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Erststimme, Zweitstimme, Überhangmandat – ist das deutsche Wahlrecht zu kompliziert?

Gewinner und Verlierer einer Wahl stehen in Deutschland oft erst nach Maßgabe vieler, oft kompliziert zu errechnender Faktoren fest. Allein sogenannte Überhangmandate können die Zusammensetzung der Parlamente später verändern, viele Wähler haben nach wie vor Schwierigkeiten, die Bedeutung von Erst- und Zweitstimme zu durchschauen. Ist das deutsche Wahlrecht zu kompliziert?
  1. #10

    ??

    Zitat von Oppo Beitrag anzeigen
    Anstatt das Wahlrecht demokratischer zu machen werden jetzt auch
    noch die Überhangmandate abgeschafft,
    Wer will die Überhangmandate abschaffen?!
    die letzte Möglichkeit dem
    Zitat von Oppo Beitrag anzeigen
    Wähler noch etwas Einfluss auf die Kandidaten zu geben.
    Was haben Überhangmandate mit der Einflussnahme des Wählers auf die Kandidaten zu tun?
    Zitat von Oppo Beitrag anzeigen
    Man sollte die Zweitstimmen komplett abschaffen.
    Dann wäre der Bundestag nur noch halb so groß, immer noch
    genug, und das ewige Koalitionsgeschacher bei dem der Wähler
    bei der Stimmenabgabe überhaupt keine Ahnung hat wer ihn
    denn regieren wird würde wegfallen..
    Inwiefern weiß beim reinen Mehrheitswahlsystem der Wähler bei der Stimmabgabe, wer ihn regieren wird?
    Aber wenn das für Sie so wichtig ist, hätte ich ein Wahlsystem, das Ihre Wünsche hundertprozentig erfüllt: Das Wahlsystem der DDR. Da stand die Zusammensetzung der Volkskammer bereits vor der Wahl fest, man wusste bei der Stimmabgabe genau, wer regieren wird.
    Zitat von Oppo Beitrag anzeigen
    Jetzt warte ich nur darauf, dass jemand schreibt Frankreich, die
    USA oder das Vereinigte Königreich seien keine Demokratien.
    Ich halte das Mehrheitswahlsystem bei Wahlen für Parlamente für die schlechtere Lösung, weil eine Partei dabei die absolute Mehrheit der Parlamentssitze erreichen kann, obwohl sie weniger Stimmen erhalten hat als die zweitstärkste Partei.
    Und gegen Koalitionsregierungen schützt das System auch nicht, siehe GB.
  2. #11

    Zitat von Robert_Rostock Beitrag anzeigen
    Wer will die Überhangmandate abschaffen?!
    die letzte Möglichkeit dem
    Was haben Überhangmandate mit der Einflussnahme des Wählers auf die Kandidaten zu tun?

    Inwiefern weiß beim reinen Mehrheitswahlsystem der Wähler bei der Stimmabgabe, wer ihn regieren wird?
    Aber wenn das für Sie so wichtig ist, hätte ich ein Wahlsystem, das Ihre Wünsche hundertprozentig erfüllt: Das Wahlsystem der DDR. Da stand die Zusammensetzung der Volkskammer bereits vor der Wahl fest, man wusste bei der Stimmabgabe genau, wer regieren wird.

    Ich halte das Mehrheitswahlsystem bei Wahlen für Parlamente für die schlechtere Lösung, weil eine Partei dabei die absolute Mehrheit der Parlamentssitze erreichen kann, obwohl sie weniger Stimmen erhalten hat als die zweitstärkste Partei.
    Und gegen Koalitionsregierungen schützt das System auch nicht, siehe GB.
  3. #12

    Parlamentwahlen in Frankreich

    Der Ausgang der Parlamentswahlen in Frankreich ist doch ein
    gutes Beispiel für ein Mehrheitswahlrecht. Es hat eine stabile
    Mehrheit zum regieren produziert ( ohne Koalitiosgeschacher )
    und die LePen Partei hat zwei ganze Mandate erzielt.
    Vielleicht lernt Merkel ja irgend etwas daraus.
  4. #13

    Zitat von Oppo Beitrag anzeigen
    Der Ausgang der Parlamentswahlen in Frankreich ist doch ein
    gutes Beispiel für ein Mehrheitswahlrecht. Es hat eine stabile
    Mehrheit zum regieren produziert ( ohne Koalitiosgeschacher )
    und die LePen Partei hat zwei ganze Mandate erzielt.
    Vielleicht lernt Merkel ja irgend etwas daraus.
    Meiner Meinung nach ist die Produktion einer stabilen Regierungsmehrheit und das Heraushalten unerwünschter Parteien keine Aufgabe des Wahlrechts, und auch kein Selbstzweck. Wenn das so wäre, dann wäre (wie ich bereits schrieb) das DDR-"Wahl"sytem das Ideale. Da wurden beide Punkte mustergültig erfüllt.

