie konnte es jemals so weit kommen?
  3. #1172

    Zitat von Horatio Caine Beitrag anzeigen
    Mit einem Satz:

    Die Finanzmärkte ziehen ganze Nationalstaaten am Nasenring durch die Manege und stülpen ihnen ihre Regeln als alleiniges und einziges Regulatorium über. Die politischen Systeme der Staaten wirken auf mich nur noch wie Büttel und willfährige Vollzugsorgane.

    und eine Frage:

    Wie konnte es jemals so weit kommen?
    Leicht beantwortet: die Globalisierung hat dazu geführt, dass das Modell "Nationalstaat" sich überlebte. Und nun stehen deren Bewohner vor der Aufgabe, das einzusehen.
  4. #1173

    Zitat von Horatio Caine Beitrag anzeigen
    Mit einem Satz:

    Die Finanzmärkte ziehen ganze Nationalstaaten am Nasenring durch die Manege und stülpen ihnen ihre Regeln als alleiniges und einziges Regulatorium über. Die politischen Systeme der Staaten wirken auf mich nur noch wie Büttel und willfährige Vollzugsorgane.

    und eine Frage:

    Wie konnte es jemals so weit kommen?
    schon wieder einen Sündebock mehr ausgemacht ? dabei hat die Manege längst das übernommen was die Politik und Wirtschaft nicht mehr leisten konnten, es verlängerte das Ist Zustand, auf Pump versteht sich, denn ohne kreditfinanzierte Nachfrage funktioniert längst nichts mehr.
  5. #1174

    Zitat von marant Beitrag anzeigen
    schon wieder einen Sündebock mehr ausgemacht ? dabei hat die Manege längst das übernommen was die Politik und Wirtschaft nicht mehr leisten konnten, es verlängerte das Ist Zustand, auf Pump versteht sich, denn ohne kreditfinanzierte Nachfrage funktioniert längst nichts mehr.
    Die kreditfinanzierte Nachfrage ist das Wesentliche dieses Systems. Nur so leistet der Plebs weiterhin seine Abgaben an die Feudalschicht. Zinsen stecken überall drin. Wenn Sie Steuern zahlen geht ein Teil an die Feudalschicht, wenn Sie ein Produkt kaufen, eine Dienstleistung nutzen ebenso. Die Kosten für Fremdkapital stecken im Preis mit drin.
  6. #1175

    Zitat von henningr Beitrag anzeigen
    Die kreditfinanzierte Nachfrage ist das Wesentliche dieses Systems. Nur so leistet der Plebs weiterhin seine Abgaben an die Feudalschicht. Zinsen stecken überall drin. Wenn Sie Steuern zahlen geht ein Teil an die Feudalschicht, wenn Sie ein Produkt kaufen, eine Dienstleistung nutzen ebenso. Die Kosten für Fremdkapital stecken im Preis mit drin.
    Und was sagt Ihnen diese Erkenntnis? Wer steckt denn hinter diesem Spektakel? Etwa die Banken oder die Finanzindustrie? Seit wann gibt es denn diese entfesselte Finanzindustrie? Der Motor für das gesamte Finanzsystem sind die exorbitante Zunahme der Gewinne der Unternehmen. Es ist nicht so, dass die Regierungen, oder die Bevölkerung oder Banken hinter dem Finanzsystem stecken, sodnern die Realwirtschaft, die immer mehr und immer lohnendere Anlagemöglichkeiten für die Gewinne suchte, oder aber fehlende Gewinne im operativen Geschäft durch Finanzgewinne ausgleichen wollte. Egal welches grossere Unternehmen sie untersuchen: alle nehmen am Finanzcasino teil. Hinter dem ganzen Spektakel steckt die Realwirtschaft. Sie versteckt sich wunderbar, aber in Berlin oder Paris bestimmt sie die Politik, und auch das Finanzcasion. Wenn man in einen Spielautomaten oben nichts reinschmeisst, kommt unten nichts raus.


    exilator
  7. #1176

    Zitat von exilator_ Beitrag anzeigen
    Seit wann gibt es denn diese entfesselte Finanzindustrie?
    Das Spiel läuft seit jahrhunderten:

    Die sogenannte ‘Demokratie” ist ein Schein, die Stimmabgabe eine Travestie. In modernen bürokratisierten Systemen, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind, ist die Feudalorganisation sozusagen auf die nächste Stufe gehoben worden. Ein Hauptzweck dessen, worauf sich Thukydides in seiner Epoche als Synomosiai bezieht, ist immer gewesen, die Eintreibung des Pachtzinses (also „freies Einkommen“ in der Form von Zins, Finanzgebühren und ähnlichen Diebstahls) aus der Bevölkerung so unergründlich und undurchsichtig wie möglich erscheinen zu lassen. Die ungeheuerliche Subtilität und der Propagandaschleier kunstvoll enthüllter Irrmeinungen über das Bankwesen sind die Hauptwerkzeuge, womit es den Hierarchen gelingt, sich den Reichtum der sie tragenden Gemeinschaft anzueignen und zu verwalten.

    Dies ist das durchsichtige Zeugnis der wesentlichen Transformation, die sich in der feudalen/oligarchischen Organisation in der Moderne vollzogen hat. Der Westen hat sich von einem agrarischen Establishment, das auf niedriger technischer Stufe auf dem Rücken von leibeigenen Knechten lastete, zu einem hochmechanisierten postindustriellen Bienenstock herangearbeitet, dessen Stärke von nicht weniger entbürgerlichten Sklaven mit weißem Kragen oder Blaumann genährt wird, deren Leben an die jeweiligen Modewellen des Konsums verpfändet werden. Die Grundherren von einst treiben ihre Tribute nicht mehr sichtbar ein, weil sie sich zur Erreichung dieses Zwecks auf die Mechanik des Bankkontos verlassen können, während die Zwischenklasse, in Gestalt von Akademikern und Publizisten, den Synomosiai stets treu ergeben geblieben sind.

