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Polen und Deutschland – eine ganz normale Nachbarschaft?

Während der Europameisterschaft werden zehntausende Deutsche im Nachbarland Polen erwartet. Doch ein Blick in die Geschichtsbücher macht klar: Es gibt wenige Staaten, die mit ihren Nachbarn eine solch wechselhafte Beziehung zueinander hatten wie Polen und Deutschland. Was meinen Sie - haben wir zu unseren östlichen Nachbarn eine ganz normale Nachbarschaft?
  1. #160

    Zitat von ray4912 Beitrag anzeigen
    das war also ein Akt polnischer Machtpolitik und nicht einer der elementarsten Selbstverteidigung und Existenzsicherung? Und die "Anmassung" führte 1939 zur "Bestrafung" der Schuldigen? So meinen Sie das?
    Nein, die Schuldigen wurden 1918 und 1945 bestraft, auch wenn Sie das anders sehen mögen.
  2. #161

    Zitat von pacificatore Beitrag anzeigen
    Die Russen haben den Status der Nationenbildung überwunden. Die Polen aber noch nicht. Auf diesem Hintergrund spielen Personen eine Rolle. In diesem Kontext ist Lech Kaczyński ein gefährlicher Gegenspieler. Übrigens: Das rechte Parteienspektrum in Polen ist gefährlich und das alles auf dem Hintergrund der Nationenbildung.
    Das kleine Pummelchen taugt bestenfalls als unfrewilliger Comedian.
    Gefährlich für wen? Lächerlich.

    Kaczynski ist nicht schlimmer, bzw. radikaler als die üblichen US Republikaner oder die meisten europäischen Rechtskonservativen.

    Das Nationale, oder der Prozess der "Nationenbildung" können wir, mehr oder weniger, in jedem Ostland des ehemaligen Warschau-Pakts beobachten, einschließlich Ostdeutschland wo das Nationale im Schnitt, sicherlich ausgeprägter ist als bei den meisten Westdeutschen.

    Was uns vielleicht übertrieben erscheint,- ist bei den Polen normal, da dort offensichtlich noch die Ängste vorhanden sind zwischen zwei Nachbarn, bzw. zwei ehemaligen Großmächten, möglicherweise den kürzeren zu ziehen.
    So war man, in Warschau, schon über das Schröder-Putinsche Gas-Abkommen not amused, einigen sahen schon darin, ein deutsch-russisches Spielchen wo die Polen außen vor blieben. Und so eine Stimmung heizen die Konservativen noch mehr an.

    Das Mißtrauen gegenüber die Russen ist nich nur in Polen groß, sondern auch in Tschechien, der Slowakei und besonders in allen drei baltischen Ländern, die jeweils große russischen Minderheiten haben, die die Einheimischen dort (Esten, Letten , LItauer) immer noch sowas als fünfte Kolone Moskaus betrachten. Deswegen wollten die ja diese amerikanischen Waffen auf ihren Territorien haben, die Bush ihnen damals großzügig versprochen hat.
    In Georgien sowieso gibt's auch die Abneigung gegenüber Moskau, und in der Ukraine wird gerade still und heimlich quasi der Kampf darum geführt, wo soll die Ukraine hin; Nach Moskau oder nach Europa
    Bzw. die Ukraine soll der neuen GUS/UdSSR anhgehören, dessen Grundstein zwischen Russland, Weißrussland und Kasaschstan schon gelegt worden ist. Die Hälfte der Ukrainer möchte aber nicht zurück zu Moskau.
  3. #162

    Zitat von N.Danilewski Beitrag anzeigen
    Vieles erscheint heute gefährlich in Europa, so auch die Nationenbildung von Ukrainern, Kroaten, Esten und Ungarn, deren Nationalisten sich sehr stark mit den deutschen Nationalsozialisten und ihrer Waffenbrüderschaft mit diesen im 2.WK identifizieren.
    Polen, Tschechen und Slowenen stecken da in einer unangenehmen Position.
    Das gibt es bei einigen sicher, aber übertreiben soll's man nicht.
    Einzig in Ungarn gibt es einen Rechtsruck, aber die Regierung ist demokratisch gewählt und ist noch, bei aller Kritik, demokratisch. Orban nimmt normal bei EU-Meetings teil und und wird von neimandem boykottiert.
    Soweit ich weiß in Estland und Kroatien regieren die Sozialdemokraten und in der Ukraine ist gerade der Putins Mann Janukowitsch an der Macht, der die prowestlichen Orangenen mit Timoschenko endgültig besiegen soll und das Land an Russland ranführen.

