Forum: Politik
Wie können die Krisen in Afrika gemeistert werden?
Seit Jahren wütete Kriege in Afrika, deren Auswirkungen auch das Leben im Frieden vergiften. Wie kann den Bürgerkriegen und Krisen in Afrika besser begegnet werden?
- #2460 30.11.2010 22:13 von
Mit dieser glorreichen Idee des an glorreichen Ideen niemals armen Oberst Gaddafi wird die EU vermutlich genau so umgehen wie mit seinem Postulat, daß Spanien in Warhheit ein arabisches Land ist, weil es schließlich 700 Jahre lang von den Mauren beherrscht wurde: ignorieren!
Und dem glorreichen Oberst Gaddafi wird das völlig schnuppe sein, weil er sich selbst in seiner Selbstherrlichkeit genügt, da reicht das Statement an sich. - #2461 30.11.2010 22:49 von spocusShukran li djauabikum, wa ana reer kahin (danke für Ihre Antwort, auch ich bin kein Hellseher).Zitat von Fleetenkieker
Dass auch im Sudan die krisenhaften Entwicklungen in Euroland beobachtet und kommentiert werden,
daran hab ich keinen Zweifel. Was die Empfehlung aus Sudan zur EU, D und der EUR-Währung wäre,
würde ich gerne wissen, kann es aber mir schon ungefähr denken ...
Falls der Euro stirbt, werden damit sehr wahrscheinlich auch die Währungen von 14 afrikanischen
Staaten sterben: die der sogenannten CFA-Zone (Communautée Financière Africaine). Davon 2 Ihre
direkten Nachbarn: Chad und RCA. Dann noch die der CFP (Communautée Financière Pacifique;
praktisch dasselbe wie CFA; Tahiti ...).
Deren Kurs wird ja bekanntlich oder unbekanntlich durch die fixe Kopplung an den EUR (bis jetzt
noch) garantiert. Oder manipuliert; kann man sehen, wie man will. De jure liefert diese Garantie
der französische trésoir, de facto aber garantiert die Europäische Zentralbank, auch wenn das
gerne geleugnet oder einfach ignoriert wird.
Wenn F wieder auf den camembertweichen franc français umstellen müsste, wäre dies das
garantierte Ende der Garantie. Damit hätten die 14 afrikanischen Staaten eine recht große Chance
auf Gewinnung ihrer Finanzhoheit. Dann müssten die afrikanischen Finanzexperten allerdings eine
eigene Geld-Druckerei betreiben und nicht das in F gedruckte Papiergeld einfach am Flughafen in
Abidjan oder Brazzaville abholen. - #2462 30.11.2010 22:55 von
Herr Sarrazin hat sich ja auch gar nicht mit Genetik befaßt, noch nicht mal im engeren Sinne mit Migration, sondern mit seinem ganz persönlichen Ekel vor allem was er abwärts der Upper-middle-class verortet, anders ist nicht zu erkären, warum er über Gemüsehändler herzieht, ein Berufsstand, den ich immer als sehr ehrenwert angesehen habe. Das schlimme ist, daß dieser Dummschwatz allerorten zum "Tabubruch" hochgejazzst wird, wenn nicht gar als Querdenken verklärt.
Was sicher auch Herr Buschkowsky, der Bürgermeister von Berlin-Neukölln so sieht, der mit seinen Statements tatsächlich mutig ein Tabu gebrochen hat. - #2463 01.12.2010 03:30 von Daddeldu
Ja, in unseren Breitengraden lebte man da noch auf Bäumen. Bis auf einige Küstenregionen Nordafrikas bot der Mittelmeerraum aber auch das ultimative Klima für diese kulturellen Entwicklungen - und er bot für die Erstsiedler unter den uns bekannten frühen Mittelmeervölkern auch reichlich freien Platz und Entfaltungsspielraum. Die ständigen Kriege zwischen den anfänglich relativ kleinen Volksgruppen und Kleinstaaten erfolgten erst später so etwa ab der Bronzezeit, und die Invasionen aus dem Norden und Nordosten erfolgten noch später. Völkerwanderungen und ständige Kriege waren aber letztlich wohl eher nicht das Ende dieser Hochkulturen, sondern da hatte sich im Laufe der Jahrhunderte auch sehr viel Dekadenz und Arroganz breit gemacht – ausgehend von antiken Berlusconis.
Trotzdem war der Mittelmeerraum auch viele Jahrhunderte später noch immer ein Hort für Kultur, Kunst und Inspiration, der viele Künstler, Dichter und Denker dort gut leben und arbeiten ließ und auch spätere Könige und Kaiser des Hlg. Römischen Reichs Deutscher Nation magisch anzog. Ein gewaltiger Kulturaustausch, der da im Laufe der Zeit stattfand und uns im Norden von den Bäumen klettern ließ – und heutzutage in die Flugzeuge.
In groben Zügen kann man sagen, daß die Menschen im klimatisch moderaten Süden über viele Jahrhunderte hinweg schlichtweg kreativer und auch lebensfroher waren, denn ohne diese positive Gemütslage wäre vor allem so viel einmalige Kunst und sinnlicher Lebensstil kaum zustande gekommen.