    Der andere konkrete Unterschied zwischen gestern und heute ist der immense Durchsatz industrieller Produktion (deren potentielle Höhe jedoch immer entscheidend unterschritten worden ist – um die Preise hoch zu halten). Was die „demokratische Beteiligung“ des gewöhnlichen Staatsbürgers angeht, so wissen diese in ihren Herzen, daß sie nie etwas von Bedeutung entscheiden und daß Politik darin besteht, die Menge in diese oder jene Richtung zu lenken nach Wünschen und Ratschlüssen der Wenigen, welche die Schlüssel zu Information, Intelligence und Finanz in Händen halten.

    Diese Wenigen mögen von Zeit zu Zeit in einander bekriegende Fraktionen gespalten sein; die Ergebnisse von Wahlen im Westen im vergangenen Jahrhundert sind leuchtende Monumente der Folgenlosigkeit von „Demokratie“: trotz zweier verheerender Weltkriege und eines spät eingeführten Systems proportionaler Vertretung, aus denen sich eine Fülle von Parteien bildete, hat Europa keinen nennenswerten Wandel seiner sozialökonomischen Verfassung zu verzeichnen, wohingegen Amerika im Laufe der Zeit immer mehr mit seinem oligarchischen Selbst identisch wird. Dort ist das demokratische Schauspiel auf den Wettbewerb zweier Flügel einer ideologisch kompakten Einparteienstruktur herabgesunken, die tatsächlich für mehr oder minder verborgene „Klubs“ die „Lobby“ zur Verfügung stellt. Der Grad der öffentlichen Teilnahme an dieser schamlosen Verhöhnung ist wie bekannt verständlicherweise tief abgesunken.
  8. #1177

    Zitat von henningr Beitrag anzeigen
    Das Spiel läuft seit jahrhunderten:
    ...
    Diese Wenigen mögen von Zeit zu Zeit in einander bekriegende Fraktionen gespalten sein; die Ergebnisse von Wahlen im Westen im vergangenen Jahrhundert sind leuchtende Monumente der Folgenlosigkeit von „Demokratie“: trotz zweier verheerender Weltkriege und eines spät eingeführten Systems proportionaler Vertretung, aus denen sich eine Fülle von Parteien bildete, hat Europa keinen nennenswerten Wandel seiner sozialökonomischen Verfassung zu verzeichnen, wohingegen Amerika im Laufe der Zeit immer mehr mit seinem oligarchischen Selbst identisch wird. Dort ist das demokratische Schauspiel auf den Wettbewerb zweier Flügel einer ideologisch kompakten Einparteienstruktur herabgesunken, die tatsächlich für mehr oder minder verborgene „Klubs“ die „Lobby“ zur Verfügung stellt. Der Grad der öffentlichen Teilnahme an dieser schamlosen Verhöhnung ist wie bekannt verständlicherweise tief abgesunken.
    Völlig einverstanden, nur nützt diese Erkenntnis nichts. Konkret ist es so, dass die Wirtschaft das Finanzcasino geschaffen hatg und es weiterbetreibt. Wo gehen denn all die Abgeordneten der Blockparteien hin, wenn sie ausscheiden? In die Finanzindustrie? Nein, doe Pöstchen gibt es in der Wirtschaft, und deswegen sind die Umstände so wie sie sind.

    exilator
  9. #1178

    Zitat von exilator_ Beitrag anzeigen
    Völlig einverstanden, nur nützt diese Erkenntnis nichts. Konkret ist es so, dass die Wirtschaft das Finanzcasino geschaffen hatg und es weiterbetreibt. Wo gehen denn all die Abgeordneten der Blockparteien hin, wenn sie ausscheiden? In die Finanzindustrie? Nein, doe Pöstchen gibt es in der Wirtschaft, und deswegen sind die Umstände so wie sie sind.

    exilator
    Und von wem ist die Wirtschaft abhängig? Vom Investor. Vom Fremdkapitalgeber. Ergo dürfen die braven Abgeordneten der Blockparteien wählen, welches Pöstchen sie gerne hätten. Manchen soll es sogar reichen, ohne Folgejob. Die sagen dann zu allem "ja" um die Zeit im Bundestag vollzubekommen. Und dann gibt es welche wie Gauweiler (CSU), Schäffler (FDP) und sogar bei rot-grün soll es "Abweichler" geben.
  10. #1179

    Zitat von henningr Beitrag anzeigen
    Und von wem ist die Wirtschaft abhängig? Vom Investor. Vom Fremdkapitalgeber. Ergo dürfen die braven Abgeordneten der Blockparteien wählen, welches Pöstchen sie gerne hätten. Manchen soll es sogar reichen, ohne Folgejob. Die sagen dann zu allem "ja" um die Zeit im Bundestag vollzubekommen. Und dann gibt es welche wie Gauweiler (CSU), Schäffler (FDP) und sogar bei rot-grün soll es "Abweichler" geben.
    Den Investor, den Sie meinen gibt es nicht mehr. Keiner investiert in Unternehmen, sondern in Finanzprodukte, weil dort 10% mehr Rendite zu erzielen sind als bei einer Investition in Arbeitsplätze.

    exilator








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