Durchaus nicht. Recht haben und Recht durchsetzen ist natürlich nicht das gleiche. Aber unter den Taliban hatten die Frauen weder heutige Rechte noch konnten Sie diese durchsetzen. Auch in Afghanistan müssen Frauen - teilweise wieder! - ihre Rechte erkämpfen. Frauen in den Städten hatten vor den Taliban weit mehr Rechte als teilweise heute noch, hierzu muss ich auch nicht auf die bekannten Miniröcke in Kabul zurück greifen, auf die westlichen Touristen, auf die vorherige Verfassungen, die einige Rechte garantierten, sowie natürlich auf den Gegensatz Land und Stadtbevölkerung. Frauen hatten für sich und andere Frauen einige Rechte auch tatsächlich erkämpft. Einige sollten sich lieber einmal die Geschichte Afghanistans durchlesen, die Verfassungsgeschichte und die des Volkes, um zu verstehen, dass es Unsinn ist, den Zustand unter den Taliban irgendwie als afghanische Normalität zu verstehen. So groß die Unterschiede auch damals waren je nach Gebiet und Ethnie.
Unter den Taliban war es dann mitunter umgekehrt - mehr Rechte auf dem Land als in der Stadt.
Ein Bericht aus 2001:
http://www.sueddeutsche.de/politik/133/352964/text/
Das man unter den Taliban Frauen einfach hat sterben lassen, da Frauen nicht von Männern angefasst werden durften und Frauen nicht arbeiten und keine Ärzte werden konnten, verdrängen hier einige auch sehr gern. Auch, das Frauen schlicht als rechtlose Untermenschen angesehen und behandelt wurden - flächendeckend. Und dass das Afghanische Volk ebenso aus Frauen besteht. Anders kann ich mir den Unsinn nicht erklären, wenn der ein oder andere in den Taliban die Mehrheitsmeinung vertreten sieht - gegen alle Umfragen, Meinungen der Afghanen selbst und gegen die pure Logik - schließlich besteht die Hälfte des Volkes aus Frauen. Aber diese spielen ja keine Rolle bei einigen hier, denn ein stimmberechtigter Afghane mit relevanter Meinung ist in ihren Augen eben nur der männliche, Waffen tragende Afghane. Hauptsache, die Ideologie stimmt.
Viele Frauen werden erst die Burka ablegen, wenn sie sicher sind, dass die Taliban nicht mehr die Macht ergreifen. Etwas, was sich hier einige wünschen, denn diese sehnen ein Scheitern des "Westens" geradezu herbei. Damit Amerika und "seine Vasallen" mal wieder einen auf den Deckel bekommen. Das afghanische Volk spielt hier keine Rolle, auch nicht der Fakt, dass die kritisierten Machthaber um Karzai ebenfalls Afghanen sind - da sind die Taliban anscheinend vorzuziehen - denn die Kämpfen ja gegen den "Westen" - das Übel schlechthin. Das die Taliban auch gegen die Freiheit und Sicherheit des afghanischen Volkes kämpfen, ist dann nicht mehr wichtig. Dann zu beklagen, dass Aktionen der Koalition zivile Opfer fordern, erscheint mehr als heuchlerisch - denn das Volk interessiert anscheinend nur dann, wenn sein Leid gegen eine handelnde westliche Koalition in Stellung gebracht werden kann. Erst einmal abgezogen, interessiert das Volk nicht mehr - und die Folgen werden dann eben ebenfalls dem Westen unter geschoben.
So sehe ich das.



