Nein, Jürgen Neffe, Ihr Artikel beschreibt keine Zukunftsvision, sondern im Gegenteil ist Ausdruck der absoluten Hilfslosigkeit.
Ihre Vorstellungen haben sich schon als untauglich erwiesen, alle deutschen Zeitungen und Zeitschriften haben es zuerst im Netz mit Bezahlangeboten versucht, und sind, auch und gerade SPiegel ONline, grandios gescheitert. Hier z.B. http://www.elektor.de/ ist das Prinzip sauber durchgezogen, man kann einzelne Artikel kaufen und bekommt nichts gratis, aber zum Jubeln hat es die auch nicht gebracht.
Es liegt in der Natur der Sache: Um entscheiden zu können, ob mir ein Artikel was wert war, muss ich ihn erst gelesen haben. Damit ist die Information schon bei mir. Es gab schon zu viele Artikel, bei denen man erst gezahlt, und dann festgestellt hat, dass er inhaltsleere Abzocke war.
Sie jammern über verlorene Anzeigekunden, und übersehen (weil Sie Zeitschrift sind und nicht Tageszeitung) daß jede Stadt inzwischen ihr Anzeigenblättchen hat, homplett finanziert aus Werbeeinnahmen, und sogar mit redaktionellem Anteil. Sie haben schon vor 20 Jahren ihre Anzeigekunden an solche Blätter verloren, weil die Preise nicht gestimmt haben. Und die Tageszeitungen haben die Leser verloren, weil sie doch nur den 99te Kopie des DPA Presseberichts abgedruckt haben. Von eigener journalistischer Leistung keine Spur, investigativer Jouralismus oder wirklich erarbeitete Information sind Fremdworte bei Zeitungen und Zeitschriften.
Ea gäbe eine Zukunftsvision, aber für die sind ewiggestrige Journalisten die nur jammernd am Hungertuch nagen nicht aufzuwecken: Wirkliche Online-Angebote stellen erst einen Artikel (und sei der der DPA Presseberecht) ins Netz und lassen dann Online-Nutzer zu Wort kommen, nicht in einem abgelegenen Forum, sondern direkt an den Redakteur, der aus den Meldungen und Hinweisen versucht, einen BESSEREN Artikel zu schreiben. Also kontinuierliche Verbesserung der Information, so wie Wikipedia, nur redaktionell und tagesaktuell, aber ohne Zensur, sondern die Leserzuschriften an den Redakteur direkt unter dem Bericht in ganzer Lesbarkeit abdrucken. So wie es z.B. Aviation Herald vormacht http://avherald.com/h?article=41a81ef1/0004&opt=0 .
Wo wird da Geld verdient, höre ich Sie schon wieder jammern. Warten Sie's ab. Nicht die Gier als erstes. Auch Facebook wurde reich, auch Google verdient sich inzwischen dumm&dämlich obwohl der Vorläufer Altavista kostenlos war. Ein Passus in den AGB, der erlaubt, daß von den Lesern beigetragene Information von Ihnen verkauft werden darf, wäre z.B. die Basis gegenseitiger Gerechtigkeit und könnte als 'Bezahlung' von den Lesern akzeptiert werden. Und dann verkaufen Sie ihre Guten Artikel an Andere, die verbliebenen ewig-gestrigen Printmedien. Nur als Vorschlag.
Mit dem Festhalten-Wollen wie Weber und Setzer an überkommenen stati quo machen Sie sich als Journalist lächerlich. Die Zeit hat Sie schon überholt. Es wird sicher nach wie vor Zeitschriften und Tageszeitungen geben, ebenso wie Kino nicht Theater, Musikkonserven nicht Livemusik, Fernsehen nicht Kino und nicht Filme nicht Bücher haben aussterben lassen, aber der Bedarf wird deutlich sinken. Wer da als Journalist die Zukunft nicht sehen wollte, wird halt arbeitslos.



