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Stuttgart 21, Schulreform, Atomkraft – eine neue Protestkultur des Bürgertums?

Bürgen gegen Politiker: Ob Bau- oder Reformvorhaben, die Bundesbürger haben die Macht der Öffentlichkeit in der Auseinandersetzung wiederentdeckt. Gibt es eine neue Protestkultur des Bürgertums oder häufen sich die Aktionen eher zufällig?
  1. #1100

    Scheuklappen ?

    Zitat von mundi Beitrag anzeigen
    ...
    Meint man im Ernst, diese Menschen haben nur den einzigen Wunsch, auf friedliche Demonstranten mit Tränengas zu schießen oder Kinder und Alte niederzuknüppeln?
    'Die' Polizisten nicht - soweit ich gelesen habe, hat das auch niemand behauptet.
    Aber die 'schwarze Gang' der Polizisten in Stuttgart am 30.09.2010 definitiv JA.
    Da sind es dann _alle_ Polizisten in Stuttgart gewesen. Umgekehrt stellt die Staatsmacht ja alle Demonstranten in Stuttgart unter Generalverdacht von Chaoten etc.
    Jedwede Verharmlosung dieser Tatsache ist nur noch ... (wird sowieso zensiert).

    Zitat von mundi Beitrag anzeigen
    Vormals in Wackersdorf wurde ein Polizist von einem Demonstranten mit einem Spaten fast erschlagen.
    Dabei hatte der Polizist nur die Aufgabe, das "Baugelände" vor Eindringlingen zu schützen. Er war für die Entscheidung, in Wackersdorf eine Aufbereitungsanlage für Brennstäbe zu bauen nicht verantwortlich. Vielleicht war der Polizist sogar ein Gegner dieser Anlage.
    So, wie sich die Polizei in Stuttgart am 30.09.2010 verhalten hat, scheint sie diesen Zustand erneut zu wünschen.

    Zitat von mundi Beitrag anzeigen
    Geht es den S21-Gegnern nicht in den Kopf, dass sich in ihrem Windschatten auch Chaoten verstecken, die nur Krawall wollen?
    Ach, un deshalb darf nicht demonstriert werden ?

    Zitat von mundi Beitrag anzeigen
    Solange sie diese Tatsache bestreiten oder verdrängen, müssen sie mit Repressalien rechnen. Besonders in einem Rechtsstaat!
    Weder bestreite noch verdränge ich. Aber was Repressalien angeht, den Kampf kann der Staat nicht gewinnen.
    Wollen Sie an jedem Meter Leitungsrohr und an jedem Meter Gleis einen Polizisten aufstellen ?
    Wollen Sie alle Computer vom Netz nehmen ?
    Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen ...
  2. #1101

    Zitat von mundi Beitrag anzeigen
    Durch den Sport hatte ich die Gelegenheit, viele Polizisten kennenzulernen. Es sind meistens verheiratete Familienväter mit kleinen Kindern. Ihr Dienst an der Allgemeinheit ist lebensgefährlich. Zunehmend .......
    Auch wenn ich mich am 30.9. ebenfalls in der Menelage mit den Polizisten befunden habe, sehe ich das doch genau so, insofern haben mir die Beamten leid getan und ich habe das - wie viele andere neben mir - bereits in der Sitaution kund getan, solange es eben ging.
    Aber es sind eben mehrere Dinge richtig:
    dieses oben beschriebene Statement gilt nicht für alle POlizisten. Es gab da die eine Sondereinheit, die auf die Jugendlichen los gegangen ist, einem Teil davon hat das sichtlich Spaß gemacht.
    Weiterhin sind die Beamten letztlich ihrem Gewissen unterworfen. Wir haben in diesem Land schon mal eine "Obrigkeitsdiktatur" gehabt, bei der jeder nur tat, was von "oben" vorgegeben wurde. Wer das an dem 30.9. miterlebt hat - und für mich war es überhaupt erst die 2. Demo meines Lebens - der hat sich diese Frage gestellt: in welchem Staat leben wir eigentlich? Und viele ältere mitdemonstranten haben dasselbe wie ich zu den Beamten gesagt: "Ich fühle mich hier verpflichtet, mich (friedelich selbstverständlich) gegen Sie zu stellen, denn SO kann der Staat nicht mit Kindern und alten Leuten umspringen. Die Kritik an dem Einsatz kommt ja mittlerweile von allen Orten, gerade auch aus der Polizei.

    Last not least: suche ich seither regelmässig den Kontakt zu den Beamten am Bahnhof zu genau diesen Themen.
    "Gewalttäter" gab es an diesem 30.9. nur unter der Polizei. Wenn Demonstranten empört reagierten, wurden sie unmittelbar von Umstehenden beruhigt. WIR waren friedlich und sind halt nicht gewichen. Hätte die Politik gewollt, hätte sie durch Abtransport auf die Wache die erste 200 Leute mitnehmen können, danach wäre Ruhe gewesen. Immerhin standen 700 Polizisten wenigen Tausend zu Anfang gegenüber. Auch die Diensttuenden am Bahnhof geben zu, daß das problemlos gegangen wäre. ERGO?

