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Schaden die Plagiats-Vorwürfe Minister Guttenberg?

Vor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
  1. #5090

    Nicht unbedingt

    Zitat von drcool Beitrag anzeigen
    ... und dass es da noch den Verlag gibt, der das Werk scheinbar ungeprüft veröffentlich hat wird bisher weitgehend übersehen... rotz approbierter Doktorarbeit sollte es dort noch wenigstens querlesende Lektoren geben....
    Nicht unbedingt. Wenn die Arbeit nicht sehr gut ist und vermutlich auch nachgefragt sein wird, bleibt das Lektorat beim Promovenden hängen.
  2. #5091

    mitverantwortlich dafür, dass in Afghanistan weiter Menschen durch Krieg sterben

    Zitat von Florian Geyer Beitrag anzeigen
    Stand 10.24 Uhr 4818 Beiträge zu "Fußnoten"
    Stand 10.47 Uhr 3 Tode im deutschen Feldlager "OP North"
    Beiträge seit dem gemeldeten Tod des ersten deutschen Soldaten im Thread "Bundeswehrsoldat bei Schießerei" getötet:
    10,23 Uhr 276
    Im Thread "Der Kamerad der zum Feind wird"
    10.16 Uhr 95 Beiträge

    Gefallen sind bisher 3 Soldaten, Thread noch nicht geändert!
    Wir alle auch ich müssen uns schämen!
    Mein Beileid den Angehörigen und die besten Genesungswünsche den Verletzten!
    Die Zersetzungsmechanismen zeigen im Volk ihre Wirkung.
    Nein, Florian Geyer, die beiden Dinge haben miteinander zu tun und es ist nicht falsch, die Wurzel des Übels zu benennen:
    Die Dissertation des gelackten Polit-Entertainers vuzGe ist als solche nicht das Problem, sondern sie ist ein Beleg dafür, was es mit dessen Redlichkeit, Verantwortungsbewußtsein und Glaubwürdigkeit auf sich hat. Die ist mitverantwortlich dafür, dass in Afghanistan weiter Menschen durch Krieg sterben.

    Wenn dieser vuzGe Verteidigungsminister belibt, werden es bald noch mehr Tote sein, die durch Krieg sterben.
    Ich wiederhole, was bisher keinen Widerhall in der Presse gefunden hat und was den eigentlichen Kern der Kritik an Guttenberg sein sollte:

    Er hat erst kürzlich in einer Veranstaltung vor Führungskräften der Wirtschaft ganz offen erklärt, die Bundeswehr müsse so umgestaltet werden, dass sie "ständig weltweit im Einsatz" sein könne. Und wenn die lebenmswichtigen Rohstoffe knapp würden, dann sei das doch allemal ein Grund zum Einsatz der Streitkräfte.
    Dann hat er noch mit blödem Griensen über einen "mekrwürdeigen Rücktritt" gelästert, den es da vor einiger Zeit gegeben habe .....

    Wer so redet und so verlogen sein Geschäft betreibt, ist gefährlich. Da hilft es nichts, Florian Geyer, den Familien der Toten nachträglich sein Beileid zu bekunden!
  3. #5092

    Teflon

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Vor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
    Nein, da Teflon-Angie Teflon Charlie stützt
  4. #5093

    Zitat von karl1000 Beitrag anzeigen
    Wir sollten da mal die Kirche im Dorf lassen. Im kleinen Rheinland-Pfalz, im Königreich Kurt, gibt es einen Justizminister Bamberger, dem das Bundesverfassungsgericht einen Rechtsbruch bei der Besetzung eines Gerichtspräsidentenamtes vorwirft.

    Ich sehe das als einen wesentlich schwerwiegenden Vorwurf. Dazu gibt die Suchfunktion ("Bamberger") in Spiegel online nun grade eine Stelle aus.

    Über diesen Vorgang regt sich keiner auf. Die SPD reagiert in diesem Fall ganz anders.

    Ach Ja, die Fußnote:
    Folgende Buchstaben habe ich einzeln der Dissertation von Guttenberg entnommen: abcdefghijklmnopqrstuvwxyzäöüß. Lediglich die Kommatas sind von mir :-)
    Relativismus und der Versuch, das Vergehen Guttenbergs durch einen Witz zu verharmlosen. Inhaltliche Relevanz zum Thema nicht gegeben. Raten Sie mal, was das nun wieder für die Note in einer wissenschaftlichen Arbeit bedeuten würde.
  5. #5094

    Er war es nicht ...

    Ich glaube nicht, dass er abgeschrieben hat. Sein Ghostwriter war's.
  6. #5095

    Zitat von drcool Beitrag anzeigen
    ... und dass es da noch den Verlag gibt, der das Werk scheinbar ungeprüft veröffentlich hat wird bisher weitgehend übersehen... rotz approbierter Doktorarbeit sollte es dort noch wenigstens querlesende Lektoren geben....
    Da liegen Sie leider falsch. Eine Doktorarbeit wird im "Eigenverlag", auf eigene Kosten gedruckt. Da gibt's keine Lektoren.
  7. #5096

    Guttenberg überheblich

    Ich wundere mich angesichts der nachgewiesenen Plagiate sehr über die Aussage Guttenbergs, dass es seine Dissertation in "mühevollster Kleinarbeit" angefertigt habe. Ein Hohn für alle, die eine Dissertation selbständig und ohne Hilfe des Bundestagsdienstes schreiben müssen - ein Hohn auf alle, die ehrlich und wirklich "mühevollst" einer Arbeit nachgehen.

