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Pflege in Deutschland - schlimme Zustände?

Die Diskussion über die aktuellen Zustände in deutschen Pflegeheimen schlägt hohe Wellen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit Pflegeversicherung und Heimen? Herrscht wirklich Unterversorgung vor? Oder sind viele Heime eher gut geführt?
  1. #1

    Pflege

    Ich selber war auf der such nach einem Heimplatz für meine Mutter, falls Sie ein Pflegefall wird, was glücklicherweise nicht eingetreten ist. Sie könnte in Ihrer eigenen Wohnung bleiben. Was ich aber bei der Suche so gesehen habe war schon bedenklich. Die Pflegeheime, die akzeptabel waren, können sich die meisten Rentner nicht leisten, Pflegegelt und Rente reichen nicht aus. Wer hat schon 2000 Euro Rente.
    Das ganze System ist ein Sklandal. Jeder wird mal alt, und was dann? Vegitieren in einem Altenheim?
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Diskussion über die aktuellen Zustände in deutschen Pflegeheimen schlägt hohe Wellen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit Pflegeversicherung und Heimen? Herrscht wirklich Unterversorgung vor? Oder sind viele Heime eher gut geführt?
    Also, ehrlich gesagt, ich verstehe diese plötzliche Aufregung nun gar nicht.

    Ich verfolge seit mehreren Jahren in den Medien, wie skandalös die Verhältnisse in der Pflege zum Teil sind. Mit Filmbeiträgen und Aussagen von beteiligten Personen wurde und wird dies immer wieder dokumentiert.
    Und es gibt ein Gesicht dazu: Claus Fussek wird nicht müde, diese Mißstände so oft es nur geht, öffentlich anzuprangern.

    Und jetzt kommt plötzlich dieser "überraschende" Bericht. Wo sind wir denn eigentlich? Ich verstehe die Welt nicht mehr.
  3. #3

    Verstoß gegen die Menschenwürde!

    Verstoß gegen die Menschenwürde!

    Es ist ein Schande was sich in den Pflegeheimen abspielt. Aus eigener Anschauung gesehen.Die Schuld haben nicht die Pflegeheime alleine , sondern auch der Staat. Sicherlich gibt es viele Pflegeheime, als auch ambulante Pflegedienste die nicht nur die Pflege im Sinn haben, sondern schlicht gesagt nur das große Geld verdienen wollen. Das Geld alleine aus der Pflegekasse reicht nicht aus. Die Frage die sich stellt hat der Staat nicht die Pflicht für diese Leute zu sorgen? Ich meine ja, das bedeutet hier müssten Steuergelder zum Einsatz kommen. Das Geld ist da, wenn ich sehe jedes Jahr werden bis 50 Milliarden Euro vom Bundesrechnungshof als Fehlausgaben des Bundes, der Länder und Kommunen angemahnt. Diese Geld kann nützlicher eingesetzt als das der Bund, die Länder oder Kommunen diese Milliarden verschleudert. Es muss auch ein Umdenkungsprozess bei den Politikern einsetzen. Die Frage die sich stellt ist dieser menschenunwürdige Umgang mit den Pflegebedürftigen kein verstoß gegen das Grundgesetz, ich finde hier wird die Menschwürde auf gröbster Art und Weise verlet
  4. #4

    Pflege in Deutschland

    Mein demenzkranker Vater befindet sich seit einem halben Jahr im Pflegeheim. Es geht ihm gut und es gefällt ihm dort, denn es kümmert sich jemand um seine Erfordernisse. Jedem, der über schlechte Pflege klagt, möchte ich empfehlen, einmal nur einen Tag in einem Pfegeheim zu verbringen. Menschen, die nicht mehr alleine Ihre Notdurft verrichten können, nicht mehr in der Lage alleine zu essen, durch Alterverwirrtsein wirre Laute von sich geben und nicht mehr wissen, wo sie sind und was sie den ganzen Tag machen sollen, weil sie nicht mehr auf irgendetwas konzentrieren können. Die, die sich am meisten über die schlechte Pflege beklagen, kümmern sich am wenigsten um ihre Angehörigen, verlangen aber vom Pflegepersonal eine 24 Stunden-Rundumbetreuung ihres Angehörigen. Ob es aber erstrebenswert ist, unter diesen Umständen, mit allen Mitteln, sehr alt zu werden, möchte ich nur für mich selber entscheiden.
  5. #5

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Diskussion über die aktuellen Zustände in deutschen Pflegeheimen schlägt hohe Wellen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit Pflegeversicherung und Heimen? Herrscht wirklich Unterversorgung vor? Oder sind viele Heime eher gut geführt?
    Die Pflege gehört zur öffentlichen Daseinsfürsorge, doch immer mehr Kommunen flüchten durch Privatisierung aus der Verantwortung. Finanznot wird als Argument angeführt.

