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Wissenschaft in Gefahr: "Den Fressnapf der Forscher verschoben"

CorbisDie ständige Frage an Wissenschaftler nach dem Nutzen ihres Tuns beschneidet massiv die Freiheit der Forschung, sagt Gerd Folkers, Professor an der ETH Zürich. Die Praxis der Förderung von Staat und Stiftungen berge die Gefahr, der Findung des Neuen entgegen zu wirken.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-860141.html
  1. #1

    Genau das ist der Grund...

    ... wieso ich auch der Forschung ausgestiegen bin. Es ist auf Dauer anerträglich, bei allen Anträgen ständig mögliche Anwendungen und Geldquellen mit im Auge zu behalten und dazu verführt zu werden, viel mehr zu versprechen, als unter optimistischer Betrachtung möglich ist und die Arbeit dann mehr einem Entschuldigungsschreiben gleicht als einer wissenschaftlichen Arbeit. Schade, weil mir die Arbeit selbst eigentlich Spaß gemacht hat.
  2. #2

    Besser machen ist besser als wegrennen!

    Es wird Zeit, dass sich mehr Leute mit deutlichen Worten und Taten gegen dieses System wehren. Ganz besonders in der Pflicht sehen sehe ich ältere, etablierte Wissenschaftler, die nicht mehr auf Zeitverträgen sitzen und sich offenen Widerspruch leisten können. - Es mag sein, dass das jetzige System gerade für diese Gruppe noch akzeptabel funktioniert hat, aber für Jüngere ist es so aufreibend, dass sie eine Abstimmung mit den Füßen betreiben - wenn das Fach einen Gang in die Wirtschaft denn zulässt. Siehe oben! - Und die, die gehen, sind selten von ihrer Arbeit frustriert, sie gehen mit den besten Noten und immer noch sehr viel Überzeugung für die Sache. Schade!
  3. #3

    endlich!

    Es hat lange gedauert, bis diese Kritik endlich an die Öffentlichkeit getragen wurde.
    Warum ist man eigentlich in den vergangenen 20, 30 Jahren unkritisch auf jeden Benchmark-Unsinn aufgesprungen, wenn vom ersten Tag an in jedem Labor lautstark über den Schwachsinn geschimpft wurde?

    Ganz einfach: Forschungsglück ist schwer kalkulierbar. Selbst brillante Ideen und hoher Einsatz garantieren keine spektakulären Ergebnisse. Da war es einfach sicherer und planbarer, sich auf die Position in Rennlisten zu konzentrieren oder von Drittmittelgebern am Nasenring führen zu lassen.

    Welchem betriebswirtschaftlich eingenordeten Forschungsmanager lässt sich denn verständlich machen, dass in der Forschung der Weg (also das Belauschen der Natur) einen wesentlichen Teil des Ziels ausmacht?
  4. #4

    Bis dass der Groschen fällt

    In der heutigen Zeit der metrics für Alles und Jenes Zeit zum Denken und für Kurioses haben zu wollen ist vermessen. Forschungsknete gibt es zumeist nur noch für Sachen, die "was bringen", z.B. die Credits für ein Artikel in NATURE oder SCIENCE, in zwei Jahren zu "erwirtschaften". Was erwartet man da?? Allerdings, die Freiheit der Forschung gab es nie. Wenn es nicht das Geld ist, dann sind es die Gutachter, die bestimmen. Entweder man gehört dann zur Szene/Schule/Mainstream oder man schaut in die Röhre. Ein "Ich weiß zwar nicht, wozu das gut sein soll, aber es hört sich interessant an." findet man selten. Es muss aber auch Wissenschaft geben, die sich mit der Lösung von angewandten Problemen beschäftigt. Geistige Großzügigkeit ist angesagt.
  5. #5

    is halt was passiert wenn Ami Bizness-idiotie das Sagen hat

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die ständige Frage an Wissenschaftler nach dem Nutzen ihres Tuns beschneidet massiv die Freiheit der Forschung, sagt <i>Gerd Folkers</i>, Professor an der ETH Zürich. Die Praxis der Förderung von Staat und Stiftungen berge die Gefahr, der Findung des Neuen entgegen zu wirken.

    Forschung: Warum der Utilitarismus die Freiheit der Forschung bedroht - SPIEGEL ONLINE
    Das ist ja wirklich nicht so kompliziert: wenn die MBAs die Fuehrung sind, oder Direktverbindung zur Fuehrung haben, und mit ihrem Gestoehne von Shareholder-value jede Frage von langfristiger Planung oder Gemeinwohl uebertoenen koennen, dann kriegt man halt solche Resultate. Alles auf Gewinn heute getrimmt ? Jeder soll als Biznessmen denken, nachdem wir doch fuer eine Bizness arbeiten ? Dann wird halt Dreck gefressen.

