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Hat die Demokratie in islamisch geprägten Ländern eine Chance?

Die politischen Umbrüche in den Ländern Nordafrikas brachten schon das Ende von Diktatoren, aber auch Hoffnungen auf eine demokratische Zukunft in diesen Ländern. Doch Skeptiker bezweifeln, dass der Übergang zu solchen politischen Strukturen funktioniert. Hat die Demokratie in islamisch geprägten Ländern eine Chance?
  1. #1070

    Die Eroberung Amerikas war kein Religionskrieg

    Zitat von Andreas Henn Beitrag anzeigen
    Das Christentum wurde kaum weniger, wenn überhaupt weniger, barbarisch durchgesetzt, man denke an Lateinamerika, aber auch die Kreuzzüge, im Nahen Osten aber auch in Europa selbst....
    Die Eroberung Amerikas war primär eine Ausdehnung der macht der Spanier oder Portugiesen. Es war kein Religionskrieg.
    Damals war es ehrenhaft, möglichst viele Länder zu erobern. Auch Afrika war ganz in den Händen der Europäer.
    Die sogenannten Kreuzzüge waren Feldzüge zur Rückeroberung der ursprünglich von den Muslimen geraubten Gebiete.
    Der 1. Golfkrieg diente auch der Befreiung Kuwaits von den Irakern.

    Es war keine Durchsetzung des Christentums. Weder früher noch heute. Es waren und es sind pure Machtkämpfe.
  2. #1071

    Zitat von Petra Beitrag anzeigen
    Selbstverständlich KANN es immer zu einem Wandel der Auffassungen kommen - siehe das Christentum, das ja mehrheitlich auch nicht mehr in der Endzeiterwartung lebt und die Bibel als historischen Text zu begreifen gelernt hat. Das wäre ja das, was man z.B. von einem "Euro-Islam" erhoffen würde - die Trennung von Staat und Religion. (Bis das Christentum aber soweit war, hat es ein paar Jahrhunderte gedauert und viel Blut in Religionskämpfen gekostet.)
    Soweit Ihrer Meinung.
    Zitat von Petra Beitrag anzeigen
    Genau diese Trennung aber untersagt ja der Islam als Handlungsvorschriftsreligion.
    Das Christentum war damals auch eine 'Handlungsvorschriftsreligion', und ist es in Teilen (Evangekale, aber auch Teile der RKK-Hierarchie z. B.) auch heute noch.
    Zitat von Petra Beitrag anzeigen
    Gemäß Umfragen sehen die Ägypter ja mehrheitlich die Scharia trotz der Rebellion gegen die Diktatur als Grundlage der gesellschaftlichen Verhältnisse.
    Wie schon mehrfach geschrieben, gibt es nicht eine, sondern vier grosse Schulen der Scharia, innerhalb derer sich die Rechtsgelehrten auch noch streiten.

    Die in der Sunna ziemlich massgebliche al-Azhar-Universität in Kairo vertritt allgemein eine ziemlich gemässigte Version, die sich von unseren Rechtsordnungen (das meiste in der Scharia ist Zivilrecht) ausser dem Zinsverbot (das munter umgangen wird, selbst in Iran oder S-A) gar nicht so sehr unterscheidet.

    Wenn sich Ägypter also für die Scharia aussprechen, dann heisst das noch lange nicht, dass sie die iranische oder saudi-arabische Variante wollen. Alleine schon ein Alkoholverbot in Kairo durchsetzen zu wollen, erscheint mir utopisch, ich habe dort, mehr als einmal, in Restaurants für eher betuchte Einheimische, Geschäftsleute, Nachbartische gesehen, die pro Person eine Flasche Whisky zum Mittagessen vertilgten. Könnten natürlich Kopten gewesen sein, aber das war (auf Zamalek) kein Koptenviertel.

