Demanch sind die Begriffe "unarisch" bzw. "zeugungsfähiges Alter" lediglich Paraphrasierungen der Ermittler oder des Spiegel vom
15. Januar 2012 für das, was Mundlos und Böhnhardt als "gut" bzw. "unter 60" bezeichnet haben. Somit ist unbekannt, ob die Täter tatsächlich den Begriff "unarisch" verwendet haben. Bedauerlicherweise hat aber inziwschen ein großer Teil der Presse diese Meldung übernommen, und dabei zudem den Vorbehalt "legen nach SPIEGEL-Informationen nahe" unter den Tisch fallen lassen.
Die Idee einer arischen Rasse stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts von Arthur de Gobineau, und wurde von Antisemiten aufgegriffen. Im Nationalsozialismus konnten 1933 Beamte, die als "nicht arischer Abstammung" galten in den Ruhestand versetzt oder entlassen werden. Seit den Nürnberger Rassegesetzen 1935 wurde dagegen der Begriff "deutschblütig" verwendet und nicht mehr offiziell von "arischer Abstammung" gesprochen. Später ist der englische Begriff "Aryan" u.a. von der verbotenen Blood&Honour-Bewegung wieder aufgegriffen worden.
Der Antisemitismus des NS manifestierte sich in umfangreicher Weise
durch Rassengesetze und staatliches Handeln bis hin zur europaweiten
Kriegsführung und zum Holocaust. Erst dem totalitären Staat war es
also möglich, die Kategorien "arisch" und "unarisch" aufzustellen und
zur Grundlage eines massenhaften Mordens zum machen.
Mundlos und Böhnhardt beteiligten sich 1996 während des Prozesses
gegen Manfred Röder in Erfurt an einer Demonstration mit dem Plakat
"Unsere Großväter waren keine Verbrecher", was gerade auf eine
Leugnung des Holocaust hinauslief.
Durch die Verwendung von "arisch" als scheinbar objektiver Bezeichnung für das Auswahlkriterium der Täter setzt die Presse die Zwickauer Zelle mit dem staatlichen Terror des NS gleich, oder stellt sie als dessen Verlängerung und Fortsetzung dar.
Ein Grund für diesen falschen Vergleich könnte in einem Desinteresse, einem Vergessen, oder Vergessenwollen in der deutschen Öffentlichkeit liegen, wie der Begriff "arisch" historisch verwendet worden ist.

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