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Darf Deutschland den europäischen Nachbarländern Sparmaßnahmen diktieren?

Die Rolle, die Deutschland bei der Lösung der schweren Finanzkrise einnimmt, ist nicht unumstritten. Schon, als es nur um die Hilfen für Griechenland ging, fühlten sich andere EU-Länder von der Vorgehensweise Angela Merkels provoziert. Selbstbewusstsein und wirtschaftliche Stärke bringen Deutschland in eine neue Führungsposition in Europa - aber dürfen wir Nachbarländern deshalb Sparmaßnahmen diktieren?
  1. #230

    Griechenland ist eine der kulturellen und politischen Säulen Europas

    Zitat von Panslawist Beitrag anzeigen
    Griechenland wird früher oder später die Eurozone verlassen.
    Man stelle sich vor, die Welt wäre so weit, dass die Länder aller Kontinente wie die USA und EU für sich zu Wirtschafts- und Währungsunionen zusammengeschlossen wären, es gibt kein Land mehr, das keiner Währungszone mehr angehört, würden Sie Griechenland dann immer noch die Eurozone verlassen lassen?
  2. #231

    Zitat von arunkrishna Beitrag anzeigen
    Schwieriger ist es (für die Verantwortlichen), das auch umzusetzen. Bei dem ganzen Salat mit Einheitsbeschlüssen und nationaler Souveräntität ist das praktisch unmöglich. Es gab ja schon Versuche, das weiter voranzutreiben. Leider hat man aber zu früh auf Quantität als auf Qualität gesetzt und zu viele ins Boot geholt. Jetzt sind die Regeln und die Länder drin und man kann sie nur schwierig über Bord kippen.
    Dass das einfach sei, habe ich bisher weder angenommen noch behauptet. Patentlösungen weiß ich nicht- oder höchsten solche in der oben skizzierten Form.
    Dass es so nicht ewig weiter gehen kann, sollte jedem klar sein. Das ist es aber offenbar nicht. Wenn sie die Geschichte der EU betrachten, werden Sie finden, dass der "rote Faden" darin besteht, dass alle Mitglieder in der Vergangenheit um nationaler Minivorteile willen jederzeit bereit waren, den europäischen Gedanken zu suspendieren. Denken Sie an die Eiertänze im Bosnien-Serbienkrieg. Europa besteht vor allem aus Lippenbekenntnissen und Bürokratie.
    M.E. ist es eine Frage der Zeit, bis das ganze Kartenhaus zusammenbricht.
    Es ist illusorisch zu erwarten, dass Europa jemals an "einem Strang zieht", wenn selbst in der derzeitigen Situation (der Südländer) die Hauptsorge darin besteht, nationale Entscheidungsbefugnisse ( sprich Eigenvorteilswahrnehmung) könnten beeinträchtigt werden.
  3. #232

    Zitat von achim-bonn Beitrag anzeigen
    Schon alleine die Tatsache, daß es sich hier um einen Marshallplan handelt, der auf dem ideologischen Mist eines linken Gewerkschafters handelt ...
    Der „ideologische Mist“ ist wesentlich sachgerechter, als Ihr kontraproduktives Schurigeln.

    […] Griechenland sollte erst mal seine Hausaufgaben machen bevor wir noch mehr Geld da reinstecken, das dann auch wieder irgendwo versickert.
    Um das bewerkstelligen zu können, brauchen sie Zeit und Geld. Wenn man Ihren Vorstellungen folgt, würde es nur noch schlechter werden: Schocktherapie ohne Therapie!

    Nach dem Zweiten Weltkrieg erließen 65 Staaten der Bundesrepublik einen Großteil der Schulden, unter ihnen auch Griechenland. Der Erlass machte das deutsche Wirtschaftswunder möglich. Quelle: hier
  4. #233