    Pflegeheime sind soziale Einrichtungen und keine Wirtschaftsunternehmen, werden aber durch die Privatisierung als solche geführt. Wenn mit dem geringsten Einsatz von Mitteln der größtmögliche Gewinn erzielt werden soll, bleibt zwangsläufig die Qualität der Betreuung auf der Strecke.

    MitbürgerInnen, die zunehmend in Altersarmut leben, können sich qualifizierte private Pflegeheime nicht leisten. Eine frühzeitige private Vorsorge ist durch die persönlichen Lebensumstände oft nicht möglich.

    Eine Reduzierung von Sozialabgaben ist gleichbedeutend mit einer Reduzierung von Sozialausgaben, wie es seit Jahren zu beobachten ist.

    Es ist an der Zeit, daß der Lobbyismus in der Politik unterbunden wird.
  6. #6

    Pflege

    6.30 Uhr beginnt die Schicht, aber es ist ratsam, zwanzig Minuten eher da zu sein. Kurzes Gespräch mit der Kollegin, Absprache, wer heute geduscht wird etc. Dann Sprint zum "Wagen" mit den Windeln, dem Wäschesack, dem Müllsack etc. Windel ausgesucht, Abwurfkorb gegriffen, an die Tür der ersten Bewohnerin geklopft. Kurzes "Guten Tag, wie geht es Ihnen?" Die Bewohnerin ist schwerhörig, hat aber kein Hörgerät, lächelt, antwortet nicht. Gardinen aufziehen, Fenster ankippen (puh, das stinkt). Die Anziehsachen der Bewohnerin greifen, mit der Windel und dem Korb ins Bad bringen. Wasser ins Waschbecken lassen. Sprint zur Bewohnerin, neue Ansprache, Bettgitter herunterlassen, die Frau kann sich nicht allein aufsetzen, also Spezialgriff, dabei die ganze Zeit reden, die Bewohnerin sitzt.
    Schuhe finden und ihr anziehen, vorsichtig aufrichten lassen, mit einer Hand hält sich die Frau am Bett fest, langsam, immer eine Hand an der Bewohnerin, geht es ins Bad. Neben der Toilette sind Haltegriffe, die Frau klammert sich daran, Windelhose aufknöpfen, Windel aufreißen, beides in den Korb, G.s.D. hat die Frau nicht eingeschi.., sie sinkt auf die Toilette, halt, noch das Nachthemd ausziehen, durchgeschwitzt, auch in den Korb.
    Kurz zurück ins Zimmer und das Bett gemacht, dann wieder ins Bad. Um Zeit zu sparen, wird die Frau auf der Toilette gewaschen, das Wasser im Becken ist noch nicht kalt, denn es sind noch keine zehn Minuten vergangen.
  7. #7

    Zitat von herberger Beitrag anzeigen
    Mein demenzkranker Vater befindet sich seit einem halben Jahr im Pflegeheim. Es geht ihm gut und es gefällt ihm dort, denn es kümmert sich jemand um seine Erfordernisse. Jedem, der über schlechte Pflege klagt, möchte ich empfehlen, einmal nur einen Tag in einem Pfegeheim zu verbringen. Menschen, die nicht mehr alleine Ihre....

    Sehr richtig! In den meisten Heimen wird sich sehr engagiert um die Bewohner gekümmert. Schwarze Schafe gibt es immer. Und die müssen gefunden und gebrandmarkt werden. Aber eine pauschale Verurteilung der vielen tausend in der Pflege Beschäftigten ist schlicht falsch und eine Frechheit.
  8. #8

