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Ende der Visionen?

Hat der Autor Recht: Haben sich die Intellektuellen weit gehend aus der Entwicklung von Entwürfen für Gesellschaft, Politik und Philosophie abgemeldet? Gibt es keine diskussionswürdigen Visionen mehr?
Der Artikel zum Thema:
http://www.spiegel.de/politik/deutsc...474452,00.html
  1. #1

    Das Ende der Visionen haben wir schon lange

    In einer ein paar Jahre alten Süddeutschen Zeitung wurde in einem großen Artikel über das Patent- und Erfindungswesen in Deutschland berichtet. Schon damals wurden 97% aller Patente nie genutzt. Patente scheinen demnach nicht mehr dem Fortschritt, sondern vielmehr der Fortschritsverhinderung zu dienen. Man investiert in teure Patente, um noch teurere Investitionen in Besseres vermeiden zu können. Es geht schließlich nicht um Fortschritt, sondern um zu maximierende Gewinne. Nicht in ferner Zukunft, sondern möglichst sofort. Derart visionslos und ausschließlich am hier und jetzt interessiert macht man es der Konkurrenz leicht, besser zu werden und verliert damit gleichzeitig den Anschluss an die Weltwirtschaft.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Haben sich die Intellektuellen weit gehend aus der Entwicklung von Entwürfen für Gesellschaft, Politik und Philosophie abgemeldet? Gibt es keine diskussionswürdigen Visionen mehr?
    Es ist wie in der Politik. Die Zeit der Mittelmäßigkeit.
    ....und nichts ist am Horizont erkennbar.
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hat der Autor Recht: Haben sich die Intellektuellen weit gehend aus der Entwicklung von Entwürfen für Gesellschaft, Politik und Philosophie abgemeldet? Gibt es keine diskussionswürdigen Visionen mehr?
    Der Artikel zum Thema:
    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...474452,00.html
    im Reich der Blinden benötigt man keine Visionäre, der (politisch)Einäugige fürchtet den Visionär .., um das bekannte Sprichwort abzuwandeln.
  4. #4

    keine Ideologien - aber bitte Visionen

    Die Frage ist wer „die Intellektuellen“ sind? Laut Franz Walter wohl mal wieder die linksliberalen 68 – als gäbe es keine konservativen Intellektuelle. Wie auch immer, linke Visionen die sich hauptsächlich auf das Wirtschaften bezogen gehören glücklicherweise der Vergangenheit an. Das liegt hauptsächlich daran, dass im letzten Jahrhundert die sozialistische Planwirtschaft grandios scheiterte. Kaum lohnt es sich noch auf die Unfähigkeit vom Staat geplanter Unternehmen hinzuweisen, wir kenne ja die Bundesbahn oder die „Agentur für Arbeit“.
    Trotzdem kann ich nicht so ohne weiters in das Loblied für die freie Marktwirtschaft einstimmen. Aus der anfänglich gesunden Konkurrenz entwickelt sich immer mehr ein gnadenloser Wettkampf wobei die Gesundheit und Freizeit der Menschen (wir haben zwar recht viel Freizeit, doch werden wir pausenlos durch aggressive Werbung dazu angehalten diese mit Konsumieren zu verbringen), die Umwelt und der Zusammenhalt der Gesellschaft auf der Stecke zu bleiben droht. Auch wird in der Marktwirtschaft nach meiner Ansicht zu wenig Grundlagenforschung betrieben. Insofern sehe ich auch kein Sieg neoliberaler Visionen.
    Die eigentliche Lehre aus dem letzten Jahrhundert lautet: keine Ideologien – weder sozialistisch, noch nationalistisch, religiös aber auch eben keine liberale. Die Staatskunst sollte darin bestehen den gesunden Mittelweg zwischen diesen Ideologien zu finden.
    Ich denke aber, Visionen sind nicht mit Ideologien gleich zusetzten. Vernünftige nichtideologische Visionen wie wir das Zusammenleben der Menschen und den Umgang mit der Umwelt besser regeln können sind heute wichtiger denn je. Wir sollten Visionen entwickeln, wo die Menschheit in sagen wir mal 100 Jahren stehen soll. Wird es eine Menschheit sein, die sich nur selbst berieselt oder eine die das Weltall, die tiefen der Meere und andere unbekannte Regionen erobert bzw erforscht? Werden wir unverändert immer gleich bleiben, womöglich auch immer weiter degenerieren oder uns Richtung Cyborg oder auch genetisch weiterentwicklen? Wie auch immer die Menschheit der Zukunft aussieht, die Weichen werden heute von uns gestellt - egal ob wir dies bewusst oder unbewusst tun.
  5. #5

