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Wut auf Deutschland in der EU: Alle gegen Berlin

Nein zu Euro-Bonds, nein zum massenhaften Gelddrucken: Mit ihrem kompromisslosen Kurs in der Schuldenkrise bringt Kanzlerin Merkel die europäischen Nachbarn gegen sich auf. Schon ist von einer*neuen Deutschenfeindlichkeit die*Rede.*

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...799925,00.html
  1. #680

    Ich habe jetzt sehr viele Kommentare gelesen,

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nein zu Euro-Bonds, nein zum massenhaften Gelddrucken: Mit ihrem kompromisslosen Kurs in der Schuldenkrise bringt Kanzlerin Merkel die europäischen Nachbarn gegen sich auf. Schon ist von einer*neuen Deutschenfeindlichkeit die*Rede.*

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...799925,00.html
    aber nicht alle.
    Deswegen habe ich eine Frage, deren Antwort mich brennend interessiert:
    Sind eigentlich die Deutschen die einzigen von 17 €uro-Ländern, die z.Zt. gegen €uro-Bonds sind?

    Oder gibt es andere Teilnehmer ( Finnland, NL, Slowakei, Slowenien, oder Östereich ), die ebenfalls dagegen sind und Deutschland gerne den Buhmann zuschieben?
  2. #681

    Haben sich auch

    Zitat von freesprit Beitrag anzeigen
    aber nicht alle.
    Deswegen habe ich eine Frage, deren Antwort mich brennend interessiert:
    Sind eigentlich die Deutschen die einzigen von 17 €uro-Ländern, die z.Zt. gegen €uro-Bonds sind?

    Oder gibt es andere Teilnehmer ( Finnland, NL, Slowakei, Slowenien, oder Östereich ), die ebenfalls dagegen sind und Deutschland gerne den Buhmann zuschieben?
    schon mehrere Foristen gefragt. Ich tippe mal, wenn Mutti umkippen sollte, dann werden Pressestimmen aus Finnland, Niederlande und Östrereich abgedruckt.
  3. #682

    .

    Zitat von freesprit Beitrag anzeigen
    aber nicht alle.
    Deswegen habe ich eine Frage, deren Antwort mich brennend interessiert:
    Sind eigentlich die Deutschen die einzigen von 17 €uro-Ländern, die z.Zt. gegen €uro-Bonds sind?

    Oder gibt es andere Teilnehmer ( Finnland, NL, Slowakei, Slowenien, oder Östereich ), die ebenfalls dagegen sind und Deutschland gerne den Buhmann zuschieben?
    Alle die eine Triple-A Bewertung zu verlieren haben.http://diepresse.com/home/politik/au...n-EuroBonds-ab
    Was ja auch nachvollziehbar ist.

    Merkwürdig ist eher, warum in Deutschland so getan wird, als wäre Deutschland das Einzige Land, welches Vorbehalte hat.
  4. #683

    Welche Alternativen stehen für Deutschland zur Wahl ?

    Alternative 1: Eurobonds einführen. Bedeutet: Der Druck auf die besonders stark verschuldeten Länder innerhalb der EURO-Zone nimmt schlagartig ab, egal wieviel und wann welche EU-Verträge geändert werden, Wirtschaftsregierungen und Sanktionsmechanismen eingeführt werden. (Schöner Vergleich: Der Pyromane wird als oberster Brandmelder eingesetzt...)

    Richtig ist: Eurobonds sind nur in einem (nicht 17) halbwegs homogenen und wirtschaftlich ausgeglichenen Staat namens "Vereinigte Staaten von Europa" möglich, aber auch dann nicht für alle regional zu verantwortende Schulden sinnvoll. Siehe z.B. dazu die Erfahrungen, die die USA gerade mit Kalifornien machen.