    Pflege 2

    Auf der Toilette sitzend, sieht die Frau ziemlich fertig aus, aber sie darf noch nicht da runter, Gesicht waschen, Duschbad ins Waschwasser, Oberkörper, Arme, Rücken, Brust und darunter, dabei Kontrolle, ob die Haut wund ist, Bauch, abtrocknen. Das soll aktivierend geschehen, das bedeutet ein Gespräch in Gang halten, der Frau immer mal wieder den Lappen zu geben, während ich woanders schon abtrockne, loben, wenn sie ihre Hände selbst wäscht etc. Dabei habe ich immer die Uhr im Nacken, denn spätestens nach 10 min seit Betreten des Zimmers sollte die Frau gewaschen sein, dann creme ich ihr den ganzen Körper ein, ziehe sie mit mehr oder weniger Mitarbeit ihrerseits an, und wenn sie fast fertig ist, also mit heruntergelassener Hose immer noch auf Toilette thront, aber schon gekämmt ist und die Brille auf hat, kommt wieder Krafttraining für beide, die Frau klammert sich wieder an die Griffe, nachdem ich sie hochgehievt habe, und ich wasche ihr im Eilzugstempo Po usw., trockne sie ab, ziehe ihr die Schlüpfer samt Windeleinlage hoch, die Hosen auch, irgendwann zwischendurch habe ich ihr auch die Schuhe angezogen, dann geht es zum Waschbecken, Gebiss einsetzen. Vorher natürlich den Mund spülen, die Bewohnerin klammert sich ans Waschbecken und versucht, mit der Flüssigkeit nicht ihren Pullover, sondern das Becken zu treffen. Ich halte sie, den Becher, die Haftcrem fürs Gebiss und bete, dass ich sie nicht gleich noch einmal umziehen muss.
    Zurück ins Bett, Gitter hoch, Müll hinaus, Handschuhe an, Wäsche und Müll trennen, Handschuhe aus, wegwerfen, Hände desinfizieren - und wenn jetzt mehr als 20min vorbei sind, habe ich ein Problem.
  9. #9

    Erfahrung

    Seit 14 Jahren bin ich als Altenpflegerin tätig. Dieses Thema ist zu komplex, um es mal so eben abzuhandeln. Entweder wird der Beruf mystifiziert oder alles, was geschieht, verteufelt. So einfach lässt sich weder die Pflege noch das Altwerden abhandeln.
    Die Alten von heute, die 80-100 Jährigen, sind aus einer völlig anderen Generation als wir heute. Wir sind heute verängstigt und die wenigsten noch robust. Damals war es traurig aber relativ normal, dass Frauen ihre Kinder verloren bzw Geburten abgebrochen wurden, allein schon, weil Krieg herrschte, es keine Verhütung gab und die Frauen nicht noch mehr Kinder gebrauchen konnten. Heute haben wir Angst vor dem Tod, der dazugehört zum Leben. So traurig und bitter und hart es ist, wir werden alle sterben, und kaum jemand tut dies in Würde.
    Was heißt denn schon Menschenwürde? Wenn man eine Windel braucht, glaubt jemand, das fühle sich würdig an? Oder wenn einem die Zähne ausfallen und man nur noch Püriertes essen kann? Wichtig ist hier eher Verständnis anderer dafür und ein wenig Geduld und vor allem Humor.
    Wichtig ist aber auch die Abgrenzung des Pflegepersonals, die sehr häufig nicht vorhanden ist. Sie wollen besonders gute Menschen sein, sind selbst furchtbar unglücklich über ihr Leben und projizieren ihre Gefühle auf die Alten, die sie zu pflegen haben. Die Pflege und die Betreuung ist eine Dienstleistung, die zwar Empathie und Verständnis und Wissen abfordert, die aber dennoch auch nur ein Job ist. Was glaubt ihr, was aus einer Pflegekraft wird, die mit jedem leidet? Sie geht kaputt. Und nicht wenigen passiert genau das.

    Ein Fehler der Politik ist, dass der Beruf mit Hauptschulabschluss erlernt werden kann - es herrscht die Meinung, man bräuche nicht allzu viel dafür. Was ich für einen Fehler halte, da vor allem Empathie, Geschichtswissen und Reflexionsfähigkeit vonnöten sind. Dazu braucht es aber ein wenig Grips, und ich will nicht verschweigen, dass dies nicht viele der Pflegekräfte haben. Allerdings traf ich schon viele Pflegepersonen, die ihre Sache sehr gut machten, professionell und engagiert. Die jetzige Diskussion und die Verteufelung der Situation ist fatal, weil sie die Angst der Menschen nur umso mehr schürt. Dies muss nicht sein.

    Mein Tip: Sorgt für euer Glück, für eure ganz eigene Lebenszufriedenheit, die unabhängig davon besteht, was ihr besitzt. Seid im Geiste frei und bewahrt euch die schönen Momente im Leben. Führt Beziehungen, damit ihr nicht allein seid, kümmert euch um eure Freunde, Bekannten, Verwandten, Nachbarn, Mitmenschen. Wir brauchen uns nämlich alle gegenseitig, um das Leben schöner, angenehmer, lustiger, geselliger zu gestalten.


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