Forum


 

Zensierte Wissenschaft: Der Pinguin, ein ganz perverser Vogel

NOAADrei Jahre lang erforschte George Murray Levick das Leben der Pinguine. Was er herausfand, war bahnbrechend - und schockierte den Wissenschaftler zutiefst: So pervers erschien ihm das Sexualleben der Vögel, dass die Studie zensiert und versteckt wurde. Erst 97 Jahre später wird sie nun öffentlich.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/n...838015,00.html
  1. #10

    Ist Peer-Review ein kritischer Diskurs?

    Zitat von Celegorm Beitrag anzeigen
    ... da ein Buch grundsätzlich jeder publizieren kann ohne sich einem kritischen Diskurs stellen zu müssen.
    Nach meinem Eindruck ist ein Peer-Review oft - nicht immer - kaum als "kritischer Diskurs" zu bezeichnen. Wer sich bei den entsprechenden Reviewern beliebt macht, kann leicht haufenweise heiße Luft publizieren. Davon gibt's gerade reichlich - eine Hand wäscht die andere, und die "Leistungsmessung", die für den nächsten Vertrag zählt, erfolgt vor allem über die Zahl, aber weniger die Qualität der Publikationen.
    Ein besseres System wäre für mich die direkte Veröffentlichung im Internet mit "qualifizierter", das heißt den Status der Bewertenden (Fachkollege, Wissenschaftler aus anderem Bereich, Laie etc.) ausweisender, Bewertung. Natürlich kann man sich dabei auch blamieren, vielleicht leichter als zur Zeit - aber man wüsste auch schnell, welche Kollegen man ums vorherige Durchlesen bittet, damit das nicht passiert!
  2. #11

    Die Vermutung liegt nahe

    Zitat von a_friend Beitrag anzeigen
    Ich fürchte fast, der Zenith der Neuzeit ist überschritten und wir bewegen uns wieder in die Richtung eines neuen "Dunklen Zeitalters".
    dass manche Hypothesen in den heutigen Wissenschaften nicht anders zu bewerten sind, als solche des Mittelalters. Wenn man in einem solchen Zeitalter lebt, blickt man zwangsläufig nicht darüber hinaus.

    Das Äquivalent zum Phlogiston (eine hypothetische Substanz, von der man im späten 17. und 18. Jahrhundert vermutete, dass sie allen brennbaren Körpern bei der Verbrennung entweicht) ist heute die Dunkle Materie bzw. die Dunkle Energie,denen die Hauptmasse unseres Universums zugeschrieben werden. Es sind imho Platzhalter für Dinge, die sich als unzugänglich für unseren Stand der Wissenschaft gezeigt haben.

    Man stelle sich vor, wie extrem fremdartig das All sein muss, wenn wir gerade mal 4 % (!) der Materie (=Sterne, Planeten) mit unseren Methoden oder Sinnen als gewöhnliche Materie "begreifen" können. Der Rest ist Dunkle Energie bzw. Dunkle Materie.
  3. #12

    Umschribungen des Unbeschreibbaren...

    Zitat von Tiananmen Beitrag anzeigen
    ... Das Äquivalent zum Phlogiston (eine hypothetische Substanz, von der man im späten 17. und 18. Jahrhundert vermutete, dass sie allen brennbaren Körpern bei der Verbrennung entweicht) ist heute die Dunkle Materie bzw. die Dunkle Energie,denen die Hauptmasse unseres Universums zugeschrieben werden. ...
    Die Beschreibung "Dunkle Materie" ist für mich eigentlich kein Beispiel für "verfahrene" Wissenschaft. Ersteinmal finde ich es sinnvoll, eine Sache, die nicht erklärbar ist, irgendwie zu benennen und um den heißen Brei zu beschreiben - so lange, bis ein Weg gefunden ist, sich dem Kern zu nähern. Problematisch wird es für mich dann, wenn sich so ein Begriff verselbständigt oder zur Modewelle entwickelt, auf die dann Trittbrettfahrer aufspringen, die den "großen Unbekannten" als ihren Notnagel verteidigen, obwohl er eigentlich gar nicht das eigene Thema ist.
    Ein Beispiel, das zur Modewelle verkommen ist, ist für mich der Bereich Klimawandel - was der Sache nicht gut tut! Die Bedrohungswahrnehmung wird so verzerrt, dass die Bereiche, an denen ernsthafte Probleme aufgetreten sind und auftreten werden (z.B. Nordseeküste) völlig aus dem Fokus geraten. - Jeder will seine kleine Dreijahresstudie über den Rückgang irgendeiner Art verkaufen, vergisst aber dabei völlig, dass erstens der Zeitraum viel zu kurz für eine Aussage ist und zweitens die Überdramatisierung das Gefühl vermittelt, alles wäre nur Panikmache. Man wird sich dann wundern, wenn der Blanke Hans im Wohnzimmer steht, und es wäre nicht das erste Mal!
  4. #13

