... Die Sprache des Dritten Reichs, so Klemperer, ist keine Sprache des kritischen Denkens, sondern „dient einzig der Beschwörung“. Könnte man nicht dasselbe von den vielen Betroffenheitsfloskeln sagen, die in den vergangenen Tagen zu vernehmen waren? Das ist durchaus mehr als eine Frage des Stils. Denn die Kritik am Rechtsextremismus wird wertlos, wenn sie zur hohlen Phrase verkommt.
Wer in Klemperers Buch liest, findet noch andere Parallelen zwischen der Sprache des Dritten Reichs und moderner Empörungsrhetorik. „Kämpferisch“ etwa war laut Klemperer ein Lieblingswort der Nazis. Was aber tun ihre Gegner? Sie reden vom „Kampf gegen Rechts“ und wollen „mit aller Härte“ dagegen vorgehen, ja „ausmerzen“ soll man sie alle. Klemperer stellte auch fest, dass die Nazis gerne übertreiben, er nannte das den „Fluch des Superlativs“. Wie aber soll man es nennen, wenn heute wieder mal „brutalstmöglich“ und „schonungslos“ aufgeklärt wird? ...