Hier mein Blogeintrag, indem ich der Spiegelstory widerspreche. Wollte nicht einfach nur einen Link reinsetzen, wuerde mich aber freuen, wenn einer mal bei mir vorbeischaut, danwalkers blog googlen. Kein kommerzieller Blog
Schade. Der SPIEGEL ist neben der ZEIT und der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG wohl das Printmedium mit dem höchsten Renommee in Deutschland. Und trotzdem ist die Titelstory der aktuellen Ausgabe ein widersprüchlicher Text, der dem aktuellen Präsidenten der USA nicht gerecht wird.
Es beginnt schon damit, dass der Titel „Schade – Obamas missglückte Präsidentschaft“ etwas anderes suggeriert als das, worum es am Ende im im Artikel im Heft eigentlich geht. Dieser Artikel heisst dann „Der grosse Graben“ und behandelt eben diesen: den gesellschaftlichen Graben in den USA. Um Obama geht es nur am Rande.
Für den SPIEGEL ist Obama ein Dead Man Walking oder ein „zum Scheitern Verurteilter“, zumindest wirke er so. Wirkliche Misserfolge kann der SPIEGEL ihm aber nicht anrechnen. Im Gegenteil: Die Gesundheitsreform kommt. Die Truppen sind nicht mehr im Irak und bald verlassen sie Afghanistan. Offiziell foltert die Armee nicht mehr. Aus amerikanischer Sicht und ohne moralische Bewertung ist wichtig, dass Osama Bin Laden tot ist. Obamas 787 Milliarden schwere Konjunkturpaket hat die Wirtschaft langsam, aber es hat sie, belebt. Und in Detroit werden immer noch Autos gebaut, eben weil Obama der Automobilwirtschaft massiv unter die Arme gegriffen hat.
De facto stehen im SPIEGEL-Artikel nur zwei Punkte, die Obama negativ ausgelegt werden. So ist Guantanamo immer noch offen. Dies ist moralisch ebenso verwerflich, wie die Drohnenangriffe in Pakistan. Es ist aber zu pauschal diese zu bewerten ohne die amerikanische Sichtweise einzubeziehen. Obama wollte Guantanamo schliessen. Doch es gab keinen Ort, an den die Gefangenen hingekonnt hätten. Das Ausland nahm nur ein paar Gefangene auf und in den USA weigerten sich alle standhaft die Sträflinge aufzunehmen. Wegen republikanischer Propaganda. Anstatt das aufzugreifen oder vielmehr noch auf das viel zu langsame Aufnehmen zivilrechtlicher Prozesse gegen die Häftlinge überhaupt nicht einzugehen, was man Obama wirklich ankreiden kann, ist ein Versäumnis. Genauso werden die Drohnenangriffe nicht ausreichend erörtert und mit dem Verweis auf Teenagerm die dabei auch getötet werden, auch noch unnötig emotionalisiert.
Die Welt mag davon halten was sie will, Obama ist nur den amerikanischen Volk gegenüber Rechenschaft schuldig. Und das erwartet Schutz. Es ist die amerikanische Auffassung, dass dieser nur durch präventive Massnahmen gewährleistet kann. Ein Krieg ist dabei ausgeschlossen, den können sich die USA einfach nicht leisten. Deswegen sind Aktionen wie Drohnenangriffe aus amerikanischer Sicht ein probates Mittel. Die amerikanische Logik ist: Solange es keine weiteren Terroranschläge gibt, ist unsere Taktik richtig. Aus amerikanischer Sicht liegt Obama richtig. Als SPIEGEL oder nicht-Amerikaner muss man das nicht gut finden. Dennoch ist die relative Sicherheit vor islamistischem Terror aus amerikanischer Sicht ein Erfolg. Obama ist amerikanischer Präsident, nicht Weltpräsident. Es mutet seltsam an ihn als fast gescheitert zu beschreiben, dabei aber nur eine eurozentrische Sichtweise anzuwenden.
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