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Wissenschaftssprache: Juhu, niemand versteht mich

DPAStudenten hassen verkorkste Wissenschaftssprache - und nutzen sie doch selbst: Bei Diskussionen gibt es immer Schlauberger, die in jeden Satz fünf Fremdwörter einflechten. Die Kommilitonen sind genervt und doch irgendwie beeindruckt. Warum nur, fragt sich Katrin Langhans, 25.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...827862,00.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wissenschaftssprache: Juhu, niemand versteht mich - SPIEGEL ONLINE
    "Unverständliche Sätze faszinieren uns, weil sie unverständlich sind."
    Manche Sätze wiederum sind so einfach, dass sie keinen Informationsgehalt mehr haben. Aber der Fantasie freien Lauf zu lassen ist ja auch schön. Nur nicht mehr wissenschaftlich.
  2. #2

    Kompetenz Mimikry

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bei Diskussionen gibt es immer Schlauberger, die in jeden Satz fünf Fremdwörter einflechten. Die Kommilitonen sind genervt und doch irgendwie beeindruckt.
    Das Nennt man "Kompetenz Mimikry". Wirkt als Wissenschaftler, Politiker, oder Unternehmensberater, insbesondere bei einem Zuhörerkreis, der noch weniger Ahnung hat, als man selber, dies aber zu verbergen sucht.
  3. #3

    ..........

    na na, es liegt doch an den Studenten selbst eine verstehende Sprache einzuführen. Wenn sich viele einig sind und an die Prof.'s herantreten kann man auch das etwas ändern. Studenten einiger Fächer ( Geisteswissenschaften) lieben diese Sprache, man kann sich so doch wunderbar abheben von den anderen studierenden.
  4. #4

    Zitat von rainer_daeschler Beitrag anzeigen
    Das Nennt man "Kompetenz Mimikry". Wirkt als Wissenschaftler, Politiker, oder Unternehmensberater, insbesondere bei einem Zuhörerkreis, der noch weniger Ahnung hat, als man selber, dies aber zu verbergen sucht.
    Schlimmer ist, dass das auch bei Zuhörern wirkt, die von der Materie immerhin so viel Ahnung haben, dass sie die Begrenztheit ihres Wissens klar empfinden.

    Der im Artikel beschriebene Versuch ist ein schönes Beispiel dafür: Eigentlich richtige Erklärungen werden verworfen, weil Geschwafel kompetenter wirkt. Oder zumindest erheblich verwirrt.
  5. #5

    .

    Bei wirklicher Wissenschaft ist die Sprache meist recht einfach. Gilt es doch Wissen zu vermitteln, häufig auch an Leute, die nicht Muttersprachler sind.

    Schwafelwissenschaften, und um die scheint es bei dem besprochenen Thema ja zu gehen, haben ihren Namen aber nicht ganz umsonst bekommen. Da muss man mit so Auswüchsen rechnen.
  6. #6

    So einfach ist es eben nicht.

    Zitat von shokaku Beitrag anzeigen
    Bei wirklicher Wissenschaft ist die Sprache meist recht einfach. Gilt es doch Wissen zu vermitteln, häufig auch an Leute, die nicht Muttersprachler sind.
    Man muss unterscheiden zwischen Zuhörern, die aus dem gleichen Fach kommen (dürfen gern auch fremdsprachlich sein), und Zuhörern, die vermeintlich die gleiche Sprache sprechen (z.B. deutsch), aber mit dem Fachvokabular nicht vertraut sind.
    Im ersten Fall geht es nur darum, einfache Sätze zu bilden.

    Im zweiten Fall hilft selbst der einfachste Satzbau nichts, wenn Wörter in ihrer Bedeutung unterschiedlich interpretiert werden. Man nehme nur mal das Wörtchen "Theorie", um das hier im Forum schon wahre Kriege geführt wurden. Umgangssprachlich hat das eine ganz andere Bedeutung als z.B. unter Physikern.

    Und die Mathematik hat nicht ohne Grund einen Haufen neuer Wörter erfunden. Natürlich kann man mathematische Gegebenheiten auch umgangssprachlich beschreiben - beim Lernen muss man das sogar -,
    aber der Zeitaufwand ist so viel größer, dass man damit nicht weit kommt.
    Also: Innerhalb der Wissenschaft mag die Sprache einfach sein, das heisst aber noch lange nicht, dass auch ein Außenstehender den Sinn erfasst.

    Und das gilt sicher auch für Naturwissenschaftler, die (z.B.) Soziologen zuhören.
  7. #7

    an dieser Stelle sollte man vielleicht noch auf die Unterschiede zwischen den Studienfächern hinweisen. Bei Vorlesungen in Maschinenbau oder Elektrotechnik sind alle Beteiligten (inclu. Dozent)froh, wenn der Sachverhalt mit ganz einfachen Worten verstanden wird. Bei Lehrveranstaltungen zu so komplexen Gebieten wie Event Management ist es mehr als verständlich, die Aussagen mit Begriffen aus dem Lateinkurs für Angeber aufzuhübschen. Selbst später bei Management-Meetings hilft die uralte Strategie: einfach mal dumm stellen und nachfragen. In der Regel landet man einen Volltreffer in einer humanistischen Bildungslücke und alle crücken sich danach verständlich aus
  8. #8

    Och Joh!

    Zitat von rainer_daeschler Beitrag anzeigen
    Das Nennt man "Kompetenz Mimikry". Wirkt als Wissenschaftler, Politiker, oder Unternehmensberater, insbesondere bei einem Zuhörerkreis, der noch weniger Ahnung hat, als man selber, dies aber zu verbergen sucht.
    Genau so ist es. Und was mache mer da? Da stelle mer uns janz doof und fragen den Schlauberger: "Entschuldigung, ich habe das nicht ganz verstanden, können sie das bitte in einfachem deutsch wiederholen." . Ab da hat sich das "Kompetenz-Mimikry" meistens schnell entlarvt, denn es kommt oft nur noch ein hilfloses Stammeln zurück.
  9. #9

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Studenten hassen verkorkste Wir vermuten eine subtile Wahrheit hinter verworrenen Erklärungen, weil wir nicht beweisen können, dass sie falsch sind.

    Wissenschaftssprache: Juhu, niemand versteht mich - SPIEGEL ONLINE
    Die Mathematiker suchen und finden die subtile Wahrheit hinter komplexen Konstruktionen - und BEWEISEN sie.
    Begriffe sind dort ohnehin nur auswendig gelernte Definitionen und
    beeindrucken niemanden. Im Gegenteil: Wer unbekannte Begriffe benutzt, wird genötig diese erst zu Definieren.
    Insofern weicht das Verhalten von Teilnehmener eines mathematischen Seminars von den Schilderungen im Artikel ab.


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