Wissenschaftler in Nöten: Jung, talentiert, frustriert

Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...818994,00.html
  1. #180

    Zitat von Fruusch Beitrag anzeigen
    "Lustig" ist übrigens auch die Tatsache, dass selbst viele Professoren kaum etwas verdienen und damit sogar auf Hartz IV angewiesen sind. Kein Wunder, dass die Forscherelite seit langem nicht mehr aus Deutschland kommt.
    Eben. Da gibt es nämlich die schöneaußerhalb der Universität weithin unbekannte Regel, dass ein sogenannter Privatdozent (d. h. ein Habilitierter, der noch keinen Ruf als Professor hatte, wobei ja keineswegs garantiert ist, dass er jemals einen solchen bekommen wird) regelmäßig unentgeltlich eine Veranstaltung an seiner Heimatuniversität abzuhalten hat, weil sonst seine "Venia", sprich die Lehrbefähigung, erlischt. Er muss also umsonst arbeiten bei Strafe des Verlustes der formalen Qualifikation. Umsonst? Schlimmer noch. Er wohnt ja vielleicht gar nicht (mehr) vor Ort und muss natürlich alle Fahrt- und Unterbringungskosten, um diese Veranstaltung haltern zu können, aus eigener Tasche bezahlen.
  2. #181

    Zitat von gruenbonz Beitrag anzeigen
    Das verdanken wir Frau Bulmahn, die als Wissenschaftsministerin zusammen mit Gas-Gerd, obwohl nur Studienrätin, diesen unglücklichen Juniorprofessor konzipiert hat und die rigorose Befristung für qualifizierte Wissenschaftler eingeführt hat. Seitdem verschleudern wir unsere Ressourcen.
    Auf die Frage, was dann mit den nicht versorgten Jungwissenschaftlern geschehen sollte, antwortete ihr Mitarbeiter: "Verschrotten."
  3. #182

    Gute Frage...

    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    Sie machen gerne, was sie tun, Gehalt (besonders wenn es nicht für die anschließende Arbeitslosigkeit mit reichen muss) ist Nebensache, in der Wirtschaft wären sie aber die komischen Typen, die man am liebsten im Keller versteckt... Warum lässt man denen nur die Wahl Zwangsumschulung oder Hartz IV - wem ist dadurch denn geholfen?
    Als ich anfing zu studieren, gab es noch sehr viele festangestellte wissenschaftliche Mitarbeiter - die nannten sich dann z.B. "Hochschuldozenten". Waren oftmals habilitiert, aber keine Profs. Gibt es fast nicht mehr, da sie in den letzten 20 Jahren "eingespart" wurden. Interessanterweise wurden weder beim nichtwissenschaftlichen technischen Personal noch in der Verwaltung der Universitäten vergleichbare Einsparungen beim Personal vorgenommen wie beim wissenschaftlichen Personal.

    Ich denke, man könnte viele Probleme an den Unis lösen, wenn man Dauerstellen auf TVL-13-Niveau anbieten würde (1800 netto pro Monat). Es wäre preiswert (die Räumlichkeiten wären vermutlich teurer), es gäbe sehr viele Interessenten, und die Betreuung der Studenten würde sich massiv verbessern. Den Anteil der Lehre könnte man leicht beeinflussen, ganz in Abhängigkeit von Drittmitteleinwerbungserfolg und Publikationserfolg: wer zusätzliche Gelder einwirbt und gut publiziert, unterrichtet 8 SWS, wer überhaupt nicht publiziert und keine Drittmittel holt, dann halt 16 oder mehr.

    Ständig sehe ich heutzutage die Ausschreibungen für "Lehrkräfte für besondere Aufgaben", meistens zeitlich befristet.
  4. #183

    Frage

    Zitat von lindenbast Beitrag anzeigen
    Auf die Frage, was dann mit den nicht versorgten Jungwissenschaftlern geschehen sollte, antwortete ihr Mitarbeiter: "Verschrotten."
    Quelle?
  5. #184

    Zitat von Dumme Fragen Beitrag anzeigen
    Interessanterweise wurden weder beim nichtwissenschaftlichen technischen Personal noch in der Verwaltung der Universitäten vergleichbare Einsparungen beim Personal vorgenommen wie beim wissenschaftlichen Personal.
    Wie stellen Sie sich das denn vor: „Einsparungen in der Verwaltung“? Wie soll denn eine Universität ohne Verwaltung funktionieren, und insbesondere, wie soll sie denn zu mehr Effizient und Exzellenz kommen, wenn niemand da ist, der die dazu nötigen Regelungen akkreditiert, implementiert, dokumentiert und evaluiert?
  6. #185

    Zitat von gumbofroehn Beitrag anzeigen
    Ich weiß, das will jetzt niemand hören, aber aus meiner Sicht ist da auch ganz klar die Eigenverantwortung der betroffenen Nachwuchsforscher(innen) gefordert:

    Spätestens .....
    Darum geht es nicht ! Das ist am Thema vorbei ! Es geht darum was die deutsche Gesellschaft auf Dauer benötigt ! Wenn sie Ihrem Nachwuchs keine Perspektiven bieten kann, dann wird sie die Zeche irgenwann zahlen müssen. Und wenn sie die Grundlagenforschung vernachlässigt, dann wird das die Gesellschaft nachhaltig schädigen.
  7. #186

    Zitat von Dumme Fragen Beitrag anzeigen
    Quelle?
    Ging damals überall durch die Presse, wurde nie dementiert.