Für das Gros der Menschen hier im Norden änderten sich die bis dato schwierigen und die Lebenserwartung verkürzenden Lebensumstände wirklich gravierend eigentlich erst mit dem Beginn der Industrialisierung und der Umsetzung von medizinischen und hygienischen Erkenntnissen, die man teils sogar schon den Hieroglyphen der alten Ägypter hätte entnehmen können. Ab diesem Zeitpunkt ging es beschwerlich aber sukzessiv bergauf. Die Städte wurden bewohnbarer und waren nicht mehr nur eine einzige Gülle, der zunehmende Überseehandel brachte neue Rohstoffe und schuf neue Technologien, Bedürfnisse und Anforderungen, Arbeitskraft und deren Erhalt erhielt neue Bewertungen, und je stärker sozialer Pragmatismus Einzug hielt, desto kreativer, innovativer und produktiver wurde es in unseren Breitengraden.
Natürlich ist das nur ein historisch unzulänglicher Abriß – wobei der sonstige "ganze Schmus" nicht von mir stammt. Ich bin ja auch der Überzeugung, daß es afrikanische Völker, im Prinzip seit Beginn unserer heutigen Zeitrechnung, immer wieder ganz besonders hart beutelte und zurück warf. Aber eine Frage konnte mir in diesem Kontext auch in Afrika noch niemand beantworten, nämlich die, warum genau in der s.g. Wiege der Menschheit in den vielen Jahrhunderten zuvor nicht auch schwarzafrikanische Hochkulturen entstanden, die viele Generationen überdauerten und Geschichte schrieben. Außer dem nubischen Reich und den schwarzen Pharaonen fällt mir da nichts ein, von dem jemals kulturelle und politische Impulse überregional ausstrahlten. Hier besteht quasi an der allerersten Basis der Menschheit eine große Lücke von etlichen Jahrtausenden, die m.W. noch nicht gefüllt und deren kultureller Stillstand noch nicht hinlänglich erklärt werden konnte. - #2464 01.12.2010 10:07 von
Man könnte noch ein paar mehr Beispiele nennen - Äthiopien, Stadtstaaten an der afrikanischen Ostküste (hier vor allem Sansibar), sowie westafrikanische Hochkulturen (z.B. Ashanti, deren Reichtum übrigens vor allem auf Sklavenhandel zurückging). Gemessen an der Größe der Region ist dies zugegeben nicht viel. Vielleicht geht die Antwort auf Ihre Frage in die Richtung, dass wir Hochkulturen überschätzen, weil wir uns einbilden selbst in einer zu leben. Die Schwarzafrikaner brauchten keine Hochkulturen um zu überleben – anders als die Indianer konnte sie über Jahrtausende neben den Weißen existieren (denn die Sahara stellte schon im Altertum keine unüberwindbare Grenze da, auch konnte man entlang der Küste segeln). Völker wie die kriegerischen Massai (deren Kultur zwar interessant aber kaum als hoch einzuschätzen ist) verbreiteten genug Respekt, dass selbst Araber vor ihnen zurückschreckten. Krankheiten wie die durch die TzeTze Fliege verbreitete Schlafkrankheit aber auch Malaria machten eine Ausbreitung der Araber mit ihrer Hochkultur südlich der Sahara zunichte – dieses Problem spürten ja auch später die europäischen Siedler welche sich nicht ohne Grund in Höhenlagen ansiedelten (z.B. Nairobi).
Was zählt ist nicht die Hochkultur sondern das schlichte Überleben bis in die heutige Zeit. Hier drin waren die Schwarzafrikaner sehr erfolgreich, sie haben sogar auf ihre Weise neue Gebiete wie die Karibik „erobert“. - #2465 01.12.2010 10:22 von
Auch hierfür gibt es schöne Erklärungen: der Mensch war zum Zeitpunkt seiner erstmaligen Migration nach Europa schon intelligent genug um das Problem durch fremde Felle zu lösen. Beim Vitamin D Mangel kam er eben nicht auf die von Ihnen erwähnte Lösung der Eskimos. Übrigens war selbst bei den Nordmännern das essen von Robbenfleisch verpönt. Die genetische Anpassung erfolgte dort wo dies notwendig war. Eben auch im Charakter – z.B. der zum Anlegen von Vorräten notwendige Geiz oder die zum Überleben im Norden nötige Kooperationsbereitschaft und soziale Einstellung.
