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Wirtschaftsgeschichte: Beim Nagel des Propheten

Irmela SchautzEiner musste den Job ja machen! In den bizarren Tätigkeiten vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte spiegelt sich der Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Autorin Michaela Vieser und die Illustratorin Irmela Schautz porträtieren ausgestorbene Berufe - wie etwa den Wanderprediger.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,842828,00.html
  1. #1

    das Phänomen ist institutionalisiert

    Heute heißen sie Conferencier oder Moderator, auch die Kabarettisten arbeiten ähnlich. Erst neulich wurde einer aus Rom eingeflogen, um das Unrecht auf der Welt zu geißeln, auch er völlig kostenlos. Andere verfassen Bücher, die einem Rattenfänger zur Ehre gereicht hätten, wie etwa dieser Sarazene, der nur der Ehre und Wahrheit zuliebe ein Pamphlet verfaßte, in dem er die Reichen und Unbelehrbaren ihrer fatalen Gier wegen an den Pranger gestellt hat.

    Betrachtet man die heutigen Wanderprediger und Gurus und ihre völlige Selbstlosigkeit, Armut und Anspruchslosigkeit zusammen mit ihrem Verlangen nach Gerechtigkeit und Wahrheit, so kommt man zwangsläufig zu dem Schluß, daß sich ihre Berufskollegen in grauer Vorzeit nicht wirklich anders aufgeführt haben werden. Eine Wassersuppe und ein Stück trockenes Brot reichte ihnen völlig aus, um wirklich glücklich zu sein.

    Die Menschen lieben Legenden. Egal ob die Heiligen jetzt katholisch sind oder Old Shatterhand heißen. Sie sind Ideale in Menschenform, praktisch unverkäuflich. Glorienerscheinungen und Idole ewiger Wahrhaftigkeit und Erlösung.
  2. #2

    der Mensch ist im Prinzip gut (Wirtschaftsgeschichte)

    Da fällt mir doch die Schilderung eines zeitgenössischen Beobachters in die Hände, in denen der Edelmut und der Altruismus von Wanderpredigern sentimental romantisch geschildert werden, vor allem ihre Bedürfnislosigkeit springt ins Auge:

    „Sie beschwatzen nicht nur Einzelne, sondern auch ganze Städte, die sich auf diese Weise durch Opfer von ihren Sünden reinigen wollen. Sie haben nicht nur Sündenerlaß für noch Lebende, sondern auch Weihen für bereits Verstorbene, um dieselbigen in der jenseitigen Welt von allem Bösen zu befreien. Sie behaupten dabei Schreckliches stehe denjenigen bevor, die sich weigerten, die Opfer zu errichten.“ Plato (427 - 347 v. Chr.)

    Bei Autoren steht die Frage im Vordergrund, wieviel Mühe sie sich gegeben haben. Also etwa die Frage: was bringt es, das Zeug zu lesen ? Gibt es etwas bis dato Unbekanntes zu berichten ? Oder bislang unerkannte Zusammenhänge ? Oder gibt es überhaupt einen relevanten Bezug zu dem jetzigen Leben ?

    Einen echten Interessenkonflikt gibt es zu allem Überfluß auch noch. Der moderne Wanderprediger wird normalerweise durch die Medien überhaupt erst bekannt und wirksam. Die Medien entscheiden also über seinen Wert, sie suchen sich den geeigneten aus. Wie die Verlage die Autoren. Oder die Rundfunkanstalten. Demnach gibt es nur noch gesteuerte Wanderprediger, wie bei den Adventisten oder Scientology auch. Oder bei den Parteien.

    Sofort fragt man sich, wie das früher war. Bei Hitler etwa. Wer hat sich den ausgesucht ?
  3. #3

    Andere Namen...

    Börsenguru, Wirtschaftsexperte (überhaupt Experten aller Art), Lobbyist ...
    Anderer Name, gleiches Kind.


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