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Wulff-Affäre: Die Verachtung des Spießers

Das eigentliche Problem an Christian Wulff ist für viele Vertreter der Meinungselite seine demonstrative Kleinbürgerlichkeit. Je länger die Affäre dauert, desto stärker treten die Vorbehalte hervor.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...809351,00.html
  1. #90

    Zitat von Palmstroem Beitrag anzeigen
    Ach, welche kleinbürgerliche Denke!
    Die großen Geschenke kommen doch erst nach der aktiven Politikerzeit. Schröders Posten bei GAZPROM, Müllers Vorstandsposten bei der RAG, Spät bei Karl-Zeis-Jena, Koch bei Biflinger - da sind die 400 Euro Upgrade für Wulffs Hotelzimmer nicht mal Peanuts.
    Und hast du mal so einen Posten, dann kann die auch jeder BILD-Artikel am A.... vorbeigehen.
    Nach dem Amt gibt es keine rechtliche Handhabe mehr. Da müssen wir einen Gas-Gerd oder Bilfinger-Roland-Koch ertragen bzw. es hat uns - zugegeben leider - nichts mehr anzugehen, soll uns aber zum Denken anregen.
    Daher kann man diese Beispiele nicht mit Wulff vergleichen.
    (Späth und Carl-Zeiss-Jena ist zudem wieder eine andere Geschichte. Späth hätte es wohl vorgezogen, weiterhin den MP-Posten zu bekleiden, als nach Jena zu gehen. Und Späth ist in der Tat über die Vorteilnahme im Amt (Urlaubsreisen usw.) gestolpert. Jena war da dann die Ersatzlösung.)

    Wulff ist im Amt. Wulff war in Niedersachsen im Amt. Wulff ist im Bund im Amt.
    Es dreht sich jetzt um die Sauereien im Amt.

    Über eventuelle zukünftige Sauerein nach dem Amt - seien sie Wulfferseits oder anderer-Politiker-seits - können noch nicht richten, da sie noch nicht eingetreten sind.

    Andererseits können uns diese Beispiele auch in Sachen Wulff zum Denken anregen: Ist der Mann zu blöd, um bis zum Ende seiner Amtszeit zu warten? Dann kann ihm niemand mehr wegen Vorteilnahme an den Karren fahren - rechtlich gesehen!
  2. #91

    ++

    Zitat von christian simons Beitrag anzeigen
    Wie üblich mal wieder eine Fleischhauer-Polemik, die von einer völlig falschen Prämisse ausgeht:

    Die Wulff-Affäre spielt sich nicht in einem kleinbürgerlichen Spießermilieu ab, sondern in der SchickiMicki-Gesellschaft der Geerkens, Maschmeyers, Ferresens etc....
    Schon richtig, aber Wulff stammt aus einem eher kleinbürgerlichen Milieu, ist dank seiner politischen Arbeit aufgestiegen und dann den Verlockungen der Schickmicki-Gesellschaft erlegen -wie beispielweise Gerd Schröder auch-. Bezeichnend für ihn ist ja gerade, dass er nicht genügend Distanz zu diesen Gruppen aufgebracht hat....
  3. #92

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das eigentliche Problem an Christian Wulff ist für viele Vertreter der Meinungselite seine demonstrative Kleinbürgerlichkeit. Je länger die Affäre dauert, desto stärker treten die Vorbehalte hervor.

    Wulff-Affäre: Die Verachtung des Spießers - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Wäre Mutti Kapitän würde Fleischhauer an der Reling stehen und von der Unsinkbarkeit der Titanic schwadronieren um die Leute zum Bleiben zu veranlassen.

    Hr. Fleischhauer, es ist vorbei wenn die dicke Frau gesungen hat und bei Wulff hat sie gesungen.

    Und ganz ehrlich, meine Meinung: Noch nichtmal sein spiessiges Klinkerhäuschen kauf ich ihm ab. Ich trau ihm zu, dass er das nur aus Karrieregründen gekauft hat. Vermutlich hat sein(e) Medienberater(in) das für eine gute Idee gehalten weil das Volk ja dann sieht, dass er ein ganz normaler aus dem Volk ist, so einer wie das Volk eben. Das macht sich immer gut.

