Wut der Doktoranden: Wie Deutschland junge Forscher vergrault

CorbisUnsichere Zukunft, abhängig vom Doktorvater, schlecht bezahlt: Doktoranden in Deutschland forschen unter schlechten Bedingungen, viele verlassen deshalb das Land oder die Wissenschaft. Jetzt wehren sich die Nachwuchsforscher.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...829548,00.html
  1. #20

    Bei Wut

    der Doktoranden habe ich spontan an ganz was anderes gedacht. An Wut auf die Universitäten, die ohne ein Mindestmaß an Prüfung Titel und akademische Grade verschenken. Und damit den Doktoranden die Zukunft versauen. Wenigsten die lieben, hochgeehrten Väter stehen auf der Wutliste.
  2. #21

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Unsichere Zukunft, abhängig vom Doktorvater, schlecht bezahlt: Doktoranden in Deutschland forschen unter schlechten Bedingungen, viele verlassen deshalb das Land oder die Wissenschaft. Jetzt wehren sich die Nachwuchsforscher.

    Junge Forscher: Max-Planck-Doktoranden wollen Stipendien abschaffen - SPIEGEL ONLINE
    Das Problem ist, dass in der Wissensgesellschaft die Wissensarbeiter den Status bekommen, den früher einfache Arbeiter hatten, die noch keine Wissensarbeiter waren. Ich wünschte mir es wäre anders, aber es ist nun mal so.

    In der prekären Stellung der Wissensarbeiter drückt sich einfach nur die geringe Wertschätzung der Arbeiter und der Arbeit aus, die es in der Bundesrepublik Deutschland schon lange gibt. Was hier jetzt hochkocht ist nicht neu. Vermutlich wird es jetzt nur via die Medien hochgekocht weil es sich so vortrefflich nutzen lässt um junge gegen alte auszuspielen.

    Die Arbeitsbedingungen an deutschen Universitäten sind selbst für Leute mit Dauerstelle und auf Professorentitel ein Witz im Vergleich zu Situationen, wie man sie im Ausland vorfindet. Allerdings findet auch dort vielfach ein schleichender Prekarisierungsprozess statt. In den USA sind, soweit ich weiß, Dauerstellen auf dem Rückzug.

    Die Globalisierung trägt ihren Teil zu der durch Ignoranz gekennzeichneten Wissenschaftspolitik in Deutschland noch zu einer Verschärfung der Lage bei. Schließlich ist für die Großindustrie eine nationale Intelligenz schon fast überflüssig geworden, da man sich bei Bedarf geeignet ausgebildete Wissensarbeiter ins Land holt bzw. dort forschen lässt, wo sie gerade verfügbar sind.

    Mit Reförmchen am Wissenschaftssystem ist es keineswegs getan. Jedes Land hat nicht nur die Regierung die es verdient, sondern auch die Universitäten.
  3. #22

    Wirtschaft ist ja soooo toll

    Wenn man hier liest wie wichtig und toll doch Angebot und Nachfrage sind dann muss man ja gleich jubeln. Hat einer der Foristen überhaupt eine Ahnung welche Entwicklungen der Grundlagenforschung zuzuordnen sind? Da können wir ja schon mal mit dem dollen Internet anfangen was nen paar von diesen "Deppen" am CERN entwickelt haben. Diese Idioten, wollten nicht mal Geld dafür. Begreift hier denn keiner wie wichtig Grundlagenforschung eigentlich ist gerade auch ohne vordergründige finanzielle Interessen. All diese Ergebnisse werden ja auch von der Industrie intensiv genutzt. Das sich dann die Betroffenen beklagen und von den Geldschubsern aus der Wirtschaft nur Häme ernten zeigt doch mal wieder das wir gesellschaftlich noch nix begriffen haben. Ohne Grundlagenforschung hat die Wirtschaft, zumindest die die noch was produziert, auch nix mehr zu lachen. Dann kann man sich das x-te Finanzprodukt überlegen mit dem wieder mal nix bleibendes Geschaffen hat ausser Papier. Tolle Einstellung.
  4. #23

    Hausgemachtes Problem...