    Hier in Deutschland

    Zitat von hedgejus Beitrag anzeigen
    Man stelle sich vor, die Welt wäre so weit, dass die Länder aller Kontinente wie die USA und EU für sich zu Wirtschafts- und Währungsunionen zusammengeschlossen wären, es gibt kein Land mehr, das keiner Währungszone mehr angehört, würden Sie Griechenland dann immer noch die Eurozone verlassen lassen?
    ist ja die Situation ähnlich. Hier haben sich die Bundesländer als Republik vereint und man bildet eine Einheit. Eine Einheit mit Augleichen und selbst hier gibt es Streitigkeiten wegen dem Länderfinanzausgleich. Hier hält sich aber alles so halbwegs in der Waage, da man sich auf annähernd gleicher wirtschaftlicher Augenhöhe begegnen kann. Und selbst bei dem stärken Gefälle vom Süden zum Osten des Landes wird es zunehmend schwieriger die Ausgleichszahlungen zu vermitteln. Was uns dabei zugute kommt, ist die Einheit als Republik und als Volk.
    Wäre dieses Einheitsdenken auf europäischer Ebene mehr geördert worden, so würde es nicht so schwierig sein, den wohlhabenden Völkern eine europäische Länderfinanzausgleichzahlung zu vermitteln. Aber, wie ein paar Beiträge zuvor schon erwähnt, hat man in der EU, trotz intensiver Warnungen vieler Leute, einfach auf quantitatives Wachstum gesetzt, ganz ohne die Völker innerlich zusammen zu führen.
    Die große Osterweiterung war, gleichwohl dass ich mich natürlich für die Menschen in den osteuropäischen Länder freue, einfach zu viel des Guten und haben das Verständnis vieler einfach überfordert.

    Persönlich sehe ich es eben so, dass die Griechen durch die Sparmaßnahmen zwar einen kurzfristigen Effekt erreichen werden aber aufgrund tiefer struktureller Verwerfungen wird es dort in ein paar Jahren wieder zu der gleichen Situation kommen, schon alleine aus den von mir genannten Gründen der zu großen wirtschaftlichen Unterschiede.

    Aber das passiert nun nicht nur Griechenland alleine, denn andere wirtschaftlich schwache Länder mit geringer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber solchen "wirtschaftlichen Superstaaten" wie BRD und FR haben sie einfach nicht genügend entgegen zu setzen. Eine einheitliche Währung mit dieser Stabilität und der genommenen Möglichkeit der Auf- und Abwertung wird sie immer wieder in diese Situation führen.

    Ich plädiere für einen Nord- und einen Südeuro, um so den Südländern einige Jahre zu verschaffen, in denen sie ihre Wirtschaft wenigstens auf ein halbwegs passables Maß wie bei uns bringen können.
  5. #234

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Der „ideologische Mist“ ist wesentlich sachgerechter, als Ihr kontraproduktives Schurigeln.


    Um das bewerkstelligen zu können, brauchen sie Zeit und Geld. Wenn man Ihren Vorstellungen folgt, würde es nur noch schlechter werden: Schocktherapie ohne Therapie!

    Nach dem Zweiten Weltkrieg erließen 65 Staaten der Bundesrepublik einen Großteil der Schulden, unter ihnen auch Griechenland. Der Erlass machte das deutsche Wirtschaftswunder möglich. Quelle: hier
    Haben Sie mal in den letzten Jahren in einen Kalender geschaut und versucht nachzurechnen wie viele Jahre seit dem zweiten Weltkrieg vergangen sind? Zugegeben waren wir an diesem Krieg selber Schuld und die Zerstörungen in unserem Land waren sicherlich erheblich, das internationale Vertrauen in Deutschland zerstört.
    Griechenland ist weder zerbombt oder ansonsten durch Fremdeinwirkung zerstört, die griechischen Zerstörungen sind von innen durch wahrscheinlich mentalitätsbedingten lässigen Umgang mit den vielen Milliarden, die schon vor der Währungsunion geflossen sind und danach noch viel mehr. Mit welchen Argumenten wollen uns nun Politiker und auch Ideologen nun noch die Konkursverschleppung verkaufen? Es muß in Griechenland ein grundlegender Systemwechsel hin zu vernünftiger Volkswirtschaft stattfinden, der nur daraus entstehen kann, wenn sie ihr Land volkswirtschaftlich ganz neu aufbauen, mit ständig immer neuen Hilfen bekommen sie das nicht hin, sondern es wird nur verzögert. Manchmal kann ein Zusammenbruch auch eine Reinigung nach sich ziehen.
  6. #235

    Die Doppelmühle

    Zitat von caliper Beitrag anzeigen
    Geld ist doch Zahlungsmittel. So wird das Geld das nach Griechenland fliesst auch bestimmungsgemäß zum Ausgleich von Zahlungsverpflichtungen verwendet. Und da Griechenland besonders viele Verpflichtungen gegenüber Banken eingegangen ist, ist es das Normalste der Welt, dass dort sehr viel unseres Geldes landet.

