„Systemimmanent“ dürfen sie auch sein, aber nur in der neoliberalen Ideologie sind sie auch noch „alternativlos“. In anderen Sichtweisen – etwa Keynesianismus – sorgt das Primat der Politik dafür, dass sich das Gemeinwohl durchsetzt und nicht die Interessen kleiner, aber einflussreicher Grüppchen.
Ich weiß mit meinen „Wortklaubereien“ sehr genau, was gemeint ist. Nur an Ihnen scheinen die Entwicklungen der letzten Zeit vorbeigegangen zu sein. Haben Sie schon einmal den Begriff „Postdemokratie“ gehört? Der Schöpfer diese Begriffes – Colin Crouch – erklärt ihn so:
„Dieser Begriff bezeichnet ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden, Wahlen, die sogar dazu führen, dass Regierungen ihren Abschied nehmen müssen, in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller
PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, dass sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben.
Die Mehrheit der Bürger spielt dabei eine passive, schweigende, ja sogar apathische Rolle, sie reagieren nur auf die Signale, die man ihnen gibt. Im Schatten dieser Inszenierung wird die reale Politik hinter verschlossenen Türen gemacht: von gewählten Regierungen und Eliten, die vor allem die Interessen der Wirtschaft vertreten.“