    Zitat von viwaldi Beitrag anzeigen
    Die Wehleidigkeit deutscher Studenten kennt keine Grenzen. Da sitzen sie und bibbern für eine Dauerstelle, und wenn sie die haben geht die Leistungskurve steil nach unten.
    Wenn man sich über Jahre verheizen musste, um irgendwann Ende 30 eine Stelle zu bekommen, bei der man nicht in 1-2 Jahren wieder umziehen muss, ist das ja auch kein Wunder. Wenn man es sich erst nach vielen entbehrungsreichen Jahren erlauben kann, nun endlich die Familie zu gründen (evtl. dann auch gleich inklusive 3 Jahren Elternzeit pro Kind), mal einen richtigen Urlaub zu machen (davor musste man sich in der Zeit bewerben, die Diss. fertigschreiben bzw. um ordentlichen Einsatz zu zeigen möglichst wenig Urlaubstage auch tatsächlich in Anspruch nehmen), bei Krankheit auch einfach mal mit Attest vom Arzt daheimzubleiben usw., nutzt man es eben voll aus. Und wer über Jahre gesundheitliche Vorsorge, ausgleichende Freizeit u.ä. für die Chance auf eine berufliche Zukunft vernachlässigen musste, wird auch oft schneller krank...

    Hätte man dagegen ein nachhaltiges System, wo man von Anfang an unbefristete Stellen erhält (von denen man meinetwegen auch gerne bei Minderleistung leichter gefeuert werden kann als hierzulande), auf denen man mit "normaler" Leistung eine Chance auf Zukunft hat, gäbe es auch keinen Grund, irgendwann dann den "Kredit der Lehrjahre" wieder begleichen zu müssen...
  5. #24

    Offener Brief Promostatus: www.promostatus-jetzt.de

    Die schlechte Situation von Promovierenden ist zu einem großen Teil durch ihren unklaren Status begründet. Die derzeit gebräuchliche Zuordnung von Promovierenden zu Mittelbau, Studierenden, oder gar keiner Hochschulgruppe wird der besonderen Situation von NachwuchswissenschaftlerInnen und den verschiedenen Fächerkulturen nicht gerecht.
    Für eine Qualitätssicherung im Promotionsverfahren ist es unabdingbar, als eigene Gruppe an den Hochschulen wahrgenommen zu werden. Nur so können Mitbestimmung in der akademischen Selbstverwaltung, soziale Absicherung und die statistische Erfassung von Promovierenden nachhaltig gesichert werden.
    Im oben genanntent Link findet sich ein Offener Brief, der die derzeitige Situation beschreibt und die Landesregierung zu einer Änderung der Hochschulgesetze auffordert.

    Die Initiatoren (www.promovierenden-initiative.de) freuen sich über Unterstützung!
  6. #25

    Für die Politik ist es einfacher die Fachkräfte aus dem Ausland zu holen ;) als die eigenen Leute zu fördern. Man sollte bei der erstbesten Gelegenheit Deutschland verlassen. Auch wenn es viele negieren aber im Ausland lässt es sich besser leben.
  7. #26

    Geisteswissenschaften??

    Gibt es hier in der Runde eigentlich auch Geisteswissenschaftler? Ich bin Musikwissenschaftler, hatte nach der Promotion (summa), während der ich noch anderthalb Vollzeitstellen außerhalb der Uni hatte, ein zweijähriges Postdoc-Stipendium. Danach bekam ich gesagt, ich solle ja nicht weitermachen, denn Habilitierte, die bei Aldi jobben, gebe es schon genug. So bin ich jetzt an der Schule gelandet - Selbstmord auf Raten, aber immerhin so bezahlt, dass die meisten Eltern mich nur mitleidig anschauen. Und Geisteswissenschaftler, wenn sie keine WiSo-Fächer studiert haben, werden doch eh nur für die Tonne produziert, oder??
  8. #27

    Eine Promotion bedeutete früher mal "Erkenntniszuwachs" in einer Art und Weise, die nicht jeder Hans oder Franz lesen und nachvollziehen konnte, weil sie wirklich sehr speziell war und Hintergrundwissen erforderte.