    Aus ihren Formulierengen geht hervor, dass Sie ein Problem damit haben, dass die Gelder zu einem großen Teil an die Banken (zurück)fliessen.[...]
    Um was es mir geht, beschreibt der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister so:

    Durch die "Doppelmühle" von Spekulation mit "Credit Default Swaps" und mit Staatsanleihen treiben Banken wie Goldman Sachs, J.*P. Morgan, Deutsche Bank und viele Hedgefonds die Zinsen in die Höhe. Diese "Finanzalchemisten" borgen sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld zu 1 Prozent Zinsen und kaufen damit jene Staatsanleihen, deren Zinsen sie in die Höhe getrieben haben. Die hohen Zinsen bezeichnen sie als "Risikoprämien", wenn aber das Risiko angesprochen wird, dann bestehen sie auf 100-prozentiger Bezahlung, also auf Null-Risiko.
  7. #236

    Zitat von Pens Beitrag anzeigen
    Dass das einfach sei, habe ich bisher weder angenommen noch behauptet. Patentlösungen weiß ich nicht- oder höchsten solche in der oben skizzierten Form.
    Dass es so nicht ewig weiter gehen kann, sollte jedem klar sein. Das ist es aber offenbar nicht. Wenn sie die Geschichte der EU betrachten, werden Sie finden, dass der "rote Faden" darin besteht, dass alle Mitglieder in der Vergangenheit um nationaler Minivorteile willen jederzeit bereit waren, den europäischen Gedanken zu suspendieren. Denken Sie an die Eiertänze im Bosnien-Serbienkrieg. Europa besteht vor allem aus Lippenbekenntnissen und Bürokratie.
    M.E. ist es eine Frage der Zeit, bis das ganze Kartenhaus zusammenbricht.
    Es ist illusorisch zu erwarten, dass Europa jemals an "einem Strang zieht", wenn selbst in der derzeitigen Situation (der Südländer) die Hauptsorge darin besteht, nationale Entscheidungsbefugnisse ( sprich Eigenvorteilswahrnehmung) könnten beeinträchtigt werden.
    Bislang stand (zumindest für einige) Staaten die Frage im Vordergrund, "was kann ich von der EU abheben bzw. wie von den anderen profitieren", anstatt "mit welchem Beitrag kann ich den Wert der EU steigern".

    Das ist auch die Kernschwierigkeit beim Durchsetzen einer alleinigen eurpäischen Regierung. Da verliert jede aktuelle Partei in jedem Land ihre Macht. Da müsste die SPD sich quasi 17 Verbündete suchen, die CDU, etc. und Bündnisse eingehen. Andererseits - das wäre gelebtes Europa in der Politik. Die fehlt noch. Der Arbeiter am Band in Bochum ist längst innerlich solidarisch mit dem Schiffsputzer aus Griechenland.

    Ich gehe grundsätzlich mit Ihnen d'accord, hoffe aber, dass die Länder noch die Kurve kriegen. Einige Länder müssen "nachsitzen", keine Frage.

    Und das Europaparlament sollte endlich mal die E... haben, auch mal Staaten deutlicher auf die Finger zu klopfen. Nationale Souveränität (der anderen) nicht zu verletzen heißt ja nicht, dass man selbst alles mit sich machen lassen muss. Dafür gibts doch Diplomaten und die politische Klasse. Man muss ja nicht gleich alle Länderregierung abschaffen, aber zu sagen, wir prüfen keine Angaben der Länder ist ja das andere Extrem.

    Deutschland sollte Griechenland keine Maßnahmen direkt aufzwingen (kann es auch gar nicht), kann aber strengere Regularien und Gesetze in der EU fordern.