    Wer nach Eurobonds ruft, hat Angst vor den notwendigen, JETZT anstehenden Veränderungen: Mehr arbeiten für weniger Geld, weniger konsumieren und mehr Schuldentilgung (private wie öffentliche), länger Arbeiten und weniger Rente, weniger Krankengrundversorgung und höhere Krankenkassenbeiträge. Das ist es, was jetzt oder ggf erst später nach dem Crashen der Eurobonds kommen wird, so oder so. Klingt hart, ist aber so. Die Blase ist zu Ende.

    Alternative 2: Die EURO-Zone wird einvernehmlich aufgelöst.
    Das verhindert, daß ein Staat für die nächsten 50 Jahre "Schuld hat" (vermutlich, nein sicherlich wäre das wieder Deutschland, siehe den Spiegel-Artikel dazu, der hier diskutiert wird). Es würde sich recht schnell ein neues Handels- und Währungsgleichgewicht einspielen, daß größere längerfristige Verwerfungen verhindert. Die kurzfristigen Folgen währen verheerend, aber beherrschbar: Schwere Rezession in Europa, Schnelleres Aufholen von Schwellenländern bei Export und im Welthandel, Erstarken von extremen Gruppierungen rechts wie links wie zur Zeit schon Ungarn oder vereinzelt bei uns.

    Vorteil: radkialer Schnitt und Ende mit Schrecken einer Fehlkonstruktion, die das Zeug zur Neutronenbombe in sich hat hat. Wenn sie später hochgeht, wird die Wirkung noch schrecklicher sein.

    Alternative 3: Deutschland tritt aus dem Euro aus.

    Insgesamt wie Alt. 2, nur ist Deutschland mal wieder "Schuld" und muss Einbußen beim Export und beim internationalen Ansehen hinnehmen. Aber wer weiss: Der deutsche Atomausstieg, das EEG und die Energiewende sowie die Schuldenbremse fanden auch erst alle "merkwürdig deutsch". Inzwischen weltweit beachtet und z.T. bereits kopiert (EEG, Schuldenbremse).

    Ich würde es gerne darauf ankommen lassen, bevor die Eurobonds eingeführt werden.

    Alternative 4:
    Geoordnete Insvolvenz aller nicht refinanzierbaren Staaten und Beteiligung der privaten Investoren.

    Vorteil: Es zahlen nicht nur die Steuerzahler, sondern auch die Vermögenden (=Investoren).

    Auch hier ist ein Ende (Schuldenschnitt) mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende.

    Würde auch dazu führen, daß kaum ein Land mehr zu bezahlbaren Zinsen am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen kann. Aber das finde ich gerde richtig, denn die Politik wird es nie schaffen, dauerhaft Überschüsse zu erwirtschaften.
  5. #684

    Schulden und Vertrauen

    Zitat von Bundeskanzler Ackermann Beitrag anzeigen
    Mal angenommen Deutschland würde nicht selbst auf einem riesen Schuldenberg sitzen und KÖNNTE einen Großteil der Schuldenlast der anderen Länder über Bonds etc. schultern. Würde diese Last dann mit der Zeit kleiner werden, weil diejenigen ihre Wirtschaft auf Trab bringen und fleißig ihr Defizit abbbauen? Oder würde sie immer mehr anwachsen, weil derjenige mit den wenigsten Schulden letztendlich dafür bestraft wird?
    Wir haben kein Schulden sondern ein Vertrauensproblem.
    Zwar ist die Schuldenlast von Deutschland Italien und Portugal sehr hoch , aber das Problem besteht darin, dass die Finanzmärkte kein Vertrauen mehr haben, dass diese Staaten die Schulden auch zurück zahlen (können)und nicht darin, dass diese Staaten tatsächlich Pleite wären.

    Das einzig tatsächlich überschuldete Land war Griechenland.
    Hätte man dort beherzt eingegriffen , wäre es gar nicht erst zu einem europaweitem Vertrauensverlust gekommen.
  6. #685

    Solidarität mit "Mutti"

    Zitat von freesprit Beitrag anzeigen
    ...
    Sind eigentlich die Deutschen die einzigen von 17 €uro-Ländern, die z.Zt. gegen €uro-Bonds sind?

