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Zensierte Wissenschaft: Der Pinguin, ein ganz perverser Vogel
NOAADrei Jahre lang erforschte George Murray Levick das Leben der Pinguine. Was er herausfand, war bahnbrechend - und schockierte den Wissenschaftler zutiefst: So pervers erschien ihm das Sexualleben der Vögel, dass die Studie zensiert und versteckt wurde. Erst 97 Jahre später wird sie nun öffentlich.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/n...838015,00.html
- #1 11.06.2012 08:07 von
Und heute?
Zuerst habe ich beim Lesen geschmunzelt; dann war ich verärgert, weil wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse aus moralischen Gründen so lange unterdrückt wurden, und dann habe ich mich gefragt, ob es denn heute nicht genau so ist und ob nicht aus irgendwelchen anderen Gründen, die diesmal nichts mit Moral zu tun haben, irgendwelche wissenschaftlichen Erkenntnise ebenfalls unterdrückt werden.
- #2 11.06.2012 08:27 von
Zu menschengleich
Zu schockierend war für den "Wissenschaftler" wohl die Analogie zum Menschen. Er kleidet sich auch im Frack zum schönen Schein, und verhält sich ebenso "verdorben".
- #3 11.06.2012 08:35 von
Andere Verdrängungsmechanismen
Heutzutage hat die "Verheimlichung" andere, mitunter auch sehr subtile Mechanismen. Für Studien, die unbequeme Ergebnisse liefern könnten, bekommt man erst einmal einfach kein Geld. Außerdem gibt es das Peer-Review-Verfahren in der Veröffentlichung, das zwar generell keine schlechte Qualitätskontrolle ist, aber mitunter auch "Sippenhaft" in negativer oder positiver Richtung befördert. Man traut dem, den man kennt...
- #4 11.06.2012 08:48 von
Peer-Review = Zensur
Das eigentliche Problem der Peer-Review-Verfahren (bedeutet: Ein eingereichter Fachartikel wird erst von Fachkollegen begutachtet, bevor ihn eine wissenschaftliche Zeitschrift veröffentlicht) ist, dass Abweichungen von "Lehrmeinungen" kaum eine Chance haben, veröffentlicht zu werden. Diejenigen, die als Gutachter den Wert der Veröffentlichung prüfen sollen, sind oft die gleichen, deren Position und Status durch neue Erkenntnisse gefährdet würden. Kurz: Die besten Chancen auf eine Veröffentlichung hat man, wenn man im Mainstream bleibt und im Grund das bestätigt, was der Gutachter für relevant hält.
Damit aber haben neue Erkenntnisse schlechte Karten... - #5 11.06.2012 08:59 von
Selbstverständlich ist das so; Menschen haben Interessen, denen gelegentlich auch die Wahrheit zum Opfer fällt. Dazu kommt die Psyche und Emotionalität des Menschen, die auch vor Selbstbetrug nicht halt macht. Es ist oftmals einfacher, die Welt umzudeuten, als sich selber zu ändern! Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen nicht versteckt oder unterdrückt werden, sie können auch ignoriert, verdrängt oder geleugnet werden.
Erkenntnis und Interesse.
Kognitive Dissonanz.
Das anschaulichste Beispiel ist die Diskussion um den Klimawandel. - #6 11.06.2012 09:13 von
Damals wie heute...
Was nicht in die eigene Weltanschauung paßt, wird unterdrückt. Siehe hier in Südkorea:
wissenrockt.de » Kein Platz für Evolution in Südkorea?
Die Evolution war den Christen ja schon öfters ein Dorn im Auge. Aber auch andere "Weltreligionen" sind im Bereich der Wissensunterdrückung keinen Deut besser.
Ich fürchte fast, der Zenith der Neuzeit ist überschritten und wir bewegen uns wieder in die Richtung eines neuen "Dunklen Zeitalters". - #7 11.06.2012 09:33 von
Das ist eine ziemliche Nullaussage. Jede Veröffentlichung sollte "neue Erkenntnisse" beinhalten, das ist im Prinzip die Grundvoraussetzung für ein "original paper". Dass diese neuen Erkenntnisse oft marginal sind steht auf einem anderen Blatt.
Andererseits kann man auch nicht erwarten, dass an jedem zweiten Montag das Fach revolutioniert und die Welt auf den Kopf gestellt wird. In vielen etablierten Wissenschaften lassen sich halt grosse, bahnbrechende Entdeckungen nicht mehr einfach so bewerkstelligen weil sich die Ebene längst zu einer hohen Detailtiefe und Spezialisierung verschoben hat.
Nicht zuletzt deshalb ist die häufige Annahme von gewissen Kreisen, "neue" und "alternative" Hypothesen würden sich nicht durchsetzen weil die böse Wissenschaft ein Haufen konservativer Verschwörer ist, eher abwegig. Naheliegender ist meist, dass diese Hypothesen i.d.R. halt schlicht nicht überzeugend sind.
Was nicht heisst, dass es eine gewisse Trägheit des Publikations- und Wahrnehmungssystems gibt, wodurch vermutlich einige gute Ideen nie die Chance erhalten, die sie verdienten. Aber daraus zu schliessen, jede Behauptung ausserhalb des Mainstreams wäre alleine deswegen generell besser und "richtiger" weil sie ausserhalb des Mainstreams liegt - wie das manche hier gerne suggerieren - ist schlicht unsinnig.
Im übrigen, meine Erfahrung ist eher, dass es eine Ungleichheit weniger nach Inhalt denn nach Autoren gibt. Wissenschaftler ohne das nötige Prestige haben es wohl effektiv schwerer je mutiger die Resultate und höher der Impact-Faktor, während der richtige Name mit der gleichen Arbeit wesentlich weiter käme. - #8 11.06.2012 09:58 von
Ist das so? Also vor allem im bereich der (Erd)-Geschichte ist es erstaunlich wie viele Hypothesen, trotz jeglicher fehlender Grundlage, es sogar in Schulbücher als ultimative Wahrheit schaffen während wesentlich logischere Erklärung aufs schärfste bekämpft werden weil sie nicht in Weltbild passen.
- #9 11.06.2012 10:11 von
Nunja, ohne konkrete Beispiele schwer zu beurteilen. Wobei Schulbücher, zumindest im wörtlichen Sinn, nicht wirklich mein Fachbereich sind. Allerdings scheint mir dort die Gefahr einer ideologischen Färbung generell eher grösser, da ein Buch grundsätzlich jeder publizieren kann ohne sich einem kritischen Diskurs stellen zu müssen.
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