Danke für den Beitrag, das ist nämlich tatsächlich eine interessante und weiterführende Frage. Vor dem Internet wurden Plagiate genau so aufgedeckt, wie ich das heute auch bei meinen Studenten praktiziere: man liest die Arbeit und es kommt etwas einem merkwürdig vor. Das können Stilbrüche sein, es können seltsame und überflüssige Exkurse sein, vielleicht passt das auch alles nicht zu dem Studenten, den man kennt, vielleicht kommt einem auch ein Absatz bekannt vor. Das ist der Anfangsverdacht. Dann schaut man sich mal die Bibliographie an und
prüft, ob die dort genannten Autoren auch in den Fussnoten genannt werden. (Das ist eine ganz typische Sache, auch in diesem Fall: Quellen werden hinten aufgeführt, aber im eigentlichen Text nicht kenntlich gemacht). Dann lässt man sich die erwähnte Literatur kommen und gleicht ab und verfolgt weitere Spuren. (Oft ist es so, dass weitere Quellenliteratur, die in der erwähnten Quelle auftaucht, unerwähnt benutzt wurde.) Und dann hat man das System.
Interessant ist diese Frage deshalb, weil sich an ihr trefflich zeigen lässt, dass es auch im aktuellen Fall nicht um "vergessene Fussnoten" o.ä. geht. Eine Arbeit, die stimmig und bündig geschrieben ist, die sonst mit ihren Quellen ordnungsgemäss umgeht, der lastet man eine fehlende Fussnote als Makel an, aber sie beschädigt die Arbeit nicht. Im Zweifel fällt sie gar nicht auf. Tatsächlich funktioniert der Enttarnungsprozess andersherum: der Verdacht kommt auf, weil mit einer Arbeit GRUNDSÄTZLICH etwas nicht stimmt, weil sie stilistisch, wissenschaftlich, inhaltlich grotesk wirkt. Und dann schaut man nach. Und dann
prüft man, entdeckt den Plagiarismus und
prüft die Fussnoten. Genau so war es im Fall Guttenberg auch: erst die Verwunderung, dann der Verdacht, dann die
Prüfung. Was jetzt folgt ist die Kleinarbeit und die fängt gerade erst an, denn das Nachprüfen der GEDRUCKTEN Quellen (von denen man sich in solchen Fällen oft grosszügig bedient, weil das schwerer nachzuprüfen ist) steht überhaupt noch aus.