    Ich halte das Mehrheitswahlrecht bei Parlamentswahlen nicht für ideal, weil dabei das Wahlergebnis, also die Zahl der abgegebenen Stimmen, bei der Verteilung der Parlamentssitze völlig verzerrt wird. Es ist sogar möglich, dass die stimmenmäßig zweitstärkste Partei die größte Fraktion stellt oder sogar die absolute Mehrheit der Sitze erhält.

    Datei:Charter88 UK-Wahlergebnisse.jpg

    Und zum Glück kann Merkel, selbst wenn sie es wollte, das deutsche Wahlsystem nicht einfach so umkrempeln.
  5. #14

    Sesamstraße, oder schlag nach bei Wiki

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Gewinner und Verlierer einer Wahl stehen in Deutschland oft erst nach Maßgabe vieler, oft kompliziert zu errechnender Faktoren fest. Allein sogenannte Überhangmandate können die Zusammensetzung der Parlamente später verändern, viele Wähler haben nach wie vor Schwierigkeiten, die Bedeutung von Erst- und Zweitstimme zu durchschauen. Ist das deutsche Wahlrecht zu kompliziert?
    Unser Wahlrecht besteht in der heutigen Fassung eigentlich seit 1970, durch die Herabsetzung des Wahlalters. Grundsätzlich aber liegt dem Wahlrecht/-gesetz deutsche Gründlichkeit zu Grunde, und der Versuch, das Wahlrecht rechtlich so zu gestalten, dass größtmögliche Demokratie gewährleistet werden kann. Das wird naturgemäß nicht im Wischiwaschiverfahren erreicht! Die Zunahme von Politikverdrossenheit, Multitasking bei der inhaltlichen Aufnahme, machen es dem Wähler natürlich schwer, wenn man gewohnt ist, alles vorgekaut zu bekommen. Naturgemäß benötigt ein dermaßen komplexes Konstrukt wie das Wahlrecht Modifikationen im Verlauf, wenn sich Grauzonen und Fehlerkonstellationen bilden-davon bleibt aber grundsätzlich die Architektur des Wahlrechts unberührt, soll heißen es ist gut so.
    Sesamstraße Titelmusik - YouTube
    Das deutsche Wahlsystem
    Wahlrecht
  6. #15

    Panaschieren ist die Lösung...wie in Bayern oder BaWü....

    Zitat von Robert_Rostock Beitrag anzeigen
    Und zum Glück kann Merkel, selbst wenn sie es wollte, das deutsche Wahlsystem nicht einfach so umkrempeln.
    Zu echter Wahlgerechtigkeit hat der politische Wille nicht gereicht. Das hätte bedeutet, die Überhangmandate entweder ganz abzuschaffen oder aber durch zusätzliche Sitze für die übrigen Parteien so vollständig zu kompensieren, dass keine Partei mehr Mandate erhalten kann, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis prozentual zustehen.

    Gar nicht erst nachgedacht wurde über die Frage, ob das Direktmandat noch zeitgemäß ist. Längst hat die Veränderung der Parteienlandschaft dazu geführt, dass schon ein knappes Drittel der abgegebenen Stimmen bequem für ein Direktmandat ausreichen kann. Von angemessener Repräsentation des örtlichen Wählerwillens kann aber nur bei absoluter Mehrheit die Rede sein; dafür wären Stichwahlen anzusetzen.

