Seit dreißig Jahren hat sich besonders unter den Naturwissenschaftlern ein Sklavensystem entwickelt, welches mittlerweile 80% der Grundlagenforschung in Deutschland ausmacht, von denen ja etliche hier glauben, die sei überflüssig, weil nicht wirtschaftlich verwertbar. Wohl dem, der schon damals für ein Jahr eine befristete Stelle mit halber Vergütung in Vollzeitarbeit (60-70 Std./Woche) bekam oder ein Stipendium (wenn auch ohne Sozialversicherung) für seine Arbeit im Labor und bei Lehrtätigkeiten bekam. Mehr und mehr setzte sich aber besonders bei den Biowissenschaftlern das System "Rajewsky" (ein Ex-Genetik Professor) durch: Willst du bei mir promovieren, dann arbeitest du hier erstmal ohne Vergütung, vielleicht bekommst du dann ein viertel Stipendium für 6 Monate. Und bevor du hier deine Ergebnisse publizierst, gebührt mir erstmal das Recht, das Patent deiner Entwicklungen auf meinen Namen (des Herrn Professors, nicht des Doktoranden!) zu beantragen. Den ich bin ja dein Teamleiter. Nicht nur die Knock-out Mäuse des Herrn Rajewsky wurden von un(ter)bezahlten Doktoranden entwickelt. So ziemlich alles, was aus deutschen Universitäten patentrechtlich auf Professors Namen geschützt wurde, ist auf den Mist von Doktoranden gewachsen. Als Post-doc geht das Spielchen in Deutschland weiter. Ich selber hab allein an der Charité 8! Zeitverträge von 3 - 10 Monaten gehabt. Das Patent für den von mir zuvor entwickelten Autoallergie-Immunotest streicht natürlich mein Ex-Chef ein, derweil ich als überqualifiziert nun mit 50 zwischen H4, 7€ Callcenterjob oder freiberuflichem Künstler/Gutachterprekariat wählen kann. Ich wähle letzteres, weil wenn schon auf H4, dann wenigstens selbstbestimmt. Wenn aber das System Rajewsky sich noch auf den Ingenieursberuf ausdehnen sollte, geht das deutsche Volk endgültig unter. Den Braindrain in beidem, Natural Science und Engineering verkraftet keine Industrienation!
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