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Wissenschaftler in Nöten: Jung, talentiert, frustriert

Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...818994,00.html
  1. #100

    in der Wissenschaft ist man der letzte Depp

    Viele Kommentaristen merken hier an, daß der wissenschaftliche Mittelbau fehlt, und genau das trifft es.

    Es gibt so viele neue Doktorandenstellen, weil die einfach billig sind.
    Selbst wenn so eine Stelle aus Drittmitteln kommt, heißt das:

    50 % Bezahlung, 150 % Leistung! Mindestens! Nur in der Informatik, Maschinenbau etc. siehts etwas besser aus.

    Oder noch schlimmer:
    Stipendium erhalten - das ist noch weniger als 50 % Bezahlung!


    Wenn man sich dann doch durchgekämpft hat, ist man wenn man Glück hat (!) befristet angestellt, an Familienplanung ist nicht zu denken!


    Das muß man sich mal überlegen, was hier abgeht. In der Wissenschaft ist man der letzte Depp. Und die außenstehende Otto-Normal-Bevölkerung denkt, daß wir wie die Maden im Speck leben.

    Wenn nicht bald eine bessere Forschungspolitik in Deutschland gemacht wird, seh ich schwarz für die Zukunft des Landes.
  2. #101

    Artikel gibt die Situation treffend wieder

    Zitat von atech Beitrag anzeigen
    das tragische ist doch, dass jeder im deutschen Wissenschaftssystem es als gegeben hinnimmt, dass es heutzutage unterhalb der Professur keine unbefristeten Stellen gibt!

    Dabei gab es früher Dauerstellen im akademischen Mittelbau. Die Betreffenden waren verbeamtet, "akademische Räte" oder "Oberrräte", Bezahlung A13 oder A14.

    Nur weil es irgendwann hieß, dass diese Leute "nur Mittelmaß" und "faul" wären, dass mehr Leistung her müsste, wurden die Dauerstellen im Mittelbau abgeschafft. Dabei boten genau diese Leute häufig bessere Kurse und Praktika an als die Proffesoren und hielten die didaktisch besseren Einführungsvorlesungen. Da sie oft keine "Hausgelder" besassen, warben sie für ihre Forschung Drittmittel ein und publizierten fleissig.

    Genau das bräuchte man heute wieder.
    Festanstellungen für Lehrbeauftragte und Wissenschaftler, denen ein Professorentitel gar nicht so wichtig ist. Die aber gerne eine planbare Zukunftsperspektive im Traumberuf Wissenschaft hätten. Die gerne Wissen und Können an den Nachwuchs weitergeben.
    Volle Zustimmung! Natürlich sind die Leute mit 30 selbst in der Lage, zu entscheiden, ob sie sich auf das Risiko Wissenschafts-Karriere einlassen oder nicht. Aber warum muss es überhaupt ein Risiko sein, wenn doch vielen mehr die Forschung an sich als die "Karriere" als Professor am Herzen liegt? Warum stellt man diese Leute nur vor die Wahl "alles" (Prof.stelle) oder "nichts" (Arbeitslosigkeit im höheren Alter oder ein erzwungenes Wanderleben)? Warum kann es keine festen Stellen dazwischen geben?

    Dabei profitiert die Wissenschaft nicht nur von den heutigen Allroundern, die sich schnell ins jeweilige Projekt einarbeiten können, sondern wahrscheinlich sogar mehr von echten Experten, die in jahrzehntelanger Arbeit erst echte Expertise in ihrem Fachgebiet erlangen konnten!

    Es ist schade, dass ein solcher Berufsweg in Deutschland heute nahezu unmöglich ist. Leider sieht es auch im Ausland nur marginal besser aus. Der Trend geht in D sogar zu mehr Befristung, wenn mein Eindruck nicht täuscht. Früher waren zumindest die technischen Assistenten und auch die gesamte Univerwaltung oft unbefristet beschäftigt - heute ist es selbst in dem Bereich schwer, noch etwas festes zu finden, auch weil Drittmittel eine immer wichtigere Rolle spielen.

