Über die traumhaften Zitate beim Professor konnte ich Tränen lachen, fast besser noch als bei SPAM.
Es geht wohl zuvörderst darum, die benutzten Begriffe zu erklären, was Wissenschaftler sehr ungern tun. Insbesondere haben sie die fatale Angewohnheit, sie in einem Sinn zu verwenden, den allein sie definiert haben, leider weder mündlich noch schriftlich.
Der zweite Punkt ist das Sortieren und Systematisieren, das man eigentlich schon auf der Schule hätte lernen müssen. Also der Aufbau eines logischen Konzepts, das alle Aspekte verständlich erfaßt und in einen Zusammenhang bringt.
Hierzu ist eine brutale Reduktion der Fakten erforderlich, eine der schwierigsten Aufgaben, weil beim Schreiben allerlei neue Gedanken auftauchen. Diese lassen sich regelmäßig nicht in ein logisches Konzept einbauen, sondern können nur ausgeschlossen werden. Oder man verweist in der Fußnote auf die nicht klärbare Problematik oder wirft seine Ansätze weg, eine der elegantesten Lösungen. Ich neige zu Füllwörtern und Konjunktiven, eine stilistisch und inhaltlich miserable Lösung. Oder wie das mein Deutschlehrer formuliert hat: „Wenn Sie fünfzehn Seiten für die Darlegung benötigen, und ein anderer nur fünf, dann bekommt der die eins. Auch wenn Ihre Abschweifungen richtig und interessant waren.“
Eine ganz besondere Gräßlichkeit sondersgleichen ist das Substantivieren von jedem und allem. Es verunstaltet jeden Text und erschwert das Lesen ganz ungemein. Es wäre zwar möglich, daß hochkomplexe Sachverhalte dargestellt werden, aber sehr viel wahrscheinlicher ist, daß da eine Menge gequirlter Scheißdreck zusammengebacken wurde, um die Aussagen zu vergeheimnissen. Häufig ein Anzeichen dafür, daß der Autor seine Darlegungen selbst nicht versteht, eine Art theologisches Dilemma.
MINT – Fachleute müßten präzise formulieren können, wie die Mathematiker und Physiker, aber dummerweise werden diese Fächer von Adepten studiert, die in Deutsch bestenfalls eine vier haben, und auch nicht gern lesen. Man lasse sich einfach mal erklären, wie ein Programm funktioniert. Grauenvolles Radebrechen mit Begriffen, die die Brüder vermutlich selbst nicht verstehen. Mein wichtigster Software – Lieferant hat Germanisten eingestellt für diese Aufgabe, ein anderer beschäftigt Philosophen. Ein echter Knochenjob, sich das Zeug erklären zu lassen, zu verstehen, und dann sprachlich klar zu formulieren. Für die modernen Ingenieurwissenschaftler gilt das Phänomen übrigens auch. Die Altvorderen haben sich noch durch einen überaus präzisen Sprachstil ausgezeichnet.
Noch was von Talleyrand (ich meine La Rochefoucauld): „Die Sprache ist dem Menschen gegeben, seine Gedanken zu verbergen.“ Und um seine einzigartige Wissenschaft zu schüt-zen. Oder sein Handwerk. Und wer nur Spiegel liest, läuft Gefahr, sich Sprach- wie Denkfä-higkeit gnadenlos und irreparabel zu versauen. Kein Wunder, daß der Zwiebelfisch sich ge-rade hier großer Beliebtheit erfreut: „Was bin ich froh, ich bin nicht so.“
Antworten / Zitieren