    Ich fühle mich stark an einen weiter zurückliegenden Vorfall erinnert, als der Freiherr seine wirtschaftlichen Erfahrungen im mittelständischen Familienbetrieb herausstellte. Später stellte sich heraus, dass die Guttenberg GmbH in München eine reine Vermögensverwaltung der Familie ist - mit drei Angestellten.
  8. #5097

    Zitat von Kurt2 Beitrag anzeigen
    So ist es. Frau Merkel sollte zG zu seinem eigenen Schutz vorerst beurlauben.
    So schlau ist Frau Merkel nun auch wieder nicht. Sie stärkt ihm den Rücken und sagt in etwa " Junge, du mußt sie jetzt alle attakieren".

    Deutschland kann wunderbar ohne zG leben. Er sollte aus der Politik aussteigen und "eine Kanzlei öffnen die vorübergehend nicht besetzt ist" :-))
  9. #5098

    geht doch

    Zitat von Gesine Ungefragt Beitrag anzeigen
    Danke für den Beitrag, das ist nämlich tatsächlich eine interessante und weiterführende Frage. Vor dem Internet wurden Plagiate genau so aufgedeckt, wie ich das heute auch bei meinen Studenten praktiziere: man liest die Arbeit und es kommt etwas einem merkwürdig vor. Das können Stilbrüche sein, es können seltsame und überflüssige Exkurse sein, vielleicht passt das auch alles nicht zu dem Studenten, den man kennt, vielleicht kommt einem auch ein Absatz bekannt vor. Das ist der Anfangsverdacht. Dann schaut man sich mal die Bibliographie an und prüft, ob die dort genannten Autoren auch in den Fussnoten genannt werden. (Das ist eine ganz typische Sache, auch in diesem Fall: Quellen werden hinten aufgeführt, aber im eigentlichen Text nicht kenntlich gemacht). Dann lässt man sich die erwähnte Literatur kommen und gleicht ab und verfolgt weitere Spuren. (Oft ist es so, dass weitere Quellenliteratur, die in der erwähnten Quelle auftaucht, unerwähnt benutzt wurde.) Und dann hat man das System.
    Interessant ist diese Frage deshalb, weil sich an ihr trefflich zeigen lässt, dass es auch im aktuellen Fall nicht um "vergessene Fussnoten" o.ä. geht. Eine Arbeit, die stimmig und bündig geschrieben ist, die sonst mit ihren Quellen ordnungsgemäss umgeht, der lastet man eine fehlende Fussnote als Makel an, aber sie beschädigt die Arbeit nicht. Im Zweifel fällt sie gar nicht auf. Tatsächlich funktioniert der Enttarnungsprozess andersherum: der Verdacht kommt auf, weil mit einer Arbeit GRUNDSÄTZLICH etwas nicht stimmt, weil sie stilistisch, wissenschaftlich, inhaltlich grotesk wirkt. Und dann schaut man nach. Und dann prüft man, entdeckt den Plagiarismus und prüft die Fussnoten. Genau so war es im Fall Guttenberg auch: erst die Verwunderung, dann der Verdacht, dann die Prüfung. Was jetzt folgt ist die Kleinarbeit und die fängt gerade erst an, denn das Nachprüfen der GEDRUCKTEN Quellen (von denen man sich in solchen Fällen oft grosszügig bedient, weil das schwerer nachzuprüfen ist) steht überhaupt noch aus.
    Vielen Dank für diese interessanten und kompetenten Erläuterungen. Schade, dass der Journalismus sich nicht die Zeit nimmt, derartige Hintergründe zu recherchieren und abzubilden - wahrscheinlich weil sie wie ich nicht mit dem Wahrnehmen der sich überschlagenden Ereignisse hinterherkommen.
    Allerdings bin ich skeptisch, ob sich eine erschöpfende Recherche der gedruckten Quellen in nur zwei Wochen leisten lässt auf Seiten der Uni Bayreuth. Wie lange dauert so ein Vorgang Ihrer Meinung nach denn typischerweise?
  10. #5099

    "Spätrömische Dekadenz"

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Vor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
    Während es in Afghanistan gestorben wird,
    entwickelt sich inzwischen die Guttenberg-Posse
    zu einer regelrehten Guttenberg-Massenhysterie:
    Daumen runter!

    "Spätrömische Dekadenz" - danke Guido!
    Wir befinden uns im spätrömischen Colosseum, panem et circenses!
    Der Emperator hält den Daumen runter, der Verlierer hat sein Leben,
    pardon, sein Ministeramt, verwirkt.
    Das soll der seelischen Hygiene des Volkes gedient haben.

    Da es den Emperator in unseren Zeiten nicht mehr gibt,
    tritt das Volk erfolgreich an seine Stelle.
    Was die rechtskundigen Professoren, die vermeintlichen und tatsächlichen angeht,
    so schrieb mal Ezra Pound über sie:

    "Als die Herrschenden mal herausfanden,
    dass es auch Klugköpfe unter ihren Untertanen gibt,
    die ihnen gefährlich werden könnten,
    erfanden die Herrschenden und schenkten sie ihnen eine Professur"


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