    Das Schlimme daran ist auch, dass die Beschäftigten gegen ihre missliche Lage kaum protestieren können. Welcher befristet Angestellte kann ruhigen Gewissens an einem Streik teilnehmen (schon allein, weil ein Wissenschaftler angeblich nur für die Forschung zu leben hat...), welcher Doktorand eine angemessene volle Bezahlung für seine 60-Stunden-Woche mit 19-Stunden-Vertrag einfordern?
    Keiner. Danke deshalb für diesen Artikel.
  3. #102

    Zitat von Ulfgard Beitrag anzeigen
    Darum gehts doch net. Wären die tatsächlich so genial,
    dann gibts weltweit genug Orte um sich zu betätigen.
    Was soll ein gutausgebildeter Prof. in D. mit einem
    Hungerlohn von 3000 netto anfangen, wenn er z.B. in Asien
    oder Anderswo, das 5-fache mit niedrigeren Lebenshaltungskosten verdienen kann?
    Inwiefern kann ich mich als promovierter Germanist "weltweit" betätigen? Was Sie hier beschreiben, ist nur für ganz, ganz wenige Wissenschaftler Realität.
  4. #103

    Wirtschaftlicher Nutzen

    Man sollte aber auch immer die Gegenfrage stellen wo der wirtschaftliche Nutzen in der staatlichen Forschung ist.
    Wenn dieses Wissen von der Wirtschaft nicht angewandt wird, dann nuetzt diese ausschliesslich dem Promovierenden bzw. wissenschaftlichen Mitarbeiter. Anders sieht es aus, wenn diese Mitarbeiter auch verpflichtet sind in die Lehre zu gehen, aber dann schon etwas mehr als 2 SWS ...
    Definitiv braucht sich jetzt Deutschland keinen Beamtenapparat a la Griechenland an Forschern aufzubauen ... der dann wenig produktiv ist und es sich auf Kosten des Steuerzahlers gut gehen laesst und die Freiheit geniesst.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.

    Wissenschaftler in Nöten: Jung, talentiert, frustriert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
  5. #104

    Wirtschaftlicher Nutzen der Grundlagenforschung

    Zitat von metroid Beitrag anzeigen
    Man sollte aber auch immer die Gegenfrage stellen wo der wirtschaftliche Nutzen in der staatlichen Forschung ist.
    Wenn dieses Wissen von der Wirtschaft nicht angewandt wird, dann nuetzt diese ausschliesslich dem Promovierenden bzw. wissenschaftlichen Mitarbeiter. Anders sieht es aus, wenn diese Mitarbeiter auch verpflichtet sind in die Lehre zu gehen, aber dann schon etwas mehr als 2 SWS ...
    Definitiv braucht sich jetzt Deutschland keinen Beamtenapparat a la Griechenland an Forschern aufzubauen ... der dann wenig produktiv ist und es sich auf Kosten des Steuerzahlers gut gehen laesst und die Freiheit geniesst.
    Ich glaube nicht, dass z.B. Max Planck der "wirtschaftliche Nutzen" der Quantentheorie, ohne die es keine moderne Mikroelektronik, kein Internet, kurzum keine IT-Branche gäbe, bewusst war. Weitere Beispiele gibt es en masse.
  6. #105

    Wirtschaftlicher Nutzen der Grundlagenforschung

    Zitat von metroid Beitrag anzeigen
    Man sollte aber auch immer die Gegenfrage stellen wo der wirtschaftliche Nutzen in der staatlichen Forschung ist.
    Wenn dieses Wissen von der Wirtschaft nicht angewandt wird, dann nuetzt diese ausschliesslich dem Promovierenden bzw. wissenschaftlichen Mitarbeiter. Anders sieht es aus, wenn diese Mitarbeiter auch verpflichtet sind in die Lehre zu gehen, aber dann schon etwas mehr als 2 SWS ...
    Definitiv braucht sich jetzt Deutschland keinen Beamtenapparat a la Griechenland an Forschern aufzubauen ... der dann wenig produktiv ist und es sich auf Kosten des Steuerzahlers gut gehen laesst und die Freiheit geniesst.
    Ich glaube nicht, dass z.B. Planck, Schrödinger oder Heisenberg der "wirtschaftliche Nutzen" der Quantentheorie, ohne die es keine moderne Mikroelektronik & Lasertechnologie, kein Internet, kurzum keine IT-Branche gäbe, bewusst war. Weitere Beispiele gibt es en masse.
  7. #106

