Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
dies ist das erste Mal, daß ich mich an den obersten Repräsentanten unseres Staates wende, bitte sehen Sie mir also eventuelle Formfehler bei Anrede oder Formulierung nach. Auch möchte ich gleich zu Beginn meines Anschreibens deutlich zum Ausdruck bringen, daß mir keinesfalls daran gelegen ist, die Würde Ihrer Person und Ihres Amtes in irgendeiner Art und Weise anzugreifen.
Was mich drängt Ihnen folgende Zeilen zu schreiben, ist meine große Sorge und Bestürzung, die Ihre Rede vom 3.Oktober bei mir ausgelöst hat! Ich beziehe mich hier auf Ihre Formulierung: „Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland, das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland, das ist unsere christlich-jüdische Geschichte, aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“.
Es war besonders der Teilsatz "aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“ der in mir ungläubiges Staunen, ja tatsächlich Erschrecken verursacht hat.
Durchaus möglich dass ich diesen Ihren Teilsatz falsch interpretiert habe, ich hatte Sie allerdings so Verstanden, daß der Islam - ebenso wie das Christentum und das Judentum - in Deutschland einen gleichberechtigten Platz hätte.
Falls ich Sie falsch verstanden haben sollte, bitte ich um Aufklärung.
Sollte mein Verständnis Ihrer Äußerungen aber richtig sein, so lassen Sie mich bitte folgendes dazu anmerken.
Ich stamme aus einer Familie, die gegen die Ungerechtigkeit und Menschenverachtung antidemokratischer, totalitärer Regime gekämpft hat (ein Großvater als politischer Häftling im KZ, eine Großmutter in Gestapohaft).
Meine Erziehung beinhaltete, daß mir Meinungsfreiheit als eines der höchsten Güter vermittelt wurde, die freiheitliche demokratische Grundordnung unseres Landes als die bestmögliche Staatsform.
Nichts liegt mir ferner als Rassen-, Klassen- oder Religionshaß in irgendeiner Form. Nichts liegt mir näher als unsere Staatsform, deren eine Grundsäule die Trennung von Staat und Kirche darstellt.
Der Islam kennt eine solche Trennung nicht! Ich nehme für mich keinesfalls in Anspruch auf dem Gebiet der Islamforschung ein Fachmann zu sein, ich kenne den Koran nicht auswendig. Es ist meiner Ansicht nach aber auch gar nicht nötig, den Islam auswendig zu lernen, um festzustellen, dass sich die theokratische Staatsform wie sie der Islam als einzig mögliche Staatsform anerkennt, keinesfalls mit einer demokratischen Staatsform kompatibel ist. Es ist ja auch nicht nötig, Lenins, Stalins oder Hitlers Schriften auswendig zu lernen, um festzustellen, dass Kommunismus und Nationalsozialismus menschenverachtende Staatsformen hervorgebracht haben, die jeder Demokrat ablehnen muß.
Den Islam als reine Glaubensrichtung, ähnlich der christlichen Kirchen, zu sehen ist meiner Ansicht nach ein ganz gefährlicher Fehler. Der Islam stellt eine Ideologie dar, deren Ziel ein alleiniger Herrschaftsanspruch ist. Das kann ich nur als totalitäre Herrschaftsform bezeichnen. Der Islam lehnt das Grundgesetz ab. Diese Ablehnung ist Systemimmanent.
Die historische Erfahrung, sehr geehrter Herr Bundespräsident, zeigt, daß totalitäre Bewegungen (z.B. Kommunisten und Nationalsozialisten) stets die im Rahmen demokratischer Gesetze operiert haben - bis sie stark genug waren diese abzuschaffen. (siehe Rußland 1918 und Deutschland 1933).