    Und einige Länder, die praktisch nie in die EU gehört haben, sollten man vielleicht wegloben. Zum Beispiel "Bei freiwilligem Austritt gibts von der Rest-Eurozone günstige Kredite und Hilfen zur Stabilisierung der Länder".

    Es kann ja auch nicht angehen, dass man ohne Hoffnung ganze Staaten auf ewig mitversorgen muss. Man stelle sich nur mal vor, es gäbe tatsächlich, wie von Bild fälschlicherweise geunkt, einen Militärputsch. Dann gehts aber ab in der EU.
  8. #237

    Zitat von arunkrishna Beitrag anzeigen

    Es kann ja auch nicht angehen, dass man ohne Hoffnung ganze Staaten auf ewig mitversorgen muss. Man stelle sich nur mal vor, es gäbe tatsächlich, wie von Bild fälschlicherweise geunkt, einen Militärputsch. Dann gehts aber ab in der EU.
    Selbst dann wird die EU ihr Umhergeeiere nicht grundsätzlich ändern, fürchte ich. Ungarn hat doch schon längst demokratische Grundregeln (Pressfreiheit) suspendiert. Mehr als lauwarme Ermahnungen waren aus der Brüsseler Quasselbude nicht zu hören.
  9. #238

    Nichts

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Um was es mir geht, beschreibt der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister so:

    Durch die "Doppelmühle" von Spekulation mit "Credit Default Swaps" und mit Staatsanleihen treiben Banken wie Goldman Sachs, J.*P. Morgan, Deutsche Bank und viele Hedgefonds die Zinsen in die Höhe. Diese "Finanzalchemisten" borgen sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld zu 1 Prozent Zinsen und kaufen damit jene Staatsanleihen, deren Zinsen sie in die Höhe getrieben haben. Die hohen Zinsen bezeichnen sie als "Risikoprämien", wenn aber das Risiko angesprochen wird, dann bestehen sie auf 100-prozentiger Bezahlung, also auf Null-Risiko.
    Gewisse Risikoprämien müssen wir akzeptieren, da die EURO Staaten, wie wir jetzt sehen, auch insolvent werden können.
    Diese Risikoprämien sind leider zu spät verlangt worden. Das haben aber eher die Ratingagenturen und die EU Institutionen verbockt. Beide haben den Banken zu lange die Unfehlbarkeit der EURO Staaten vorgegaukelt.

    Als diese dann nicht mehr zu halten war mussten die Zinsen viel zu schnell angehoben werden. Der positive erzieherische Effekt konnte sich so nicht mehr entfalten. Stattdessen ist der negative krisenverstärkende Lawineneffekt eingetreten.

    Für die Zukunft benötigen wir ein klares Regelwerk auf das sich die Banken und Rating-Agenturen verlassen können. Unsolides wirtschaften muss frühzeitig zu sehr moderaten Zinserhöhungen führen. Nur so kann die nationale Politik rechtzeitig reagieren ohne die Krise durch übertriebene und letztendlich erfolglose Sparorgien zu verstärken.
  10. #239

    Zitat von Pens Beitrag anzeigen
    Selbst dann wird die EU ihr Umhergeeiere nicht grundsätzlich ändern, fürchte ich. Ungarn hat doch schon längst demokratische Grundregeln (Pressfreiheit) suspendiert. Mehr als lauwarme Ermahnungen waren aus der Brüsseler Quasselbude nicht zu hören.
    Traurig, aber wahr.

    Leider schaut auch kaum jemand den Parlamentariern so richtig über die Schulter, so dass die bislang zumindest ziemlich viele verbesserungswürdige Positionen beziehen und Beschlüsse fassen.

    Vielleicht sollte da mal ein EUPlag oder so etwas her, obwohl die wahrscheinlich keinen Zugang zu den Informationen bekämen. Offenbar ist aber durch die aktuellen Medien nur punktuelle Dokumentation und Veröffentlichung möglich. Es müsste meines Erachtens vereinfacht werden, EU Parlamentarier zur Erklärung zu zwingen und zur Verantwortung zu ziehen.

    Ich kann mich da in letzter Zeit nur an einen aberkannten und zurückgeforderten Doktortitel einer Frau erinnern.

    Deutschland sollte nicht Forderungen an Griechenland stellen, sondern an die EU.


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