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hat der Autor Recht: Haben sich die Intellektuellen weit gehend aus der Entwicklung von Entwürfen für Gesellschaft, Politik und Philosophie abgemeldet? Gibt es keine diskussionswürdigen Visionen mehr?
    Der Artikel zum Thema:
    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...474452,00.html
    Der heute dominante Glaube ist der Glaube an die Wundertätigkeit des Marktes, und an Gläubigen, vor allem in den oberen Etagen der Gesellschaft, herrscht kein Mangel. Ich finde das erschreckend - nicht, weil ich diesen Wunderglauben nicht teile, sondern weil der Glaube an eine Art naturgesetzliche Wundertätigkeit an die Stelle menschlichen Planens, Handelns und Hoffens tritt. Es ist so etwas wie eine Kapitulation. Der leere Raum, der hier entsteht, ist jedoch nicht das Reich anarchischer Phantasie, sondern Herrschaft wird nur maskiert, denn natürlich ist "der Markt" Ausdruck planenden Handelns.
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hat der Autor Recht: Haben sich die Intellektuellen weit gehend aus der Entwicklung von Entwürfen für Gesellschaft, Politik und Philosophie abgemeldet?
    Diese Frage suggeriert einen Zusammenhang, der möglicherweise so gar nicht besteht.

    Es mag ja stimmen, daß "große Erzählungen" heute Mangelware sind bzw. daß sie, soweit sie noch existieren, ihre "Strahlkraft" für die große Mehrheit der Bevölkerung verloren haben. Sie mobilisieren nicht mehr, und stiften keinen Sinn.

    Nur: Ist dies die Folge einer postulierten "visionären Abstinenz" der Intellektuellen? Waren denn die "großen Erzählungen" der Vergangenheit, soweit sie das Denken & Fühlen, das Wollen und Handeln ganzer Völker bestimmten, das Werk einer mehr & oder weniger bestimmbaren, immer kleinen Gruppe von Intellektuellen?

    Franz Walter selbst deutet die Antwort an: Es hängt vom Zusammentreffen eines historischen Kontexts mit entsprechend charismatischen "Heilspredigern" ab. Letzteres können "Intellektuelle" per definitionem nicht sein.
  7. #7

    Gegenfrage

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hat der Autor Recht: Haben sich die Intellektuellen weit gehend aus der Entwicklung von Entwürfen für Gesellschaft, Politik und Philosophie abgemeldet? Gibt es keine diskussionswürdigen Visionen mehr?
    Der Artikel zum Thema:
    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...474452,00.html
    Welche Intellektuelle?
  8. #8

    Ich bin für Bodenhaftung!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hat der Autor Recht: Haben sich die Intellektuellen weit gehend aus der Entwicklung von Entwürfen für Gesellschaft, Politik und Philosophie abgemeldet? Gibt es keine diskussionswürdigen Visionen mehr?
    Der Artikel zum Thema:
    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...474452,00.html
    Deutschland kommt kleckerweise in der Realität an!
    Was ich vermisse, dass ist z.B. ein transatlantischer thinktank, der sicherstellt, dass in einem überschaubaren Zeitrahmen eine sinnvolle Strategie verfolgt werden kann.

    Von Visionen, überbezahlter und verbeamteter Professoren halte ich nichts! Oder wenn meinten Sie mit Intellektuellen?
  9. #9

    Diese Diskussion ist so alt wie überflüssig

    Was war eigentlich so großartig an der Tatsache, dass 1968 Tausende Studenten in Deutschland auf die Straße gingen und "Ho-Ho-Hotschimin" schrieen? Dass sie Diktaturen huldigten, die sie nicht aus eigener Anschauung kannten und unter denen sie nicht leben mussten? Was hat es mit Intellektualität zu tun, Sätze aus den Schriften von Karl Marx herzubeten, die man nicht versteht und die wenig Bezug zur eigenen Lebenswirklichkeit haben? Was hat es mit Rigorismus zu tun, wenn jemand ein scheinbar widerspruchsfreies ideologisches Gebäude errichtet, um es dann mit der Wirklichkeit zu verwechseln, Kaufhäuser anzuzünden und Politiker zu ermorden? Und warum muss alle paar Jahre ein Selbstberufener an diese Klagemauer treten und das Ende der Ideologien und den Sieg des Hedonismus beweinen (das Francois Lyotard und andere im Übrigen schon zu Beginn der 80er Jahre konstatierten)?
    Schön, der vorliegende Text ist aus dem Zusammenhang gerissen und hat im Kontext des Buches in dem er erschien eher den Zweck eines Lückenfüllers (ie einer Hintergrunddarstellung). Aber auch in dem Zusammenhang, in dem er steht (der Jamaika-Debatte) bietet er ein überholtes Erklärungsmodell ganz im Stile des alten Intellektuellen, dessen Dahinscheiden er beweint. Diese Diskussion ist so alt wie überflüssig.
    Es ist großartig, dass die Ideologien tot sind und die Grenzen offen. Wir brauchen keine Denkschablonen, die uns vorschreiben, wer gut ist und wer schlecht.








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