    Selbstbetrug im individuellen Erkenntnisprozess

    Zitat von reuanmuc Beitrag anzeigen
    Dazu kommt die Psyche und Emotionalität des Menschen, die auch vor Selbstbetrug nicht halt macht.
    Warum so zaghaft? Ist es nicht viel mehr so, dass Selbstbetrug ein klassisches, und dennoch enorm erfolgreiches, Herangehensprinzip des Menschen ist?
    Zitat von reuanmuc Beitrag anzeigen
    Es ist oftmals einfacher, die Welt umzudeuten, als sich selber zu ändern!
    Einfacher? Die alten Split-Brain-Versuche von Sperry und Gazzaniga sprechen doch für eine Motivation bzw. einen Grund dafür, der eigentlich außerhalb des Einflusses unseres Willens liegt.

    Diese Versuche legen doch sehr nahe, dass prinzipiell - also per biologischer Konstitution - kein Mensch in der Lage ist, wirklich rational zu denken. Worin wir alle aber richtig gut sind, ist eben jene "Rationalisierung", d.h. zunächst einmal rein vermeintliche kausale Verknüpfungen der verschiedenste Ereignisse und Wahrnehmungen herzustellen. Rational wird das ganze aber erst durch die ständige Rückkopplung mit der äußeren Existenz. Die Wissenschaftsprinzipien (Falsifizierbarkeit, Reproduzierbarkeit) tragen dem Rechnung.
    Zitat von reuanmuc Beitrag anzeigen
    Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen nicht versteckt oder unterdrückt werden, sie können auch ignoriert, verdrängt oder geleugnet werden.
    Na klar. Schließlich stehen solche Erkenntnisse ja nicht in einem luftleeren, also Interesse-freien Raum. Nur leugnen, etc hilft eben auf die Dauer nichts, das musste schon die Kirche mit Gallilei einsehen.
    Zitat von reuanmuc Beitrag anzeigen
    Richtig. Wobei ich aber auch da die ständige Iteration (= permanente Rückkopplung) noch mehr in den Vordergrund stellen würde. M.E. sind die Wahrnehmungsprozesse viel stärker mit den Entscheidungsprozessen verzahnt als wir uns wiederum zugestehen möchten. So - und nicht etwa als generelle Widerlegung des Konzepts des "freien Willens" - würde ich die Konsequenz des Libet-Experimentes sehen.
  5. #14

    Vom Zeit(un)geist eingeholt...

    ...so erscheint mir dieser Artikel. Sicherlich ist es falsch anzunehmen er habe den "moralischen Filter" auf die Pinguine bezogen. Wer soetwas schreibt, versteht die Denkweise früherer Generationen leider nicht mehr. Es dient der zoologischen Beschreibung in keiner Weise, diese seltsamen Sexualpraktiken näher zu erläutern. Der einzige Wert darin, ist der (fragliche) Unterhaltungswert. Das wusste der honorige alte Herr sehr genau - viel genauer, als es die verrohte Journaillie heutzutage weiß. Es wird mit Schmutz, Perversion und Abscheußlichkeiten heute derartig "Unterhaltung" betrieben, dass die konditionierten Zielgruppen inzwischen keinerlei Ekel oder Abscheu mehr empfinden (können). Egal wie pervers, egal wie Abstoßend - man nennt es einfach "Toleranz" und schon bekommt auch noch so perverses Treiben das "Unbedenklichkeitssiegel" aufgedrückt. Egal ob sadomasochistische Musikvideos àla "Lady Gaga", oder homosexuelle Staatsmänner - alles "normal" heutzutage. Ich für meinen Teil, sehne mir eine Zeit zurück, in der es den Menschen noch die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte.
  6. #15

    Verantwortung und Qualitätskontrolle

    Zitat von Paul Panda Beitrag anzeigen
    Zuerst habe ich beim Lesen geschmunzelt; dann war ich verärgert, weil wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse aus moralischen Gründen so lange unterdrückt wurden, und dann habe ich mich gefragt, ob es denn heute nicht genau so ist und ob nicht aus irgendwelchen anderen Gründen, die diesmal nichts mit Moral zu tun haben, irgendwelche wissenschaftlichen Erkenntnise ebenfalls unterdrückt werden.
    Zu meiner Jugend wurde nach der Erfahrung mit dem Wissen um Kernspaltung etc. von Wissenschaftlern verlangt, Verantwortung für die Konsequenzen von Veröffentlichungen zu übernehmen. Von daher sehe ich in diesen Fall nur, dass verschweigen nicht lügen ist.