Um Sie zu ärgern möchte ich noch darauf hinweisen, dass der selbsternannte afrikanische Führer laut neustem Spiegeltitel nicht ohne seine üppige, blonde Krankenschwester reist (was würden wir nur ohne diesen Enthüllungsjournalismus tun – obwohl hier hätte ich wenigsten ein paar Fotos erwünscht). Mal sehen, ob Sie gleich wieder mit Nürnberger Gesetze kommen. - #2466 01.12.2010 16:34 von
Ich bin der Meinung, dass Schwarzafrika von Anfang an schlechte Karten hatte, wenn es überhaupt jemals welche in der Hand hielt. Meine Überlegungen sind natürlich wie immer relativ einfach, man sollte sich aber trotzdem deren Konsequenzen in der Realität vorstellen. Wie sollen von einer Generation kulturelle Werke und Zivilisationen geschaffen werden, wenn deren Bemühungen dauernd durch Regenzeiten weggewaschen, von Urwald überwuchert und von Termiten weggefressen werden, um nur einige Faktoren zu nennen. Ausserdem hatte in der Vergangenheit eine Generation eine Lebenserwartung von +/- 30 Jahren, bevor sie von Malaria, Schlafkrankheit Lepra, etc sowie von tierischen und menschlichen Feinden dezimiert wurde. Das Überleben war in vielen Fällen nicht der Auslese der Tüchtigsten sondern dem Zufall geschuldet. Bis zur Ankunft des "weissen Mannes" hatte der ganze schwarzafrikanische Teil des Kontinents nur wenige Millionen Einwohner, die ums nackte Überleben kämpften und daher für intellektuelle Anstrengungen nicht mehr viel Kraft übrig hatten. All dies hat Spuren hinterlassen.... Wer nun heute versucht, den Afrikanern irgendwelche "Hochkulturen" in die Tasche zu lügen tut das aus Motiven die für diese bestimmt nicht hilfreich sind.
- #2467 01.12.2010 17:00 von
Danke für ihr Statement und absolute Zustimmung. Dieselbe Erfahrung mit Forist FXF habe ich schon vor einigen Monaten gemacht.
Was die spanische Eroberung der Karibik und Mittelamerikas angeht: der Rassismus der meisten Spanier, ihre brutale Herrschaft und die Verachtung für alles Indianische machen die Frage, ob es ein geplanter Völkermord war, zu einer rein akademischen. Die in wenigen Jahrzehnten um bis zu 90% reduzierte Bevölkerung der Karibik, die im übrigen gut nachvollzogen werden kann, und die horrenden Menschenverluste im heutigen Mexiko oder Peru belegen die Ausmaße der Vernichtung indianischen Lebens.
Eine Phänomen, dass sich im 19.Jh. in Afrika wiederholte, besonders in Belgisch-Kongo, aber im kleinen Maße auch in vielen anderen Ländern. Man nehme nur die deutsche Politik in "Südwest". - #2468 01.12.2010 17:01 von
- #2469 01.12.2010 22:26 von
Als in den 70er Jahren politisch sozialisierter Mensch müßte ich jetzt natürlich sagen: "Du, da müssen wir aber jetzt erstmal die Begriffe klären..."
Scherz beiseite.
Einerseits bin ich durchaus der Meinung, daß Europa und besonders auch D viel Kultur auf allen Gebieten hervor gebracht hat. Es gibt trotz mancher berechtigter Kritik viel Grund stolz zu sein auf Demokratie und soziale Errungenschaften, auf Wissenschaft und Fortschritt.
Ich bin kein Kulturkritiker, der den Abstieg von den Bäumen für einen Fehler hält.
Andererseits gibt es vieles, das zwischen und jenseits von Baum und Beethoven liegt.
Zum kulturellen Vergleich muß man fairerweise zurück gehen zur Zeit vor der Kolonisation, und zwar auch, was die Zustände in Europa betrifft. Wie Sie ja auch schrieben, hat das Gros der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt - so Mitte des 19. Jh. - von der schönen Kultur auch nicht allzuviel mit bekommen. Das Gros der Leute krebste am Existenzminimum oder knapp darunter herum und fristete sein Dasein im verwanzten Hinterhaus. Da fragt man sich dann schon, was ist das für eine Kultur? Jedenfalls wenn man Kultur nicht als Stein gewordenen Kunstwillen sondern als Geisteshaltung versteht.
Den alten Ägyptern wird Kultur zugeschrieben, und die Pyramiden sind ja auch beeindruckend. Aber wie es aussieht wußten die zwar viel über Kríegsführung und Astronomie, aber den Flaschenzug kannten sie nicht. Mußten sie nicht kennen, weil sie zur Errichtung iher imposanten BAuten die schiere Menschenkraft gebrauchen konnten - oder verbrauchen, um genau zu sein.
Den Azteken wird Kultur zugestanden. D'accord. Aber finden Sie diese Typen mit ihrem exzessiven Opferkult symptathisch?
Also irgendwie ist das alles schon relativ.
Irgendwann fiel mir mal in Buch in die Hände, "Bild und Gegenbild", das sich mit moderner Kunst befaßt und Vergleiche anstellt zwischen den Werken von Picasso und Konsorten - und den Vorbildern vor allem afrikanischer Provinienz, in den 50er und 60er Jahren gerne als "primitive Kunst" diffamiert, die den Erzeugnissen moderner Hochkultur dermaßen ähneln, daß man schon von Plagiat sprechen muß. Da fragt man sich, warum die Skulptur aus Afrika ím Naturkundemuseum ausgestellt wird und die eines europäischen "Plagiators" auf der Biennale oder Ducumenta.
Da kommt man schon ins Nachdenken über Kultur.
Und was Kultur eigentlich ist.
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