    Noch besser wäre, sich einzugestehen, dass die Ortbindung der Parlamentsvertretung ein Relikt der Feudalzeit ist. In einem modernen Nationalparlament haben die Abgeordneten nicht die Interessen von München-Nord, Mannheim II oder Duisburg I einzubringen, sondern politische Grundorientierungen zu vertreten. Ein kräftiges Element von Persönlichkeitswahl ließe sich viel überzeugender dadurch realisieren, dass der Wähler auch bei Bundestagswahlen – wie vielfach bei Landtags- oder Kommunalwahlen – die Liste verändern ( Bayern und BaWü ein leuchtendes Vorbild ) , also dem dort ungünstig platzierten Politiker seines Vertrauens zum Mandat verhelfen könnte.
    Geändert von ( um Uhr)
    In der Politik ist es wie in der Mathematik: alles, was nicht ganz richtig ist, ist falsch.
  7. #16

    Mathematikurteil des BVG?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Gewinner und Verlierer einer Wahl stehen in Deutschland oft erst nach Maßgabe vieler, oft kompliziert zu errechnender Faktoren fest. Allein sogenannte Überhangmandate können die Zusammensetzung der Parlamente später verändern, viele Wähler haben nach wie vor Schwierigkeiten, die Bedeutung von Erst- und Zweitstimme zu durchschauen. Ist das deutsche Wahlrecht zu kompliziert?
    Das ist doch das Geplapper von senilen Mathematikern. Mal ein einfacher Vergleich mit der Fußball-EM. Klar ist, das der Gruppenerste und der Gruppenzweite sich qualifizieren. Bei der EM zählte das Punkteverhältnis und der direkte Vergleich, dann das Torverhältnis der Punktgleichen.
    Bei der WM zählte dagegen das Punktverhältnis, das Torverhältnis und dann der direkte Vergleich.

    Welches System ist Undemokratisch und gegen die Verfassung?

    Das Verfassungsgericht hat über ein mathematisch/statistisches Problem geurteilt. Ob es dazu die Kompetenz besaß, möchte ich stark bezweifeln, da Mathematiker die Berechnungsformeln ursprünglich als bestmögliche, praktikable Zählmethode empfohlen haben. Nun hörte das Gericht auf eine Gruppe Hobbymathematiker, die eine andere Ansicht haben.

    Am ende einer Wahl steht zu 99,99 immer eine Ungerectigkeit, da wir keine halben Abgeordneten ins Parlament schicken können. Außer, wir lassen auch Abgeordnet zu, die nicht automatisch 1 Stimme repräsentieren sondern, nach Stimmen erhaltenen Stimmen gewichtet werden. Im heutigen Computerzeitalter eigentlich kein Problem.

    Dann würde bei einer Abstimmung statt die stimmen der Abgeordneten, die Stimmen der Wähler gezählt und angegeben werden. Eigentlich kein schlechter Gedanke, denn dann würde sich vielleicht der Wähler leichter wiederfinden?
  8. #17

    Die Legende vom einfachen Wahlrecht

    Jedes Auszählungsverfahren hat Nachteile. Interessanterweise wurde über Jahrzehnte hinweg der Föderalismus und die 5 Prozent Hürde als Bollwerk gegen radikale Kleinparteien und Partikularinteressen gepriesen, ebenso wie die Abkehr vom Direktwahlverfahren.

    Die Weimarer Republik und ihre Handlungsunfähigkeit bis hin zu den Notstandsgesetzen habe gezeigt, das das damalige Wahlverfahren nicht demokratietauglich sei, so hieß es. Das Ergebnis sei die föderale Struktur und das gemischte Direkt- und Listenwahlverfahren. Heute scheint das alles vergessen ! Radikale Kleinparteien und Partikulariinteressen sind wieder "in". Zurück in die Weimarer Republik ? Wer heute nach Griechenland sieht glaubt sich im Jahr 1929 .

    Man stellt Regeln auf, die man kurz danach selbst bricht.

    Die Unabhängigkeit und Gewissensfreiheit der Abgeordneten wurde im Rahmen der Abstimmungen um die letzten Kriegsteilnahmen der Bundeswehr durch den Fraktionsvorstand der SPD aufs ärgste verletzt - (Struck, Schröder, Müntefering).
    Die Offenlegung der Abgeordneten Bezügen (Schilly). Die Forderung nach Begrenzung der Redezeit für Fraktionsabweichler (Grüne).
    Berufsverbote wg. Meinungsäußerung (SPD). Jedes Mittel ist probat. Und die medialen Meinungsmacher und ihre Klientel mittendrinn. Und blicken wir über den großen Teich - Menschenrechte, oder gar soziale Verantwortung ?

    Das "Deutsche" Wahlrecht, wie jedes andere, ist immer dann reformbedürftig, wenn es eine neue Gruppe gibt die sich dem Lobbiismus oder anderen Formen der Einflussnahme in geeigneterer Weise öffnet, als eine andere. Im Moment sind dies die Grünen. Lange Zeit war es die FDP.

