Pomade, Frack, Fliege: Max Raabe singt Couplets im Stil der Zwanziger mit derart ironischer Perfektion, dass selbst New York ihn feiert. SPIEGEL-Reporter Klaus Brinkbäumer sprach mit dem Sänger über melancholischen Humor, seine Kindheit auf dem Bauernhof - und einige leichtfüßige Verwandte.
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0...687916,00.html
Ich mag den Raabe, tolles Kuriosum!
kann man ihm ohne Weiteres bescheinigen, obwohl dieser Begriff doch schon etwas abgedroschen ist. Ich bin eigentlich von Anfang an ein Freund seiner Musik und habe etliche CD´s von ihm. Seine Moderation bei der Aids-Gala war super. Er hatte nicht versucht, von Bülow zu ersetzen und war doch eine "Wucht". Das Interview setzt nur die Reihe angenehmer Erfahrungen fort, die ich im Zusammenhang mit ihm gemacht habe.
Wir sind uns schonmal in der Auguststraße in Berlin-Mitte begegnet. Ein toller Typ :)
Als Raabes Eigenkomposition als Eröffnungsnummer des Films “Der bewegte Mann” vorgetragen wurde -
“Kein Schwein ruft mich an,
keine Sau interessiert sich für mich,
so lange ich hier wohn, ist es fast wie Hohn, schweigt das Telefon...”
- habe ich fälschlicherweise geglaubt, wider Erwarten in einen guten Film geraten zu sein und hoffte den Abend gerettet. Raabe war schon wunderbar ironisch, die Malaise eines allein lebenden Mannes mit umgangssprachlichen Formen zu versehen und mit Orchesterbegleitung vortragen zu lassen. Vielleicht würde sich dieser gebrochene Tonfall ja auch auf den ganzen Film übertragen.
Aber dann kam Til Schweiger ins Bild und damit war auch gleich Schluss mit der Ironie. Er porträtierte den Protagonisten Axel Feldheim genauso, wie er im literarischen Vorbild angelegt war, nämlich als zweidimensionalen, schwarz-weissen Vorläufer eines Keinohrhasennähers.
Da es sich bei der literarischen Vorlage um zwei sehr witzige Comicbücher von Ralf König handelte, kann man nicht einmal sagen, Schweiger habe sich nicht an das Orignal gehalten. Axel Feldheim ist eben eine Comicfigur und war nicht als Charakterstudie gemeint. Besser als mit Schweiger hätte man diese Rolle gar nicht besetzen können.
Max Raabe jedoch ist unschuldig. Leider war seine Beteiligung an diesem Film so deplaziert wie das Tachometer eines Bentley in einem Hyundai.
Max Raabe ist m.E. der perfekte musikalische Anachronismus. Ein uralter Sound, älter als jede Form des heute sonst so gepflegten Retroismus. Er ist ein penibler und besessener Techniker, obwohl er eigentlich keine echte Stimme hat - im Grunde ist es nur ein variantenreiches Quäken - kann er richtig gut singen. Die Einspielungen, die sein Palastorchester auf Tonträger abliefert kann man in der heutigen Zeit des allgemeinem Loudness Wahns als wohltuende Ausnahme bezeichnen, da ist richtig Wums hinter...
Kurz, der Typ ist richtig Klasse!
Gruß
RD
... spielte Raabe einen der Schüler im Blauen Engel und hatte im Stück einen Soloauftritt mit „Unter den Pinien von Argentinien”. Ich arbeitete damals als Umbaustatist im Haus und einen lustigeren Kollegen, habe ich dort nie wieder gehabt.
Zitate aus anderen Werken:
(Klonen kann sich lohnen)
"Erst wag ich mich ans Gnu ran,
dann mein Schatz bist Du dran"
(Rinderwahn)
"Immer wenn das Rind sich rächt,
dann geht es uns empfindlich schlecht.
Erst liegt die Kuh im Fieber,
dann Du, mein Lieber."
Ich oute mich hier als uneingeschränkter Bewunderer von Raabe und seinem Palastorchester. Nicht umsonst hat ihn Loriot als seinen Nachfolger bei der Moderation der AIDS-Gala der Deutschen Oper auserkoren.
Und bitte, liebes Publikum, werft ihn nicht mit dem Kitschier Andre Rieu in einen Topf, mit dem er ungerechterweise oft in einem Atemzug genannt wird.
sondern einige seiner Werke gehören zu dem Kärglichen,
das ich auf meinem Auto-Usb-Stick seit Jahren auf
langen Fahrten anhöre, neben Laurie Anderson, ausgesucht
sparsamem Techno, Spät-Cohen und Blade Runner Blues.
Die Zwanziger, die schon eine bemerkenswerte Periode
waren, aufzugreifen und aufleben zu lassen,
war insgesamt eine gute Idee, hat kommerziell
ausreichend funktioniert - und Raabe ist
damit auch selbst schon zum Denkmal geworden.
Es ist an sich schon schön und dringend nötig, daß aus
Deutschland nicht nur solche Sachen exportiert werden wie
Roland Emmerich oder diese unerträglichen "Schuh des
Manitou" - Filmchen, für die wir leider auch berüchtigt
sind.
Und Rammstein, extrem beliebt in Portugal
(nein, nicht auf meinem USB).
Man muß seinen Stil gefunden haben,
und eine gewisse Perfektion dazu.
Max Raabe ist "einfach schlicht" perfekt.