    Oder gibt es andere Teilnehmer ( Finnland, NL, Slowakei, Slowenien, oder Östereich ), die ebenfalls dagegen sind und Deutschland gerne den Buhmann zuschieben?
    Das würde ich auch gerne mal wissen.
    Auch wenn sich der Magen umdreht : Man muß jetzt Solidarität mit "Mutti" zeigen gegen Rot-Grün, PIIGS und gegen Eurobonds was das Ende für Deutschland wäre.
  7. #686

    vielen Dank für den Link

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen
    Merkwürdig ist eher, warum in Deutschland so getan wird, als wäre Deutschland das Einzige Land, welches Vorbehalte hat.
    Ich finde eher, daß das Ausland dies tut.
    Besonders dieses Volk, das der Herrgott nicht ohne Grund auf eine Insel verdammt hat!
  8. #687

    Korrekt

    Zitat von Leserzuschrift Beitrag anzeigen
    Sie sind der Meinung, dass wir die Demokratie abschaffen sollen? Europa ist eher eine Oligarchie. Von Demokratie kann ich nichts erkennen.

    Für mich stellt es sich so dar: Europa ist für mich völlig undurchsichtig. Entscheidungen fallen von anonymen Bürokraten. In den Medien sieht man zwar mal Diskussionen aus dem Bundestag, auf EU-Ebene erfährt man immer erst von vollendeten Tatsachen.

    Fragen Sie einen Durschnittsdeutschen doch mal Folgendes:
    - Nennen Sie mal aus dem Stegreif drei EU-Kommissare und wofür die jeweils politisch stehen.
    - Sagen Sie mir doch mal, welche Parteien auf EU-Ebene dafür gesorgt haben, dass es in Deutschland keine funktionierenden Leuchtmittel (soll heißen Glühbirnen) mehr zu kaufen gibt.
    - Sagen Sie mir aus dem Stegreif, wie die Gesetzgebung in Europa funktioniert.

    Ich gehe davon aus, dass mehr als 95% der Deutschen diese Fragen nicht beantworten könnten. Das zeigt aber für mich nicht ein politisches Desinteresse, sondern ist Ausdruck des Bürokratieapparates, der Europa nunmal ist.

    So möchte ich nicht regiert werden.
    Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu.
    Ein gemeinsames Europa bräuchte natürlich auch eine ganz neue politische Ordnung, mit einer richtigen Verfassung.
    Die derzeitige Struktur der EU mit seiner undurchsichtigen Bürokratie und seinen Kommisaren, die sich jeder demokratischen Kontrolle entziehen, verhindert doch gerade, dass die Menschen in Europa an eine gesamteuropäische Idee glauben.
    Ich möchte nicht so regiert werden, wie es heute der Fall ist und sehe deshalb die Chance in einem dezentral organisierten Europa.
  9. #688

    Finanztransaktionssteuer

    Zitat von rahelsu Beitrag anzeigen
    Außer der Finanzwirtschaft hat GB doch überhaupt keine nennenswerte Industrie, man muss sich nur mal deren kleinere Inseln wie Jersey oder Gernsey ansehen, wo es mehr ansässige Hedgefonds als normale Einwohner gibt. Deswegen stimmen sie ja auch nicht einer Finanztransaktionssteuer zu, die ihre "Wirtschaft" zu sehr schwächen würde....
    Wenn die Finanztransaktionssteuer doch so ein wunderbares Allheitlmittel gegen alle Probleme ist, dann frage ich mich, warum sie - von ein paar europäischen Ländern abgesehen - kaum ein Land haben will. Diese Steuer wird ebensowenig wie die Eurobonds irgendeines der Schuldenprobleme lösen.

