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Wut der Doktoranden: Wie Deutschland junge Forscher vergrault

CorbisUnsichere Zukunft, abhängig vom Doktorvater, schlecht bezahlt: Doktoranden in Deutschland forschen unter schlechten Bedingungen, viele verlassen deshalb das Land oder die Wissenschaft. Jetzt wehren sich die Nachwuchsforscher.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...829548,00.html
  1. #10

    Und danach...

    Kenne viele, die in naturwissenschaftlichen Bereichen promoviert haben und anschliessend entweder lange oder überhaupt keinen Job gefunden haben, auch nicht oder grade in der Industrie. Warum? Weil sie fast nur Methoden und Techniken angewendet haben, die dort nicht benötigt werden. Früher hieß es auch, eine erste PostDoc-Stelle solle man nutzen, um neue Techniken zu erlernen. Dann müsste man doch - ist doch logisch - dort auch nur eine halbe Stelle bekommen. Zum "Glück" gibt es soviele Promovenden, dass die Institute bei den PostDocs sich was passendes suchen können - neue Methoden lernen? Fehlanzeige...
  2. #11

    Re

    Zitat von Celestine Trueheart Beitrag anzeigen
    - Seit 1997 habe sich die Anzahl der Studierenden verdoppelt
    - Die Anzahl der Professoren sei gleich geblieben
    - Die Anzahl der Dozenten sei halbiert
    - 83% der Lehrkräfte beziehen einen Hungerlohn und befinden sich im befristeten Arbeitsverhältnis, oft nur mit einem Halbjahresvertrag.
    Wie war noch die Rechnung in meinem alten Universitätsinstitut? Doppelt soviele Studenten, aber gut ein Drittel weniger Geld? D.h. 2/3 der Gelder von früher, doppelt soviele Studenten - macht nach Adam Riese doch nur noch 33% der Gelder pro Student gegenüber von vor 10 Jahren? Oder, anders ausgedrückt: bald wird nur noch mit Wasser pipettiert...

    Die alten Hochschuldozenten sind fast alle mittlerweile pensioniert. Die Anzahl der Profs hat sich halbiert. Dafür gibt es jetzt PostDocs, die sie ersetzen "dürfen". Wenn sie Glück haben, bekommen sie mit 35+ ein Emmy Noether-Stipendium. Kein Wunder, dass die Akademiker an den Unis keine Kinder mehr bekommen - vor der Menopause haben sie keine Zeit dafür!

    P.S. Ach ja, ich freu mich aktuell auf eine PostDoc-Stelle, befristet auf 12 Monate. Ich passe perfekt auf die Stelle. Dumm nur, auch wenn die Fragestellung grundlagenforschungsmäßig hoch interessant ist, in der Industrie finde ich danach bestimmt auch keinen Job... Nicht mal als Pharmakorruptionist, äh, -berater, laut Assessmentcenter hab ich dafür nicht die richtige moralische Einstellung...
  3. #12

    Oh, jemine!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Unsichere Zukunft, abhängig vom Doktorvater, schlecht bezahlt: Doktoranden in Deutschland forschen unter schlechten Bedingungen, viele verlassen deshalb das Land oder die Wissenschaft. Jetzt wehren sich die Nachwuchsforscher.

    Junge Forscher: Max-Planck-Doktoranden wollen Stipendien abschaffen - SPIEGEL ONLINE
    Die Wehleidigkeit deutscher Studenten kennt keine Grenzen. Da sitzen sie und bibbern für eine Dauerstelle, und wenn sie die haben geht die Leistungskurve steil nach unten. Dann entpuppen sich viele "Wissenschaftler" als "Freizeitexperten", mittags mal schnell für den Marathon üben usw. usw.

    Ich kanns nicht mehr hören. Wem es nicht passt, soll einfach gehen. Aber hier nicht auf Lamorianz machen. In der Wirtschaft werdet ihr noch sehen, was man leisten muss. Wer das kann, kann auch gut verdienen. Wer nur nörgelt, muss halt im öffentlichen Dienst bleiben. Aber bitte mich mit dem ganzen falschen Pathos verschonen!
  4. #13

    Endlich handeln!

    - Stipendien für Doktoranden abschaffen und durch sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse ersetzen
    - Doktoranden über die Fakultät anstellen, dann können sie im Interesse aller gegebenenfalls schnell zwischen den Lehrstühlen wechseln
    - Doktorarbeiten nie von derselben Person betreuen und bewerten lassen
    - Geld wirklich in praktisch durchgeführte Forschung und Lehre investieren und nicht in Evaluierungsbürokratie und Wettbewerbe, die vor allem Zeit kosten - Wissenschftler merken selbst, wer von ihnen der Wahrheit gerade am nächsten kommt!
    - Mindestanforderungen für Doktorandenbetreuung festlegen
    - Wehrt Euch! Wenn Ihr Euch alles gefallen lasst, müssen die anderen das auch und es wird immer schlimmer!
  5. #14

    Real existierender Feudalismus?

    Und dann rätseln immer alle, warum es keine Frauen in der Wissenschaft gibt. Dabei werden die in Sachsen seit neuestem wieder besonders benachteiligt: Mutterschutz darf nicht mehr durch Ersatzeinstellungen aufgefangen werden, also selbst schuld, wer einer Schwangeren den prekären Vertrag verlängert und den Kollegen die Mehrarbeit aufdrückt. Da schimpfen dann die Kollegen am Mittagstisch, man solle doch im Vorfeld einer Schwangerschaft mit Chef(in) besprechen, ob Familienplanung überhaupt ins Projekt passt.