    Das Wissen um das Verhalten der Vögel würde nur zeitlich versetzt publiziert und in heutiger sitten- und moralloser Zeit richtet es keine weitere Verwirrung an. Es gibt jeden Tat Filme mit Leichenschändung und der abgestumpfte Zuschauer nimmt das kritiklos und stillschweigend zu Kenntnis.

    Zitat von RudolfHege Beitrag anzeigen
    Das eigentliche Problem der Peer-Review-Verfahren (bedeutet: Ein eingereichter Fachartikel wird erst von Fachkollegen begutachtet, bevor ihn eine wissenschaftliche Zeitschrift veröffentlicht) ist, dass Abweichungen von "Lehrmeinungen" kaum eine Chance haben, veröffentlicht zu werden. ...
    Das mag in Ihrem Kopf voller Verschwörungstheorien so wirken, hat aber wenig mit der Realität zu tun. Fachliteratur hat einen bestimmten Anspruch an Methodik und es wird nicht jede voreilig zusammengezimmerte These veröffentlicht. Wer meint, ohne Überpüfung veröffentlichen zu wollen, kann jederzeit über die Massenmedien Texte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

    Es gab hier keine Zensur, sondern einen verantwortungsvollen Wissenschaftler. Heute stehen z.B. viele Genetiker vor der Frage, ob sie alles veröffentlichen sollen, oder ob die Gesellschaft noch nicht reif für das machtvolle Wissen ist.

    Damit wird nicht gelogen und betrogen, sondern nur etwas gewartet, bis eine Zivilisation mit diesem Wissen sinnvoll umgehen kann. Ich empfehle Ihnen diese vierzig Jahre alte Sendereihe, die Filme finden Sie über das Internet:
    Das Blaue Palais

    Wäre die Welt heute z.B. reif für ein Medikament, welches unsterblich macht? Oder sollte man so etwas als Entdecker zurückhalten? Darf jedes Experiment durchgeführt werden, oder sollte man bei möglichen Gefahren für apokalyptische Reaktionen, wie z.B. die Entstehung von stabilen schwarzen Löchern mit relevantem Wirkungsradius, das Experiment verbieten?

    Denken Sie in Ruhe darüber nach.
  7. #16

    Ganz falsch

    Zitat von RudolfHege Beitrag anzeigen
    ...Damit aber haben neue Erkenntnisse schlechte Karten...
    Neue Erkenntnisse haben heute nicht das Problem der Veröffentlichung. Katastrophal ist einzig der weiterhin dumme und triebhafte Mensch, der nicht in der Lage ist, selbstlos und langfristig zu handeln.

    Es gibt sehr Wenige, die mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verantwortungsvoll umgehen. Nehmen wir z.B. den Klimawandel. Alleine wegen der möglichen Gefahr, dass die veröffentlichten Konsequenzen eintreten, wäre es sinnvoll, einen begrenzten Rohstoff so sparsam wie möglich einzusetzen, anstatt auf Biegen und Brechen zu verschwenden, was über Millionen Jahre geschaffen wurde.

    Und was macht die Masse Menschen? Axelzucken, ignorieren, eigenes Verhalten als unbedeutend ansehen und vor allem, und da wird es gefährlich, werden nicht in das eigene Bild passende neue Erkenntnisse als manipuliert abqualifiziert.

    Die Gefahren liegen heute nicht in einer aktiven Zensur durch nicht veröffentlichung, sondern in einer passiven Zensur durch ignorieren des Wissens.
  8. #17

    falsch

    Zitat von a_friend Beitrag anzeigen
    Was nicht in die eigene Weltanschauung paßt, wird unterdrückt. Siehe hier in Südkorea:
    Sie müssen zwischen Wissenschaft und Politik unterscheiden. Das Wissen ist vorhanden und es wird weiter geforscht. Wem man welche Erkenntnisse gibt und wie sie umgesetzt werden, liegt nicht mehr in den Händen der Wissenschaftler.