    Wulffs Welt waren sicher nicht Klinkerhäuschen mit Gartenzwergen, sondern eher Maschmeyer, Geerken, Gronevold, Fard und wie die schönen und reichen noch alle geheissen haben...
  4. #93

    Wird ja langsam leise ...

    ... auch wenn es schon genervt hat: Viel mehr nervt, dass der Wulff tatsächlich darauf setzen kann, dass jetzt "Ruhe im Karton" ist. Schade eigentlich.

    Aber zur Sache: Fleischis arme Argumentation ist gebührend gewürdigt worden. Ich möchte mal einige Rechnungen bzgl des Geerkens-Kredits aufmachen:

    Spekulation 1:
    Neben seinem MP-Sold in Höhe von 152.400 Euro pro Jahr hat Herr Wulff mindestens Einnahmen aus einer Immobilie haben müssen (Er hat ja im TV-Interview betont, dass bei dem Geldmarktkredit zwei unbelastete Immobilien als Sicherheit berücksichtigt wurden). Ich habe auch mal von einer Tankstelle gehört, konnte das aber nicht verifizieren.
    Es erscheint in jedem Fall berechtigt anzunehmen, dass die zweite Immobilie Mieteinnahmen erzeugte (oder es wäre zu recherchieren, ob es das gab).
    In dem Fall wäre doch eine Beleihung der zweiten Immobilie steuermindernd für die Mieteinnahmen gewesen, oder? Oder anders: Selbst deutlich höhere Zinsen bei einer Beleihung der Immobilie wären für Wulff günstiger gewesen. Hat sein väterlicher Freund ihn übers Ohr gehauen?

    Spekulation 2:
    Der Kredit enthielt keinen Tilgungsanteil. Bei 4% nominal und 25 Jahren Laufzeit ohne Restschuld wären für den Kredit monatlich 2639,18 anstelle der 1666 Euro fällig gewesen. Eine monatliche Minderbelastung von 1000 Euro ist ganz nett, aber sicherlich nicht das Risiko wert. Wenn man aber mal aus der Sicht des Herrn Geerkens draufschaut: Ein Kredit wird gewährt, der Empfänger aber verheimlicht. Die monatlichen Zahlungseingänge bei Frau Geerkens erfolgen in D. Wie wird so etwas eigentlich versteuert? Zahlt ein in der Schweiz lebender Steuerausländer auf Einkommen in Deutschland die Steuern in Deutschland oder in der Schweiz (Stichwort: Doppelbesteuerungsabkommen). Und welcher Steuersatz wird zugrundegelegt? Kann in bestimmten Kantonen der Schweiz nicht ein Steuerabkommen dazu führen, dass lediglich ein fester Steuerbetrag fällig wird, jede weitere Einnahme also vollkommen unversteuert bleibt?
    Wie wird der Fiskus denn über die monatlichen Kreditzinseinnahmen von 1666 Euro aus einem Kredit unter Freunden informiert? Freiwillig? Automatisch? Von der Bank?
    Hat Herr Wulff sich von seinem väterlichen Freund vielleicht zur Beihilfe bei der Steuerhinterziehung verführen lassen?

    Es gibt doch bestimmt (hoffentlich) investigative Journalisten, die solchen Möglichkeiten nachgehen, oder?
  5. #94

    Spießerwelt

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das eigentliche Problem an Christian Wulff ist für viele Vertreter der Meinungselite seine demonstrative Kleinbürgerlichkeit. Je länger die Affäre dauert, desto stärker treten die Vorbehalte hervor.

    Wulff-Affäre: Die Verachtung des Spießers - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Ich denke nicht das das Thema Wulff wirklich etwas mit seiner Kleinbürgerlichkeit zu tun hat.

    Vielmehr hat hier ein Politiker (C. Wulff) über viel Jahre viele Jahre sehr hohe moralische Prinzipien für sich reklamiert und diese Messlatte an seine Konkurrenten angelegt. Da seien die "die körperlichen Schmerzen des Herrn Wulff bzgl. des BP Rau" erwähnt.

    Wenn gerade dieser Politiker für sich reklamiert unfehlbar zu sein, nun eben nicht ganz sauber agiert hat, so fällt er eben über seine Eigenen Aussagen und Moralvorstellungen.

