Zitat von
freed&democ
Diese Frage mag alte Glaubenskriege ventilieren, hat aber mit der aktuellen Situation in Europa nur wenig zu tun.
Die europäische Krise hat, wie ich es sehe, hauptsächlich zwei tiefere Ursachen, die leider kaum zur Kenntnis genommen werden.
1. Der Focus der Weltwirtschaft, und damit auch der Wertschöpfung (also das was hängenbleibt), verschiebt sich aus Europa/Nordamerika/Japan weg.
Damit gibt es hierzulande schlicht weniger zu verteilen.
Anders ausgedrückt: Die Gestehungskosten der Produkte - und damit auch die Reproduktionskosten des Einzelnen sowie der Gesellschaft als Ganzes (Renten, Gesundheitskosten, Infrasruktur, Verwaltung) konkurrieren mit den Kosten in China, Südamerika usw.
In diesem Prozess werden die Standards zunehmend in China, in Südamerika usw. gesetzt.
2. Die zweite tiefere Ursache ist unser politisches System. Es ist auf Kurzfristigkeit angelegt.
Nur kurzfristige "Erfolge", gemessen in Transfererhöhungen oder in Steuersenkungen, und Versprechungen führen zu einer Wiederwahl.
Politik für längere Zeiträume, auch wenn sie erkennbar vernünftig und erfolgreich ist (s. Agenda 2010) wird abgestraft, wenn sie nicht innert 1-2, max 4 Jahren zu mehr Cash für viele führt.
Politik ist in den westlichen Demokratien zur bloßen Gegenwartsbewältigung verkommen.
Dass die Probleme so immer nur größer werden müssen, schert niemanden.
Dies ist der große, wenn nicht tödliche, Nachteil der Demokratie, siehe Griechenland, Frankreichs Hollande, NRW usw.
Es ist fast nur noch Klientelpolitik für die jetzige Wählergeneration durchsetzbar; die Wahlen gewinnen die, die diese Politik auf Kosten der zukünftigen Generationen am skrupellosesten durchziehen.