    Diese Resultate sind als Existenzbeispiel haeufig in der Wirtschaft aktuell zu beobachten. Die andere Seite davon, Foerderung durch oeffentliche Gelder, glaubt das wenn sie auch schoen Bizness stoehnen oder als CEO regieren, dann werden sie zauberhaft effizient. Passiert aber nicht. Sie produzieren nur noch weniger.

    Leutchen, es funktioniert halt eben nicht, dass wir alle als anstrebenswertes Ziel haben, 'upscale' zu werden, also uns zu versichern dass wir von der erhabenen Klasse sind und nicht stattdessen von der verlierer-Klasse. Dass produziert den Muell den wir jetzt durchsortieren, 30 Jahre wert genau gesagt.
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die ständige Frage an Wissenschaftler nach dem Nutzen ihres Tuns beschneidet massiv die Freiheit der Forschung, sagt <i>Gerd Folkers</i>, Professor an der ETH Zürich. Die Praxis der Förderung von Staat und Stiftungen berge die Gefahr, der Findung des Neuen entgegen zu wirken.

    Forschung: Warum der Utilitarismus die Freiheit der Forschung bedroht - SPIEGEL ONLINE
    Nun, was der Autor nicht verrät, ist wie eine Mittelverteilung dann statt finden soll. Welches Kriterium soll nun entscheiden wer wo Professor wird? Jeder behauptet sich zu bemühen, jeder meint etwas Wichtiges zu machen.
    Am Ende bleibt eben nichts anderes übrig als entweder das Zählbare zu zählen, oder die Willkür entscheiden zu lassen.
  7. #7

    Die größte Gefahr besteht wohl darin,

    dass man die Erwartungshaltung der Sponsoren erfüllt.
    Das ist auch der Grund, dass die einen Klima"forscher" eine Abkühlung in Mitteleuropa prophezeien, die anderen Umwelt"wissenschaftler" eine Erwärmung.
  8. #8

    Gegenfrage

    Zitat von testthewest Beitrag anzeigen
    Nun, was der Autor nicht verrät, ist wie eine Mittelverteilung dann statt finden soll. Welches Kriterium soll nun entscheiden wer wo Professor wird? Jeder behauptet sich zu bemühen, jeder meint etwas Wichtiges zu machen.
    Am Ende bleibt eben nichts anderes übrig als entweder das Zählbare zu zählen, oder die Willkür entscheiden zu lassen.
    Wie war es denn zu Einsteins oder Planks Zeiten. Wie wurde denn da entschieden? Forschung ist eben Forschung, die kann sehr erfolgreich, vielleicht Jahrzehnte später, vielleicht Jahrhunderte, das kann man nicht wissen, sie kann natürlich auch erfolglos sein. Dieses Risiko muss eine Gesellschaft tragen, und dieses Risiko wurde bisher getragen, mit großem Erfolg, wie wir wissen.

    Seit über 20 Jahren kriecht überall dieser BWL/MBA Excel-Controling Schwachsinn hervor und macht sich breit und wichtig.

    Also bitte streichen

    - Astronomie, völlig anwendungsfrei
    - Mathematik, aber nur die reine Mathematik
    - Soziologie und Politologie sowieso
    - Germanistik, Anglistik usw. usw. weg damit
    - alle Orchideenfächer wie Indologie, Tibetologie einstampfen, überflüssig

    Mit dem Ersparten können wir ja noch ein paar BWL/MBA Universitäten aus dem Boden stampfen und natürlich Finanzmathematik, ganz wichtig und sehr anwendungsorientiert.
  9. #9

    Tipp

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die ständige Frage an Wissenschaftler nach dem Nutzen ihres Tuns beschneidet massiv die Freiheit der Forschung, sagt <i>Gerd Folkers</i>, Professor an der ETH Zürich. Die Praxis der Förderung von Staat und Stiftungen berge die Gefahr, der Findung des Neuen entgegen zu wirken.

    Forschung: Warum der Utilitarismus die Freiheit der Forschung bedroht - SPIEGEL ONLINE
    Selbstständigkeit, eigene Unternehmen gründen.Wie, geht nicht? Fragen Sie mal BWL' er, die finden ihr Wirken ebenso wichtig, wie die F&e ihres.muss eben alles in der Waage sein.








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