    Wenn nun Herr Wulff ein Darlehen aus dem Hause Geerkens erhalten hat und Herr Geerkens nun zu offiziellen Reisen des Ministerpräsidenten eingeladen wird, wird es schonmal komisch.

    Da kann man mal nachfragen was da nun war.

    Auch sind die Themen zur Finanzierung seiner Bücher durch Herrn Maschmeyer u.a. wohl nicht sehr sauber abgelaufen.

    Alles in allem aber ist die Bearbeitung der Vorwürfe gelinde gesagt "unvorteilhaft und absolut unprofessionell". Hier sind die wohl größten Defizite vorhanden.


    Aber eines sollte auf jedenfalls im Besoldungsgesetz geändert werden: Es kann und darf nicht sein dass ein BP aufgrund persönlicher Verfehlungen zurücktritt und dennoch einen vollen Ehrensold erhalten kann.

    Das ist doch keinem Steuerzahler erklärbar. sollte natürlich für das gesamte politische Personal gelten.
  6. #95

    Der Bundespräsident sollte das aussitzen!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das eigentliche Problem an Christian Wulff ist für viele Vertreter der Meinungselite seine demonstrative Kleinbürgerlichkeit. Je länger die Affäre dauert, desto stärker treten die Vorbehalte hervor.

    Wulff-Affäre: Die Verachtung des Spießers - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

    Warum denn sollte gerade er zurücktreten?

    Die Mehrheit unserer Parlamentarier wehrt sich seit Jahrzehnten erfolgreich gegen ein Anti-Korruptionsgesetz für ihre eigene Kaste, wie es in anderen Ländern längst usus ist.

    Warum wohl?

    Also warum sollte gerade der Bundespräsident auf das scheinheilige Gesülze seiner Politiker-Kollegen aller 4 alten Fraktionen hereinfallen und zurücktreten?
  7. #96

    Zitat von Klaraussage Beitrag anzeigen
    (...) der Mensch kann den Verlockungen des "schöneren Lebens" nur selten widerstehen und schaltet dabei ebenso häufig Verstand und Moral aus. (...)
    Wir, die wir alle einen anderen Beruf als *Bundespräsident* haben, dürfen das auch. Dem zu widerstehen gehört aber genau zur Aufgabe des sogenannten *Ersten Mannes im Staat*.

    Ansonsten könnte es wirklich auch dieser sein
    >>> Bundespräsident Semmelrogge http://www.titanic-magazin.de/upload...hfolger_01.jpg
  8. #97

    Was erwartet 'man'...

    ...denn von unseren Politikern?

    Ich persönlich erwarte einfach nur, das die Leute die Gesetze schaffen, ergo die Normen nach den wir leben sollen, sich an selbige halten. Moral sollte eben auch eine Rolle spielen und Unabhängigkeit WENN man ein Amt bekleidet.

    Wie Verkommen das ganze Gesocks schon ist hat man ja an dem Leihdoktor gesehen, völlig ohne jede Regung von Unrechtsbewusstsein.

    Der Möchtegernpräsi ist kein Deut anders.

    Zum K.....

    Aber vermutlich ist miene Sicht der Dinge ja eh nur verklinkert....
  9. #98

    Zitat von beraterit Beitrag anzeigen
    Ich möchte den Tsunami nicht erleben, wenn herausgekommen wäre, daß Wulff in einer de pompösen innenstadtnahen Villen zur Miete gewohnt hätte.
    Das hätte er nicht überlebt - so bleiben vom Vorwurf der Vorteilsnahme wirklich nur Fliegenschisse übrig - und zwar auf den Hemdkragen der Schreiberlinge.
    Dann hätte er für die Mietwohnung keinen Kredit benötigt, also hätte es auch keine Anfrage des Parlaments gegeben und somit auch keine Affäre.

    Was wollen Sie uns sagen?
  10. #99

    Zitat von eva_b Beitrag anzeigen
    (...) Und die ist Ursache des Problems: wäre der intellektuelle Unterbau ausgeprägter, würde Wulff sich vermutlich anderen Freizeitbelustigungen hingeben als Kickern bei Maschmeyers.
    Sie bringen es auf den Punkt!
    Eigentlich erwarte ich von einem Bundespräsidenten eher, dass er mit Philosophen Schach spielt.








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