    Zitat von Ulfgard Beitrag anzeigen
    Darum gehts doch net. Wären die tatsächlich so genial, dann gibts weltweit genug Orte um sich zu betätigen.
    Was soll ein gutausgebildeter Prof. in D. mit einem
    Hungerlohn von 3000 netto anfangen, wenn er z.B. in Asien
    oder Anderswo, das 5-fache mit niedrigeren Lebenshaltungskosten verdienen kann?
    Viele Menschen mögen dieses Land, sind hier verwurzelt, haben Familie, möchten nicht ins Ausland gehen. Viele, äußerst hochqualifizierte Wissenschaftler haben hier in Deutschland keine Chance und würden gerne bleiben. Ebenso kenne ich einige Wissenschaftler in den USA die trotz höherer Bezahlung und besserer Möglichkeiten eigentlich gerne wieder zurück ins Heimatland gehen würden. Das ist schon bitter und verdammt blöd für das Weiterkommen unseres Landes.
  8. #107

    Zitat von Ulfgard Beitrag anzeigen
    Ab ins Ausland, dann klappts mit seinen Wünschen.
    Meine Kinder hatten ihr Diplom (Maschinenbau und Informatik)
    erst gerade in der Tasche, und .....
    Die sind ja ganz toll Ihre Kinder, fragen Sie ihre Kinder noch mal in 20 Jahren, wenn Sie alt sind und krank und Ihre Kinder dann ganz weit weg vom sterbenden Elternteil in China oder USA leben oder aber hier in Deutschland rumhängen und frustriert sind wegen der eingeschränkten Möglichkeiten. Genau das ist die Situation für ziemlich viele hochqualifizierte, die in ihren 20gern genauso toll und flexibel waren wie Ihre Kinder.

    Einen schönen globalisierten Lebensabend noch.
  9. #108

    Wiederkommen? Gerne, aber....

    Es wird suggeriert das im Ausland "alles besser sei". Aus eigener Erfahrung weiss ich allerdings das auch dort Forschungsgelder nicht unbegrenzt fliessen und das als Konsequenz Stellen gestrichen werden, eingeplante Lohnerhöhungen bei einer Beförderung ausbleiben und Drittmittel gekürzt werden.
    Was den deutschen Wissenschaftsbetrieb angeht so muss ich zugeben das ich diesem entflohen bin - promoviert in England und jetzt in den USA. Würde ich gerne zurückkommen? Ja, aber....wie den Einstieg finden in Deutschland? Die Anreise für ein Vorstellungsgespräch wird nicht bezahlt (hier ist es üblich), ebenso fehlen Beihilfen für einen Umzug. Meine Frau ist US-Amerikanerin, gibt es Hilfe bei den Behördengängen in Deutschland? Das Problem ist das deutsche Hochschulen meist keine Ansprechpartner für solche Probleme haben.
    Wie gesagt, ich würde gerne wiederkommen, aber....
  10. #109

    ...

    Zitat von metroid Beitrag anzeigen
    Man sollte aber auch immer die Gegenfrage stellen wo der wirtschaftliche Nutzen in der staatlichen Forschung ist.
    Wenn dieses Wissen von der Wirtschaft nicht angewandt wird, dann nuetzt diese ausschliesslich dem Promovierenden bzw. wissenschaftlichen Mitarbeiter. Anders sieht es aus, wenn diese Mitarbeiter auch .....
    Genau dieser Gedankengang bindet leider zu viele helle Köpfe und beschert uns mehrheitlich Erektionskrücken und Haarwuchsbooster. Nützlich für die Menschheit ist halt nicht immer Nützlich für die Wirtschaft.

    Obwohl, ich haette nichts dagegen wenn unsere 'wirtschaftlich nützlichen' Finanzjongleure nur einen Abakus zur Verfügung haetten.


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