    Zitat von Petra Beitrag anzeigen
    Da der Islam das direkt offenbarte Wort Gottes ist, dürfte es den Gläubigen schwerfallen, das Wort Gottes als historisch bedingt, entsprechend begrenzt und nur relativ gültig anzusehen. Bis es zu einer halbwegs ähnlichen Säkularisierung der Haltung zu Gott und Welt kommen könnte, dürfte noch viel Wasser den Nil herabfließen...
    Alleine die unterschiedliche Auslegung in den vier grossen Hauptkonfessionen scheint das Gegenteil zu belegen.

    In Wirklichkeit ist der Koran in einem so altertümlichen Arabisch geschrieben, dass man da heute alles hineinlesen kann. Man vergleiche auch auch die Bibeltexte, häufig noch in aramäisch geschrieben, manche wohl auch schon in altgriechisch, dann ins Griechische, von dort her ins Lateinische, und dann in alle möglichen Sprachen übersetzt. Auch dort kann man, je nach Übersetzung, finden, was man will.
  3. #1072

    Zitat von syracusa Beitrag anzeigen
    Es ist ein leicht überprüfbares Faktum, dass keine Regierung vor der Erdogans auch nur entfernt ähnlich viele demokratisierende Gesetze durchsetzen konnte. Noch nicht mal dem sozialdemoktratischen Ecevit (http://de.wikipedia.org/wiki/Ecevit) ist ähnlicher gesellschaftlicher Fortschritt geglückt.

    Die einst als islamistische Partei angetretene AKP hat sich im Laufe der Zeit zu einer art CDU der Türkei entwickelt. Man muss ja kein Freund Erdogans sein oder auch nur der AKP, um dennoch diese positive Entwicklung als hoffnungsvollen Ansatz verstehen zu können.
    Ja! Bravo!

    Sowohl für Sie, als auch für die Türkei!
  4. #1073

    Zitat von erich Beitrag anzeigen
    Es gibt einfach zu wenige Muslime, die aussteigen wollen aus dem was der Islam als absolute Wahrheit lehrt und die sich von der blutigen Geschichte des Islam ebenso distanzieren wie das Papst Johannes Paul II durch sein im Jahr 2000 gesprochenes "mea culpa" eindrucksvoll zum Ausdruck brachte.
    Erich, nach meiner Erfahrung, sowohl mit den 20% der Bevölkerung hier in Marseille, als auch im Maghreb/NO (Libyen war ich nie) sind die meisten Muslime genauso 'Karteileichen' wie die eingetragenen Christen hier.

    Ich weiss gar nicht mehr, wie oft ich z. B. mit Algeriern (aus Algerien) die traditionnelle Mahlzeit (Schorba, eine ziemlich inhaltsreiche Suppe) am Abend während des Fastenmonats eingenommen habe, und anschliessend sind wir ein Bier (oder stärkeres) trinken gegangen.
  5. #1074

    Zitat von Florian Geyer Beitrag anzeigen
    Bis zur Reformation war der Katholizismus die prägende Triebfeder der Entwicklung in Wissenschaft und Kultur. Und gerade aus dem Spannungsfeld zwischen der Naturwissenschaft und der Religion entstand der Fortschritt in Europa, so paradadox das klingen mag. Die meisten Wissenschaftler wurden in Klosterschulen erzogen, denn weltliche Schulen gab es nicht. Ein prägnantes Beispiel: Johannes Gensfleisch, er besuchte eine Klosterschule in Mainz.
    frage:
    1. ist die erde eine scheibe oder eine kugel?
    2. dreht sich die erde um die sonne oder umgekehrt?
    3. wie viele schöpfungsgeschichten hat es gegeben, eine einzige oder ist das ein kontinuierlicher prozeß?
    4. wo ist das transzendente?
  6. #1075

    Zitat von neonknight_ger Beitrag anzeigen
    Nein, das ist es nicht. Entweder es liegt etwas zugrunde, und anderes baut darauf auf, oder es tut es nicht. Und ein Fundament kann nicht gelegt werden, nachdem der Rest vom Gebäude bereits teil-, oder, wie sie schreiben: schrittweise, errichtet wurde.
    auch ein fundeament kann verstärkt, erweitert oder stabilisiert werden. das was damit dazu kommt zählt fortan auch zum fundament.
  7. #1076