    Sie gehen fest davon aus, dass die Kreationisten falsch liegen und würden deren Interpretation verbieten wollen? Andere halten es für möglich, dass die Fähigkeiten eines göttlichen Wesens einen Planeten schaffen können, der uns nur vorgaukelt, älter als 6000 Jahre zu sein. Es gibt keine zu 100% bewiesene Theorie dazu, aber die Idee des mehrere Milliarden Jahre alten Universum ist die plausibelste.

    Wenn z.B. jemand entdecken würde, dass gängige Bestimmungsverfahren zum Alter von Objekten falsch sind, dann wird das natürlich und so fort veröffentlicht. Wenn daraus bibeltreue Kreationisten sofort den Beweis ihrer These sehen, dann liegt das weniger am Wissen, als an der mangelhaften Interpretation des Wissens.

    Die Interpretation des Wissen war, ist und bleibt aber immer eine politisch geprägte Sache.
  9. #18

    Ja und nein

    Zitat von Tiananmen Beitrag anzeigen
    ...Man stelle sich vor, wie extrem fremdartig das All sein muss, wenn wir gerade mal 4 % (!) der Materie (=Sterne, Planeten) mit unseren Methoden oder Sinnen als gewöhnliche Materie "begreifen" können. Der Rest ist Dunkle Energie bzw. Dunkle Materie.
    Ja, es ist mehr als unbefriedigend, ein theoretisches Gebilde zu haben, in dem 96% von "was auch immer" unbekannt sind. Anderseits scheinen diese 96% über die Schwerkraft hinaus aber keinerlei Wirkung auf die restlichen für uns das Lebens bildenden 4% "was auch immer" zu haben und wären damit ohne Konsequenz für diese 4%, die unser Leben bestimmen.

    Was für eine Wirkung hat die Masse aller Götter, die jenseits unseres Universums existieren? Was interessiert die Masse von Neutrinos, wenn diese außer der Masse, keinerlei Einfluß haben? Ist die Masse von schwarzen Löchern wichtig, die da irgendwo rumwabern?

    Ich habe früh gelernt zu verstehen, dass ich nichts weis, in keinem Bereich. Auch was heute in sich schlüssig wirkt, kann irgendwann als erheblich differenzierter erklärt werden. Mir ist aber nicht das Wissen an sich wichtig, das hat nur Unterhaltungswert, sondern die Konsequenzen für mein zukünftigtes Leben.

    Unsere Naturwissenschaften können mögliche Ereignisse sehr gut prognostizieren. Und ob wir nur 4% der Masse kennen, ist dafür scheinbar unbedeutend. Von daher ist die dunkle Materie und die dunkle Enerige zwar ein sehr spannendes Thema, und das Wissen um sie wird in der Zukunft allerlei heute Unmögliches möglich machen, aber trotzdem können wir hinreichend genaue Prognosen über den Verlauf der nahen Zukunft geben.
  10. #19

    Es wird immer schlimmer

    Zitat von hansdiekatze Beitrag anzeigen
    ... Egal ob sadomasochistische Musikvideos àla "Lady Gaga", oder homosexuelle Staatsmänner - alles "normal" heutzutage. Ich für meinen Teil, sehne mir eine Zeit zurück, in der es den Menschen noch die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte.
    Die Menschen bekommen heute genauso oft die Schamesröte, haben Angst und Zwang wie alle Menschen früher. Die Themen haben sich verändert, aber nicht das Prinzip. Die von Ihnen angemahnte Sittenlosigkeit gab es immer, nur im kleineren Maßstab und verdeckter. Schon unser letzter Kaiser hat Sexorgien mit Sadomaso Spielen abgehalten. Aber es wurde nicht darüber geredet. Es ist kein neues Wissen, wir reduziern nur die Doppelmoral.

    Ob sich das als erfolgreiches Konzept herausstellt, wird die Zukunft zeigen. Zwischen Öffentlichem und Privatem zu unterscheiden war ein gutes Konzept, welches in Zeiten von Internet und virtuellen Netzwerken zusammengewürfelt wird. Dabei ist das Private völlig uninteressant. Wen interessiert das Sexualverhalten hinter verschlossenen Türen? Es sind nur massive Grenzüberschreitungen, bei denen zum Schutz von Schwachen gehandelt werden muss. Aber auch diese Grenzen sind relativ willkürlich, wenn wir z.B Altersbeschränkungen sehen.


TOP



TOP