    Man mag mir erklären es ginge bei den Wahlen nur um die Teilnahme am demokratischen Prozess. Wer das glaubt ist naiv. Es geht im Gegenteil darum Gruppen von diesem Prozess nachhaltig auszuschließen. Frauen, Schwarze, Chinesen, .. Indianer, Sklaven.

    Das Wahlrecht und das Staatsbürgerrecht eines von vielen Feigenblättern die man der Demokratie verpasst, um hinter den Kulissen Interessen zu plazieren, die nichts mit denen des Wählers oder Bürgers zu tun haben.

    Nur wer die Regeln macht und gleichzeitig in der Lage ist sie jederzeit ausser Kraft zu setzen, der gewinnt. Solange das 3 Parteiensystem in Deutschland probat war, war es auch das Wahlrecht. ? Die SPD sieht sich hier im Tandem mit den Grünen. Ein Fehler, wie ich meine. Sie verletzt hier ihre eigenen Interressen und vor allem die ihrere Wähler !

    Komplizierte Reform - Deutsches Wahlrecht - ein Hexeneinmaleins - Politik - sueddeutsche.de

    Deutsches Wahlrecht: Mathematik gegen Macht vor dem Verfassungsgericht - Nachrichten Politik - Deutschland - WELT ONLINE

    Verfassungswidrig? Deutsches Wahlrecht unter der Lupe - Schlagzeilenseite - nordbayern.de

    Wahlrecht Deutschland: Volker Beck - «Neues Wahlrecht ist antidemokratisch» | news.de

    Die USA und Großbrittannien haben jeweils 2 Parteien Wahlsysteme. Sind die dann weniger demokratisch als die Deutschen ? Oder demokratischer ?
  9. #18

    Zitat von Oppo Beitrag anzeigen
    Anstatt das Wahlrecht demokratischer zu machen werden jetzt auch
    noch die Überhangmandate abgeschafft, die letzte Möglichkeit dem
    Wähler noch etwas Einfluss auf die Kandidaten zu geben.
    Man sollte die Zweitstimmen komplett abschaffen.
    Dann wäre der Bundestag nur noch halb so groß, immer noch
    genug, und das ewige Koalitionsgeschacher bei dem der Wähler
    bei der Stimmenabgabe überhaupt keine Ahnung hat wer ihn
    denn regieren wird würde wegfallen.
    Jetzt warte ich nur darauf, dass jemand schreibt Frankreich, die
    USA oder das Vereinigte Königreich seien keine Demokratien.
  10. #19

    Zitat von michael.mittermueller Beitrag anzeigen

    Die USA und Großbrittannien haben jeweils 2 Parteien Wahlsysteme. Sind die dann weniger demokratisch als die Deutschen ? Oder demokratischer ?
    Das ist so nicht richtig.
    Der Präsident wird in den USA durch Wahlmänner gewählt. Das sind "Abgeordnete" der Wähler. Bei uns wählt der gewählte Abgeordnete im Bundestag.
    Theoretisch können die Abgeordneten, nur ihrem Gewissen verpflichtet, einen völlig Unbekannten wählen.

    Für den Senat zählt in den USA, mit 2 ausnahmen, das Verhältniswahlrecht. Entspricht etwa unserem Bundesrat. Hier haben sogar parteilose Kandidaten Chancen gewählt zu werden.

    Das Repräsentantenhaus, das etwa unserem Bundestag entspricht, wird durch ein Mehrheitswahlrecht bestimmt. Auch hier können parteilose Kandidaten gewählt werden. Im Repräsentantenhaus oder schon vor der Wahl schließen sie sich zwar oft einer Partei an, doch kann die Unterstützung von Fall zu Fall wechseln. Der Präsident verfügt so nicht automatisch über die Stimmen und Abgeordneten einer Partei. Er muss immer überzeugen, gleich wie.

    Im Vereinigten Königreich gilt das einfache Mehrheitswahlrecht. Die Anzahl der Parteien spielt dabei keine Rolle. Aktuell sind 3 Parteien im Parlament vertreten und es regiert eine Koalitionsregierung. Die "Landesparlamente" haben teilweise ein Verhältniswahlrecht und dort spielen Parteien eine größere Rolle. Die Macht der Regionalparlamente ist verschieden. (Gewohnheitsrecht)








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