In Bani Walid haben sich Milizen der neuen Regierung und Anhänger des getöteten libyschen Machthabers Gaddafi heftige Gefechte mit schweren Panzerabwehrwaffen geliefert. Mehrere Menschen starben. Der Übergangsgrat*hat die Kontrolle über die Wüstenstadt offenbar verloren.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...810941,00.html
Erinnern wir uns: Bani Walid wurde von den grünnen Mannen zäh verteidigt, war von den Rebellen lange belagert worden und ist dann doch gefallen. Nach der Befreiung hat man dann aber erstaunlich wenige Gaddafi-Anhänger festnehmen können. Die meisten sind damals wohl untergetaucht (in Zivil?!). Nun sind sie also wieder aufgetaucht. Wie praktisch. Eine gute Gelegenheit für die neue Regierung, das Problem endgültig zu lösen.
Ist wohl doch was dran an den Geschichten von den Loyalisten, die nach wie vor kämpfen.
Diese Geschichte ist noch lange nicht zuende. Inwieweit es einen organisierten, an Gaddafi ausgerichteten Widerstand noch gibt, ist wohl unklar. Das ist wohl auch nicht der entscheidende Moment. Entscheidend ist das so ein Konflikt viele Verlierer erzeugt, die wiederum auf Rache aus sind, bzw. Selbstbehauptung.
Schätzungsweise war die Miliz, die in die Flucht geschlagen wurde, auch nicht aus Bani Walid, sondern quasi eine "Besatzertruppe", die das Fass zum Überlaufen brachte, als sie einige Leute als Gadaffi-Anhänger festnehmen wollte.
Und so wird es weitergehen zwischen den Stämmen und den Clans.
Dazu warten noch zigtausende "Freiheitskämpfer" auf ihre Provision, die nicht zu knapp ausfallen sollte. Die es aber so für die meisten nicht geben wird.
Interessanterweise waren ja gestern beim Sturm auf das NTC-Quartier in Bengasi auch ehemalige Kämpfer unter den Protestierenden, die sich als Verletzte und wahrscheinlich dauerhaft Behinderte vom NTC fallengelassen sahen. Aber so geht man halt mit den Leuten um, die die Drecksarbeit gemacht haben. Das haben sie wohl noch nicht ganz verstanden....
Habe gestern auch noch einen Artikel über die Lage der schwarzen Emigranten gelesen, die teilweise zu ihrem Glück jetzt auf Malta gestrandet sind. Demnach hat sich nichts verändert. Sie werden ausgebeutet, drangsaliert, müssen mit Verhaftung und Folter Rechnung, auch mit Vergewaltigung.
So viel zum neuen, besseren Libyen...
aus dem Norden Libyens, also dem Ölgebiet. Sie sind gerade in Deutschland zwecks medizinischer Behandlung in einer Universitätsklinik. Sie haben mir über ihren Dolmetscher erzählt, dass in Libyen Mord und Totschlag regiert. Kein Mensch kann mehr auf die Straße gehen, es gibt teilweise kein Strom und kein Wasser. Eine Regierung gibt es nicht, somit auch keine Gehälter an Staatsbedienstete, mit anderen Worten, die staatlichen Strukturen sind zerstört. Die Leute siind mit dem Überleben beschäftigt. Auf meine Frage, ob die Mehrheit tatsächlich gegen Gaddafi war, sagte man mir, dass es 50 zu 50 stand. Das schlimmste was sie erzählten ist, dass z.B. die Franzosen aufgrund der chaotischen Situation in aller Seelenruhe Öl aus dem Land schaffen können, ohne jegliche Kontrolle, denn die Meßstationen sind abgestellt. Das gleiche übrigens auch im Irak, d.h. ohne dafür Geld zu bezahlen.
Die Kübel können garnicht groß genug sein, wieviel man kotzen möchte. Ob das Chaos den Ölmultis gerade recht kommt, oder ist es deshalb angerichtet worden?
Gaddhafi-Anhänger = böse und Rebellen = gut.
So einfach ist die Rechnung wahrscheinlich nicht. Denn aufgrund des Todes von Gaddhafi geht es den Gaddhafi-Anhänger wohl so wenig um den Gaddhafi-Clan wie es den Rebellen um Demokratie geht.
Ich vermute, es handelte sich schon immer um Stammeskonflikte, die um die eigene Vormachtstellung kämpfen. So wie wir es in Irak und Afghanistan auch schon kennen. Zur Not verbündet man sich für den eigenen Nutzen sogar auf Zeit mit dem verabscheuten Westen. Dabei sind das alle des gleichen Geistes Kinde.
Für uns alles nur schwer nachvollziehbar. Man sollte sich nur hüten, in so eine Sache hineinzurutschen und von irgendeiner Seite instrumentalisiert zu werden. Insofern war die deutsche "Enthaltung" in der UNO durchaus berechtigt.
Diese Vermutung ist schon deshalb größter Unsinn, weil Gaddafi zuverlässigster Handelspartner der Ölmultis war. Das Öl wird nach Gaddafi auf jeden Fall teurer, die Konzessionen der meisten Ölmultis werden jetzt neu ausgehandelt, und das wird nicht billiger. Dazu kommen die immensen Verluste der Ölmultis über die Zeit des Produktionsausfalls, und deren teilweise zerstörtes Inventar.
Der Gaffai-Clan hat den Reichtum Libyens hemmungslos verschleudert. Ihm war alles recht, solange nur genug in die eigene Tasche geflossen ist.
Tja, man hätte das Land wohl teilen sollen.
Nun droht der Terrorismus und vor allem Bürgerkrieg zwischen den Stämmen.
Die Frage ist nur, was wird aus dem einst so reichen Land, eines der fortschrittlichsten un sozialsten und ehemals sichersten Afrikas.
Ich warte noch immer auf die Anklage gegen die Mörder Ghaddafis, dieser war Kriegsgefangener und hatte damit Rechte.
Wenn sich wirklich ein neuer Staat als demokratisch zeigen will, dann muss er zuerst über diese richten. Anders bekommt man auch keinen Frieden, weil so die Ghaddafi-Getreuen sehen, Gerechtigkeit gibt es gegenüber jedem.