Mit Paul Kagame ist das so eine Sache. Mir scheint, da halten sich manche zurück, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, vor 15 Jahren weggekuckt zu haben, nach dem Motto: bloß nicht dran rühren.
Andererseits hat Kagame den Krieg mit dem Kongo nicht so ganz aus blauem Dunst heraus begonnen: Dort tummeln sich noch immer bewaffnete Milizen aus Genozid-Zeiten, die keinen Hehl daraus machen, daß sie nur auf den Augenblick warten, an dem sie ihr "Werk" vollenden können.
Im Innern hat Paul Kagame von Anfang an versucht, den unseligen Gegensatz Hutu/Tutsi zu beseitigen. Das ist insofern sinnvoll, als diese Unterscheidung während der Kolonialzeit vollkommen willkürlich gesetzt worden ist. Jeder, der mehr als 10 Kühe hatte (0der waren es 12?) wurde zum Tutsi erklärt, bekam den entsprechenden STempel in den Paß gedrückt und dieser Status wurde dann über die männliche Linie vererbt. Einen ethnischen Unterschied zwischen den beiden Gruppen gibt es also gar nicht. Es ist daher nicht ganz unproblematisch, überhaupt von Minderheit und Mehrheit zu reden.
Trotzdem schwelen diese Unterscheidungen natürlich unter der Oberfläche weiter. Heute sind die Stempel im Ausweis verschwunden, aber es ist anzunehmen, daß jeder weiß, zu welcher Gruppe der Nachbar gehört.
Was als weiteres Problem hinzu kommt: Die Überlebenden des GEnozids fühlen sich inzwischen ziemlich marginalisiert, weil die Mehrheit der "Tutis" im Lande aus Uganda zugezogen sind und den Völkermord gar nicht miterlebt haben bzw. sich den Opfern nicht unbedingt verbunden fühlen und kein Interesse daran haben letzere in irendeiner Form an der Macht zu beteiligen.
Von anderen Problemen ganz zu schweigen, als da wären AIDS, Armut und ca. 20.000 Heranwachsenden, die aus Vergewaltigungen hervor gegangen sind und von schwerst traumatisieren Müttern groß gezogen werden.
Das alles macht die Wahrheitsfindung nicht gerade einfacher.