    Siehe auch:

    TU Chemnitz: Personalvertretungen: Mittelbau
  6. #15

    Zitat von Martin Franck Beitrag anzeigen
    Vielleicht sollten sich die Wissenschaftler das Prinzip von Angebot und Nachfrage zu Gemüte führen.
    Habe ich mir auch so gedacht. Dauernd hört man von Leuten, die Geld vom Staat haben wollen, weil sonst ihr bisheriger Trott in Gefahr ist. Z.B. GEMA und GEZ.
    Wenn jemand Musik oder hier eben Forschungsergebnisse haben will, muß er eben zahlen. Wenn es den Instituten nur um die massenhafte Literaturproduktion geht, statt um konkrete Ergebnisse, dann ist das eben so.
    Die Putzfrauen fordern ja auch nicht dauernd mehr Geld vom Staat (obwohl sie meist aufstocken), weil Deutschland sonst im Mül versinken würde und das Ende der Reinigungsindustrie droht.
  7. #16

    Zitat von Dumme Fragen Beitrag anzeigen
    Nicht mal als Pharmakorruptionist, äh, -berater, laut Assessmentcenter hab ich dafür nicht die richtige moralische Einstellung...
    Willkommen im Club! Was mussten Sie verkaufen? Einen Aschenbecher an Nichtraucher? Ein Steak an Vegetarier? Oder einfach nur einen Kugelschreiber?

    Mir hatte schon ein Schichtdienstmitarbeiter von Ford zum Nettogehalt eines Postdoktoranden gesagt: "Und dafür hast du studiert?"

    Und wenn ich mir die Kandidat/innen mit kaufmännischer Ausbildung oder wirtschaftswissenschaftlichem Studium ansehe, die sich am Wochenende wieder gnadenlos die Hucke vollsaufen, auf ihrem Smartphone herumtippen und mit der Ausstattung ihrer Firmenwagen posen, dann frage ich mich auch, ob es in unserer Gesellschaft nur noch auf Blenden und Statussymbole ankommt. Und nebenbei angemerkt, finden in der Industrie auch Manager Zeit, sich auf Marathons oder Triathlons vorzubereiten.

    Einem Abiturienten oder Studienanfänger in Deutschland wird doch mehr Aufmerksamkeit bereitet, als einem Doktoranden, der seine Promotionsurkunde heutzutage schon mit der Post zugeschickt bekommt. Die Anzahl der Absolventen mit Allgemeiner Hochschulreife wird zudem noch forciert. Man kann mittlerweile schon ohne Abitur studieren. Mehr Studenten war schon das Ziel der Bundesregierung vor zehn Jahren, weil wir im europäischen Vergleich nur Mittelmaß waren. Und mittlerweile gibt es bestimmt schon Designer für Kloschüsseln ...
  8. #17

    Ein guter Artikel...

    - aber das Problem ist doch schon seit mehr als 30 Jahren bekannt. Meine bescheidene These:

    Was will man in einem Land, einer "Wissenschaftsgesellschaft" erwarten, in der jeder Betriebs-, jeder Volkswirt mit einem Diplom von der Fachhochschule mit Handkuß erwartet wird - während der diplomierte Biologe sich von Praktikum zu Praktikum hangelt.... .

    Diese Gesellschaft bzw. ihre Industrie setzt die falschen Prioritäten.

    Man kann auch etwas anderes erfolgreich studieren außer Wirtschaftswissenschaften, Betriebswirtschafts"leere" oder eines der verwandten, außerordentlich verschulten Fächer.
  9. #18

    Bitte mehr Sachlichkeit...

    Zitat von viwaldi Beitrag anzeigen
    Die Wehleidigkeit deutscher Studenten kennt keine Grenzen. Da sitzen sie und bibbern für eine Dauerstelle, und wenn sie die haben geht die Leistungskurve steil nach unten...
    Wir wissen alle, dass es in der Wirtschaft auch nicht überall rosig zugeht, aber das ist kein Grund zu glauben, dass es im öffentlichen Dienst besser aussieht. Ich habe, mit Verlaub, den Eindruck, dass Sie absolut keine Ahnung vom Universitätsbetrieb haben.
    Dauerstellen gibt es bis auf die Professuren fast gar nicht mehr, und wer dort angekommen ist, wird vorwiegend mit Bürokratie beschäftigt. Dass Verbeamtungen gut sind, hat hier niemand behauptet...- Es geht nicht nur darum, wer sich gerade unwohl fühlt, sondern vor allem auch um ein System, dass sich gerade selbst auffrisst. - Und manche der Forschungsergebnisse sind ja doch recht nützlich und Sie wollen sie vermutlich auch haben.
    - Alle reden von Forschungsförderung und Exzellenz, aber die Probleme werden nicht angepackt! Stattdessen nutzt man es aus, dass in der Forschung viele Überzeugungstäter arbeiten, die sich einfach viel zu viel gefallen lassen.
  10. #19

    Ich frage mich warum sich das immer noch so viele antun

    Jeder weiss wie der Hase während und nach einer Promotion läuft. Befristete Jobs die Regel, Taschengeldgehalt, Sklavenarbeit für den Prof,... Das muss ein ganz bestimmter Typ Mensch sein, der auf Selbsterniedrigung steht, anders kann ich mir das nicht erklären.

    Das Gewinsel ist völlig unbegründet, jeder wusste auf was er sich einlässt. Insgeheim hält sich halt doch jeder von denen für ein Übergenie der glaubt er wäre besser als die anderen und würde doch noch eine feste Stelle bekommen. Die Promotion ist die Rübe vorm Karren des Esels, die diesen immer weiter antreibt und es stehen tausende neue Esel bereit, wenn einer davon schlapp macht.


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