    Aber warum fühlen sich Esten und die anderen beiden baltischen Länder immer noch vor der Russen bedroht? Das fragen Sie sich nicht. Ohne Grund ist es sicherlich nicht.
    Sie sind bestimmt nicht nur aus purer Abneigung gegenüber die Russen so.
    Und wieso reagiert Russland gereizt wenn Polen und noch einige Länder auf ihren eigenen Territorien die US Waffen stationiern lassen wollen?
    Das zeigt, für mich, dass Russland immer noch, nicht nur die Gebiete der ex-UdSSSR sondern anscheinend auch Teile Osteuropas, als seine Interessengebiete betrachtet völlig egal dass die jeweilige Bevölkerung da es gar nicht will.
  4. #163

    Zitat von ray4912 Beitrag anzeigen
    Fanunruhen sind schon im Gange. Und man kann dabei unschwer feststellen, dass die Russen (ganz im Gegensatz zu den lieben Deutschen) die roten Tücher (sic) für die polnischen Hools sind. Auch ein Zeichen der Zeit und eine indirekte Antwort auf die Strangfrage!
    "indirekte Antwort auf die Strangfrage" ? Ich glaube nicht das die Hooligans in ihrer Zerstörungswut sich mit Kriegs- oder Nachkriegsgeschichten beschäftigen. Wenns zwischen Russen und Polen knallt dann ist das nichts anderes als zwischen den Hools von Hansa Rostock und St Pauli oder Boca und River. Es ist ein ww Phänomen, es flammt irgendwo auf und ebbt woanders ab. Aus GB zB glaube ich wurde in letzter Zeit wenig bis gar nichts gemeldet.
  5. #164

    doch etwas ernster

    Zitat von 1Piantao Beitrag anzeigen
    "indirekte Antwort auf die Strangfrage" ? Ich glaube nicht das die Hooligans in ihrer Zerstörungswut sich mit Kriegs- oder Nachkriegsgeschichten beschäftigen. Wenns zwischen Russen und Polen knallt dann ist das nichts anderes als zwischen den Hools von Hansa Rostock und St Pauli oder Boca und River. Es ist ein ww Phänomen, es flammt irgendwo auf und ebbt woanders ab. Aus GB zB glaube ich wurde in letzter Zeit wenig bis gar nichts gemeldet.
    ich will es nicht überinterpretieren, aber ich kann mir schon vorstellen, dass die jungen Polen, halt zum Teil aufgewiegelt durch die Faschisten im Poltikbetrieb Polens, ernstere feindliche Assoziationen gegen Russen haben als Rostocker gegen Hamburger. etwas mehr politische Inhalte, deshalb schreiben wir beide ja auch hier im Politik Forum und nicht im EM Strang. Die Unterdrückung durch die Sowjetunion hat ja auch 44 jahre länger gedauert als die durch die Deutschen.
  6. #165

    Zitat von ray4912 Beitrag anzeigen
    Die Unterdrückung durch die Sowjetunion hat ja auch 44 jahre länger gedauert als die durch die Deutschen.
    Das entschuldigt ja vieles, oder wie war das gemeint?
    Geändert von ( um Uhr)
    In der Politik ist es wie in der Mathematik: alles, was nicht ganz richtig ist, ist falsch.
  7. #166

    Enthüllung...

    Zitat von N.Danilewski Beitrag anzeigen
    Zumindest scheint sich der Forist in dem Beitrag missverständlich ausgedrückt zu haben, da sein Nick einer Empfehlung Naumanns als Alternative zu widersprechen scheint :-)

    Dieser "grand plan" hat so sine Tücken und ich befürchte, je enger Europa jetzt zusammenrückt, desto schmerzhafter könnte nachher die Trennung werden.

    Mir auch. Dennoch darf man bemerken, dass das deutsche Außenministerium und der BND während der letzten Balkankriege von der Partei geführt wurden, denen die Naumann-Stiftung sehr nahe steht.
    Ja; deswegen habe ich ja auch das Augenzwinkern dazugesetzt. Nichtsdestotrotz gibt es(sogar bei mir in Südtirol) einige 'Träumer' die eine solche Karte als reale Politikgrundlage betrachten. Und Ja; wieder einverstanden; der 'grand plan' (Die Welt war die erste Zeitung die einen Artikel dazu brachte) hat viele Tücken; es ist aber die einzige real existierende Möglichkeit(will nicht das Lieblingswort der Kanzlerin der Deutschen verwenden ;) um den status quo zu retten. Will man den € behalten und in in seiner heutigen Form mit allen(oder fast allen) Mitgliedern bewahren, so ist das wohl die einzige Möglichkeit...

    Ihr letzter Absatz ist interessant...
    Allerdings sollte man die deutsche Balkanpolitik(die ich in vielen Teilen für einen Fehler hielt) nicht allzu überbewerten. Letztendlich war es eine Politik im Windschatten der USA(manch anderer westlicher Staat hat sich da gerne angehängt ohne selbst groß in Erscheinung zu treten. Auch Italien das die neuen Staaten schnell anerkannte und von dessen Territorium aus(bsw. Aviano) sowohl der Hauptteil des Kosovokriegs wie auch ein Großteil der anderen Balkankriege geführt wurde.