    Es sind in Europa schlichtweg immer weniger Leute da, die die Staaten noch über Finanzprodukte wie Lebensversicherungen, Riesterrenten, Festgeldkonten etc. (die letztendendes allesamt in Staatsanleihen münden) finanzieren. Deshalb finden Staatsanleihen immer weniger Käufer. Das wundert auch nicht, denn bei einer Rendite, die unterhalb der Inflationssrate liegt, schließt doch kein gescheiter Mensch mehr eine Lebensversicherung oder Riesterrente ab. Hinzu kommt, daß die Verträge der geburtenstarken Jahrgänge jetzt in die Ausszahlungsphase kommen und andererseits durch den Geburtenrückgang weniger Neuverträge abgeschlossen, als alte ausgezahlt werden. Das schafft zwangsläufig Druck auf den Anleihemarkt was wirderum zur Folge hat, daß die Zinsen für die Staatsschulden steigen. Es ist somit nur eine Frage der Zeit (ich würde schätzen, daß es sich eher um Wochen bis Monate als Jahre handeln wird) bis auch die Zinsen für deutsche Staatsanleihen steigen werden.

    Bei einer Rendite von rd. 2% (vor Steuern wohlgemerkt!) und Inflationsrate von ca. 3% ist es günstiger, sich das Geld unters Kopfkissen zu legen, als die Bank oder Versicherung damit arbeiten zu lassen. Also gibt es nur zwei Lösungen: entweder, steigende Zinsen (und damit steigende Nachfrage nach Lebensversicherungen etc., worüber sich ja der Staat zum großen Teil finanziert), oder schrumpfende Wirtschaft. Alles andere - Finanztransaktionssteuer, Eurobonds, Rettungsschirme etc. - ist nur Placebo.

    Meine Befürchtung ist allerdings, daß der Staat zu ganz anderen Mitteln greifen wird - Steuererhöhungen, Zwangsanleihen etc. Dann kann es durchaus passieren, daß jeder Eigentümer einer Wohnung oder eines Reihenhauses eine Zwangshypothek aufgedrückt bekommt, um die fehlenden Käufer für Staatsanleihen zu kompensieren - alles schon dagewesen!
  10. #689

    sachkundig???

    Zitat von Liberalitärer Beitrag anzeigen
    [...]
    Dort wird das Dilemma sachkundig dargestellt:

    "Es geht also um eine Art Kosten-Nutzen-Analyse zwischen diesen beiden Optionen. Genau hier verläuft die Frontlinie der derzeitigen Debatte in Deutschland, auch wenn dies nicht ausdrücklich so formuliert wird. Die einen sagen zumindest implizit, die nationalen Insolvenzen müssten eben hingenommen werden, denn sie seien letztlich durch eigene fiskalische Schieflagen selbst verschuldet und insofern nichts anderes als das bedauerliche Ergebnis einer falsch konstruierten Währungsunion zu Lasten der solide wirtschaftenden Staaten, allen voran Deutschlands..."

    http://www.handelsblatt.com/politik/...s/5887898.html
    Haben Sie auch die über hundert Kommentare gelesen, die fast ausnahmslos den Artikel des

    Herrn Karl-Heinz Paqué (Ex-MDB FDP)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Paqu%C3%A9
    in der Luft zerreißen? Was will man von so einem anderes erwarten?

    Üblicherweise beschränkt sich dort die Leserbeteiligung auf ein Dutzend Kommentare, gelegentlich auch mal ein zweites oder drittes. Daß hier bald das Dutzend Dutzende an Kommentaren erreicht wird, zeigt deutlich, wie ernst es den in diesem Land politisch Interessierten mit dem NEIN zu Eurobonds ist. Das sollte zur Bekräftigung von Merkels Nein eigentlich reichen!

    Denn wenn Merkel irgendwann zugunsten von Eurobonds doch noch einknickt, wird sie das wohl persönlich im Bereich der Halswirbel tun.

    Hoffentlich nur politisch...


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