    Zitat von shopgirl1 Beitrag anzeigen
    Das stimmt doch nicht. Es waere z.B. unvorstellbar, dass Christen gewalttaetige Aufstaende mit Todesopfern organisieren, weil etwas, was ihnen heilig ist, irgendwo karikiert wurde. Oder gar die Einschraenkung der Pressefreiheit fordern.
    Wir hatten das hier, in Paris, auf den Champs Elysées. Todesopfer wurden zwar vermieden, aber ein Film, über das Leben Marias, gefiehl der RKK nicht. Verletzte gab es ordentlich, aber die frz. Polizei vermeidet es dann doch, gleich zu schiessen.
  8. #1077

    ...

    Zitat von Andreas Henn Beitrag anzeigen
    Erich, nach meiner Erfahrung, sowohl mit den 20% der Bevölkerung hier in Marseille, als auch im Maghreb/NO (Libyen war ich nie) sind die meisten Muslime genauso 'Karteileichen' wie die eingetragenen Christen hier.
    Naja, Religiosität und Fanatismus sind stufenlos regelbar. Ich persönlich kenne auch Moslems, die zwar manche unbequeme Regeln wie das Alkoholverbot ignorieren, aber dennoch kein Schweinefleisch essen... und dann Leute beleidigen, die das tun.
    "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." funktioniert nicht. Meist ist es doch eine Sache von "Du bist ein schlimmerer Sünder als ich!"
  9. #1078

    Zitat von Petra Beitrag anzeigen
    .....den Diskrimierungen der Christen, und die ÜBERWÄLTIGENDE Mehrheit einen traditionellen Islam pflegt, scheint die Aussicht auf eine fundamentale Revision des islamischen Glaubens- und Staatsverständnisses nicht besonders rosig zu sein. Nicht die Abspaltungen prägen das Gesicht des Islam, sondern seine orthodoxen islamisierenden Traditionen.

    Nicht umsonst wohl hatte Kemal Attatürk im Militär den Wächter des säkularen Staates gesehen, auch als Schutz vor religiösen Übergriffen auf den Staat - und genau diese Trennung versucht Erdogan mit seiner islamischen Partei zunehemnd erfolgreich zurückzunehmen.
    Komischerweise sind es nicht die Kemalisten, sondern die jetzt regierenden "Islamisten" (eher eine Partei mit CDU-Denkmustern), die der Türkei einen beachtlichen Schub in Richtung Rechtsstaat nach westeuropäischem Muster verpassten. Gibt das Ihnen nicht zu denken, Petra? Werden Ihre Scheuklappen nicht doch ein bisschen durchscheinend?
    Wie ich Sie kenne , schon, bloss bestärkt wohl diese Transparenz Sie in Ihrer Selbstgerechtigkeit!
  10. #1079

    "Christliche Leitkultur"

    Zitat von Florian Geyer Beitrag anzeigen
    Von einer christlichen Leitkultur ist keine Rede in Deutschland, sondern von einer deutschen Leitkultur, wenn Sie implizieren, das dies eine christliche Leitkultur sei, so ist das falsch.
    Nein, das ist nicht falsch, sondern offizielles Programm der regierenden Partei:
    "Im zentralen Antrag zum Bundesparteitag bekennt sich die (CDU) Parteiführung zur christlich-jüdischen Leitkultur"
    Und es ist ja nicht so, Herr Geyer, daß Sie keine Gelegenheit gehabt hätten, dem Terminus beizeiten zu begegnen ...

    "Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat den Grünen einen weiteren "frontalen Angriff auf die christliche Leitkultur und die gläubigen Christen" in Bayern vorgeworfen." (August 2008)

    Andernorts ist man da übrigens schon einen Schritt weiter:

    "U.S. Military Weapons Inscribed With Secret 'Jesus' Bible Codes - Pentagon Supplier for Rifle Sights Says It Has 'Always' Added New Testament References"








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