    Schauen Sie sich mal die Plakate am Bahnhof an, vielleicht hilft das. (http://www.liebe-zur-erde.eu/plakate...ttgart_21.html)
  3. #1102

    Aber,...

    Zitat von hardy2402 Beitrag anzeigen
    Schöne Geschichte....mit einigen Fehlern...Ihr Haus bezahlen Sie aber selbst! Wenn Ihr Haus dann doppelt, dreifach so teuer wird.. werden Sie dies widerspruchslos hinnehmen!?? Den Bahnhof bezahlen wir ALLE!
    ... wir bezahlen auch "Autobahnen", Flughäfen, "Seehäfen" oder Binnenwasserstrassen usw. - einfach weil das "Infrastruktur" und damit "öffentliche Darseinsvorsorge" ist!

    Über die "Kosten" sollte man sich dabei keine Gedanken machen, denn für dieses Geld werden ja auch "Werte" geschaffen, die "der Gesellschaft als Ganzes" (und nicht nur einer "privatisierten", börsennotierten Bahn) zugute kommen!

    Der in Stuttgart (wie überall anders auch) wirtschaftlich längst überholte "Kopfbahnhof"* hatte 150 Jahre Bestand!

    "Stuttgart 21" wird (wenn es "vernünftig" und nicht in "absoluter Sparversion" umgesetzt wird) wahrscheinlich genau so lange genutzt werden - auch wenn die Züge dann ganz anders angetrieben werden mögen und sich unsere Nachfahren fragen, warum man "zielgerichtet für elektrisch angetriebene aber schienengebundene" Züge plante !

    * Ein Kopfbahnhof mag in der Zeit der "Dampfloks" in eng bebauten (und überwiegend aus Holz errichteten) Städten sinnvoll gewesen sein, damit nicht die ganze Stadt abbrannte! Elektrisch (oder mit Dieselloks) angetriebene Züge sprühen aber "kaum noch Funken" und verlieren auch keine "noch glühende" Asche!

    P.S.: Hier im Ruhrgebiet, wo die Eisenbahn (zum Abtransport der Kohle) vor den Städten (in der heutigen Größe) da war, gibt es übrigens keine" Kopfbahnhöfe!
  4. #1103

    Wenn ich mein Haus ...

    Zitat von kdshp Beitrag anzeigen
    Hallo,

    sie haben die gschichte nicht richtig erzählt! Und zwischen einem privatbau und einem bau für die öffentlichkeit ist schon ein unterschied.
    ... vermieten will, ist es einerseits zwar auch "mein privates Eigentum", andererseits aber auch öffentlich, denn als "Mieter" kommt jeder in Frage!

    Genau das ist aber das Problem mit einer "privatisierten" (und womöglich künftig noch börsennotuierten) Bahn!

    Die "Dienstleistung" Fahrgast- und Güterbeförderung ist weiterhin öffentlich - die "Betriebsmittel" dazu (und der Bahnhof ist nur ein Betriebsmittel) aber privat!

    Das hat nichts mit "Stuttgart 21" zu tun, sondern ist der Denkfehler in der Privatisierung "öffentlicher Dienste"!
  5. #1104

    Zitat von Ökopit Beitrag anzeigen
    [...]
    Der in Stuttgart (wie überall anders auch) wirtschaftlich längst überholte "Kopfbahnhof"* hatte 150 Jahre Bestand!
    Was mir bei dieser ganzen Debatte immer noch nicht ganz klar geworden ist, ist Folgendes:
    Warum hat man eigentlich nur in Stuttgart ein Problem mit dem Kopfbahnhof und nicht bei anderen großen Kopfbahnhöfen, wie z.B. Frankfurt, München oder Leipzig ?
    Bei den modernen ICEs entfällt doch das umkuppeln der Lokomotiven.
  6. #1105

    Zitat von querulant_99 Beitrag anzeigen
    Was mir bei dieser ganzen Debatte immer noch nicht ganz klar geworden ist, ist Folgendes:
    Warum hat man eigentlich nur in Stuttgart ein Problem mit dem Kopfbahnhof und nicht bei anderen großen Kopfbahnhöfen, wie z.B. Frankfurt, München oder Leipzig ?
    Bei den modernen ICEs entfällt doch das umkuppeln der Lokomotiven.
    Richtig, aber ob das jemand "sachlich" beantworten kann/will ?
    Geändert von ( um Uhr)
    In der Politik ist es wie in der Mathematik: alles, was nicht ganz richtig ist, ist falsch.
  7. #1106

    Vehement, friedlich, notwendig

    Die "Protestkultur" von Autonomen und gewaltgeilen Spacken wie bei den alljährlichen Agro-Orgien nach peacigem Schanzenfest in Hamburg - sie ödet mich an, macht mich wütend:
    Die tatsächlich protestwürdigen Entwicklungen der Stadt werden wenn überhaupt nur oberflächlichst behandelt, diese "Kultur" bringt den Leuten im Viertel nicht viel ausser Drama, Stress und Scherben. Die Boulevard-Medien feiern fette Beute. Ansonsten wirkt diese "Protestkultur" auf mich zerstörerisch und sinnlos.

