DA irren Sie sich.
Wenn Sie hier unbedingt losgelöst vom aktuellen Fall eine allgemeine These zur Ursache von Verbrechen aufstellen wollen, möchte ich folgendes anmerken:
Selbst Tätern, die nachweislich weitaus abscheulichere Verbrechen verübt haben, konnte keinerlei psychische Abnormität nachgewiesen werden.
Im Vorfeld der Nürnberger Prozesse hat man die Angeklagten diversen psychologischen Tests unterzogen und bei namhaften Psychologen angefragt, ob diese zu einer Analyse bereit wären.
Alle haben abgelehnt - teilweise mit recht fadenscheinigen Ausreden.
Jahre später hat man Psychologen - ohne Nennung von Namen - die Testergebnisse vorgelegt. Und alle Experten waren sich einig, daß keinerlei Anomalien vorlägen. Keine Perversionen, kein Hang zum Sadismus, nix.
Und als man sie mit den Namen der Probanden konfrontierte, rief das keinerlei Erstaunen hervor.
Wenn also selbst Verbrecher dieses Kalibers keinerlei psychologische Auffälligkeiten aufweisen, kann man die These von der Abnormität von Vergewaltigern wohl kaum aufrecht halten.
Ganz davon abgesehen, daß man sich mit der These vom psychisch kranken Verbrecher in ausgesprochen heikles Fahrwasser begibt, weil auch die Nazis selbst gerne die These der "Abartigkeit" für alles mögliche anwandten.
So banal das klingt: Die meisten Verbrechen werden womöglich begangen, weil es die Gelegenheit dazu gab - das kann ein Zufall sein oder gesellschaftliche Umstände, die die Tat "rechtens" oder zumindest marginal erscheinen lassen - und die realistische oder nur gefühlte Aussicht auf Bestrafung gering erscheint.
Diese Vorstellung ist durchaus unangenehm, jedenfalls viel unangenehmer als bestimmte Verbrechen ins Reich der psychischen Abnormität abzuschieben.
Dann sind wir nämlich auf einmal alle nicht mehr so sicher, nicht eines Tages als Täter dazustehen.
Das soll keine Entschuldigung sein: Im Gegenteil, das ist lediglich die unbequeme Feststellung, daß jeder für sein Handeln selbst verantwortlich ist.

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