    Natürlich war die Naumannstiftung ein Faktor in dieser deutschen Außenpolitik...

    Aber wir sollten vor lauter Bäumen nie den Wald vergessen...
    War Rußland schwach und das alte Jugoslawien politisch und gesellschaftlich am Ende, so war es nur eine Frage der Zeit bis sich das Staatswesen in seine Ethnien auflöste. Für den Westen war es eine willkommene Einladung zum 'run' um Macht und Einfluß in der Region...
    Nacheinander werden die neuen Staaten in Nato und EU eingebunden...
    Die Konflikte sind aber ungelöst, vor allem BiH und Kosovo bleiben Narben in diesem Balkangebilde. Fühle mich bestätigt in der Annahme daß dieses 'Selbstbestimmungsrechtderegulation' dort zu einer Ansammlung von Kleinstaaten führen wird, die oftmals in ihrem Inneren die gleichen Probleme wie Jugoslawien aufweisen. Nur Slowenien kann man als Musterbeispiel gelten lassen; Kroatien ist weit dahinter...
    Auf jedem Fall ist der Balkan westlich geworden; und Serbien hat keine Alternative zur Europäischen Integration...

    Schian Gruaß...
  8. #167

    Strangfrage...

    Zitat von ray4912 Beitrag anzeigen
    ...Fanunruhen sind schon im Gange. Und man kann dabei unschwer feststellen, dass die Russen (ganz im Gegensatz zu den lieben Deutschen) die roten Tücher (sic) für die polnischen Hools sind. Auch ein Zeichen der Zeit und eine indirekte Antwort auf die Strangfrage!
    Ja; zwischen den Polen und Russen ist die Kluft viel tiefer. Da hat der Kommunismus viel zugeschüttet was nun seit zwei Jahrzehnten wieder zutagetritt. Meine These ist daß Deutsche und Polen(durch Willy Brandt) bereits vor vier Jahrzehnten ihre Fragen bereinigt haben. Zwischen Russen un Polen hingegen liegt noch Vieles unaufgearbeitet herum; man denke bsw. nur an Katyn. Der Kommunismus und das oberflächliche 'Bruderstaatengehabe' haben eine Aufarbeitung und Diskussion verhindert. Die muß noch kommen und das Unglück Smolensk hat diesen zaghaft begonnenen Prozess leider unterbrochen; und leider neue VTs produziert. ;(
    Das dauert seine Zeit; man kann es fördern aber nicht weisgott wie beschleunigen...

    Schian Gruaß...
  9. #168

    Zitat von pacificatore Beitrag anzeigen
    Die Russen haben den Status der Nationenbildung überwunden. Die Polen aber noch nicht. Auf diesem Hintergrund spielen Personen eine Rolle. In diesem Kontext ist Lech Kaczyński ein gefährlicher Gegenspieler. Übrigens: Das rechte Parteienspektrum in Polen ist gefährlich und das alles auf dem Hintergrund der Nationenbildung.
    Falls noch nicht aufgefallen ist, Lech Kaczynski weilt längst nicht mehr unter uns, gemeint ist wohl sein Bruder Jaroslaw, der ihm im Geiste im nichts nachsteht, im Gegenteil, nach dem Flugzeugabsturz bei Smolensk wird Russland verdächtiger als verdächtig, ohne konkrete Beweise... nur so zur Vervollständigung.
    Die Hool-Szene ist kein neues Phänomen in Polen (nicht seit gestern), und nicht nur in Polen ! (wenn auch all zu oft vernachlässigt aber auch instrumentalisiert), nicht zuletzt bei dem "Marsch der Unabhängigkeit" am 11.11.11, von PiS organisiert, wo die Hools die Warschauer in Angst und Schrecken versetzten, und die Stadtteile verwüsteten... die national-konservativen (keine rechtsradikalen!) von J.Kaczynski trommeln immer wieder gegen EU und Tusk-Sikorski, sowie gegen russische Verschwörung, was in einem losen Bündnis mit anderen Holls-Gruppen bei den Demos immer wieder ausartet.
    Innenpolitisch gesehen sei es erwähnt, dass dieses Lager bei den Wahlen von der Jugend nicht bevorzugt behandelt wurde, schon eher die links-liberalen von Palikot oder rechts-liberale Tusk, was positiv zu sehen ist, und wo man anknüpfen soll, sprich engere Absprachen (was nicht immer der Fall war/ist) und stärkere Kooperation....
  10. #169

    Zitat von Morotti Beitrag anzeigen
    Das entschuldigt ja vieles, oder wie war das gemeint?
    Sie müssen aus einfachen Sätzen nicht immer Bedeutungsvolles herauslesen.








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