    Deutscher Hochschulverband
  8. #187

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Wie stellen Sie sich das denn vor: „Einsparungen in der Verwaltung“? Wie soll denn eine Universität ohne Verwaltung funktionieren, und insbesondere, wie soll sie denn zu mehr Effizient und Exzellenz kommen, wenn niemand da ist, der die dazu nötigen Regelungen akkreditiert, implementiert, dokumentiert und evaluiert?
    Wir haben ein wunderschönes Notenverwaltungs-Softwaresystem bekommen. Das müssen natürlich Leute betreuen.
    Es läuft so: ich flicke die Noten in die Tabelle ein bzw. bitte unseren Verwaltungsmitarbeiter, es zu tun, denn ich komme damit oft nicht klar; wenn nämlich Module von unterschiedlichen Lehrkäften unterrichtet werden (einer beispielsweise die Vorlesung, ein andere die dazugehörige Übung), bräuchte der andere gleichzeitig meine Kennung und ich seine. Wir haben uns darauf geeinigt, dass alles im Sekretariat zusammenläuft und dort geregelt wird. Dann bekomme ich eine ausgedruckte Liste von Noten, muss das mit meiner Tabelle abgleichen und unterschreiben. (Das braucht etwas Zeit, denn meine Tabelle ist alphabetisch nach Studentennamen geordnet, die in diesem System nach Matrikelnummer. Wie die neueren Systeme insgesamt davon auszugehen scheinen, dass ich die Namen der Studenten nicht, dafür aber deren 8stellige Matrikelnummer kenne.)

    Schwierig wird es auch, wenn ein Student nicht besteht und die Veranstaltung im nächsten Jahr erneut belegen muss. Dann muss die Note in die ursprüngliche Veranstaltung eingetragen werden, aber die fand vor einem Jahr statt und ist nicht mehr freigeschaltet. Tue ich das, besteht natürlich immer noch das Problem, dass der Student sich in verständlicher Unkenntnis in die aktuelle Veranstaltung eingetragen hat und dann unter "nicht bestanden" läuft, was dann manuell - nach diversen Emailwechseln - wieder rückgängig gemacht werden muss.

    Wie überhaupt immer wieder Studenten verabsäumen, sich einzutragen und ich immer wieder Studenten sagen muss, es sei zwar hübsch, dass sie alle Klausuren mit Glanz und Gloria bestanden haben, aber leider müssten sie die Veranstaltungen im nächsten Jahr erneut belegen, denn rechtsgültig sei das nicht. (Hintergrund ist der, dass immer wieder Leute uneingetragen Klausuren mitgeschrieben haben nach dem Motto "Wenn ich durchfalle, ist nix passiert, ich war ja nicht eingetragen - bestehe ich, renne ich zum Dozenten, sage, es sei alles ein Versehen gewesen, und der wird schon dafür sorgen, dass ich nachträglich eingetragen werde.") Ja, und dann gibt's natürlich etliche Mailwechsel.
  9. #188

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Wie stellen Sie sich das denn vor: „Einsparungen in der Verwaltung“? Wie soll denn eine Universität ohne Verwaltung funktionieren, und insbesondere, wie soll sie denn zu mehr Effizient und Exzellenz kommen, wenn niemand da ist, der die dazu nötigen Regelungen akkreditiert, implementiert, dokumentiert und evaluiert?
    Jedenfalls werden die Ergebnisse irgendwann beim Prüfungsamt eingepflegt, Bis es soweit ist, bekomme ich -zig Mails von Studenten, die ihre Note nicht finden. Ich schreibe den WStudenten eine Mail, ich hätte die Noten weitergegeben und sei damit nicht mehr zuständig. Ich schreibe eine Mail an das Sekretariat, was da los sei. Das Sekretariat schreibt eine Mail---an irgendwelche Leute, ich will das gar nicht so genau wissen.

    Bis alles seine Ordnung hat, werden jedes Semester alleine von mir Mails in dreistelliger Anzahl verschickt. Ja, ich freue mich wirklich jeden Tag, dass die Software mir die wirklich unsinnige und zeitraubende Arbeit, jedem einzelnen Studenten nach Ende der Veranstaltung einen Schein auszustellen, erspart. Ebenso erfreut mich die viel produktivere Nutzung meiner Arbeitszeit - während Notenverwaltung sonst bei gleicher Studentenzahl vielleicht 2 Zeitstunden pro Semester einnahm, bin ich jetzt bei mindestens 30 Stunden. Die der anderen Beteiligten kommen noch dazu. Es wäre doch zu schrecklich, wenn diese anderen arbeitslos wären und ich meine Zeit damit verbringen müsste, wissenschaftliche Literatur zu lesen oder, Gott behüte, meine Veranstaltungen intensiver vorzubereiten, nicht wahr?
  10. #189

    Zitat von lindenbast Beitrag anzeigen
    Wie überhaupt immer wieder Studenten verabsäumen, sich einzutragen und ich immer wieder Studenten sagen muss, es sei zwar hübsch, dass sie alle Klausuren mit Glanz und Gloria bestanden haben, aber leider müssten sie die Veranstaltungen im nächsten Jahr erneut belegen, denn rechtsgültig sei das nicht.
    Na, sehen Sie, da lernen Ihre Studenten doch wenigstens eine wichtige Lebensweisheit, die sie später im Privaten wie auch im Beruf gebrauchen können: Entscheidend ist nicht, was man gut macht, sondern was man juristisch durchsetzen kann.