    Dass protestwürdige Entwicklungen, wie zB die Gentrifizierung in HH, mit großer Vehemenz, friedlich UND erfolgreich angegangen werden können, zeigt das HHer Gängeviertel: http://das-gaengeviertel.info/konzept.html
    Chapeau diesen Protestlern! Mehr davon!

    Inwiefern die Stuttgarter Bevölkerung in die Planungen für S21 in den letzten 15 Jahren eingebunden war oder sie vorher schlicht gepennt hat und jetzt in letzter Minute aus Prinzip und zur Freizeitgestaltung rumpestet, kann ich nicht beurteilen.
    So oder so, die Politiker und Bahnverantwortlichen des S21-Debakels sind mir zu arrogant und - siehe Wasserwerfer auf Schüler und Rentner - zu brutal vorgegangen. Wie mahnende, strenge Väter.
    Und wenn ich diesem STERN-Artikel glauben schenken will, kann ich die protestierenden Stuttgarter nur beglückwünschen. Steuermilliarden für einen bahntechnischen Krüppel ? Hmm.

    Stuttgart 21 - nichts als Chaos
    http://www.stern.de/wirtschaft/immob...s-1608267.html

    Grundsätzlich: Von den Parteien fühle ich mich schon lange nicht mehr repräsentiert. Immer wieder wird offenbar, dass Politiker + Parteien den Wünschen von Wirtschaft, Lobbyisten, der EU oder NATO-Verbündeten entsprechend agieren.Anstatt tatsächlich für das Wohl der Bevölkerung in DLand zu arbeiten, ihr zu dienen, ihren Willen als Auftrag zu sehen.

    Immerhin finanzieren wir den ganzen Quatsch. WIR sind die CEOs der "Deutschland AG", nicht PolitikerWirtschaftMilitär. Sie sind und bleiben unsere Diener. Daran muss man sie ab und zu erinnern.
    (Es sei denn man ist gerne Hamster im Rad)

    Ohne echte Partizipation - inklusive (friedlichem) Protest - ist "Demokratie" nur eine Worthülse.
  8. #1107

    Zitat von Ökopit Beitrag anzeigen
    P.S.: Hier im Ruhrgebiet, wo die Eisenbahn (zum Abtransport der Kohle) vor den Städten (in der heutigen Größe) da war, gibt es übrigens keine" Kopfbahnhöfe!
    Ich gehe davon aus, dass in Stuttgart keine Kohlenzüge mehr fahren werden.

    Oder doch, die Kohle von den Aktionären?
    Geändert von ( um Uhr)
    In der Politik ist es wie in der Mathematik: alles, was nicht ganz richtig ist, ist falsch.
  9. #1108

    Zitat von mundi Beitrag anzeigen
    Geht es den S21-Gegnern nicht in den Kopf, dass sich in ihrem Windschatten auch Chaoten verstecken, die nur Krawall wollen?
    Dies zu demonstrieren war ja Intention des Polizei-Einsatzes am 30.9, was allerdings nicht gelungen ist. Der heutige Beitrag in der ARD-Sendung Monitor hat das sehr schön herausgestellt.

    http://www.wdr.de/tv/monitor/

    Freitagnachmittag steht dort laut Ankündigung der gesamte Bericht online zur Verfügung.
  10. #1109

    Zitat von querulant_99 Beitrag anzeigen
    Was mir bei dieser ganzen Debatte immer noch nicht ganz klar geworden ist, ist Folgendes:
    Warum hat man eigentlich nur in Stuttgart ein Problem mit dem Kopfbahnhof und nicht bei anderen großen Kopfbahnhöfen, wie z.B. Frankfurt, München oder Leipzig ?
    Bei den modernen ICEs entfällt doch das umkuppeln der Lokomotiven.
    Also ich hatte mich mal kurz in die Materie eingelesen:
    1. Es gab eine lange Liste von Bahnhöfen unter dem Projekttitel Bahnhof 21. Dort sollten Frankfurt und München ebenfalls als Frankfurt21 und München21 projektiert werden.
    2. Leipzig bastelt schon seit Jahren an einem Tunnel durch die Stadt. Der ist allerdings nur für den Nahverkehr.
    3. sehr richtig der letzte Satz.
    Die Zeitersparniss soll sich aber aus der Abschaffung der zu fahrenden Gleisschleifen ergeben.


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