    Da ging es um Grundlagenforschung, deren Bedeutung auch der Wirtschaft erst allmählich aufgegangen ist und erst spät genutzt wurde und in Teilen bare Münze abgeworfen hat.

    Heutzutage beinhalten wissenschaftliche Arbeiten oft bloss noch eine Neu-Strukturierung 'alten' Wissens und das wars dann.
    Kein Wunder, dass Doktoranden misstrauisch beäugt und nicht automatisch gut bezahlt werden.

    Und sollte sich doch mal eine echte Neuigkeit in einer Doktorarbeit verstecken, dann muss sie sich möglichst schnell in klingende Münze umwandeln lassen.

    Das Niveau und die Zielrichtung stimmen nicht mehr.
  9. #28

    Zitat von hartholz365 Beitrag anzeigen
    Jeder weiss wie der Hase während und nach einer Promotion läuft. [...] das muss ein ganz bestimmter Typ Mensch sein, der auf Selbsterniedrigung steht, anders kann ich mir das nicht erklären.
    Ich vermute, dass hauptsächlich intrinsisch motivierte Menschen da zu packen und auszubeuten sind.

    Zitat von hartholz365 Beitrag anzeigen
    Das Gewinsel ist völlig unbegründet, jeder wusste auf was er sich einlässt.
    Totschlagargument - Mit einer solchen Argumentation läßt sich das Beenden nahezu jeder Diskussion über ein existierendes Problem rechtfertigen.

    Zitat von hartholz365 Beitrag anzeigen
    Insgeheim hält sich halt doch jeder von denen für ein Übergenie der glaubt er wäre besser als die anderen und würde doch noch eine feste Stelle bekommen. Die Promotion ist die Rübe vorm Karren des Esels, die diesen immer weiter antreibt und es stehen tausende neue Esel bereit, wenn einer davon schlapp macht.
    Das mit dem Übergenie glaube ich eher nicht. Ich vermute, dass das Problem einfach verdrängt wird und man hofft, dass es schon irgendwie klappen wird. Wenn man soweit ist (Promotion), dann hat man bisher im Schul-/Universitätssystem Erfolg gehabt. Hinzu kommt aktuell: Die Gelder, die in die Exzellenzinitiativen gepumpt werden, produzieren besonders viele Rüben, die vor den Karren gehängt werden können. Eine feste Stelle hat man nach dem erfolgreichen Verspeisen der Rübe dann noch lange nicht.
  10. #29

    Re

    Zitat von strixaluco Beitrag anzeigen
    Ich habe, mit Verlaub, den Eindruck, dass Sie absolut keine Ahnung vom Universitätsbetrieb haben.
    Dem kann ich nur beipflichten! Die einzigen unbefristeten Stellen, die in der letzten Zeit an meinem alten Institut ausgeschrieben wurden (und in den nächsten 20 Jahren ausgeschrieben werden, da alle Professuren in den letzten 10 Jahren neu besetzt wurden), sind für Technische Assistenten. Und da hat mir der Personalrat mitgeteilt, ich wäre überqualifiziert, [was ja eventuell stimmen könnte (so mit Diplom damals). Ach ja: der Prof hätte mich gerne gehabt, hat er wenigstens gesagt.] Und das, obwohl ich zu dem Zeitpunkt Bezieher von HartzIV war... Ich hätte also einen 1-Euro-Job zum Laubsammeln im Park annehmen müssen, oder Spargelstecher werden können, aber eine unbefristete Stelle mit Überqualifikation in der Grundlagenforschung? Unmöglich... Ich würde nicht wieder studieren, denke ich, sondern mit Realschulabschluß einen Ausbildung machen. Mein Hirn ist ja nicht dümmer und genauso vielseitig interessiert, ob ich nun Abi und Studium habe oder nicht. Jedenfalls hätte ich dann in meinem aktuellen Alter wohl Haus, Neuwagen, Ehefrau und Kinder. Und müsste mich nicht fragen, wo und wovon ich nächstes Jahr Weihnachten wohl leben werde...